Nintendo Switch: Melken, Kartfahren und Boxen im TV- oder Handheld-Modus

Jan-Frederik Timm 279 Kommentare
Nintendo Switch: Melken, Kartfahren und Boxen im TV- oder Handheld-Modus

Offenbach, München und jetzt Berlin: Zum dritten Mal nach der Präsentation der neuen Konsole Switch hat Nintendo zum Ausprobieren eingeladen. Im Berliner Motorenwerk durfte die Nintendo Switch ausprobiert werden. Der Erfahrungsbericht.

Gemeinsam spielen, auch vor dem TV

Fast alle Spiele konnten wann und so lange man wollte gezockt werden, nur bei Zelda: Breath of the Wild gab es gegen Reservierung ein im Spiel festgelegtes 20-Minuten-Limit.

Sieben Spiele ausprobiert

Angespielt wurden – in dieser Reihenfolge – 1-2 Switch (3. März 2017), Arms (Frühling 2017), Mario Kart 8 Deluxe (28. April 2017), Zelda: Breath of the Wild (3. März 2017), Splatoon 2 (Sommer 2017), Snipperclips (März 2017) und Just Dance 2017 (März 2017).

Auge in Auge, Zahn um Zahn

Wie sehr Nintendo dem mit Wii und Wii U verfolgten Konzept, Spieler an einer Konsole in Bewegung zusammen zu bringen, mit Switch treu bleiben will, machte schon die Gestaltung der Halle deutlich: Der Spiele-Sammlung 1-2 Switch mit unzähligen kurzen Zwei-Spieler-Spielen wurde der meiste Platz eingeräumt, gleich dahinter folgte Arms mit kleinem nachgebauten Boxring.

Zwölf Nischen für die Mini-Spiele aus 1-2 Switch
Zwölf Nischen für die Mini-Spiele aus 1-2 Switch

Um die Wette melken oder sich im Pistolenduell messen: Spiele aus der Sammlung 1-2 Switch sind darauf ausgelegt, dass sich beide Kontrahenten nicht nur nahe stehen, sondern immer wieder auch in die Augen sehen – der Fernseher verkommt zur Ergebnisanzeige. Dass der aktuelle Rhythmus aus der Bewegung des Joy-Con und dem Drücken der Knöpfe viel Milch aus dem Euter befördert, oder wann die Duellanten die Waffe heben und abdrücken müssen, wird hingegen über das in jedem der Controller integrierte Force Feedback signalisiert. Das gelingt erstaunlich gut. Alle Spiele der Sammlung bieten trotzdem nur wenig Langzeitmotivation. Das erinnert an viele spaßige VR-Anwendungen, mit denen Freunde und Bekannte heiß gemacht werden, bis sich die Frage stellt: Und was machen wir jetzt?

Beim Pistolenduell ist der Fernseher Nebensache
Beim Pistolenduell ist der Fernseher Nebensache

Beim zweiten ausprobierten Spiel, das allein mit den beiden Joy-Con in den Händen gespielt wird, sieht das schon anders aus. Arms ist eine Kreuzung aus Streetfighter und Boxen. Treten zwei Spieler im Split-Screen-Modus an, bedarf es vier Joy-Con – ja, ohne „s“, wie Nintendo betont: Ein Joy-Con, zwei Joy-Con. Joy-Cons ist falsch. Zwei liegen jeder Konsole bei, zwei weitere kosten 80 Euro.

Beim Boxen ist die Steuerung komplex

Die Steuerung in Arms ist komplex. Durch paralleles Kippen der Controller bewegt sich der Spieler, über Knöpfe kann gesprungen, einseitig oder beidseitig geschlagen werden – wahlweise geradeaus oder etwas zur Seite. Werden beide Joy-Con um 90 Grad vor dem Spieler gekippt, blockt die Figur Schläge ab. Im hitzigen Duell mit dem bereits bestens geübten Nintendo-Mitarbeiter war in den gespielten Runden auf Basis dieser Steuerung nicht an ein gezieltes Vorgehen zu denken, die Lust auf ein tieferes Einsteigen in die Bedienung wurde aber umso mehr geweckt.

Spaß kam auch beim Spielen von Mario Kart 8 Deluxe am Handheld auf. Zusammen mit sieben weiteren Gästen am kreisrunden Tisch durfte das Spiel durch einen Mitarbeiter gleich mehrfach neu gestartet werden. Einmal Mario Kart, immer Mario Kart: Das Spiel mit seiner einfachen Steuerung hat es auch im Jahr 2017 noch in sich. Alternativ konnte Mario Kart auch im Split-Screen im TV-Modus gespielt werden. Multiplayer-Partien sind mit bis zu acht Spielern im gleichen Netzwerk oder – später im Jahr – auch über das Internet möglich. Der Nintendo Switch Online Service kostet allerdings etwas. Ein bestehendes WLAN soll für lokale Partien übrigens nicht benötigt werden, ein Switch kann den Host geben.

20 Minuten Zelda machen Lust auf mehr

Ohne Einweisung in die Steuerung ging es in die 20 Minuten mit Zelda: Breath of the Wild. Der Anfang des Spiels ist allerdings auch als Tutorial ausgelegt und erklärt die Belegung der Controller im Detail. Nachdem der Spieler aus seinem tiefen Schlaf erwacht ist und sich eingekleidet hat, geht es aus der Geborgenheit einer Höhle unmittelbar in die ersten Auseinandersetzungen. Und ehe man sich versieht, blendet das Spiel mit dem Hinweis „Thank you for Playing“ auch schon aus. Probleme mit der Steuerung gab es nicht.

Zelda: Breath of the Wild durfte nur 20 Minuten angespielt werden
Zelda: Breath of the Wild durfte nur 20 Minuten angespielt werden

Im anschließend im Modus vier gegen vier gespielten Splatoon 2, in dem zwei Teams versuchen, ein räumlich begrenztes Areal möglichst flächendeckend mit ihrer jeweiligen Farbe zu besprühen, hakte es hingegen wieder mehr. Das lag in diesem Fall aber nicht an der Komplexität der Eingaben, sondern einer Doppelbelegung: Dass sowohl ein analoger Joystick als auch das Handheld selbst zum Ausrichten des Blickes genutzt werden können, sorgte wieder und wieder für Verwirrung. Länger als 15 Minuten wurde aber auch nicht geübt, denn Snipperclips musste auf Anraten von Nintendo unbedingt noch ausprobiert werden.

Jeweils mit einem Joy-Con bewaffnet, müssen Spieler in diesem Titel ihre Spielfiguren durch gezieltes Überlappen so zurecht schneiden, dass sie zusammen am Ende die vorgegebene Form ergeben. Ein kurzweiliger Rätselspaß für zwei Spieler, der noch im März 2017 erscheinen soll.

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