Pure Power 10 CM und BQ im Test: Mittelklasse-Referenz von be quiet! und EVGA 3/5

Nico Schleippmann 126 Kommentare

Testergebnisse

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80-Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen nachstellen.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Bei schwacher bis knapp zur Halblast kommt das L10 an die Anforderungen für 80Plus Gold heran. Dann allerdings fällt der Wirkungsgrad stärker ab, wobei die Anforderungen für 80Plus Silber kein Problem darstellen. Ähnlich ergeht es dem 80Plus-Gold-500-BQ, das anfangs 80Plus Silber erfüllt, dann aber bei Volllast nur noch zwischen Bronze und Silber liegt. Die von den Herstellern in Aussicht gestellten Effizienzen werden also erfüllt.

Europäische Anwender interessiert jedoch die Performance im 230-Volt-Netz, in dem ein höherer Wirkungsgrad erreicht werden kann. Mit den Lasten nach 80Plus bei prozentualer Auslastung bis 20 Prozent fällt der Wirkungsgrad des L10 anders als erwartet geringfügig ab – eine mögliche Ursache kann die PFC sein, die in diesem Lastzustand noch nicht ihre volle Stärke abrufen kann. Bis hin zur Volllast zeigen sich schließlich die Vorteile der höheren Eingangsspannung, weil der nur noch halb so große Strom in der PFC quadratisch in die Verluste eingeht.

Knapper Vorsprung für be quiet!

Der Wirkungsgrad bei festen Lasten, die reale Lastzustände von Hardware-Konfigurationen nachstellen, offenbart weitere interessante Details. So schrumpft der Effizienz-Vorsprung des L10 für typische Gaming-Szenarien auf nur noch 1,0 %. Bei Volllast ist schließlich kaum noch ein Unterschied zwischen den beiden Netzteilen feststellbar (Achtung: 550-Watt-Messung entspricht bei beiden Netzteilen 50 Watt Überlast). Bei Schwachlast sind die Differenzen wie erwartet auch sehr gering, weil hier der Technologievorteil durch ACRF im L10 keine Verbesserung erzielen kann.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Die Leistungsfaktorkorrektur funktioniert ordnungsgemäß, dank der aktiven PFC wird der Strom sinusförmig aufgenommen, sodass das Netz nur mit einer geringen Blindleistung belastet wird.

Spannungsregulation

Die unveränderte Lastverteilung des L10 mit sehr hoher Belastbarkeit der Minor-Rails und insbesondere der 3,3-Volt-Schiene wirkt sich in den prozentualen Lastszenarien nach 80Plus in eben solchen hohen Auslastungen der Minor-Rails aus. Das hat trotz Spannungsabgriff mittels Sense-Leitungen für Volllast und den zweiten Crossload-Test eine sehr geringe Spannung auf der 3,3-Volt-Schiene zur Folge, die allerdings noch in der ATX-Spezifikation liegt. Das EVGA 500 BQ hat trotz des geringeren Nennstroms ein ähnliches Problem.

Netzteile für den Praxiseinsatz anstatt für den Benchmark

Umso erfreulicher ist das Ergebnis für die praxisrelevanteren, selbst erstellten Lasten. Hier regeln die Netzteile die Ausgangsspannungen nahezu ideal. Sogar den undefinierten Extremzustand der Überlast meistern die Netzteile in der kurzzeitigen Messung problemlos.

Restwelligkeit

Auf der wichtigen 12-Volt-Schiene können exzellente Werte für die Restwelligkeit gemessen werden, mit maximal 20 mV kann sich das 500 BQ sogar mit High-End-Netzteilen messen. Die Minor-Rails des L10 stehen auch in diesem Test etwas schlechter da, was zu einem kleinen Teil auch an der etwas höheren Auslastung dieser Schienen liegt.

Bei den festen Lastzuständen, mit denen die Netzteile besser verglichen werden können, hat das 500 BQ auf den Minor-Rails immer noch einen großen Vorsprung. Die exzellenten Ergebnisse machen die Werte des L10 aber nicht zwangsweise schlechter, das über das größte Lastintervall immer noch gute Werte abliefert, weil die Spannungen gerade einmal zur Hälfte an die Spezifikationsgrenze heranreichen.

Schutzschaltungen

Die Überstromsicherung (OCP) des L10 funktioniert einwandfrei, mit der Aufteilung auf zwei 12-Volt-Schienen ist außerdem eine effektivere Absicherung gegenüber Single-Rail-Netzteilen gelungen, für die 41 Ampere gerade einmal der Nennstrom ist. Das 500 BQ schaltet auf den Minor-Rails flott ab, hat allerdings keine OCP auf der 12-Volt-Schiene implementiert. Hersteller verzichten teils ganz bewusst auf die 12-Volt-OCP bei Single-Rail-Netzteilen, da sie sowieso die komplette Ausgangsleistung auf dieser Schiene abgegeben können. Problematisch wird es nur wie im Falle des 500 BQ, wenn die Überlastsicherung (OPP) nicht richtig konfiguriert ist. Bevor diese eingreifen kann, fällt die Spannung auf der 12-Volt-Schiene derart stark, dass eine Abschaltung über die UVP hervorgerufen wurde.

Überlastsicherung unwirksam

Aber auch im L10 muss entweder die Genauigkeit der Leistungsmessung verbessert oder der Auslösepunkt gesenkt werden, damit die OPP funktionieren kann. Selbst die zwei 12-Volt-Schienen sind bei einer mutwilligen Überlastung des Netzteils kein zuverlässiger Schutz, weil die beiden Schienen zusammen eine höhere Belastung zulassen als es die Nennleistung des Netzteils erlaubt.

be quiet! Pure Power 10 500W CM
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 24 A 35 A
5 V OCP 15 A 27 A
12 V1 OCP 28 A 41 A
12 V2 OCP 20 A 30 A
OPP 500 W > 625 W (Abschaltung bedingt durch UVP, da 12V-Schiene auf 10,4 V fällt)
OTP 85 °C am sekundärseitigen Kühlkörper
EVGA 500 BQ
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 24 A
5 V OCP 20 A 25 A
12 V OCP 41,6 A 59 A (Abschaltung bedingt durch UVP, da 12V-Schiene auf 9,2 V fällt)
OPP 500 W > 655 W (Abschaltung bedingt durch UVP, da 12V-Schiene auf 9,2 V fällt)

Mit dem Erkennen eines Kurzschlusses haben beide Probanden wiederum kein Problem. Ein niederohmiger Kurzschluss führt sowohl am 24-Pin-ATX- als auch an einem SATA-Stecker zur korrekten Abschaltung des Netzteils. Im 500 BQ fehlt die Schutzschaltung gegen Überhitzungen, weshalb bei einem möglichen Ausfall oder Blockade des Lüfters auf das Auslösen einer anderen Sicherung gehofft werden muss. Für das be-quiet!-Netzteil stellt ein solcher Fall keine Schwierigkeit dar, rund 85 °C am Kühlkörper auf der Sekundärseite stellen den Schwellwert dar, bei dem eine Notabschaltung erfolgt.

Wärmekammer

Beide Netzteile sind für einen Standard-Arbeitsbereich bis zu einer Umgebungstemperatur von 40 °C ausgeschildert. Wenn das Netzteil mit zur Entlüftung des Systems genutzt wird, können solche hohen Temperaturen auftreten. Viele Gehäuse erlauben mittlerweile aber einen getrennten Luftstrom, das der Lautstärke und Performance des Netzteils zugute kommt. Die folgenden Messungen wurden mit anderem Messequipment und abweichender Lastverteilung bei einer Umgebungstemperatur von 40 °C und Volllast durchgeführt.

Ausgangsspannungen Pure Power 10 500W CM 500 BQ
12 V 12,10 V 12,03 V
5 V 5,01 V 5,01 V
3,3 V 3,29 V 3,33 V

Ausgangsspannungen und die Restwelligkeit unterscheiden sich ein wenig von der Kaltmessung. Die Werte liegen aber weiterhin deutlich innerhalb der Toleranzen, sodass auch mit diesen Temperaturen ein stabiler Betrieb gewährleistet ist. Die Lüfterdrehzahl des EVGA 500 BQ erhöht sich gegenüber der 26-°C-Umgebungstemperatur der Lautstärkemessung mit 1.600 Umdrehungen pro Minute nur geringfügig. Das Pure Power 10 500W CM ist auf die geringste Lautstärke in allen Situationen ausgelegt, weshalb die Drehzahl in der Wärmekammer mit 1.360 U/Min erkennbar niedriger ist. Das Netzteil kommt bei diesen Temperaturen aber an sein Limit, da bei 72 °C des sekundärseitigen Kühlkörpers gerade noch genug Wärme abgeführt werden kann – das 500 BQ bleibt mit 50 °C hierbei kühler.

Stützzeit & ErP

Gerade für günstige Netzteile wird gerne am Stützkondensator gespart, weil ein ordnungsgemäßer Betrieb in einem stabilen Niederspannungsnetz wie dem deutschen auch für geringere Stützzeiten sichergestellt werden kann. be quiet! schießt mit einer Stützzeit von 34,0 ms deutlich über die geforderten 16,0 ms hinaus, das dank der zahlreichen Kondensatoren unter anderem von der Kabelmanagement-Platine ermöglicht worden sein soll. Wie so viele Netzteile der unteren Mittelklasse hat das 500 BQ mit diesen Anforderungen zu kämpfen und kommt nur 13,1 ms. Liegt eine nur 80-prozentige-Last an, sollte aber auch das EVGA-Netzteil diese Hürde meistern.

38 Einträge
Stützzeit
Angaben in Millisekunden
  • AC_loss bis PWR_OK-Ende:
    • Xilence Performance A+ 530W
      8,8
    • Chieftec Force CPS-500S
      9,3
    • LC-Power GP4 LC6560
      9,7
    • Cougar GX-S450
      9,9
    • Super Flower Platinum King 450W
      10,1
    • Corsair Vengeance 500
      10,3
    • Aerocool Xpredator 500W
      11,6
    • LC-Power LC8850III
      11,8
    • Enermax Revolution X't II 550W
      12,4
    • be quiet! S8 500W
      12,5
    • EVGA 500 BQ
      13,1
    • Silverstone Strider Titanium ST80F-TI 800W
      15,4
    • Minimum
      16,0
    • Cooler Master V850
      16,1
    • Thermaltake Toughpower DPS G Platinum 850W
      16,3
    • Cougar LX 500 (2. Muster)
      16,7
    • Cougar LX 500 (1. Muster)
      16,8
    • Corsair HX850i
      17,6
    • Corsair SF450
      18,6
    • Super Flower Leadex Titanium 850W
      19,1
    • be quiet! P11 850W
      22,7
    • be quiet! Pure Power 10 500W CM
      34,0
  • PWR_OK-Ende bis DC_loss:
    • be quiet! Pure Power 10 500W CM
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -1,1
    • Aerocool Xpredator 500W
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -1,3
    • Silverstone Strider Titanium ST80F-TI 800W
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -2,2
    • Chieftec Force CPS-500S
      0,4
    • Minimum
      1,0
    • Enermax Revolution X't II 550W
      1,1
    • Thermaltake Toughpower DPS G Platinum 850W
      1,2
    • Super Flower Platinum King 450W
      2,1
    • LC-Power LC8850III
      2,4
    • EVGA 500 BQ
      2,5
    • Corsair Vengeance 500
      3,2
    • Corsair SF450
      3,4
    • be quiet! S8 500W
      3,5
    • Cougar GX-S450
      4,0
    • LC-Power GP4 LC6560
      4,1
    • Cougar LX 500 (1. Muster)
      4,1
    • Cougar LX 500 (2. Muster)
      4,1
    • be quiet! P11 850W
      4,5
    • Corsair HX850i
      4,5
    • Super Flower Leadex Titanium 850W
      5,1
    • Xilence Performance A+ 530W
      5,2
    • Cooler Master V850
      5,5

Aber nicht nur die Stützzeit selbst ist ein relevantes Messergebnis, sondern auch der Zeitpunkt, wenn das Netzteil das PWR_OK-Signal fallen lässt, bevor die Spezifikationen der Spannungsschienen verlassen werden (DC_loss). Diese Zeit soll mindestens 1 ms betragen, wobei eine möglichst kurze Zeitspanne bevorzugt wird, weil dadurch die Stützzeit verlängert werden kann. Obwohl be quiet! für das L10 deutlich mehr Stützzeit als gefordert gönnt, ist das Timing des Power-Good-Signals nicht korrekt eingestellt. Der Hersteller argumentiert für diesen Sachverhalt unter der Begründung, dass Reboots bei umgekehrten Timing ein ungewünschtes Problem mit bestimmten Konfigurationen wären.

ErP Lot 6 2013 be quiet! EVGA
Keine Last 0,26 0,24
45 mA auf 5 VSB 0,53 0,44
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Wenn keine Last angelegt wird, nehmen die beiden Testkandidaten unter 0,3 Watt aus dem Netz auf. Bei geringfügiger Last sind es 0,53 beziehungsweise 0,44 Watt. Unter Berücksichtigung von Messtoleranzen sind die Netzteile also zur EU-Stromsparrichtlinie konform.

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