Nexus 6P im Test : Google und Huawei auf doppeltem Höhenflug

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Nexus 6P im Test: Google und Huawei auf doppeltem Höhenflug

Nicht ein, sondern gleich zwei Nexus-Smartphones schickt Google dieses Jahr für Android-Puristen ins Rennen. Neben dem Nexus 5X als Nachfolger des vor zwei Jahren vorgestellten Nexus 5 hat Google auch ein neues Nexus 6 im Sortiment. Das Nexus 6P ist – wie das „P“ im Namen vorwegnimmt – das Premiummodell der beiden Neugeräte und das erste Nexus, dessen Gehäuse (fast) vollständig aus Aluminium besteht. Dementsprechend höher liegt auch der Einstiegspreis: Mindestens 649 Euro kostet das Smartphone, also 120 Euro mehr als ein vergleichbares Nexus 5X mit 32 GB Speicher. Lohnt sich der Aufpreis für das Premium-Nexus? Das klärt ComputerBase im Test.

Spezifikationen

Google Nexus 6P
Google Nexus 5X
Google Nexus 5
Google Nexus 6
Software:
(bei Erscheinen)
Android 6.0 Android 4.4 Android 5.0
Display: 5,70 Zoll
1.440 × 2.560, 515 ppi
AMOLED, Gorilla Glass 4
5,20 Zoll
1.080 × 1.920, 424 ppi
IPS, Gorilla Glass 3
4,95 Zoll
1.080 × 1.920, 445 ppi
IPS, Gorilla Glass 3
5,96 Zoll
1.440 × 2.560, 493 ppi
AMOLED, Gorilla Glass 3
Bedienung: Touch
Fingerabdrucksensor, Status-LED
Touch
Status-LED
Touch
SoC: Qualcomm Snapdragon 810
4 × Cortex-A57, 2,00 GHz
4 × Cortex-A53, 1,55 GHz
20 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 808
2 × Cortex-A57, 2,00 GHz
4 × Cortex-A53, 1,44 GHz
20 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 800
4 × Krait 400, 2,26 GHz
28 nm, 32-Bit
Qualcomm Snapdragon 805
4 × Krait 450, 2,70 GHz
28 nm, 32-Bit
GPU: Adreno 430
650 MHz
Adreno 418
600 MHz
Adreno 330
450 MHz
Adreno 420
600 MHz
RAM: 3.072 MB
LPDDR4
2.048 MB
LPDDR3
3.072 MB
LPDDR3
Speicher: 32 / 64 / 128 GB 16 / 32 GB 32 / 64 GB
Kamera: 12,3 MP, 2160p
Dual-LED, f/2,0, AF
8,0 MP, 1080p
LED, f/2,4, AF, OIS
13,0 MP, 2160p
LED-Ring, f/2,0, AF, OIS
Sekundär-Kamera: Nein
Frontkamera: 8,0 MP, 1080p
f/2,4, AF
5,0 MP, 1080p
f/2,0, AF
1,3 MP, 720p
AF
2,1 MP, 1080p
AF
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced
↓300 ↑50 Mbit/s
Advanced
↓150 ↑50 Mbit/s
Advanced
↓300 ↑50 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 4.2 4.0 Low Energy 4.1
Ortung: A-GPS, GLONASS
Weitere Standards: USB 2.0 Typ C, NFC Micro-USB 2.0, SlimPort, NFC Micro-USB 2.0, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM Micro-SIM Nano-SIM
Akku: 3.450 mAh (13,18 Wh)
fest verbaut
2.700 mAh (10,30 Wh)
fest verbaut
2.300 mAh (8,74 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.220 mAh (12,20 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 77,8 × 159,4 × 7,30 mm 72,6 × 147,0 × 7,90 mm 69,2 × 137,8 × 8,59 mm 83,0 × 159,3 × 10,06 mm
Schutzart:
Gewicht: 178 g 136 g 130 g 184 g
Preis: ab 440 € / ab 509 € / ab 559 € ab 259 € / ab 289 € ab 220 € / ab 279 € ab 350 € / ab 499 €

Design & Verarbeitung

In puncto Materialwahl und Verarbeitung geht das Premiumkonzept in jedem Fall auf. Das Nexus 6P ist das qualitativ hochwertigste Smartphone, das Google jemals angeboten hat. Das verwendete Aluminium ist fein säuberlich und gleichmäßig gebürstet und hat eine starke Ähnlichkeit zu den Huawei-Smartphones P8 oder Mate S.

Das matte Aluminium wird an den Seitenrändern von jeweils einer polierten Fase abgeschlossen. Gänzliche ohne Kunststoff kommt allerdings auch Huawei nicht aus, weil ohne dieses die Antennen keine Möglichkeit hätten, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Kunststoff kommt an den Seitenrändern in Form von vier schmalen Streifen, die das Aluminium durchbrechen, zum Einsatz, sowie als Abschlussstück der Rückseite. Die Spaltmaße der Abdeckung sind sehr gering und gleichmäßig, an den Seitenrändern gehen die Antennen nahtlos in das Aluminium über.

Deutlich auffälliger ist hingegen der obere Bereich für die Kamera. Hinter dem Glaseinsatz für die Kamera sitzen zahlreiche Antennen, die über dieses Fenster funken können. Weil sich die leichte Erhebung über die gesamte Gehäusebreite zieht, kann das Nexus 6P dennoch ohne Wackler auf dem Tisch liegend bedient werden.

Von vorne betrachtet ist auch das 6P typisch Nexus: Schwarz, Schwarz und noch mehr Schwarz „ziert“ die Front, einzig die zwei Lautsprecher oben und unten lockern die Vorderseite auf. Anders als noch beim Nexus 5X handelt es sich um echte Lautsprecher, die für einen sehr guten Stereoklang auf Niveau der Boomsound-Lautsprecher von HTC sorgen. Vor allem bei den letzten beiden Klicks der Lautstärkewippe legen die Lautsprecher noch einmal deutlich an Lautstärke zu. Direkt über der Wippe sitzt ein geriffelter An/Aus-Schalter, der dadurch auch in Dunkelheit gut erfühlbar ist.

Wirklich benötigt wird dieser Schalter allerdings nur zum Ausschalten oder wenn der Fingerabdrucksensor nicht benutzt wird. Dieser sitzt wie beim Nexus 5X auf der Rückseite, ist dieses Mal aber vertieft in das Gehäuse eingelassen, anstatt leicht hervorstehend. Wer aktuelle Huawei-Smartphones mit Fingerabdrucksensor bereits benutzt hat, weiß, wie schnell die Sensoren mittlerweile agieren. Auch beim Nexus 6P sind Fingerabdrücke mit wenigen Berührungen des Sensors im System gespeichert. Wer das 6P mit dem Finger auf der Rückseite aus der Tasche zieht, bekommt den Sperrbildschirm nicht mehr zu sehen.

Die Position des Sensors ist allerdings von Nachteil, wenn das Nexus 6P auf dem Tisch liegend schnell entsperrt werden soll. Als Alternative zum Fingerabdruck bleibt die Eingabe einer PIN oder eines Entsperrmusters. In puncto Handhabung gibt es ansonsten aber kaum Kritik zu üben. Weil das Nexus 6P kleiner, deutlich dünner und leichter als das Nexus 6 ist, liegt es besser in der Hand. Dabei muss aber nach wie vor jedem Käufer klar sein, dass das Nexus 6P dadurch nicht weniger ein Zweihand-Smartphone ist. Es ist zwar kleiner geworden, aber noch immer ein großes Smartphone.

Display

Kleiner geworden ist auch das Display. Huawei verbaut ein 5,7 Zoll großes OLED-Display, das laut Google auf der aktuellsten Generation AMOLED von Samsung basiert. Die Auflösung liegt unverändert zum 6-Zoll-Display des Nexus 6 bei 1.440 × 2.560 Bildpunkten. Dadurch ist die Pixeldichte im Vergleich zum Vorjahr von 493 auf 515 ppi gestiegen. Das sorgt für eine gestochen scharfe Darstellung frei von jeglicher Treppchenbildung. Einzelne Pixel sind auch bei noch so genauer Betrachtung nicht auf dem Panel erkennbar.

In puncto Darstellungsqualität liegt das AMOLED-Display des Nexus 6P ohne Zweifel auf dem Niveau aktueller Samsung-Smartphones, hier verspricht Google nicht zu viel. Das Panel im Nexus 6P ist beim Weißpunkt sogar besser kalibriert. Mit 7.100 Kelvin ist das Weiß des Displays nicht so kühl abgestimmt wie es bei OLED-Displays von Samsung häufig der Fall ist.

Wie bei Samsung ist das Smartphone ab Werk aber nicht mit dem besten Bildschirmmodus eingestellt. Während bei Samsung „AMOLED-Foto“ die beste Qualität liefert, ist es beim Nexus 6P der in den Entwickleroptionen versteckte sRGB-Modus. Sobald dieser aktiviert ist, stellt das Display Farben deutlich realistischer und natürlicher dar. Auch der leichte Orangestich bei Rottönen verschwindet durch diese Maßnahme.

Dass das verbaute Panel allerdings nicht vollständig mit denen von Samsung vergleichbar ist, zeigt die maximale Helligkeit. Der Boost, den Samsung bei seinen eigenen Smartphones aktivieren kann, sobald das Smartphone bei grellem Sonnenschein benutzt wird, fehlt bei Google. Selbst im Automatikmodus der Helligkeit lässt sich das Panel nicht zu einer höheren Strahlkraft als 353 cd/m² bewegen.

Damit leuchtet das Nexus 6P bei einem vollständig weißen Display aber dennoch 35 Prozent heller als das OLED-Display des alten Nexus 6, das vor einem Jahr mit mageren 262 cd/m³ gemessen wurde. Samsung kommt im Boost-Modus der aktuellen Galaxy-Smartphones allerdings auf weit über 500 cd/m², was sich vor allem beim Außeneinsatz bemerkbar macht. Das vom Nexus 6P maximal erreichte Niveau liegt auf Augenhöhe zu den Samsung-Geräten bei manueller Regulierung der Helligkeit.

Im sRGB-Modus zählt das Nexus-6P-Display dennoch noch knapp zu den sehr guten Smartphone-Panels am Markt, was vor allem der Farbabstimming in diesem – unnötig versteckten – Modus sowie allgemein des ausgezeichneten Kontrasts und der hohen Blickwinkelstabilität sowie der ausgezeichneten Auflösung zu verdanken ist.

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