Also ich sage vorab, dass ich mich nicht sehr für Gangsta-Rap interessiere und mich in diesem Genre, das ja wie kein anderes von den zahlreichen Beziehungen der Akteure untereinander (positiver und negativer Natur) geprägt ist, dementsprechend nicht sehr auskenne. Für mich ist das auch kein Gangsta-Rap. Entweder weiß man, dass die Texte nicht ernst gemeint sind (s. Kollegah) oder man nimmt sie einfach nicht ernst, sondern sieht es als Proll-Gehabe an, auch wenn die Rapper mit allen Mitteln versuchen, es als ernsthaft zu verkaufen (s. Haftbefehl, Bushido, etc. Wobei Bushido meiner Ansicht nach trotz vieler Kontroversen hinter der Fassade ein normaler, durchaus netter Mensch ist. Oder er kann es halt einfach genial vortäuschen. Darüber möchte und kann ich mir kein genaueres Urteil erlauben, da es der Person so oder so vermutlich nicht gerecht werden würde. Interessant ist jedenfalls das 16Bars-Interview mit ihm von Februar diesen Jahres).
Jedenfalls ist Kollegah der einzige Rapper, den ich feiern kann. Ich höre noch nichtmal so viel seine Musik, habe keines seiner Alben, da ich musikalisch sonst in einem ganz anderem Bereich unterwegs bin.
Aber ich finde seine Art einfach cool. Er ist definitiv eine Ausnahme im Business. Bei ihm ist die Trennung zwischen der Kunstfigur "Kollegah" und dem bürgerlichen Felix Blume, der Jura studiert, rhetorisch wahnsinnig begabt und hoch intelligent ist, einfach offensichtlich.
Er ist mir persönlich einfach total sympathisch, auch deshalb weil er sich selbst nicht so ernst nimmt. Da hat es gleich eine ganz andere Wirkung, wenn er sich in seinen Tracks 3 Minuten lang selbst feiert.
Auch eine tolle Sache ist der Track "Du bist Boss". Daran merkt man einfach, dass Kollegah im Grunde kein Proll ist, auch wenn seine sonstige Musik natürlich den gegenteiligen Eindruck vermittelt.
Über andere Rapper möchte ich mich nicht äußern. Kann ich auch eigentlich wie gesagt nicht, da ich deren Musik, Vita und sonstige Umstände zu wenig kenne.
Zum Thema Rap als Ursache von Gewalttaten:
Für mich ist das großer Schwachsinn, genauso wie die Hetze gegen Ego-Shooter. Sicherlich kann aggressiver Rap oder ein Ego-Shooter Aggressionen hervorrufen und bei manchen sogar zu Wutausbrüchen führen. Man kann vielleicht in machen Fällen sogar soweit gehen und sagen, dass diese Medien eine (wahrscheinlich eher untergeordnete) Variable in dem ganzen komplexen Wirkungsgefüge sind. Aber doch niemals der alleinige Auslöser solcher Gewalttaten.
Dann müsste man genauso auch Film, Fernsehen und evtl. sogar ein paar Büchern eine solche Wirkung unterstellen. Da ist bisher noch keiner mit angekommen meines Wissens nach.
Aber wer dann raus geht und Leute zusammenschlägt oder gar Amok läuft, der hat andere Probleme. Ganz ehrlich.
Es ist halt so bequem, die Schuld solchen Medien in die Schuhe zu schieben, wenn mal wieder etwas passiert ist. Dann hat man etwas, worüber man sich ein paar Tage oder Wochen das Maul zerreißen kann, ehe das Ganze wieder ergebnislos versandet.
Ohne den wirklichen, sehr vielschichtigen und komplexen Ursachen mal nachzuspüren.
Ich merke, ich schweife aus.

Von daher soll hier erstmal Schluss sein. Meine Meinung zum Rap an sich, zu den Akteuren und zum Rap als Ursache von Gewalt habt ihr ja jetzt gehört.
Einen schönen Abend und ein tolles Restwochenende wünsche ich noch allerseits.
Beste Grüße,
ML95