Warum sind Start-ups so im Hype?

aid0nex

Commodore Pro
Registriert
Feb. 2014
Beiträge
4.352
Hey,

warum sind Start-ups eigentlich so im Hype? Sendungen wie Shark Tank und der peinliche deutsche Ableger Höhle der Löwen, Blogs und Magazine wie Gründerszene, ja ein Jahr bevor ich im Jahr 2017 Abitur gemacht habe wurden wir abends von unserer Wirtschaftslehrerin sogar zu einem Vortrag geschickt wie wir erfolgreich gründen - mit der Absicht, dass wir das nach der Schule ggf. auch tun sollten. Ein Schulkollege von mir hat das sogar getan, mit dem Geld der reichen Eltern. 2 Jahre später gab es nach etlichen Hypes in der Lokalzeitung und im Lokalradio die Insolvenz und einen Schuldenberg der Familie sowie zerplatzte Träume. Wer wagt, der gewinnt - oder eben auch nicht. Wie hoher das Risiko, desto höher der mögliche Gewinn. Ich kann das nicht verstehen, ich bin direkt nach dem Abi zu einem großen DAX Konzern gegangen, erst Ausbildung, jetzt angestellt und berufsbegleitend das Studium, also das totale Gegenteil. Ich bin einfach ein Mensch der Sicherheit braucht. Aber warum wird Gründen in den letzten Jahren so gehyped? Ist es die Hoffnung der Politik, die Wirtschaft zu stärken? Mein Problem damit: neben vielen oft und gern gezeigten Positivbeispielen gibt's eben auch eine Menge Leute, die damit kentern und den Rest ihres Lebens Schulden haben.

VG
 
Die Gründerrate in Deutschland ist niedrig, deshalb kommt immer weniger Innovation aus dem Land. Dafür ist auch die Gründerfeindlichkeit von Politik und Banken, aber auch der Gesellschaft verantwortlich. Wer bei uns scheitert, dem wird nicht anerkannt, dass er es versucht hat, sondern über den wird geschmäht.

Ich bin auch lieber angestellt. Aber das System funktioniert nicht, wenn jeder so denkt.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: mental.dIseASe, BeBur, Aduasen und 5 andere
Naja sehe es mal so der Dax Konzern war in den meisten Fällen, auch mal irgendwann eine Person die sich gesagt hat, ich will jetzt etwas selbst aufbauen. Hätte es solche Personen nie gegeben, dann wären wir nicht da wo wir heute sind bzw. hättest du keinen Arbeitgeber, der dir ein Studium ermöglicht. Finde deinen Eingangspost daher schon ein wenig negativ bzw. fehlt mir da der nötige Respekt gegenüber Menschen, die sich Selbständig machen. Du pickst ein Beispiel aus deinem Bekanntenkreis raus. Solche Beispiele gibt es mit Sicherheit auch, aber es gibt eben auch viele die vielleicht nicht die gleichen Voraussetzungen und Möglichkeiten im Leben hatten oder angeeckt sind oder eben einfach eine sehr gute Idee hatten bzw. haben.

In den vergangenen 10 Jahren wurden übrigens bei Dax Konzernen ca. 2 Millionen Arbeitsstellen abgebaut, welche vom Mittelstand wieder aufgebaut/aufgefangen wurden. Was ich damit sagen will, diese Sicherheit von der zu da sprichst, existiert meiner Meinung nach heutzutage nicht mehr, allein weil wir gerade in einem Wandel sind, wo man noch nicht sieht wohin die Reise geht. Natürlich bist du als Angestellter trotzdem sicherer aufgehoben, als in einer Selbständigkeit, keine Frage, jedoch ist im Leben nur eines Sicher und das ist der Tot.

Ich bin seit Anfang 2016 nebenbei Selbständig und seit Anfang 2019 komplett Selbständig. Bei mir war es so, dass ich 14 Jahre für Betriebe gearbeitet habe und trotz Weiterbildungen, Meistertitel, Überstunden, Projektumsetzungen, Ideen usw. einfach nie die Chance bekam in eine Position zu rücken, die dem ganzen Aufwand, den ich betrieben habe, angemessen erschien. Die Folge war das ich anfing zu rechnen und plötzlich merkte, hey in einer Selbständigkeit kann ich einfach mehr verdienen, bin mein eigener Herr und kann im Prinzip machen was ich will(man kann natürlich nicht den ganzen Tag auf der Couch sitzen, dann verdient man kein Geld). Diese Freiheit hast du als Angestellter nicht im Normalfall. Ich muss sagen ich habe bis jetzt zu keiner Sekunde den Schritt in die Selbständigkeit bereut. Auch wenn ich inzwischen relativ weit weg von meiner ursprünglichen Geschäftsidee bin, weil man plötzlich dann merkt das diese vielleicht noch Feinschliff benötigt oder nicht so toll war bzw. man damit kein Geld verdient.

Den Start Up Trend, den wir in Deutschland haben, liegt in meinen Augen an 2 haupten Aspekten:

1. Der erste ist die Innovationsarmut, vor allem in großen Konzernen, sprich die möchten nichts mehr riskieren, wodurch dann wiederum Erfinder, Ingenieure oder Menschen mit einer guten Geschäftsidee in die Selbständigkeit gehen. Ein Start Up ist hierfür eben eine gute Möglichkeit Kapital einzusammeln und Kapital brauch man zwangsläufig für die Umsetzung der Geschäftsidee. Ein Beispiel für die Risikoarmut ist das E-Auto. Der Trend geht momentan halb vorbei an der deutschen Autoindustrie und warum, weil man zu spät auf den Zug aufgesprungen ist. Im Endeffekt hat man sich erst darum gekümmert als von Regierungsseite Druck aufgebaut wurde mit der Fokusierung auf E Mobilität. Ob das der richtige Weg ist, kann man drüber streiten, aber gemessen an einem Tesla Model 3 z. B. stinkt aktuell jedes deutsche E-Auto ziemlich ab. Die Zukunft sind zudem Technologiekonzerne und da sind wir als Deutschland und Wirtschaftsmacht sehr schwach aufgestellt im internationalen Vergleich.

2. Der zweite Punkt ist im Endeffekt ein Trend der aus den USA rüber schwappt. Dort gibt es das schon viele Jahre bzw. im Silicon Valley gab es damals Kneipen, wo man hingehen konnte um seine Geschäftsidee vorzustellen und Kapital zu sammeln, so sind einige große Technologiekonzerne entstanden. Gibt dazu ein paar interessante Dokus bei ZDF Info. Genau dieser Trend schwappt eben langsam rüber. Besser in 5 Geschäftsideen investieren von denen 3 vielleicht Profit abwerfen als an der Börse noch sein Glück zu versuchen. So wird da zum Teil auf jedenfall auf Investorebene gedacht.

Das heisst nicht das dieser Trend gut ist oder das jedes Start Up eine tolle Idee hat, es ist wie bei allem man muss das ganze differenziert betrachten.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: BOBderBAGGER und aid0nex
Sieh es doch so: viele sind mit ihrem Job unzufrieden auch wenn sie es nicht zugeben. Eine der wenigen Möglichkeiten den Rahmenbedingungen, die die Wirtschaft vorgibt zu entkommen wäre eine Selbstständigkeit. Von 10 Unternehmen existiert nach mehreren Jahren nur noch eins. Am stetigen Neugründen kommt man nicht vorbei.
 
gammelkeule schrieb:
Naja in meinem Fall war der DAX Konzern früher mal eine Behörde, also nein, deine Anschuldigungen kannste dir da abschminken. :D

Trotzdem vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag, war interessant zu lesen!
War ich übrigens auch 2 Jahre :D diese Dax Konzerne haben aber in meinen Augen ganz andere Probleme und sind eigentlich nur durch ihre Monopolstellung noch Wettbewerbsfähig. Wenn diese mal aufgebrochen wird, geht es auch mit denen meiner Meinung Berg ab.

Das ist bei der deutschen Post z. B. so wenn das Monopol auf Briefsendungen fällt, bei der deutschen Bahn das Schienennetz und bei der Telekom auch wiederum die Infrastruktur, die sie ja bei Glasfaser gerade schon in großen Teilen verlieren und das liegt meiner Meinung nach immer noch daran, dass in großen Teilen dort wie im Staatsdienst gearbeitet wird und nicht wie in einem privaten Unternehmen, das war auch etwas womit ich überhaupt nicht klar kam und deshalb gekündigt habe. Wenn "Dienstjahre" mehr zählen als Ausbildung und Kompetenz, dann weiss man das da etwas gewaltig schief läuft. So war es jedenfalls bei mir und meinem Cousin, der bei T-Systems war.

Ich war bei der deutschen Post bzw. deren Tochter DHL. Auf der einen Seite hat man ganze Abteilungen von Beamten da noch sitzen, die eigentlich keine Aufgabe mehr haben, man kann sie aber nicht nach Hause schicken und auf der anderen Seite wird Druck ausgeübt, Stellen abgebaut, wieder mit Zeitarbeitern das ganze zu gekittet usw. und dann wundern sich die Chefs, warum da nichts gescheites bei rum kommt bzw. warum man mit den Angestellten die Vorgaben nicht schafft als Schichtführer.

Es gab da sogar Aktionen wo man Ideen und Vorschläge vorbringen konnte mit Bonuszahlungen usw. wenn diese umgesetzt werden. Einige meiner Vorschläge wurden sogar umgesetzt, Belobigung von den Chefs gabs auch dafür, auf die Zahlung der Boni warte ich allerdings heute noch. Die Erfahrungen die ich dort gemacht habe, haben mir auch gezeigt das gerade dort eine Menge schief läuft und ich ein zu kleines Rad am Wagen bin um etwas verändern zu können. Man kann dann nur kündigen oder akzeptieren, dass es so ist ich muss wohl nicht erwähnen, dass alle gut ausgebildeten auf Dauer gekündigt haben in den 2 Jahren wo ich da war. Aber das soll hier nicht das Thema sein.
 
Idon schrieb:
Ich bin auch lieber angestellt. Aber das System funktioniert nicht, wenn jeder so denkt.

Sehr guter Beitrag.

Wobei ich selber zwar auch seit 30 Jahren inzwischen beim gleichen Unternehmen angestellt bin aber 1990 war der Laden selber ebenfalls noch das, was man heute landläufig 'StartUp' nennt.
Ein relativ frisch gegründetes Unternehmen im damals noch sehr jungen IT Bereich.

Die Schwierigkeit heute ist wohl im Wesentlichen, dass Du für Markterfolg sehr früh im Unternehmesleben sehr viel Geld benötigst, zumindest, wenn Du international denkst und in unserer globalen Wirtschaft geht das gar nicht mehr anders.
 
@nebulein Ja jetzt kann ich es ja zugeben: Es ist der Magenta Provider - in der Technik, zum Glück nicht bei T-Systems. ;) Das Gefühl habe ich aber nicht, ich kenne hier im größeren Umfeld exakt einen Beamten und man setzt sehr viel auf junge und gebildete Leute statt auf Dienstjahre - auch ein wenig zum Leid der älteren Kollegen, die man jedoch auch nicht schlecht behandelt. Innovationen gibt´s hier am laufenden Bande, gerade die Telekom versucht doch immer wieder neue Märkte zu erschließen, anders als die DB sogar erfolgreich. Vielleicht bin ich hier auch einfach nur noch nicht lange genug um das Schlechte zu erkennen. :D
 
Wundert mich nicht, das Jemand mit so einem Nickname das nicht nachvollziehen kann :D.

Spaß beiseite.
Es war noch nie so unrisikobehaftet behaftet wie jetzt, ein startup zu Gründen.
Geht es schief, fängt einen die deutsche soziale Hängematte voll auf und nach 7 Jahren Insolvenzphase (zukünftig nach rd. 4 Jahren) kann man wieder bei 0 starten, dann vielleicht bei einem DAX-Konzern.

Dank den jüngsten Urteilen ist ALG2 jetzt sogar fast bedingungslos, weil kaum noch sanktionierbar.
Das Chancen-Risiko-Verhältnis liegt für geeignete Menschen so günstig, dass man diesen Leuten nur zuraten kann, so zeitig wie möglich ein Startup zu gründen, eine gute Idee natürlich vorausgesetzt.
Was hat man denn als Berufsanfänger zu verlieren - fast nichts!
Gründerpaten, Zugang Risikokapital + Arbeitsmarkt und leichte internationale Markteinstiege, es war noch nie so einfach, in kurzer Zeit viele Märkte zu erschließen. Bei einem erfolgreichen Startup kann man sich doch nach ganz grob rd. 15 Jahren zur Ruhe setzen und den Vorruhestand genießen. Ein normaler DAX-Angestellter hat dann noch rd. 25 Jahre weiter zu arbeiten, vielleicht auch noch 5 Jahre mehr nach den nächsten Rentenreformen.

Ich schaue kaum die Unterhaltungs-TV-Gründershows. Aber wenn ich mal schaue, dann kann ich meist nicht nachvollziehen, warum manche Gründer durch viel zu hohe %-€-Forderungen sich ihren Zugang zu Risikokapital verbauen, selbst wenn die Erfindung an sich nicht schlecht ist.
 
Zurück
Oben