Drei SFX-Netzteile im Test: be quiet!, Chieftec & SilverStone 4/9

Philip Pfab 88 Kommentare

Inneres

Zur Analyse der verwendeten Elektronik öffnen wir das Netzteil und demontieren die Platine. Wie immer gilt: Nicht nachmachen – Lebensgefahr!

be quiet! SFX Power 2 300 Watt

Die Elektronik des SFX Power 2 wird vom Auftragsfertiger FSP hergestellt und ist aus dem Vorgänger bekannt. Neben einigen Detailverbesserungen bei der Technik nutzt be quiet! bei der Neuauflage einen anderen Lüfter. Erneut kommt ein 80-mm-Lüfter aus dem Hause Protechnic zum Einsatz, diesmal allerdings das Gleitlager-Modell MGA8012YS-A15 mit einer maximalen Stromaufnahme von 0,28 Ampere bei +12 Volt.

be quiet! SFX Power 2 300 Watt - Überblick Elektronik
be quiet! SFX Power 2 300 Watt - Überblick Elektronik

Im Vergleich zum älteren SFX Power konnte zum einen der Wirkungsgrad durch den Austausch einiger Komponenten gesteigert werden, zum anderen wurden die Kühlkörper verbessert. Der Kühlkörper der Sekundärseite nutzt wie bisher die Gehäusewand zur Wärmeabgabe, dank etwas mehr Wärmeleitpaste ist die Kontaktfläche jetzt optimal genutzt. Zudem wurde der primäre Kühlkörper massiv vergrößert und berücksichtigt jetzt auch den Brückengleichrichter. Die Neuauflage kann daher bei gleichen Zieltemperaturen leiser gekühlt werden. Zur Sicherstellung der sicherheitskritischen Abstände wird im Primärbereich ein Abstandshalter aus Kunststoff sowie Folie verwendet.

Die Eingangsfilterung ist mit vier Y-, zwei X-Kondensatoren, zwei Spulen und dem MOV als passivem Überspannungsschutz vollständig. Der Primärbereich, der sich bei diesem SFX-Netzteil in der linken Hälfte befindet, wird über die beiden Kabel mit Spannung versorgt. Beim Primärkondensator setzt be quiet! auf einen 105-Grad-Elektrolytkondensator mit 420 Volt Spannungsfestigkeit und 180 Mikrofarad Kapazität aus dem Hause CapXon – weit verbreitete Mittelklasse. Auf der Sekundärseite kommen 105-Grad-Modelle von CapXon, Teapo, OST und Taicon zum Einsatz – ebenfalls Mittelklasse. Die Bestückung können wir daher als gut bewerten.

be quiet! SFX Power 2 300 Watt - Lötqualität
be quiet! SFX Power 2 300 Watt - Lötqualität

Der verwendete Sicherungschip vom Typ Siti PS229 stellt die versprochenen Schutzschaltungen tatsächlich bereit. Auch der in der ersten Revision der Marketing-Materialien nicht erwähnte Überlastschutz OPP ist primärseitig vorhanden. Unsere Analyse der Platine bestätigt das Vorhandensein zweier getrennt gesicherter +12-Volt-Leitungen. Die Lötqualität ist überwiegend gut, die Verwendung eines zusätzlichen Kabels als weitere Verbindung zeigt aber, dass die genutzte Platine nicht optimal für das SFX Power 2 angepasst wurde. Immerhin wurde das Kabel sauber verlegt und mit Klebstoff stabil befestigt. An zwei Stellen wurde zudem zu heiß gelötet. Insgesamt ist die innere Verarbeitung des SFX Power gut, aber nicht perfekt.

Chieftec SFX-350BS 350 Watt

Chieftec SFX-350BS - Überblick Elektronik
Chieftec SFX-350BS - Überblick Elektronik

Die Elektronik des SFX-350BS wird von Sirfa/High Power gefertigt. Für die notwendige Kühlung sorgt ein 80-mm-Gleitlagerlüfter von Globe Fan. Die Eingangsfilterung ist vollständig, auch ein passiver Überspannungsschutz (MOV) ist vorhanden. Bei den Kondensatoren setzt Chieftec auf Teapo – solide Mittelklasse und damit in diesem Preisbereich eine gute Wahl. Der Primärkondensator ist ein 85-Grad-Modell mit nur 150 Mikrofarad Kapazität und ausreichenden 400 Volt Spannungsfestigkeit, alle Sekundärkondensatoren sind 105-Grad-Vertreter. Der Sicherungschip vom Typ Wt7502V unterstützt die versprochenen Schutzschaltungen.

Chieftec SFX-350BS - Lüfter
Chieftec SFX-350BS - Lüfter
Chieftec SFX-350BS - Sekundärseite im Detail
Chieftec SFX-350BS - Sekundärseite im Detail
Chieftec SFX-350BS - Elektronik im Detail
Chieftec SFX-350BS - Elektronik im Detail

Bei der Analyse der Platine fallen uns mehrere Punkte auf: Die Lötqualität ist grundsätzlich gut, die Kabelenden sind abgesehen von einer einzelnen Ausnahme gut gekürzt. Bei der Entfernung von Rückständen könnte das Werk jedoch mehr Sorgfalt walten lassen. Zudem bestätigt sich unsere Vermutung: Das SFX-350BS ist definitiv ein Single-Rail-Netzteil.

Chieftec SFX-350BS – Lötqualität
Chieftec SFX-350BS – Lötqualität

SilverStone Strider Gold Series 450W SFX

SilverStone Strider Gold Series 450W – Überblick Elektronik
SilverStone Strider Gold Series 450W – Überblick Elektronik

Die Technik des Strider Gold SFX wird von Enhance gefertigt. Die verwendete Plattform nutzt trotz des knappen Platzangebots DC-DC-Spannungswandlung und ist damit im SFX-Segment einzigartig. Die Eingangsfilterung ist vollständig und schließt einen MOV als passiven Überspannungsschutz ein. Auffällig ist die Größe der Bauteile und Kühlkörper in Verbindung mit dem knappen Raumangebot eines SFX-Netzteil und die damit dichte Anordnung, die tendenziell einen stärkeren Luftstrom voraussetzt. Bei 450 Watt mit unabhängiger Spannungsregulation ist dies aber derzeit technisch bedingt kaum besser zu lösen. Der 80-mm-Lüfter Adda AD0812HB-D70 verwendet ein in der Regel langlebiges Kugellager und nimmt bei 12 Volt maximal 0,18 Ampere auf.

SilverStone Strider Gold Series 450W – Lüfter
SilverStone Strider Gold Series 450W – Lüfter
SilverStone Strider Gold Series 450W – Primärbereich
SilverStone Strider Gold Series 450W – Primärbereich
SilverStone Strider Gold Series 450W – Sekundärseite
SilverStone Strider Gold Series 450W – Sekundärseite

Bei der Bestückung setzt SilverStone klar auf Qualität: Als Primärkondensator kommt ein 105-Grad-Modell mit 450 Volt Spannungsfestigkeit und 330 Mikrofarad Kapazität zum Einsatz, sekundär werden 105-Grad-Elkos der Hersteller Nippon-Chemicon und Rubycon sowie Polymer-Feststoffkondensatoren eingesetzt. Die versprochenen Schutzschaltungen werden vom Siti PS223 tatsächlich bereitgestellt, auch der nötige zweite Temperatursensor für den Überhitzungsschutz ist vorhanden. Bei der Analyse der Platine stellen wir fest, dass das Netzteil grundsätzlich über zwei +12-Volt-Leitungen verfügt, die dann aber auf der Platine mit dem Stecksystem für die modularen Anschlüsse zusammengefasst werden, um ein Single-Rail-Netzteil zu schaffen. Die Lötqualität ist gut, aber nicht ganz auf dem sonst von Enhance gewohnten Niveau. Probleme sind nicht zu erwarten, von daher handelt es sich nur um Schönheitsfehler.

SilverStone Strider Gold Series 450W – Primärbereich
SilverStone Strider Gold Series 450W – Primärbereich
SilverStone Strider Gold Series 450W – Lötqualität
SilverStone Strider Gold Series 450W – Lötqualität

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