Creeping.Death schrieb:
Aber wehe man bekommt als Neuware einen solchen (retournierten) Artikel zugeschickt - dann ist die Hölle los.
Einer meiner Brüder hatte damals bei MindFactory eine EVGA GeForce GTX 970 SSC GAMING ACX 2.0+ [04G-P4-3975-KR] geordert gehabt.
Als das Paket angekommen ist, ich selbst habe es ausgepackt, ist mir aufgefallen, dass die OVP ohne der üblicherweise überzogenen Folie dahergekommen ist. Bis dahin habe ich mir dabei noch nichts gedacht, weil es in meiner Konzentration auf etwas anderes völlig untertergegangen ist, aber als ich dann gesehen habe, dass das Siegel der antistatischen Folie, mit der die Grafikkarte verpackt ist, gelöst worden ist, bin ich erstaunt gewesen.
Die Hölle ist dann los gewesen, als die Grafikkarte in Betrieb genommen ist: Egal ob bis Windows-Boot oder Windows-Login, jedes Mal PC-Crash. Die Grafikkarte ist jedes Mal nach nur wenigen Sekunden abgewürgt. Ich habe sofort ein Problem am Stromanschluss oder der Spannungsregler vermutet. Als ich mir die Grafikkarte genauer angeschaut habe, ist mir die Aufschrift auf dem Etikett zuerst ins Auge gefallen. 1.) Es ist überhaupt keine EVGA GeForce GTX 970 SSC GAMING ACX 2.0+ [04G-P4-3975-KR], sondern eine EVGA GeForce GTX 970 SC GAMING ACX 2.0 [04G-P4-2974-KR]. 2.) Die werkseitig vormontierte Backplate [100-BP-3973-B9], die bei einer "Plus"-Variante hätte vorinstalliert sein müssen, hat gefehlt.
Mir ist sofort bewusst geworden, dass MindFactory die falsche Grafikkarte gesendet hat und ein defektes Modell sogleich. Allerdings hat das Fehlen einer Backplate auch etwas Gutes gehabt, mit der ich der Sachlage gezielt auf die Sprünge gekommen bin. Die bei einer "Plus"-Variante normalerweise durch eine Backplate verdeckte Unterseite des PCB hat mir klar gemacht, dass diejenige Grafikkarte schon einmal in Verwendung gewesen sein muss: An sämtlichen Lötstellen sind mir feste lichtdurchlässige Tropfen aufgefallen. Nicht lange darüber nachdenken zu müssen, ich habe sofort geahnt, dass es sich um eine ausgetretene verhärtete Viskosität aus dem Lötzinn gehandelt haben muss. Und dass die dort normalerweise nicht hätte sein sollen, das habe ich mir ahnen können, weil eine ebenso vorhandene EVGA GeForce GTX 970 SSC GAMING ACX 2.0 [04G-P4-2975-KR], der ich ihre Backplate [100-BP-0972-B9] bis zu diesen Zeitpunkt noch nicht spendiert gehabt hatte, erst kurz zum Zeitpunkt des Kaufes einer zweiten EVGA GeForce GTX 1070 FTW GAMING ACX 3.0 [08G-P4-6276-KR], keine solche Flecken aufgewiesen hat und das trotz schon nach etlichen Monaten der Benutzung.
Damit die Kühlflüssigkeit eines Lötzinns aus den Lötstellen eines PCB' von einer Grafikkarte austreten und verhärten kann, muss die Grafikkarte in Langzeit unter einer sehr hohen Temperatureinwirkung gestanden habem. Die Grafikkarte hat geschätzt schon zirka ein Jahr an Laufzeit auf dem Buckel gehabt und das unter erheblichen Temperaturen, die ich nicht kenne und die man beim Gaming in einem normalen System wohl kaum erziele. Ganz anders sehe es aus, wenn der Vorbesitzer der Grafikkarte ein Crypto-Miner wäre.
MindFactory hat sich zuerst stur gestellt und die Schuld auf den Kunden (uns) abgewälzt. Klar, all das rund um die Verpackung, den im Voraus bestandenen Defekt und die Festellung, dass es sogleich das falsche Produkt ist, habe ich mir ausgedacht. Wie erkläre sich dann die Tatsache, dass das PCB die Spuren von einer vorausgeganenen Strapaze zeige, die ich selbst nach nur wenigen Minuten in meinem Besitz, seit Erhalt durch den Postboten, nie und nimmer in so dermaßen heibführen hatte können. Es ist doch ganz offensichtlich, dass die VRM-Fehlfunktion der Grafikkarte die Folge von der verursachten Überhitzung durch ihren Vorbesitzer entstanden sein muss.
Ich will MindFactory weder Kalkül noch Wilkür unterstellen. Ich vermute, der Fehler ist Lager des Händlers passiert. Dass Waren mal vertauscht worden sind, falsch einsortiert worden sind, mitunter auch eine dysfunktionale Ware in der Abteilung von einer funktionalen Ware lande, das alles kann passieren, aber sich dennoch mit Dreistigkeit und Denunziation den Kunden über hinzustellen... Gut, das ist ein einmaliger Ausrutscher gewesen. MindFactory ist ansonsten bei einem jeden anderen Sachverhalt höflich und kulant aufgetreten. Aber das habe ich im Vorfeld schon gehört und auch gelesen gehabt, dass MindFactory kein so teadellosen Ruf genieße, wie man annehme, weil es womöglich häufiger vorkommen sei, dass so manche Grafikkarte einen Mangel aufgewiesen haben solle.