Tote bei Loveparade

Trotz all dem Fehleverhaltens kann ich den OB immer noch sehr gut verstehen und kann sein Verhalten nachvollziehen.
Ich meine, wie würdet ihr reagieren wenn euch der Tod von 21 Menschen zur Verantwortung vorgelegt wird?
Das dieser Mensch wohl nicht mehr in seinem Leben (und beruflich) glücklich wird steht ausser Frage. Er könnte auch gut für eine sehr lange Zeit einfahren, je nach dem was die Ermittlungen ergeben. (Schlagt mich, ist das hier fahrlässige Tötung, Höchststrafe 10 Jahre?)
Also ich an seiner Stelle, mit diesen Zukunftsaussichten, würde ich anders reagieren? Ich glaube nicht. Denn bei einer Abwahl würde zumindest meine finanzielle Zukunft gesichert sein.
Und auch ich wäre sehr Vorsichtig mit einem zurücktreten wenn der Tod von 21 Menschen in einer Gerichtsverhandlung auf mich warten würde.

Wie gesagt, ich kann sein Verhalten absolut verstehen. Ob es das moralisch Richtige ist, ist wohl ehr fraglich.

PS: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs gänzlich ungeniert.
 
Zuletzt bearbeitet:
Er tut, für sich gesehen, genau das Richtige.
Bevor er sich selber belastet, durch irgendwelche, in der Situation entstandenen Falschaussagen etc.
Ist eigentlich für alle Beteiligten besser. Egal wer was sagt, es kann zum Verhängnis werden.
Von dieser Seite her, kann ich die auch irgendwie verstehen.
Schließlich wird der- bzw. diejenigen nich grad mit nem Blauen Auge davon kommen.

Wenn man die andere Seite nimmt, ist es für die Angehörigen der Verletzen und Opfer,
wahrscheinlich nicht so prall, dass alle nu Ruhig sind und abwarten was bei den Ermittlungen raus kommt.

Allerdings macht ein der Medienrummel darum auch echt wieder bekloppt.
Da wird jede Träne genommen, jeder Vollpfosten vor die Kamera gezerrt um was zu haben.
Klar sollte man darüber berichten... aber die Art und Weise, die die Medien bei so was an den
Tag legen, ist teilweise noch übler als das ganze Geschehen selber.
 
estre schrieb:
Die Tatsache, dass der Veranstalter nichts zu Aufklärung beigetragen hat steht ja ersteinmal nicht zur Debatte und war auch nicht Gegenstand meiner Argumentation...

Aber meiner. Ich finde es schlimm, wenn sich jemand wie der Veranstalter an die Öffentlichkeit wendet, um sich selbst besser darzustellen. Da empfinde ich Sauerlands Stellungnahme als bedeutend feinfühliger:

http://www.duisburg.de/news/102010100000331434.php

Hier stellt er sich als Person nicht in den Vordergrund, sondern die notwendigen Ermittlungen, auch gegen sich selbst. Er gibt auch an, die Konsequenzen ziehen zu wollen. Schaller hingegen hat sich selbst aber nichts vorzuwerfen und greift andere Parteien an, um die Verantwortung von sich schieben zu können. Und das, obwohl er noch keine Ermittlungsergebnisse kennt, die zu diesem Zeitpunkt ja auch nur der Staatsanwaltschaft teilweise vorlagen.

estre schrieb:
Tatsache ist halt, dass er rein theoretisch über alle Vorgänge firm sein müsste, dies klären ja die ganzen Protokolle die er scheinbar in CC erhalten hat...

Nochmal: arbeite Du mal an einem Großprojekt dieser Art und versuche, aus all den Informationen ein klares Bild zu machen. Es ist schlichtweg unmöglich, da zu viele Parteien beteiligt sind, die unterschiedliche Interessenslagen haben und deshalb auch zueinander inkonsistent argumentieren.

estre schrieb:
Es wäre auf der anderen Seite natürlich auch ein starkes Stück ihm zu unterstellen, dass er mit dem Wissen über die gesammelten Sicherheitsbedenken sich doch für die Loveparade entschieden hat, sozusagen seines Egos wegen. Wenn soetwas bei den Ermittlungen rauskäme wäre nicht abzusehen was ihm blühte...

Naja, was soll ihm dann blühen? Rücktritt und Anklage(n) eben. Und momentan ist in feiner BILD-Manier eben alles denkbar. Von Sauerland als Egomane über "ich wollte doch nur Duisburg retten" bis hin zu "Sauerland in Wirklichkeit Außerirdischer!". Deshalb bin ich auch für Aufklärung und nicht für unsinnige Rücktrittsforderungen, die die Konzentration von Sachfragen auf affektive und persönliche umlenkt.
 
Deliberation schrieb:
Nochmal: arbeite Du mal an einem Großprojekt dieser Art und versuche, aus all den Informationen ein klares Bild zu machen. Es ist schlichtweg unmöglich, da zu viele Parteien beteiligt sind, die unterschiedliche Interessenslagen haben und deshalb auch zueinander inkonsistent argumentieren.

Das größte Interesse bei solch einem Großevent ist in erster Linie mal die Sicherheit der Beteiligten, wenn dies ein OB nicht erkennt und nicht abwägen kann welche Meinung von welchen Instanzen zu diesem Thema wichtig ist, dann gehört er nicht in dieses Amt..... so umfangreich wie du es vermutest ist es mMn nach aber nicht, es gibt mehrere Parteien klar, aber unterm Strich ist die Frage der Sicherheit ziemlich eindeutig....
 
Ich komme mir vor wie beim Fußball. Sobald WM ist, hat jeder einen Bundestrainer gefressen. Ihr wärt überrascht wie komplex so ein Thema sein kann, wenn ihr es auch noch im Vorfeld bearbeiten müsst! Eindeutigkeit ist schon schwierig, wenn eine Person beteiligt ist. Bei einigen hundert Tausend bis Millionen Besuchern ist nichts eindeutig. Wäre ja auch seltsam, wenn dem so wäre.

Aber warten wir doch einfach mal die Ermittlungsergebnisse ab, dann sind wir alle schlauer und müssen nicht spekulieren. ;)
 
Ja schon klar, es ist derbe umfangreich, vor allem in Fragen was die Kosten des Getränke und die maximale Lautstärke der Musik in dB anbelangt etc...:) ..... aber wie gesagt, ob es klug ist mehrer Hunderttausend in einem eingezäunten Areal feiern zu lassen und den Zugang auf den besagten Tunnel zu begrenzen ist eine Frage mit der man sich ernsthaft beschäftigen muss, dass so ein Projekt sehr umfangreich ist hat damit garnichts zu tun.

Wenn in unserem Unternehmen eine neue Software eingeführt wird, dann überprüfen unsere Spezialisten diese auch ersteinmal auf Tauglichkeit und müssen stets dafür sorgen dass der Fachbereich (die Anwender) zufrieden sind, ganz egal wie umfangreich dieses Projekt ist .... da kann im Nachhinein auch niemand sagen ,,sorry, ich habe den Überblick verloren'' oder ,,tut mir leid, aber viele Köche verderben den Brei, ich wusste nicht wie ich mich entscheiden soll'', da werden die Anwender mit Recht fragen was denn der Projektleiter die ganze Zeit gemacht hat :) ....
 
Mal davon abgesehen, dass niemand stirbt, wenn die Software nicht funktioniert. Und mal ehrlich, reibungslos funktioniert ein neues System nach der Einführung auch nicht, egal wie lange man es vorher durch Spezialisten hat durchnudeln lassen. Wäre jedenfalls das erste System, von dem ich sowas höre. ;)
 
Neue Entwicklung:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,709716,00.html

Das kann man jetzt auf zwei Arten auffassen:

1. Er will sich abwählen lassen, damit er Gehaltsfortzahlungen und Pensionen erhält oder
2. Er stellt damit grundsätzlich klar, dass er sich einem Abwahlverfahren stellen würde.

Variante 1 fänd ich schändlich, bekäme er doch weitere vier Jahre einen Großteil seines Gehalts. Wenn ich einen so schrecklichen Fehler in meinem Job machte, bekäme ich lediglich die Kündigung. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum dies bei Politikern anders sein sollte.

Variante 2 wäre hingegen kaum verwunderlich und nichts neues. Oder muss man heutzutage einverstanden sein, wenn andere einen abwählen? Das ergäbe jedenfalls keinen Sinn.
 
wenn man es genau nimmt, gibt es jede menge schuldige. das kann man nicht auf 2-3 personen abwälzen, so einfach funktioniert hier die rechtssprechung nicht. könnte eine weile dauern, bis ein endgültiges urteil gefällt wird.
 
Variante 1 fänd ich schändlich, bekäme er doch weitere vier Jahre einen Großteil seines Gehalts. Wenn ich einen so schrecklichen Fehler in meinem Job machte, bekäme ich lediglich die Kündigung. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum dies bei Politikern anders sein sollte.
Genau du würdest lediglich die Kündigung bekommen. Wenn der gute OB zurücktritt, verlöre er auch automatisch seinen Beamtenstatus und würde sämtliche Pensionsansprüche aus seiner OB & Lehrerzeit komplett verlieren, würde als nur noch ne Mindestrente kassieren. Da kann ich den OB schon nachvollziehen, das ist auch einfach ne dicke Lücke in der Beamtenverordnung, das haben auch andere Städte schon erlebt, dass der OB an seinem Amt geklebt ist (hauptsächlich aus diesen Gründen). Zumal er sich sicherlich auch nicht die alleinige Schuld vorwerfen lassen muss.

Zumal ich es mittlerweile albern finde, alle Kritik auf den OB abzuladen. Macht es halt für die Medien einfacher, wenn man jemanden hat, auf den man mit dem Finger zeigen kann. Schaller kann man ja schlecht zum Rückzug aus seinem eigenen Unternehmen zwingen, also sucht man sich lieber nen leichteres Opfer...

Auf die Idee aufzufordern sich abwählen zu lassen hätte der OB allerdings auch schon etwas früher kommen können oder er hätte theoretisch auch sein OB Amt abgeben können und weiter als Lehrer arbeiten können.
 
Wer würde in so einer Situation nicht versuchen, seine Ansprüche auf Altersleistungen möglichst umfassend ins Trockene zu bringen? Ich kann sein Verhalten nachvollziehen.
 
Das wurde jetzt schon x-Mal thematisiert. Hat jemand dazu nähere Infos? Also welche Ansprüche verliert er aus welchen Gründen genau?
 
Du schaust glaube ich an der falschen Stelle:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,709217,00.html

Und ich glaube du darfst ausnahmsweise mal SZ, Spiegel, RP-online, DerWesten und dem Bund der Steuerzahler glauben. Das ist einfach eine Lücke im Landesbeamtengesetz, ein Wahlbeamter (das mag auch hier der Unterschied sein, dass er eben ein "Wahlbeamter" ist, was das auch immer für juristische Spitzfindigkeiten nach sich zieht) kann nicht einfach zurücktreten, er muss komplett aus dem Beamtentum entlassen werden. Das ist wie gesagt in NRW schon ein paar Mal vorgekommen z.B. in Wuppertal.

EDIT: Naja die Posten dürften größtenteils mehr oder weniger an sein Amt gekoppelt sein. Als OB is man halt automatisch bei den Stadtwerken etc. mit drin, die wird er wohl alle abgeben müssen. Und wie kommst du auf 26K im Monat. Er bekommt 10.000+x als Beamtengehalt und 16K im Jahr durch irgendwelche andere Posten.
 
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Danke für den Link. Das ist ganz schön deprimierend:

Außerdem nehme er rund 50 zum Teil gut dotierte Mandate in Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräten sowie Verbänden und Vereinen wahr.

Und das zusätzlich zu 26T Euro monatlichem Einkommen. Sorry, dann verstehe ich seine Weigerung des Rücktritts aus Angst vor Verarmung nicht wirklich. 50 Posten zusätzlich, das ist so lächerlich...
 
Bei der ganzen Kritik an Politik und Veranstalter.
je mehr Szenen ich sehe, desto mehr stimmt mich das Volk bedenklich, was trotz wiederholten Aufforderungen, trotz der Ausmaße welche sich für einen rational denken Menschen offenbarten immer mehr in diese Sackgasse strömten, Barrikaden Niederungen, sich dabei als Helden feierten und die Polizei mit Hohn und Spott segneten.
Auch wegen solchen Menschen, welche wiederum anderen Menschen als Vorbilder dienten weiter zu drängen, kam es dazu.
Da wurden Schneisen welche für Krankenwagen geschaffen wurden einfach genutzt um weiter aufs Gelände zu kommen und nicht weil man sich schützen wollte, sondern weil man seinen Exzess ausleben wollte, da muss man sich doch an den Kopf fassen.
Es kamen immer wieder Warnungen, immer wieder Aufforderungen der Polizei per Megaphon, die wurden ausgepfiffen und ausgebuht, umkreist, teilweise entstanden mutwillige Sachschäden.
Da stellt sich auch die Frage wann die Polizei durchgreifen darf und wann hier wieder von polizeilicher Gewalt gesprochen wird, diese hätte bei konsequenterer Durchsetzung Leben retten können.
Das natürlich die Quelle die misslungene Organisationen und Kalkulieren war steht außer Frage, jedoch finde ich sollten die Medien auch das beleuchten, anstatt absatzsteigernde Hetzkampagnen zu veranstalten.
 
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Eine Person ist ein Mensch, zwei oder mehr sind ein Mob. Etwas überspitzt aber die Psychologie von Massenveranstaltungen, mit denen Veranstalter planen müssen.
 
Deliberation schrieb:
Eine Person ist ein Mensch, zwei oder mehr sind ein Mob. Etwas überspitzt aber die Psychologie von Massenveranstaltungen, mit denen Veranstalter planen müssen.

Rechtfertigt das so ein Verhalten? Mich stimmt es nur als zusätzliche Komponente sehr bedenklich und ich kann die Hilflosigkeit der Polizisten und Sanitäter vor Ort verstehen.
Gehör wird einem nicht geschenkt, bis es zu spät ist und von solchen Leuten kam nach der Loveparade auch Kritk an Ordnungskräften in diversen Reportagen in den letzten Tagen.
Wie gesagt da fass ich mir an den Kopf.
 
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