2/6 Crysis 2 im Test : Weniger opulent und deshalb weniger gut

, 471 Kommentare

Inhaltliches

Plot

Die Handlung und vor allem das Setting der „Crysis“-Reihe erfährt mit „Crysis 2“ einen durchaus heftigen Wandel: Von Aliens, die die Welt vereisen wollen, garstigen, ebenso technologieaffinen wie schießwütigen Nord-Koreanern und einer fernen Südsee-Insel wird man hier ins New York einer immer noch nahen Zukunft katapultiert, in der die leicht abgewandelten Aliens die Menschheit zwar weiterhin ausrotten wollten, dabei aber auf die bisher bekannte, fiese Einfriermethode verzichten und wo nur noch besonders raffgierige Menschen immer wieder bei der Rettung der Menschheit dazwischen funken.

Insbesondere das Setting verändert sich somit radikal von einer weiträumigen Insel in eine der Metropolen der Welt, wobei auch das Endzeitszenario einen Wandel erfährt: Von der im wahrsten Sinne des Wortes vorhandenen Kälte des Vorgängers bleibt in „Crysis 2“ nicht mehr viel übrig, da die armen Bewohner von New York nun von einem Alienvirus heimgesucht werden, der sie ohne Rückstände von der Erde tilgen soll.

„Crysis 2“-Einstieg: Vom U-Boot ins New York der Endzeit
„Crysis 2“-Einstieg: Vom U-Boot ins New York der Endzeit

Trotz dieses Wandels hat man es bei der Handlung von „Crysis 2“ erwartungsgemäß mit einem B-Movie-Plot zu tun, der sich in diesem Kontext zwar keinesfalls verstecken muss, allerdings auch zu keiner Zeit Anlass zu größeren Euphorieschüben gibt. Zu Beginn steht dabei der Abschied eines alten Bekannten, über welchen der neue Protagonist, ein von der ersten bis zur letzten Sekunde stummer Marine namens Alcatraz, an den legendären „Crysis“-Nanosuit gelangt, der fortan mitunter Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist.

Zunächst lautet die Mission, den Anzug zu dem Wissenschaftler Nathan Gould zu bringen – klar, dass sich aus dieser zunächst simplen Aufgabe schnell die ultimative Mission zur Rettung der Menschheit entspinnt. Dabei bekommt man es abermals sowohl mit menschlichen Gegnern in Form von der paramilitärischen Vertuscher-Einheit Cell, als auch mit den aus dem ersten Teil bekannten Ceph-Aliens zu tun. Während letztere weitgehend blass bleiben, platzieren die Macher im Lager der Cell durchaus glaubwürdige Antagonisten, denen der Profit und die Vertuschung der Machenschaften über alles geht – ein Faktor, der maßgeblich dazu beiträgt, dass die Handlung von „Crysis 2“ sich ein ordentliches „befriedigend“ verdient.

„Crysis 2“-Antagonist: Profit geht über alles
„Crysis 2“-Antagonist: Profit geht über alles

Der Wandel der Ceph zeugt allerdings von einer gewissen Inkonsistenz in der Story-Entwicklung: Während die Aliens im ersten Teil noch schwebende Eisungeheuer waren, handelt es sich bei ihren Pendants aus dem zweiten Teil um Wesen, die am besten als „Tintenfische in Maschinenanzügen“ beschrieben werden können und die sich nicht mehr nur schwebend, sondern teils auf Füssen von A nach B bewegen. Auch bezüglich der Herkunft des Getiers ist sich „Crysis 2“ nicht ganz sicher – zwar scheinen die neuen Ceph eine gewisse Affinität zum Meer zu besitzen, doch erweckt die Handlung auch immer wieder den Eindruck, dass die Brutstätte dieser Menschenhasser unterirdisch liegen könnte.

Trotz dieser Einschnitte und der nicht-vorhandenen, überraschenden Story-Wendungen lässt sich zu dem Schluss kommen, dass die Handlung alles in allem auf dem beschriebenen Niveau – Stichwort „B-Movie“ – durchaus überzeugen kann und somit einen ausreichend Rahmen liefert, um ein ordentliches Action-Spektakel abzufeiern.

Missions- & Leveldesign

Missions- und Leveldesign hängen bei „Crysis 2“ mehr denn je zusammen. Auffällig ist sofort, dass die Verschiebung des Settings logische Auswirkungen auf das Leveldesign und somit auch auf die Gestaltung der Missionen hat: Da sich mehrere Quadratkilometer Dschungel auf einer Insel wesentlich leichter in Szene setzen lassen, als eine der größten Metropolen der Welt, müssen die Areale in „Crysis 2“ zwingend kleiner ausfallen als noch im Vorgänger. Was von manchen Spielern sicher als Beschneidung des Spielerlebnisses empfunden wird, ist unseres Erachtens nach nicht nur nahe liegend, sondern inhaltlich begrüßenswert. Denn statt ein riesiges, vergleichsweise einfaches Areal zu entwerfen, das der Spieler zu großen Teile wahrscheinlich ohnehin nicht erkunden würde, kommen bei „Crysis 2“ nur moderat große Gebiete zur Anwendung, die zwar über klare, sichtbare Grenzen verfügen, dafür aber umso detaillierter gestaltet sind. Eine solche Konzeption kann das Spielerlebnis in anderen Genres – allen voran bei Rollenspielen – in der Tat maßgeblich beschneiden; bei einem auf pure, schnelle Action ausgelegten Shooter kann sie dagegen sogar hilfreich sein, solange die Schrumpfung der Umgebungen keine „Call of Duty“-Ausmaße annimmt und man von „Schlauchleveln“ sprechen muss.

Innerhalb von den begrenzten, aber noch immer ausreichend groß dimensionierten Arealen wird man mit durchdachten, nicht sonderlich komplexen Aufgaben konfrontiert, die vom Einsammeln von Alien-DNA über das Starten eines Ablenkungsmanövers bis hin zum Eindringen in die Cell-Zentrale durchaus vielfältig ausfallen.

Neues Setting New York: Kleiner aber feiner

Da jedoch bei einem Spiel wie „Crysis 2“ alles stets auf eine zünftige Ballerei hinausläuft und echte Rätsel oder Herausforderungen in puncto Geschicklichkeit so gut wie keine Rolle spielen, wird die stets latent drohende Monotonie durch einige – leider sehr kurze – Fahrzeug-Abschnitte aufgepeppt. Diese sorgen in Kombination mit den neuen Anzug-Features (siehe nächster Abschnitt) dafür, dass in der mit rund 13 Stunden angenehm langen Einzelspieler-Kampagne nur an wenigen Stellen und nur für kurze Zeit eine Priese Langeweile aufkommt.

Das Missions- und Leveldesign kann somit unterm Strich als „gut“ bezeichnet werden. Wirklich unverständlich ist aber, weshalb man so selten Boss-Kämpfen konfrontiert wird, da diese immer wieder Spannungshöhepunkte darstellen und so für mehr Spielspass sorgen – schade.

Auf der nächsten Seite: Kämpferisches