Offz ohne Studium ist noch möglich. Die Möglichkeiten Berufssoldat zu werden sind dann aber sehr beschränkt.
Es wird übrigens gemunkelt, dass die FA-Ausbildung auch umgestellt werden soll und dann ähnlich zum OAL ablaufen wird in den ersten 6 Monaten.
Grundsätzlich kann man sich natürlich streiten und sagen den Offizieren, die die Uni verlassen fehlt es an Truppenerfahrung, dafür müssen sich die Offz nach altem Ausbildungsstand erstmal wieder einarbeiten und das System war bei weitem nicht gerade flexibel. Ein Truppengattungswechsel ist jetzt (theoretisch) einfacher möglich, da noch keine Gelder in die Truppengattungsspezifische Ausbildung geflossen sind. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile, aber um die zu diskutieren, ist dieses Forum vielleicht der falsche Ort.
Um auf die Offz-Ausbildung an sich nocheinmal zu erwähnen, sei nur folgendes gesagt.
Es ist eine fordernde Ausbildung, die meisten erreichen ihre Grenzen, sowohl physisch als auch psychisch und nicht wenige werden diese auch weit überschreiten. Wer keine Lust hat sich nicht auch mal dreckig zumachen, sollte sich ganz schnell was anderes suchen.
Desweiteren sei gesagt, dass gerade die ersten 15 Monate der OA(Offizieranwärter)-Ausbildung sich in ganz Deutschland abspielen. Egal ob Hammelburg, Idar-Oberstein oder Munster, die meisten müssen weit fahren, um nach Hause zu kommen. Mal eben schnell Abends nach Hause fahren unter der Woche kann man vergessen, wenn man nicht gerade aus der Nähe kommt und auch dann, sollte man das eher lassen, da eigentlich keine Zeit ist für sowas. Sprachenlehrgang(Idar-Oberstein), Truppenpraktiktika(überall wo es AGA-Einheiten gibt) bzw. techn. Praktikum (Aachen) und dann die OSH sind über die ganze Republik verteilt. Gab nicht wenige Kameraden deren Beziehungen in die Brüche gegangen sind oder besser regelmäßig in die Brüche gehen. Man ist meist nur am Wochenende zu Hause, wenn überhaupt.
Das Studium ist einfach nur da, um die Verwendung attraktiv zu machen, es gibt ein paar wenige, die vielleicht später mit ihrem Studium was anfangen können, aber der Großteil ist Offizier und erst irgendwann später Ingenieur, Sozialwissenschaftler oder sonstwas. Auch mit techn. Studium und einer "technischen" Truppengattung läuft das ganze eher so ab, dass man organisiert und den Unteroffizieren die "Bastel"-Arbeit überlässt, während man selber mehr oder weniger am Schreibtisch sitzt und zusieht das der Unteroffizier alles hat, was er benötigt um seinen Auftrag zu erfüllen.
Man kann aber Karriere bei der Bundeswehr machen und nicht wenige auch in der zivilen Arbeitswelt, es gibt unheimlich viele Offiziere gerade in größeren Unternehmen, die gerne auf die Führungserfahrung zurückgreifen, die man in jungen Jahren gesammelt hat. Desweiteren lernt man mit vorsichtig mit dem Gerät umzugehen, welches man zur Verfügung hat. Es kann dann auch so sein, das man Veratnwortung über Gerät hat, welches mehrere Millionen Euro wert ist.
Allgemein zum Dienstbetrieb in der Truppe kann ich nicht soviel sagen, da ich noch in der Ausbildung bin und bisher nur in den spärlichen Truppenpraktika Erfahrung sammeln konnte.
Es gibt natürlich Dinge, die ziemlich nerven können. Grundsätzlich haben die meisten Truppenteile eher zu wenig Geld als zu viel, abgesehen von repräsentativen Einrichtungen, wie z.B die OA-Batallione, die dann auch wirklich alles haben, was man in der allgemein miltitärischen Grundausbildung gebrauchen könnte. Hat man dann das Glück und kann mal in andere Verbände reinschauen, fehlt oft schon Geld um genug Munition mit auf die Schießbahn zu nehmen, sodass jeder Rekrut dreimal schießen kann am Tag(Mit einer Waffe).
Dann der ewige Papierkrieg. Es gehen auch gerne mal Datenblätter verloren, wenn man versetzt wird, es gibt halt einige Baustellen. Die meisten Einheiten/Batallione/Verbände haben daher auch mehr oder weinger das Motto: "Wir machen aus Scheiße Erdbeeren"
Wichtig für das Offiziersein an sich ist halt, dass man gernde mit Menschen umgeht und auch eher ein "Leadertyp" ist, also auch mal Entscheidungen gegen Widerstände durchdrücken will und kann. Man sollte ein gesundes Verhältnis zum politischen System haben, also weder Rechts- noch Linksradikal. Den Rest kann man sich mehr oder weniger aneignen. Abgeneigt gegen Sport sollte man auch nicht sein.
Das wichtigste ist aber, dass man Spaß an der ganzen Sache hat. Ein Schlüsselerlebnis für mich war die Ausbildung von Rekruten. Man erklärt etwas theoretisch, macht es dann praktisch vor und die Rektruten machen es nach. Ausbildung beendet, zwei Wochen später im Biwak und die Rekruten wenden das Gelernte(zumindest meistens) an. Da kommt dann schonmal der Stolz hoch, dass man was vermitteln konnte, was die auch brauchten.
Auch die Kameradschaft ist was besonderes, es ist halt doch was anderes als das Kollege sein in einer Firma oder so. Man steht halt DInge gemeinsam durch, was schon ordentlich zusammenschweißt. Inzwischen möchte ich das Ganze nicht mehr missen, es macht Spaß, es ist fordernd und es wird anständig bezahlt. Hungern muss man nicht, wenn man zumindest halbwegs mit Geld umgehen kann.
EDIT:Ganz schön lang geworden, wollte mich eigentlich kürzer fassen.