Wechsel vom iPhone 16 Pro auf dedizierte Kamera (Wandern/Landschaft) – Realistisch?

Wandern und Kamera ist ein spannender Sonderfall. Mal etwas überspitzt (aber doch nicht komplett aus der Welt): Gehe die Kamerasuche in folgender Reihenfolge an
  1. Zuerst: Eine gute Transportlösung
  2. Danach: ein schönes Objektiv
  3. Zuletzt: Welche Kamera hängt hinter dem Objektiv

Hinter dieser Erfahrung stecken bei mir etwas um die 30.000 Höhenmeter mit DSLR- und DSLM-Kameras. Warum ist die Transportlösung so zentral: Die beste Kamera macht keine guten Fotos, wenn diese die meiste Zeit daheim oder gut eingepackt im Rucksack liegt. Gleichzeitig: Mehrere Stunden am Stück auf Achse sind der Härtetest für jedes Tragesystem, und die bringt man beim Wandern schnell zusammen.

Will man die Kamera gut zugriffsbereit beim Wandern tragen, kenne ich folgende Varianten:
  • Spezielle Kameragurte (z.B. Sun-Sniper oder Cotton Carrier Camera Harness),
  • Colttaschen für Gürtel
  • Toploader-Taschen (in Richtung LowePro ProTactic)
  • Rucksack-Clips
Ich selbst habe mich für die letzte Variante entschieden, konkret für das Spider X Backpacker Kit. Das war in den 1,5 Jahren Nutzung ein Riesensprung nach vorn in der Foto-Ausbeute, also jeden Euro wert. Damit kann ich die Kamera angenehm tragen, und in 5 Sekunden ist die einsatzbereit.

Wenn man sich alle Transportlösungen anschaut: Die profitieren alle stark davon, wenn die Kamera nicht zu groß ist. Meine alte DSLR (Nikon D7200 mit AF-S 18-105mm) hätte ich nicht am Spider-Kit tragen wollen, zu meiner neuen Fuji X-T50 mit XF 16-50mm passt es perfekt. Deswegen empfehle ich allen, die gerne wandern, eher APS-C-Systeme als Kleinbild-Kameras ("Vollformat"). Und auch DLSMs statt DSLRs (die im anderen Thread erwähnt wurden). Auf dem Papier mögen es vielleicht nur 3 cm Kameralänge und 300 Gramm mehr sein. Aber: Die eine Kamera passt locker-lässig an einen Rucksack-Clip, die andere fühlt sich schon wie ein Klotz an.

Zudem: Beim Wandern bitte beim Wanderrucksack bleiben. Und da schauen, dass Top- oder Trinkflaschenfächer auch mal Platz für ein zweites Objektiv bieten, falls einem das Foto-Virus befällt.


Dann gehen wir zur Prio 2 / Objektive: Bei "kompakt & gut" fallen wir auf Anhieb zwei Objektive ein:
  • Sigma 18-50mm / F2.8
  • Fuji XF 16-50mm / F2.8-4.8
Ich habe zweiteres, und würde das dem Sigma bevorzugen: Die 16mm sind ein schöner Weitwinkel für Landschaften. Im Umkehrschluss: Bei Landschaftsfotografie hat man selten den Fall, dass man viel Offenblende (F2.8) braucht, wo das Sigma punkten würde. Wenn man das Fuji will, landet man automatisch bei Fuji-Kameras. Wenn es einem eher Richtung Sony zieht, wäre das Sigma meine erste Wahl. Von den nativen Sony-Standardzooms für APS-C hat mich keines anhand der Datenblätter bzw. Testberichte vom Hocker gerissen. Zu Canon/Nikon kann ich leider nicht viel sagen. Aber generell: Wer APS-C will, macht bei Fuji nicht viel falsch.

Vom Brennweitenbereich sind auch das Fuji 16-80mm/F4.0 bzw. Sony 16-70mm/F4.0 gut. Aber da liest man gemischtes darüber, die leiden wohl unter hoher Serienstreuung. Optisch gut im ähnlichen Brennweitenbereich sollte das Tamron 17-70mm/F2.8 sein, aber wäre mir für Wandern schon zu sperrig.

In dem Fall, dass es Fuji wird, komme ich noch kurz zur Kamera: Die zwei wichtigsten Modelle sind X-S20 und X-T50. Die beiden unterscheiden sich im Bedienkonzept. Ansonsten: Sie machen beide Fotos :p , damit erfüllen die ihren Zweck.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: Nighthawk1977 und Toms
Pippen123 schrieb:
Hallo zusammen,


ich kaufe mir seit Jahren immer das neueste iPhone, primär wegen der Kamera. Da ich das Smartphone sonst nur für banale Dinge nutze, möchte ich diesen Zyklus durchbrechen. Ziel: Eine Kamera anschaffen, die eine wesentlich bessere Bildqualität liefert als mein aktuelles iPhone 16 Pro und die ich über viele Jahre ohne Neukauf nutzen kann.


Mir wurde folgende Konfiguration vorgeschlagen: Sony ZV-E10 mit dem Sigma 18-50mm F2.8.


Mein Nutzungsprofil & Workflow:


Hauptsächlich Wandern. Motive sind weite Täler und Landschaften, Nahaufnahmen von Seen oder Blumen und gelegentlich Selfies beziehungsweise Vlogs. Ich werde die Kamera meistens im Rucksack transportieren und nur gezielt für ein Foto oder ein kurzes, einminütiges Video herausholen.

...
Wenn du die ZV-E10 holst, dann mit der Kitlinse (kostet oft das gleiche wie nur das Gehäuse), Erst wenn das Kitobjektiv nicht funktioniert, dann würde ich was anderes, teureres holen.


Ich habe die ZV-E10 letzten Samstag bei Mediamarkt in der Hand gehalten, sie ist recht winzig, die 6400 ist etwas teurer, aber mit elektronischem Sucher. Die ZV-E10 hat wiederum viel bessere Stabilisierung, IIRC ("nur" elektronischer Verschluss?).

Was "SOOC" (straight out of camera) angeht: Wenn Fotos erst durch Bildbearbeitung gut werden, dann stimmt was nicht, daher habe ich meine Zweifel, dass bei der ZV-E10 eingegriffen werden muss (es sei denn, man will seinen eigenen Look haben).

Nahaufnahmen von Blumen: Wie nah?
 
Ich muss @Faluröd recht geben. Für Outdoor ist die Tasche extrem wichtig.

Ich habe von Cosyspeed eine kleine Gürteltasche, die ein recht intelligentes Verschlusssystem hat. Damit muss man keine Angst haben, dass sie sich selbstständig öffnet, kann die Kamera aber einhändig entnehmen und verstauen. Insbesondere wenn man auch mal die Hände beim Bergsteigen braucht, ist das sehr hilfreich, da man immer beide frei hat und bei Gelegenheit trotzdem an die Kamera kommt.

Ich persönlich wandere nur mit Festbrennweiten. Ich habe 24 1.4, 50 2.0 und 135 2.8. Meistens packen ich nur zwei davon ein. Für Landschaften hat das eben den Vorteil, dass man sehr viele Freiheiten bei der Freistellung hat und man sich keine Gedanken über die Schärfe machen muss, da die Objektive auch für Offenblende ausgelegt sind.

Für die Bedürfnisse des TEs wäre z.B. ein Sony 20 1.8 und Sony 90 2.8 Macro geeignet.

Aber man muss natürlich bedenken, dass das seinen Preis hat. Mit Kamera sicher über 3000 Euro. Man kann das Equipment zwar wieder verkaufen, wenn man merkt, dass es nicht passt, hat dann aber sicher ein paar 100 Euro in den Sand gesetzt.

Und aus meiner Sicht muss ich klar sagen: Technisch gute Bilder zu machen kann man in wenigen Tagen lernen. Aber man muss es wollen und sich nicht wie beim Smartphone darauf verlassen, dass die Technik alles regelt.
 
Pippen123 schrieb:
Keine RAW-Nachbearbeitung am PC...
Ich würde diesen Punkt noch einmal überdenken: RAW kann einen deutlich größeren Belichtungsspielraum abbilden, d.h. bei der Nachbearbeitung kannst Du sowohl im Hellen als auch dort, wo es schwarzdunkelfinster ist, noch Details heraus arbeiten, die ansonsten verloren wären.

Weiters würde ich fürs Wandern oder für den Urlaub eine möglichst kleine Cam nehmen - sie will ja auch geschleppt werden. Die Zeiten, wo ich eine SLR + 5 Objektive + einen fetten Metz-Blitz im Urlaub mitgeschleppt habe, sind Gott sei Dank vorbei...

Ich bin mittlerweile bei der Sony DSC-RX100 gelandet, fotografiere in RAW und wandle mit dem Sony-eigenen Image Data Converter um - handlich unterwegs und top Ergebnisse (in wenig Einarbeitung in den Image Data Converter ist halt notwendig).
 
zandermax schrieb:
Ich persönlich wandere nur mit Festbrennweiten. Ich habe 24 1.4, 50 2.0 und 135 2.8. Meistens packen ich nur zwei davon ein. Für Landschaften hat das eben den Vorteil, dass man sehr viele Freiheiten bei der Freistellung hat und man sich keine Gedanken über die Schärfe machen muss, da die Objektive auch für Offenblende ausgelegt sind.
Das kann man so pauschal nicht sagen. Festbrennweiten schwächeln ebenfalls oft bei Offenblende. Genauso gibt es Zomms die bei Offenblende ein gutes Ergebnis abliefern.

Ich finde eine Festbrennweite lohnt sich wirklich nur wenn man genau weiß was man will und bereit ist je nach Sittuation das Objektiv zu wechseln.

Beim Fragesteller scheint mir eher ein Zoom im Bereich von ca 20-70mm angemessen zu sein. Wenn selbst die Nachbearbeitung am PC ungewünscht ist wird er keine Lust haben ständig das Objektiv zu wechseln.
 
Naja, das iPhone 16 Pro hat drei Festbrennweiten, also keine wirkliche Umstellung.

SCNR.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: dx1
Einmal kann man sagen, dass eine Festbrennweite entweder
1. lichtstärker ist,
2. schärfer ist,
3. leichter und kleiner ist,
4. günstiger ist
als ein Zoom. Entweder alle Punkte im geringen Umfang oder man bewegt sich in eine Richtung zu kosten der anderen. Du brauchst immer weniger Elemente, da du nur eine Brennweite korrigieren musst und keinen Brennweitenbreich.
Bei meinem 24 1.4 von Sony und dem Zeiss Batis 135 2.8 benutzt man die Blende nur, um die Tiefenschärfe einzustellen. Bei 42 MP hat abblenden keinen signifikanten Einfluss auf die Schärfe. Das 50 2.0 Loxia ist bei Offenblende noch etwas schwach in den Ecken aber im Zentrum schon 100 % scharf. Das macht mir persönlich viel Freude. Da ich zwischen 25 und 134 mm kein Objektiv mit Autofokus habe, habe ich nun auch noch das 24-70 2.8 GM (1) von Sony dazugekauft. Insgesamt auch ein tolles Objektiv und meistens auf Veranstaltungen oder bei Städtereisen dabei. Aber wenn ich nicht so viel Gewicht dabei haben will, dann nehme ich halt doch lieber das Loxia 50 mm oder das Sony 24 1.4 mit.

Festbrennweiten muss man einfach testen. Das 20-70 ist sicher ein super Objektiv, aber weder für Makro geeignet, noch besonders leicht.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: abcd12
Für den Aufstieg reicht eine ZV-E10 ("alt", nicht Mark II) mit Kitlinse.

Für die L10 spricht aber auch der Makromodus, was dem TS anscheinend nicht unwichtig ist. Aber auch da gibt es günstigere Optionen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: abcd12
deekey777 schrieb:
Für den Aufstieg reicht eine ZV-E10 ("alt", nicht Mark II) mit Kitlinse.

Eine Kamera ohne Sucher würde ich für vornehmlich outdoor-Fotos niemals wählen. Über das Display zu fotografieren ist da eine echte Qual.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: dx1
Die Panasonic L10 hat aber kein IBIS, was für die Videos nicht optimal wäre. Der M43-Sensor ist zwar ein Delta zum iPhone (debattierbar), aber die "deutlich" bessere Bildqualität bekommt man auch nur wenn man sich in das System reinfuchst und mit der Bildbearbeitung grundsätzlich nicht auf Kriegsfuß steht. An sich aber kein Problem: Lightroom mobile kostet 8EUR/Monat und damit kann man die grundlegenden Dinge schnell und einfach machen. Ich würde (wenn M43) dann aber eher auf eine Systemkamera (OM5) gehen und die Vorteile der günstigen und leichten Prime Lenses und Zooms mitnehmen. Wenn man auf eine echte Kamera geht, und Spaß daran hat, wird das allerdings auch nicht günstiger als alle 2 Jahre ein neues iPhone zu kaufen. Für Wandern würde ich nach klein und leicht schauen, einen Sucher würde ich auch brauchen und ggf. Wetterschutz für Body und Linse - das hat die L10 bspw. auch nicht. Ob man für ein neues System aber jetzt wirklich noch auf M43 gehen sollte ist die Frage. Ich habe 2Fuji, Panasonic und eine Olympus und besonders die Panasonic und die Olympus nutze ich für Wandern. Aus der Fuji X-E5 kommen aber bspw. die technisch besseren Fotos heraus.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: Toms
Zurück
Oben