5G-Modem: Intel Gold Ridge kann weltweit LTE ablösen

Nicolas La Rocco 29 Kommentare
5G-Modem: Intel Gold Ridge kann weltweit LTE ablösen
Bild: Intel

Intel will sich an die Spitze des 5G-Rollouts im Jahr 2020 setzen und präsentiert dafür zur CES 2017 das erste 5G-Modem des Unternehmens. Das 5G-Modem hat den Codenamen Gold Ridge und unterstützt Frequenzbänder in den Bereichen unter 6 GHz und 28 GHz, sodass es auf allen wichtigen Märkten erprobt werden kann.

5G soll ab dem Jahr 2020 LTE ablösen

5G ist der Nachfolger von LTE sowie dessen Ausbaustufen LTE Advanced und LTE Advanced Pro. Der neue Mobilfunkstandard soll Bandbreiten von mehreren Gigabit pro Sekunde, eklatant niedrigere Latenzzeiten sowie deutlich mehr Endgeräte pro Funkzelle ermöglichen. Das alles sind wichtige Faktoren für Einsatzgebiete wie autonomes Fahren, smarte Städte und Infrastruktur, Maschinenkommunikation oder autonome Drohnen. Alle großen Netzwerkausrüster arbeiten derzeit an der Fertigstellung der Standardisierung, um ab dem Jahre 2020 den Rollout zu meistern. Gleichzeitig arbeiten Chiphersteller wie Qualcomm und jetzt auch Intel an den benötigten Modems für Endgeräte.

Einsatzszenarien für 5G
Einsatzszenarien für 5G (Bild: Intel)
Intels 5G-Modem Gold Ridge
Intels 5G-Modem Gold Ridge (Bild: Intel)

Das Gold Ridge getaufte 5G-Modem von Intel funkt auf 800 MHz Bandbreite und ist zum einen für den von 3,3 bis 4,2 GHz reichenden Frequenzbereich geeignet, der in Europa und China für die Erprobung von 5G verwendet wird, und zum anderen für 28 GHz (wwWave), das in den USA, Korea und Japan zum Einsatz kommt. Der RFIC (Radio Frequency Integrated Circuit) mit dem Codenamen Monumental Summit kommt mit Unterstützung für beide Frequenzbereiche, das Gold-Ridge-Modem kann aber auch mit dem schon zum MWC angekündigten mmWave-RFIC Segula Peak gekoppelt werden. Das neue Intel-Modem unterstützt die für 5G wichtigen Standards der 3GPP-Standardisierungsgremien, darunter die niedrige Latenz, Beamforming, Massive-MIMO und neue Kanalkodierungen.

Dual-Konnektivität mit Kopplung von zweitem Modem

Intel will in der zweiten Jahreshälfte 2017 mit der Sample-Produktion von Gold Ridge beginnen und in der ersten Jahreshälfte 2018 die Massenproduktion starten. Da es sich um ein reines 5G-Modem handelt, ist es nicht abwärtskompatibel zu LTE oder noch älteren Mobilfunkstandards. An dieser Stelle geht Intel aber den gleichen Weg wie Qualcomm beim X50-Modem, indem das 5G-Modem mit einem LTE-Modem (XMM 7360) gepaart werden kann, um 4G und 5G gleichzeitig zur Verfügung zu stellen. Dafür wird ein Application Processor (AP) als Kupplung zwischen beiden Lösungen benötigt.

Aufbau von Gold Ridge, RFICs, AP und LTE-Modem
Aufbau von Gold Ridge, RFICs, AP und LTE-Modem (Bild: Intel)

Kommen wirklich Smartphones mit zwei Modems?

Es wird ab 2018 interessant zu beobachten sein, ob Smartphone-Hersteller in der Übergangsphase zu 5G tatsächlich Geräte mit zwei Modems auf den Markt bringen werden. Das 5G-Modem würde bis zur Fertigstellung der Netze brach liegen. Wichtiger ist diese Möglichkeit der Dual-Modem-Umsetzung eher für Bereiche wie smarte Stadt-Infrastruktur, wo bei einer Modernisierung schon ab dem nächsten Jahr 5G verbaut werden könnte, um dann zwei Jahre später nur noch den Schalter für 5G umlegen zu müssen. Bis dahin würde das noch aktuelle LTE die Konnektivität sicherstellen.

5G im Automobil mit Referenzplattform GO
5G im Automobil mit Referenzplattform GO (Bild: Intel)

5G im Automobil mit Connectivity Plattform GO

Da 5G insbesondere für die Automobilbranche von hoher Bedeutung ist, arbeitet Intel an einer „GO“ getauften Automotive Connectivity Platform (ACP) mit dem neuen Gold-Ridge-Modem, um Fahrzeuge in Zukunft mit 5G ausrüsten zu können. Eine ähnliche Plattform – allerdings mit LTE – bietet Qualcomm auf Basis des X12-Modems an. Qualcomm hatte allerdings schon im Juni 2016 die Skalierbarkeit der Plattform angekündigt, sodass auch dort 5G in Zukunft eine Rolle spielen wird. Dennoch ist Intel laut eigener Angabe mit GO der erste Hersteller einer 5G-Plattform für Automobile.