LikeHike schrieb:
Doch, beides sind Meinungen.
Stimmt, diese Menschen haben dann ja einfach die Option das Medium nicht zu nutzen. Ansonsten ist die Welt und auch das Internet kein SafeSpace. Trigger und Befindlichkeiten von Individuen sind deren persönliche Angelegenheit. Es ist nicht die Aufgabe der Gesellschaft um diese individuellen, subjektiven Befindlichkeiten herum zu tanzen.
Kurzer Einwand. Das Internet als eine Art Wilder Westen, also ein anarchisches Konstrukt zu sehen, birgt bei genauerer Betrachtung einige Gefahren für uns alle (auch für dich). Genauso wie eine physische Welt ohne Gesetze für uns alle schnell tödlich werden würde. Dank Recht und Gesetz ist unsere Welt ein "Safe Space". Das ist gesellschaftlich weitestgehend akzeptiert.
Ein Gedankenanstoß:
Das Internet als unregulierten Diskussionsraum, in dem sich die Stärksten durchsetzen zu sehen, ist wie ein Fußballspiel ohne Regeln und Schiedsrichter. Am Ende "siegen" diejenigen, die am meisten Macht projezieren können. Also diejenigen, die Dank Technologie (Bots) und Geld (Rechenpower) die einfacheren Parolen herausposaunen können. Diese verbreiten sich dann überproportional oft, sind am reichweitenstärksten und führen dazu, dass sie auch am meisten konsumiert und geglaubt werden. Inzwischen sind schätzungsweise 20-30 % der Posts, die zu polarisierenden Themen in den USA verbeitet werden, Bot-generiert. Diese Posts sind sehr reichweitenstark. Der Analyst Ryan McBeth hat da ein interesanntes Video zu gemacht.
Zum Thema Recht des Stärkeren hat Yoda mMn. das Richtige gesagt, als er vor den Gefahren der dunklen Seite der Macht sprach: Auf Lukes Frage, ob die dunkle Seite der Macht stärker sei, antwortete er: "Nein, sie ist leichter, schneller, verführerischer."
Die Argumentation: "Wenn es zu stark ist, bist du zu schwach." ist schön hemdsärmelig und passt solange man selbst nicht zu den "Schwächeren" gehört, aber im Umkehrschluss überlässt man das Spielfeld denen, die es schaffen, ihre leichteren, schelleren und verführerischen Botschaften unters Netzvolk zu bringen.
Aus der Psychologie weiß man, dass Menschen, die viel zu sagen haben und einfache Botschaften vermitteln von ihren Mitmenschen überproportional als "Kompetent" angesehen werden. Völlig unabhängig von dem Inhalt. Dagegen sind überdurchschnittlich intelligente Menschen oft eher introvertiert, weil selbstkritischer und "sensibler". Reden also nicht so viel und stellen sich selten in den Vordergrund. Das sind alles die Fallstricke der "human condition".
Daher ist eine Art Regulierung unbedingt sinnvoll, um Missbrauch von Macht zu verhindern und für alle eine nutzenswerte Netzwelt zu erschaffen.
Damit möchte ich nicht der Zensur das Wort reden, ganz im Gegenteil. Aber weil der Mensch eben nicht perfekt ist, weil wir alle Schwächen haben und diese auch gezielt ausgenutzt werden, brauchen wir einen Rahmen, in dem wir uns bewegen, der für alle ein "Safe Space" darstellt.
Sieh es wie ein Game: Auch im PvP gibt es Regeln. Anti-Cheat-Software, Community Guidelines, Banns. Selbst im Krieg gibt es (oder sollte es) Regeln geben.
Zum Thema "Subjektive Befindlichkeiten" also die Rechte des Individuums - die werden in unserer FDGO Großgeschrieben. Sie ist unser gesellschaftlicher Rahmen.
Einfach ein paar Denkanstöße. Kann man annehmen oder auch nicht.
