Ich finde auch, dass man bei weitem die Lehrer überbeschuldigt. Sie sollen auf der einen Seite jeden Schüler individuell fördern, auf der anderen Seite platzen die Klassen mit 30 Schülern aus allen Nähten. Wenn ich sehe, dass an unserem Gymnasiumin den siebten Klassen durchgehend 33 Schüler sind, die dann bis zum Abitur abbauen, dann sehe ich, dass genau in dieser kritischen pubertären Phase zuviel auf einen Haufen kommt.
Und es ist ja nicht nur das. Ich kann nur von Berlin sprechen, aber hier bricht das Chaos aus. Die Lehrer sind gewzungen, Schüler mit einem gewissen Durchschnitt eine Empfehlung für das Gymnasium, für die Gesamt/Realschule oder die Hauptschule auszugeben. Das ist aber total unabhängig von der persönlichen Einschätzung. Ein Schüler, der sich gerade so auf 2,3 in der sechsten Klasse zwängt, wird erstmal ans Gymnasium verwiesen, obwohl offensichtlich ist, dass er keine Chance hat. Noch schlimmer ist, dass Schüler versetzt werden müssen. Demnächst bleibt eben keiner mehr sitzen, Lernbehinderte kommen an normale Schulen und alle möglichen Leistungssparten werden in eine Klasse gepfercht.
Was soll das denn? Am besten ist dann noch, dass es demnächst in der 2ten, 4ten udn 6ten Klasse Vergleichsarbeiten geben soll. Ganz toll, bei einem Lehrplan, der nur zu 60% festgelegt ist und zu 40% von jeder Schule selbst bestimmt wird. Wie kann man sowas machen? Soll das repräsentativ sein? Das ist der gleiche Mist, wie das Abitur nach 12,5 Jahren, in das ich hätte fahren sollen. Das erste Halbjahr der 11ten Klasse bleibt normal, dann geht die Kursphase los. Und was soll das bringen? Soll ich mich dann im Winter irgendwo an einer Uni einschreiben? Zumal, wie soll der Lehrplan gequetscht werden, wenn einfach mal ein halbes Jahr gestrichen wird?! In der elften Klasse geht es schon so zügig durch den Stoff, das hat nichts mehr mit "wenn ihr fertig seid, dürft ihr malen" zu tun...
Ich denke, man kann die Aufgaben der Eltern nicht Schritt für Schritt auf andere übertragen. Es werden nur immer Ausreden gesucht, weil die einzelnen Teile unserer Gesellschaft einfach nicht mehr fähig sind, ihren Teil zu erfüllen. Sündenbock sind dann immer die, die es augenscheinlich am Besten haben. Der Lehrer zum Beispiel, der hats doch gut, 24 Unterrichtsstunden in der Woche, hoch, eigentlich ein toller Halbtagsjob. Dem können wir richtig was aufbrummen, Schüler sind weder stressig noch hat der Lehrer außerhalb der Schule etwas für die Schule zu tun...