4/6 Crysis 2 im Test : Weniger opulent und deshalb weniger gut

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Technisches

Grafik

Der Bewertung der Grafik von „Crysis 2“ muss vorausgeschickt werden, dass, wer bereits vorzügliche Kost gewöhnt ist, umso höhere Ansprüche stellt. Vor diesem Hintergrund fällt der bei „Crysis“ im Maximum vorhandene „Aha“-Effekt bei „Crysis 2“ weniger umfangreich aus. Dieser Umstand hat allerdings nicht nur mit der Vorzüglichkeit des Vorgängers zu tun, sondern auch damit, dass Crytek die „Crysis“-Serie mit dem zweiten Teil auch auf die Konsolen bringt.

Und so ereilt „Crysis 2“ in Teilen jener Effekt, der schon bei so vielen anderen Multi-Plattform-Titeln zu beobachten war: Die Grafik wird zurückgeschraubt und die Physik auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner vereinfacht. Während sich letzteres an einigen Stellen im Kleinen bemerkbar – beispielsweise beim Wegfall der Anzug-Funktionen „Kraft“ und bei dem grundsätzlichen Grad der Zerstörbarkeit von Gegenständen – wird der Grafik-Aspekt aus unterschiedlichen Perspektiven sichtbar.

Da ist zum einen die fehlende Möglichkeit zur Feinjustierung der Grafik: Früher konnte man eine Dissertation über die systemspezifischen, idealen Einstellungen für „Crysis“ schreiben. Bei „Crysis 2“ wählt man dagegen Konsolen-Port-typisch aus minimalistischen Eigenschaften, zu denen neben der Auflösung und V-Sync die fixen Qualitätsvoreinstellungen „hoch“, „sehr hoch“ und „extrem“ gehören – klar, dass sich die Tuning-liebenden PC-Spieler hier sofort eingeschränkt fühlen. Hinzu kommt die vom Start weg fehlende DirectX-11-Unterstützung, die wohl noch irgendwann per Patch nachgeschossen werden soll, womit ein entscheidender Vorteil der PC-Fassungen aber (vorerst) ungenutzt bleibt. Hierbei handelt es sich um einen Umstand, der ebenfalls der parallelen Entwicklung geschuldet ist.

Weitere Eindrücke aus „Crysis 2“

Und auch im Spiel macht sich der Multi-Plattform-Charakter bemerkbar. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Crytek liefert auf Basis der CryEngine 3 auch dieses Mal einen Titel ab, der erneut zur Speerspitze des Genres zu zählen ist und der weithin seinesgleichen sucht. Dies wird durch bombastische Effekte wie Explosionen, ordentliches Mündungsfeuer, scharfe Texturen und ansehnliche Blendeffekte beim Wechsel aus Schatten- in Lichtbereiche deutlich – Eigenschaften, die sich sehen lassen können, aber längst nicht so bahnbrechend ausfallen, wie es wohl bei der vollen Konzentration und der Zuspitzung der technischen Umsetzung auf die PC-Ausgabe möglich gewesen wäre.

Dazu passt, dass „Crysis 2“ einen merklich geringeren Hardwarehunger entfaltet, als der Vorgänger. Auf unserem Testsystem lief der Titel dementsprechend bei „Extremen“ Details und einer Auflösung von 1.680 x 1.050 stets flüssig bei Bilderraten zwischen 30 und 60. Auch wenn dies sicher in Teilen auf die neue CryEngine 3 zurückzuführen ist, findet sich an dieser Stelle ein weiterer Beleg für das subjektive Empfinden, wonach die visuelle Umsetzung weniger bombastisch ausfällt, als noch beim Vorgänger.

Ohne Abstriche gelungen sind allerdings wieder einmal die ordentlichen Cutscenes, die dem Geschehen – für unseren Geschmack fast ein wenig zu selten – einen angenehmen Fluss verleihen und die Handlung so immer wieder gekonnt einrahmen. Und übrigens: Entsprechende Hardware vorausgesetzt, lässt sich „Crysis 2“ auch in 3D spielen. Hier findet sich sicher kein „Killer-Feature“, aber für einen Teil der potentiellen Spielerschaft doch ein nettes Schmankerl.

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