Studium Fahrzeugtechnik – Erfahrungen/Berichte/Meinungen

Boedefeld

Lt. Junior Grade
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Apr. 2011
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Hallo,
ich werde wohl – wenn alles gut geht – im Juni mein Abitur machen und stehe nun vor der Qual der Wahl, was ich nach der Schule machen möchte.
Momentan sieht es sehr danach aus, dass ich mich für ein Fahrzeugtechnik-Studium einschreiben werde.

Nun würde es mich mal interessieren, ob es hier auf Computerbase einige Fahrzeugtechnik-Studenten gibt, oder welche, die das Studium schon abgeschlossen haben.

Speziell würde es mich mal interessieren, wie das Studium so aussieht.
Sprich: Wie sieht es mit Mathematik und Physik während des Studiums aus? Muss man der absolute Crack sein? (Habe Physik Leistungskurs in der Oberstufe immer mit einer 3 abgeschlossen)
Oder kann man sagen, dass man das Studium (hinsichtlich Mathe und Physik) mit etwas Lernaufwand schaffen kann und jetzt nicht das absolute Genie sein muss?

Wenn euch sonst noch etwas einfällt, dass man erzählt haben sollte nur her damit, ich bin gespannt über jegliche Tipps, Erfahrungen etc.

Einen schönen Abend und frohe Ostern!

Gruß,
Boedefeld
 
Mein Cousin hat die ersten zwei Semester Fahrzeugtechnik studiert. Von dem was ich da mitbekommen habe im Prinzip die Gleichen Grundlagen wie die meisten anderen technischen Ingenieurstudiengänge. Mathe, mehr Mathe, Physik, Mechanik, Werkstoffkunde.

"Etwas" Lernaufwand sagt absolut nichts aus.
Im Vergleich zu dem was man für das Abitur leisten muss, setzen die meisten Klausuren an der Uni/FH "etwas" bis "sehr viel" mehr Lernaufwand voraus. Gerade Mathe ist in solchen Studiengängen ein Sortierfach, Mathe ist nunmal eine nicht unwichtige Komponente für den überwiegenden Rest des Studiums.
 
Wobei zu sagen ist, dass du dich von solchen Berichten nicht abschrecken lassen solltest, das ist der größte Fehler den du machen kannst.
Habe damals auch "nur" angewandte Informatik studiert statt technischer Informatik (weil ich mich zu sehr einschüchtern ließ von Berichten im Netz, gerade wegen Mathe und Physik) und heute bin ich zwar glücklich mit meinem Studiengang, aber das andere hätte ich auch gepackt, da bin ich mir sicher.

Wenn du nicht gerade jeden Cent umdrehen musst und auch sonst nichts dagegen spricht, dann rate ich dir: fang an mit Fahrzeugtechnik, wenigstens die ersten zwei Semester solltest du dir ansehen.
 
Ich persönlich kann von der TU München sprechen. Da ist es so, dass die ersten vier Semester die härtesten sind, da haben alle Maschinenbau-Richtungen ihr gemeinsames Grundstudium. Und das ist einfach mal sehr theoretisch orientiert. Mathematik ist dabei gar nicht so die Hürde, sondern eher Technische Mechanik und Thermodynamik.

Als wichtigste Voraussetzung für das Studium würde ich die Fähigkeit und auch den Willen bezeichnen, sich in abstrakte Zusammenhänge hineinzudenken. Da kann sich schon mal die Herleitung einer Formel über eine Seite lang hinziehen, voll mit Vektorrechnung, differentiellen Größen und verschiedensten Ableitungen (Gradient, Laplace-Operator etc.). Oder das man auch mit Größen wie Entropie rechnet, worunter man sich eigentlich nichts darunter vorstellen kann. Das ganze ist auch noch in einem Tempo, sodass man die ganze Oberstufe in einem halben Semester unterbringt. Sicher, leicht ist das ganze nicht, aber dennoch machbar. Das setzt jedoch voraus, sich mit der Materie weit mehr als mit "blindem Auswendiglernen" auseinanderzusetzen.

Diese theorielastige Ausbildung ist praktisch an allen TUs die gleiche. Das ist auch das, woran eigentlich die meisten Leute scheitern. Meinem ersten Eindruck nach wirst du dich an einer TU eher schwer tun. Du musst damit rechnen, dass da etwa die Hälfte aller Leute in Mathe und Physik in der Schule im Schnitt eine 1,x Note hatten. Ich würde auf alle Fälle auch die Option FH ernsthaft prüfen, gerade wenn dich mehr die praktische Seite interessiert. Wobei andererseits gibt es auch genug Leute, die in der Schule in Mathe nie sonderlich gut waren und im Studium erst so richtig aufblühen. Einer an meinem Lehrstuhl kommt nämlich von der Hauptschule, hat über Lehre den zweiten Bildungsweg eingeschlagen und schreibt gerade seinen Doktor über Schwingungen im Antriebsstrang. Von dem her: möglich ist vieles, aber ein Studium ist in jedem Fall mit viel Arbeit verbunden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich wollte mit meinem Bericht jetzt nicht abschrecken. Grundsätzlich bin ich der Meinung das jeder der an einem Studium interessiert ist und es sich finanziell erlauben kann es versuchen sollte. Im dümmsten Fall braucht man 1 oder 2 Jahre seines Lebens um festzustellen das man dafür nicht geeignet ist.
Wer aber wirklich will kommt in der Regel auch durch ein Studium. Unter dem Strich unterscheidet sich nur der Aufwand den jemand treiben muss mitunter drastisch zu dem Aufwand anderer Studenten.

In den meisten Ing-Studiengängen kann man davon ausgehen das nach bestandenem Grundstudium (wie heißt das beid en Bachelors?) den Rest fast als Formsache angehen kann.
 
Necrol schrieb:
In den meisten Ing-Studiengängen kann man davon ausgehen das nach bestandenem Grundstudium (wie heißt das beid en Bachelors?) den Rest fast als Formsache angehen kann.
Bachelor! Vor-sonstwas gibts nicht. In Karlsruhe jedenfalls wird man auch in Semester Nr.5 im Studiengang Elektrotechnik mit Pflichtveranstaltungen wie "Halbleiterbauelemente" belästigt, die dieses Jahr zur Hauptklausur immerhin 38,3% Durchfallquote hatte. Da im fünften Semester die Leute, die es gar nicht draufhaben, bereits weg sind, ist das jedenfalls keine 'Formsache' die zu bestehen. Das sechste ist dann aber mit Bachelorarbeit und Wahlveranstaltungen kein Hindernis mehr. Deswegen würde ich einfach mal den Bachelor als Grundstudium bezeichnen.
 
Necrol schrieb:
In den meisten Ing-Studiengängen kann man davon ausgehen das nach bestandenem Grundstudium (wie heißt das beid en Bachelors?) den Rest fast als Formsache angehen kann.

ich kann das Gegenteil berichten.
nach 4 Seme. Grundstudium sind bei uns 1/3 weg (bzw. noch keine "Zulassung" für das Hauptstudium wegen 2 fehlenden Fächer).
das Hauptstudium ist schon n tick härter. Da müssen wir 2 Studienarbeiten à 400 Stunden Bearbeitungszeit (70 Seiten) abliefern. Diese müssen nebenbei laufen und sind sehr zeitaufwändig! Ich weiss net wie du darauf kommst, dass das Hau.studium zum Selbstläufer wird! :o
 
Eigene Erfahrung in meinem Studium. War allerdings noch Dipl-Ing und parallel dazu das gleiche Programm für Leute die am Ende nen Bachelor auf dem Zeugnis stehen haben.
Bei uns gab es im Hauptstudium eigentlich nur Mess- und Regelungstechnik wo regelmäßig größere Durchfallquoten (~40) zustande gekommen sind. Allerdings meistens weil der Prof meinte "Ich habe die Klausur abgewertet, sonst wäre die zu gut ausgefallen". Daneben war der ganze Rest vom Lernaufwand den man für Mathe 1 und 2 und evtl Technische Mechanik investieren musste überschaubar.

Dazu kam eine Projektarbeit die in Gruppengrößen 2 bis 3 Leute bearbeitet werden sollte und in etwa den Umfang einer Diplomarbeit haben musste. Zwar nichts was man mal eben nebenbei macht, aber auch nichts was einem die Beine bricht. In meinem Fall ist daraus ein Praxissemester geworden.
 
Ich danke euch für eure zahlreichen Antworten!

Wenn ich das richtig verstanden habe kann man sagen, dass das Studium (wie alle Ingenieursstudiengänge) sehr anspruchsvoll und zeitintensiv ist, man es aber mit Lernaufwand schaffen kann. Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden? :)

@ Necrol (gerne auch die anderen): Was heißt denn genau Projektarbeit? Heißt das dann etwas theoretisch bearbeiten oder kann man sich das wirklich praktisch vorstellen, das man ein Modell entwickeln muss? (Oder ist das unterschiedlich?) Ich kann mir das Studentenleben irgendwie noch nicht so recht vorstellen... :D
 
Projektarbeit heißt in dem Sinne das man sich eine Aufgabenstellung sucht, sei es von Profs oder von Firmen und diese in einem sehr grob definierten Umfang bearbeitet und diese Arbeit in der Regel auch Dokumentieren und Präsentieren muss.
Die Themen sind/waren sehr vielfältig. Konstruktive Aufgaben, Simulation und Animation von Motoren, Schadensanalysen an einem Bauteil, Optimierung des Materialflusses im Lager einer Firma, Bauteiloptimierung in Sachen Leichtbau.
 
Wow, erstmal vielen Dank für die schnelle Antwort! :)

Und wie lange hat man in der Regel dann Zeit für eine solche Hausaufgabe?
Ich stell mir das jetzt so vor, dass man dafür sehr viel Zeit bräuchte, die man dann aber von der Uni aus sicherlich nicht bekommt?
 
Angesetzt waren die Aufgaben bei uns im Prinzip mit "1 Semester so nebenbei".
 
wie hier schon angesprochen wurde beinhaltet der studiengang alle anforderungen eine ingenieurstudiengangs, sei es maschbau oder etechnik (wird eher maschbau sein). Leider liegt genau hier der nachteil du kannst zu anfang unmöglich wissen ob dir diese richtung in die fahrzeugtechnik zusagt, du wirst im nachhinein schwerigkeiten haben die richtung zu wechseln. Es ist z.b. viel einfacher und auch praktikabler maschbau anzufangen. Im master kannst du dich immernoch die farhzeug richtung einschlagen oder auch eine ganz andere, im laufe des studiums merkst du vieleicht das dich andere bereiche eher ansprechen. warum sich also schon zu anfang festlegen?
 
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