Ich halte die religiöse Sicht auch für Quatsch, bzw. halte Religion für einen Luxus, den wir aufgrund unseres Gehirnwachstums und der daraus resultierenden Fähigkeit zur Entwicklung von Technologie entwickelt haben. Es ist quasi ein Auswuchs der Evolution, den es nicht braucht. Also ich habe nichts gegen Glauben, der gibt Menschen Kraft und Vertrauen, was etwas Gutes ist. Aber ich glaube nicht unbedingt an einen Gott. Gott ist ein Begriff für mich, der der Erklärung des bisher unerklärbaren dient. Es meint das Gleiche, da ist es mir egal, ob man ihn Gott, Allah oder Herr nennt.
Aber darum geht es ja gar nicht.
Wenn jemand den verlinkten Bieri-Text wirklich gelesen hat, wird die Fragestellung klarer. Ich versuche es mal auf wenige Zeilen zu kürzen.
Er spielt das Gedankenexperiment durch, dass das Gehirn maßstabsgetreu vergrößert wird und eine Art Fabrik darstellt, durch die man hindurchgehen kann. Dabei gibt es einen Führer (im Sinne von Fabrikführer, keine Nazis

), der auf dem neuesten Stand der Wissenschaft ist, besonders eben Neurologie etc. Bieri hat bis vor kurzem auch noch an der FU gelehrt, ist also kein Anachronismus.
Hier kann man durch das ganze Gehirn gehen und sich alle Synapsen erklären lassen und die Beziehungen erklären und so weiter. Gehirnchemie ist reine Mechanik. Ich verwende weiterhin den Begriff der Gehirnchemie, auch wenn vieles Physik ist, das ist in dem Sinne auch nicht so wichtig.
Vieles ist determiniert, wie das was ich oben geschrieben habe. Reaktion erzeugt Reaktoin, erzeugt Reaktion... Das muss dann vorhersehbar sein. Aber Menschen sind das nicht. Reaktionen durch Gefühle sind klar (Herzschlagen bei Angst und Liebe, Schnaufen und Muskelanspannung bei Wut). Auslöser von Gefühlen auch. Nur warum wir Gefühle haben und sie beurteilen können, das ist die Frage. Warum beeinflusst etwas physikalisch unbestimmbares unser Handeln?
Beispiel. Man ist in einer Beziehung (auf klassischer Art und Weise). Die Freundin knutscht mit einem anderen rum, man sieht das, schnauzt die Freundin an und haut dem anderen Typen aufs Maul. Die Kausalkette ist klar. Liebe, man erwartet Vertrauen, das Vertrauen wird verletzt, die Freundin baut mist, man empfindet Wut und reagiert entsprechend. Klar senden die Gehirnzellen die Signale, aber das ist nur Chemie, das sind leblose Moleküle die aus Atomen und Elektronen und Neutronen bestehen die den Regeln der Physik folgen.
Warum kann ich denn dann auch anders reagieren? Wenn es NUR Chemie ist, kann ich doch genauso gut die Freundin wegziehen und zur Rede stellen, ohne dem Typen aufs Maul zu hauen. Ich kann mich auch zwischen beide setzen und versuchen, mit beiden darüber zu reden. Du ey, was ihr da macht, das find ich nicht so dufte.
Ein und der selbe Mensch reagiert unterschiedlich in eigentlich gleichen Situationen. Ich spreche hier von einem durschnittlich begabten, halbwegs normal intelligenten Menschen, kein Neuköllner Asi, der sowieso nur mechanisch durch die Gegend wabert und fürs auf die Straße rotzen Respekt will. Nur warum?
Befinden wir uns in der Fabrik, passiert es, dass eine Situation eintrifft, die gleichen Synapsen mit der gleichen Information gefüttert werden und somit das gleiche Programm ausgeführt wird. Aber für das Gefühl ist da kein Platz. Der Endeffekt ist einfach, dass Physik keinen Raum für Emotionen lässt. Ebenso wenig wie Chemie. Wann sagt denn bitteschön die Salzsäurelösung "Ne du, heute lös ich das Teil nur zur Hälfte aus, das tut mir leid, aber mit der anderen Hälfte hab ich Mitleid".
Das Gehirn ist aber zu so etwas fähig. Ich rede mit einem Menschen über etwas, ich setze ihn außer Gefecht oder ich töte ihn. 3 Optionen der Konfliktbewältigung und dazwischen gibt es noch eine Million andere, aber alle durch das gleiche Gehirn ausgespuckt.
Und da kommt der unverständliche Teil, das was Loopo sagte, wir sind zu "edlen" Gefühlen und Handlungen fähig. Aber es gibt keine Erklärung, denn es gibt immer noch den "missing link" in der Kausalkette, den man nicht begreifen kann. Es ist unzweifelhaft, DASS sich alles im Gehirn abspielt, Die Theorie, dass der Geist im Herzen sitzt, ist durchaus widerlegt. Es ist nur immer noch die Frage WIE es funktionieren kann. WO es stattfindet, kann man ja auch sagen. Aber selbst bei dem eng eingeräumten Rahmen, gibt es keine plausible Erklärung, warum Emotionen eine Wirkung haben, da sie physikalisch und chemikalisch nicht greifbar sind.
Ach und wenn das noch wer liest

Was Loopo zum Geist sagt, die Seele und der Geist sind im Grunde das Gleiche. Es ist der Sitz des Ichs, der Gedanken, der Gefühle und so weiter. Nur Seele ist religiös aufgeladen, und somit für die Philosophie nicht wissenschaftlich. Wenn man in der Philosopühie von Geist spricht, ist es aber das, was in der Theologie Seele genannt wird. Hier haben wir eine Begriffsunschärfe, bzw. um eine unterschiedliche Definition von etwas, was grundlegend das Selbe sagt. Von daher halt eich die Begriffe für austauschbar.