Halo Wars 2 Benchmark: Hübsch und flüssig mit DirectX 12 trotz UWP

Wolfgang Andermahr 129 Kommentare
Halo Wars 2 Benchmark: Hübsch und flüssig mit DirectX 12 trotz UWP

Halo Wars hatte es zunächst nicht auf den PC geschafft, doch der UWP-Titel Halo Wars 2 lässt sich vom ersten Tag an auch am PC spielen. Er nutzt ausschließlich DirectX 12. Im Benchmark-Test mehrerer Grafikkarten erweist sich der Titel dabei als optisch ansprechend und dennoch wenig fordernd.

Optisch ansprechende Echtzeitstrategie mit DirectX 12

Der Microsoft-Titel wurde von 343 Industries sowie Creative Assembly entwickelt, die sich mit Titeln aus der Halo-Serie sowie der Total-War-Reihe einen Namen gemacht haben. Und technisch macht auch Halo Wars 2 einen guten Eindruck. Die Grafik ist für ein Echtzeitstrategiespiel ungewöhnlich hübsch, die Waffeneffekte sind sogar spektakulär. Nur wer sehr nahe heran zoomt, erkennt einen Mangel an Texturschärfe: Die Bodentexturen hätten noch deutlich höher aufgelöst sein können.

Halo Wars 2 basiert auf einer nicht näher spezifizierten Engine, die auf dem PC Windows 10 voraussetzt und ausschließlich die API DirectX beherrscht. Als Vertriebsplattform kommt der Windows Store unter Windows 10 und damit die Universal App Platform (UWP) zum Einsatz. Wer den Titel besitzt, kann ihn ohne erneuten Kauf auch auf der Xbox One spielen (Microsoft Play Anywhere).

UWP-Eigenheiten lassen sich aushebeln

UWP-Titel haben weiterhin ihre technischen Eigenheiten. Eine davon: Auch wenn Vsync im Grafikmenü abgeschaltet wird, ist die Synchronisation mit dem Monitor nie ganz aus. Es gibt zwar kein Tearing, aber auch keine höheren Frameraten als es die Bildwiederholfrequenz des Monitors zulässt. Anders herum wird ein Frame, der bei einer zu geringen Framerate nicht rechtzeitig fertig gestellt worden ist, verworfen.

Halo Wars 2
Halo Wars 2

In bisherigen UWP-Spielen mit First-Person-Shooter-Charakter führte das in der Regel zu einem unangenehmen Ruckeln. Halo Wars 2 hat als Echtzeitstrategiespiel jedoch den Vorteil, von Natur aus deutlich weniger anfällig für eine nicht gleichmäßige Frameausgabe zu sein. In Halo Wars 2 sind ab und zu auftretende Framedrops deshalb nicht zu spüren. Es müssen schon ziemlich viele hintereinander auftreten, dass diese spürbar sind.

Vsync lässt sich mit einem Trick ganz abschalten

Davon abgesehen bietet Halo Wars 2 wie das UWP-Spiel Gears of War 4 einen Workaround, mit der sich Vsync unter Windows doch komplett aushebeln lässt – mitsamt den Vorteilen wie einem reduzierten Input-Lag und den Nachteilen wie Bildfehlern durch Tearing. Voraussetzung dafür ist, dass nur ein Monitor an der Grafikkarte angeschlossen ist, und die Auflösung im Spiel der nativen Auflösung des Monitors entspricht. Dann ist Vsync tatsächlich abgeschaltet. Das spielinterne Up- und Downsampling darf aber nicht genutzt werden.

Presets und Anti-Aliasing im Überblick

Presets gibt es in Halo Wars 2 nicht, Spieler müssen bei Bedarf im Detail eingreifen. Im Test ist keine Option aufgefallen, die einen besonders hohen Einfluss auf die Leistung hat, stattdessen bringt jeder Schalter etwas höhere FPS. Analog verhält es sich mit der grafischen Aufmachung: Alle Optionen reduzieren die Qualität geringfügig, erst die Summe der Veränderungen hat Auswirkungen auf den Gesamteindruck.

SMAA oder Downsampling glättet Kanten

Als Kantenglättung gibt es in Halo Wars 2 ausschließlich SMAA. Das funktioniert in Auflösungen ab 2.560 × 1.440 annehmbar, aber selbst in Ultra HD flackert die Vegetation immer noch. Das ist nicht störend, fällt aber auf. In Full HD gibt es dagegen die üblichen Probleme mit der reduzierten Schärfe und einem deutlich flackernden Bild. In 2.560 × 1.440 ist die Unschärfe nicht mehr wahrnehmbar.

Alternativ bietet Halo Wars 2 natives Downsampling. Die native Auflösung des Monitors lässt sich auf beiden Achsen verdoppeln oder alternativ auf beiden Achsen halbieren. Eine höhere Auflösung lässt die Grafik zwar deutlich schicker wirken, verlangt der GPU aber auch deutlich mehr ab. Bei einer geringeren Auflösung ist entsprechend das Gegenteil der Fall. VSync komplett abgeschaltet werden kann dann nicht mehr.

Testreihen, Testsystem und Grafik-Einstellungen

Sämtliche Testreihen wurden auf dem aktuellen Grafikkarten-Testsystem durchgeführt. Dabei wurde der Core i7-6700K mit den Standard-Taktraten betrieben. Als Treiber waren der Crimson 17.2.1 beziehungsweise der GeForce 378.66 installiert.

Die Testszene stammt aus der Einzelspielerkampagne und zeigt einen Kampf mehrerer Einheiten mit vielen Waffeneffekten und Explosionen. Es handelt sich um ein ziemliches Worst-Case-Szenario – noch langsamer sollte Halo Wars 2 nur selten laufen.

Die Benchmarks laufen mit durchwegs maximierten Details

In allen drei getesteten Auflösungen werden die Grafikkarten mit der maximalen Detailstufe belastet. Vsync ist komplett abgeschaltet, es wird die native Auflösung der drei Displays genutzt.

Auflösung Grafik-Details
1.920 × 1.080 Maximale Details
2.560 × 1.440 Maximale Details
3.840 × 2.160 Maximale Details

Benchmarks von Full HD bis Ultra HD

Obwohl Halo Wars 2 sehr gut aussieht, sind die Anforderungen an die Grafikkarte als moderat zu bezeichnen. Flüssige Frameraten bei maximalen Details sind auch auf Mittelklasse-Modellen möglich. Bereits eine GeForce GTX 1050 kommt auf rund 45 Bilder pro Sekunde. Die 60-FPS-Marke wird ab einer Radeon R9 390, Radeon RX 470, GeForce GTX 970 oder einer GeForce GTX 1060 gehalten.

Pascal und Polaris in Full HD gleich auf

Schon ab einer GeForce GTX 1070 ist der Core i7-6700K nicht mehr schnell genug und bremst, mit einer Titan X läuft das Spiel deshalb nicht mehr schneller. Darüber hinaus zeigt sich, dass die Pascal- und die Polaris-Architektur annähernd gleich schnell in Halo Wars 2 arbeiten: Der Abstand zwischen der GeForce GTX 1060 und der Radeon RX 480 beträgt nur knappe drei Prozent zu Gunsten des Nvidia-Modells.

Die älteren AMD-Generationen fallen dagegen etwas ab. So ist die Radeon R9 390X noch drei Prozent langsamer als die Radeon RX 480 und die Radeon RX 470 legt sich mit der Radeon R9 390 an. Bei Nvidia schwächelt die GeForce GTX 960 etwas, doch ab der GeForce GTX 970 läuft die vorherige Nvidia-Generation wieder gut. Womöglich reicht die deutlich geringere Speicherbandbreite der GeForce GTX 960 nicht aus.

In 2.560 × 1.440 werden die Abstände dann deutlich größer. Dennoch reichen auch dann noch eine Radeon R9 380X, Radeon RX 470, GeForce GTX 970 oder GeForce GTX 1060 für ein brauchbares Spielgefühl aus. 60 FPS gibt es ab der GeForce GTX 1060, während die Radeon RX 480 knapp dahinter bleibt.

Die Titan X knackt auch in Ultra HD die 60-FPS-Marke

Erst in Ultra HD trennt sich in Halo Wars 2 dann die Spreu vom Weizen. 40 Bilder pro Sekunde oder mehr gibt es bei AMD nur noch auf der Radeon R9 Fury X beziehungsweise ab der GeForce GTX 1070. Die Titan X ist in diesem Fall die einzige Grafikkarte, die mehr als 60 FPS liefert. Die zusätzliche Performance gegenüber der rund 50 FPS schnellen GeForce GTX 1080 beträgt 28 Prozent. Auffällig ist das gute Abschneiden der Radeon R9 Fury X, die sich um 36 Prozent von der Radeon R9 390X absetzen kann. In anderen Spielen ist der Abstand in der Regel geringer, offenbar kann Halo Wars 2 die vielen Shadereinheiten gut auslasten. Damit schlägt das auslaufende Flaggschiff von AMD in der höchsten Auflösung die GeForce GTX 1070 um zwei Prozent.

Das Spiel belegt den ganzen Speicher, braucht aber weniger

Unbekannt ist, wie viel Grafikkartenspeicher Halo Wars 2 effektiv verlangt, denn das Spiel adressiert unabhängig vom vorhandenen VRAM auch in niedrigen Auflösungen sofort den gesamten Speicher. In der Praxis waren hingegen auch in 3.840 × 2.160 mit einer Vier-Gigabyte-Grafikkarte keinerlei Nachteile spürbar. 2.048 MB reichen dagegen auch in Full HD für die vollen Texturdetails nicht mehr aus. Bei einer 2-GB-Grafikkarte darf die Texturstufe die mittlere Einstellung nicht überschreiten, sonst gibt es eine Ruckelorgie.

Frametimes und Percentiles

Halo Wars 2 fühlt sich bei ausreichender Framerate sowohl auf einer AMD- als auch auf einer Nvidia-Grafikkarte angenehm flüssig an. Das bestätigen auch die per PresentMon gemessenen Frametimes.

Sowohl die Radeon RX 480 als auch die GeForce GTX 1060 zeigen in 2.560 × 1.440 sehr gute Frameabstände ohne größere Schwankungen. Die GeForce GTX 1060 hat allerdings im letzten Viertel der Testszene zu kämpfen, dort ist eine kurze In-Game-Zwischensequenz zu sehen, zu deren Wechsel es zu einem kurzen aber reproduzierbaren Haken kommt. Während des Spiels gibt es solche Phänomene aber nicht. Im Diagramm mit den Percentilen lässt sich dieses Verhalten nachvollziehen: Es zeigt an, wie viel Prozent der FPS im Messzeitraum schneller als in x Millisekunden abgebildet werden konnten.

Empfehlungen von Full HD bis Ultra HD

Halo Wars 2 braucht als Echtzeitstrategiespiel keine hohen Frameraten, um flüssig zu erscheinen. Dennoch sind 40 FPS ratsam, denn andernfalls macht sich die Bildwiederholrate beim Scrollen, bei großen Explosionen und in Zwischensequenzen negativ bemerkbar. Ab etwa 55 FPS ist Halo Wars 2 gut spielbar.

Empfehlungen für Halo Wars 2 bei maximalen Details (für jede Auflösung)
gut spielbar (ab ~ 55 FPS) annehmbar spielbar (ab ~ 40 FPS)
1.920 × 1.080
AMD ab Radeon R9 380
ab Radeon RX 470
ab Radeon R9 380
ab Radeon RX 470
Nvidia ab GeForce GTX 970
ab GeForce GTX 1060
ab GeForce GTX 960
ab GeForce GTX 1050
2.560 × 1.440
AMD ab Radeon R9 390X
Radeon RX 480
ab Radeon R9 380
ab Radeon RX 470
Nvidia ab GeForce GTX 980
ab GeForce GTX 1060
ab GeForce GTX 970
ab GeForce GTX 1060
3.840 × 2.160
AMD nicht möglich ab Radeon R9 Fury
Nvidia Titan X ab GeForce GTX 1070

Fazit

Halo Wars 2 ist nach Gears of War 4 das zweite hochkarätige UWP-Spiel, das auf Microsofts Plattform ohne größere Schwierigkeiten läuft. Lässt der Spieler die Finger vom spielinternen Down- und Upsampling, läuft das Spiel sogar einwandfrei. Als UWP-Titel, mit DirectX 12 - es geht also doch. Die Grafik von Halo Wars 2 weiß dabei auch optisch zu gefallen. Die Effekte sind spektakulär, die Modelle detailliert, einzig die Texturen sind etwas unscharf.

Halo Wars 2 sieht gut aus und läuft flüssig
Halo Wars 2 sieht gut aus und läuft flüssig

Überraschend gut ist vor diesem Hintergrund die Performance des Spiels. Es ist keine schnelle Grafikkarte nötig, um mit der maximalen Detailstufe in Full HD oder sogar in 2.560 × 1.440 zu spielen. In Full HD erreicht selbst eine GeForce GTX 1050 angemessene Frameraten. Nur wer die volle Pracht in Ultra HD genießen möchte, benötigt mindestens eine Radeon R9 Fury beziehungsweise eine GeForce GTX 1070.

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