SandboxAQ: Claude erhält Modelle zur Wirkstoffforschung

Michael Schäfer
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SandboxAQ: Claude erhält Modelle zur Wirkstoffforschung
Bild: SandboxAQ

Künstliche Intelligenz hat sich in der medizinischen Forschung längst etabliert und bereits eine Vielzahl neuer Wirkstoffe wie bislang unbekannte Antibiotika hervorgebracht und dabei die Kosten gesenkt. Ein großes Problem blieb bislang jedoch die komplizierte Bedienung vieler KI-Modelle für technisch weniger versierte Forscher.

Kein Problem der KI, sondern der Oberfläche

Zahlreiche KI-Startups in diesem Bereich haben es sich zum Ziel gesetzt, die kostenintensive Suche nach neuen Wirkstoffen nicht nur günstiger zu gestalten, sondern zugleich die Dauer der Forschung erheblich zu verkürzen. Dass dies technisch möglich ist, hatten zahlreiche Ergebnisse in der Vergangenheit bereits gezeigt. Das eigentliche Problem lag bislang jedoch häufig in der Bedienung der eingesetzten KI-Modelle. Manche Forscher vertraten sogar die Ansicht, dass für deren sinnvolle Nutzung praktisch ein Doktortitel in Informatik erforderlich sei.

Dieses Problem will SandboxAQ nun laut einem Bericht von TechCrunch gelöst haben. Dafür hat sich das Unternehmen mit Anthropic zusammengeschlossen. SandboxAQ wurde vor rund fünf Jahren als Teil von Alphabet gegründet, Vorstandsvorsitzender ist der frühere Google-CEO Eric Schmidt.

Eines der Tätigkeitsfelder des Unternehmens ist die Entwicklung großer quantitativer Modelle, sogenannter LQMs. Diese proprietären Modelle gelten als physikalisch fundiert, da sie nicht auf Mustern in Texten, sondern auf den Gesetzen der physikalischen Welt basieren und dadurch unter anderem quantenchemische Berechnungen durchführen können. Die Erforschung neuer Wirkstoffe lässt sich mit diesen nicht nur beschleunigen, sondern auch kostengünstiger gestalten, da viele Erkenntnisse bereits vorab aus Simulationen gewonnen werden können und ein erheblicher Teil der Arbeit nicht mehr in teuren Laborumgebungen erfolgen muss.

Zeiten und Kosten sollen gesenkt werden

Um den eigenen KI-Modellen eine leicht verständliche und zugleich praktikable Oberfläche bereitzustellen, hat das Startup seine wissenschaftlichen KI-Modelle mit Anthropics Claude kombiniert. Dadurch soll ein leistungsfähiges Werkzeug für Wirkstoffforschung und Materialwissenschaft entstehen, das hinter einer dialogorientierten Benutzeroberfläche arbeitet. Für dessen Einsatz sei weder spezielle IT-Infrastruktur erforderlich, noch müssten Forscher die Systeme kompliziert bedienen, da die Nutzung vollständig in natürlicher Sprache erfolgen kann.

Die Arbeit von Forschern soll dadurch deutlich vereinfacht werden. Bislang mussten Nutzer der LQMs von SandboxAQ eine eigene digitale Infrastruktur bereitstellen, um die Modelle überhaupt ausführen zu können, was zusätzliche Kosten verursachte. Diese Verbindung soll künftig Claude übernehmen. Die Nutzerbasis des Startups bestand bislang überwiegend aus Computer- und Forschungswissenschaftlern oder Experimentalphysikern, die meist bei großen Pharma- oder Industrieunternehmen beschäftigt waren und dort nach neuen Materialien suchten.

Bisherige Lösungen nicht praktikabel

Auch Nadia Harhen, General Manager für KI-Simulation bei SandboxAQ, sieht in der Zusammenarbeit erhebliche Vorteile: „Zum ersten Mal haben wir ein bahnbrechendes Modell auf einem bahnbrechenden LLM, auf das man in natürlicher Sprache zugreifen kann“. Viele Kunden des Unternehmens, das in mehreren Finanzierungsrunden bereits mehr als 950 Millionen US-Dollar von Investoren einsammeln konnte, hätten in der Vergangenheit zahlreiche auf dem Markt verfügbare Software-Lösungen ausprobiert. Aufgrund ihrer hohen Komplexität hätten diese jedoch entweder nicht funktioniert oder keine brauchbaren Ergebnisse geliefert, erklärt Harhen weiter.

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