Microsoft ist eines der größten IT-Unternehmen der Welt. Wenn die ihren Laden mal in Ordnung bringen und feststellen, daß ihr Wachstum der vergangenen Jahre zu optimistisch war, dann wird halt die Zahl der Entlassungen gleich sehr groß.
Und wann man in großem Stil umstrukturiert, dann erledigt man die Entlassungen am besten auf einen Schlag. Leute zu entlassen ist - wenigstens in den westlichen Markwirtschaften, auch in Amerika - nämlich zu allererst Mal schweineteuer (Abfindungen, Sozialpläne, negative Presse, ggf. Auffanggesellschaften, etc.); sowas macht nicht mal eben und wenn möglich auch nur so selten wir möglich...
Für den einzelnen Betroffenen ist das dann natürlich mies, zumal in einer Wirtschaftslage wie aktuell, aber wer bei Microsoft war, dürfte fähig sein und fähige IT-Leute sitzen nicht lange auf der Straße. Viel schlimmer wäre es, wenn Microsoft ineffizient weitermachen würde und auf diese Weise das eingesetzte Kapital schlecht nutzen (aka niedrige Renditen erwirtschaften) und somit gesellschaftlichen Wohlstand vernichten würde.
Letztendlich gehören Microsoft Aktien sicher zu den Blue Chips und werden von zahlreichen Fonds, u. a. auch großen Penionsfonds gehalten. An erfolgreichen börsennotierten Unternehmen (also steigenden Aktienkursen) haben daher neben Bill Gates auch viele sogenannte "kleine" Leute ein Interesse.
Und schließlich wäre es für den Aktienkurs sicher noch besser, wenn MS sagen würde: "Hey, wir machen Rekordgewinne und müsen noch mehr Leute einstellen." Insofern honoriert die Börse nicht die Entlassungen als solche, sondern die Tatsache, daß ein Unternehmen Probleme (möglichst) rechtzeitig erkennt, um weiter solide und erfolgreich wirtschaften, also Kunden gute Produkte zu guten Preisen, Anteilseignern gute Verzinsung und Arbeitnehmern gute und sichere Arbeitspätze bieten zu können.
Naja... man lese sich einfach mal in die Literatur zur (Sozialen) Marktwirtschaft ein. Die Klassiker aus den
40er und
50er (Stichwort: Wirtschaftswunder, Vollbeschäftigung, Wohlstand für alle) wären ein guter Anfang.
Aber typischerweise berichtet die Presse halt weder über die vielen kleinen Einstellungen noch über die vielen kleinen Entlassungen. Nur big news und bad news sind eben good news, weswegen ausgerechnet die Menschen in den reichen, sicheren und erfolgreichen Ländern dieser Erde mehr Zukunftsangst haben und größeres Mißtrauen gegenüber ihrem Wirtschaftssystem, als all die anderen, die von unserem Wohlstand nur träumen können; immer wieder irgendwie absurd...