Radeon RX Vega 64 & 56 im Test: Der helle Stern wirft lange Schatten 3/9

Wolfgang Andermahr 1.598 Kommentare

Testergebnisse

Wie ComputerBase Grafikkarten testet, kann im Artikel „Grafikkarten: Benchmarks & Methodik“ nachgelesen werden. Ab April 2017 hat ComputerBase das Testverfahren deutlich abgeändert, um moderne Grafikkarten besser bewerten zu können. Ein Blick in den Artikel klärt die wesentlichen Fragen.

Zwei Treiber für RX Vega

Als Treiber wurde für Vega mit einer Ausnahme der 17.30.1051 (ein angepasster Crimson 17.7.2) genutzt. Nur beim Übertakten kam der von AMD am Samstag nachgeschobene 17.30.1051.1001 (eine Alpha des Crimson 17.8.2) zum Einsatz. Die Leistung ist bei beiden Treibern identisch, doch funktionierte beim älteren Treiber das Übertakten nicht korrekt.

Der neue Turbo-Modus tickt wie bei Nvidia

AMD hat mit Vega den Turbo-Modus deutlich überarbeitet, bereits die offiziellen Angaben zum Takt machen das deutlich. AMD nennt zwar weiterhin einen Basis-Takt und einen Turbo-Takt, der entspricht jetzt aber nicht mehr dem maximal per BIOS erlaubten sondern dem „im Durchschnitt“ erreichten Takt. Der maximale Takt wird wiederum nicht offenen kommuniziert. Nvidia geht seit Jahren so vor. Hintergrund: Mit maximalen Taktraten, die von der GPU-Temperatur und der Leistungsaufnahme abhängig sind, fällt der erreichbare Takt je nach Anwendung anders aus.

Bei der Radeon RX Vega 64 mit Luftkühlung liegt der angegebene Turbo-Takt bei 1.546 MHz. Der maximale mögliche Takt beträgt aber rund 1.670 MHz. Der angegebene Boost-Takt der Radeon RX Vega 56 liegt bei 1.471 MHz, maximal möglich sind aber etwa 1.640 MHz. Der wassergekühlten Version der Radeon RX Vega 64 gestattet AMD 160 MHz mehr Basistakt, der durchschnittliche Turbo soll 131 MHz höher liegen. Ohne eigenes Testmuster ist der maximal mögliche Takt nicht bekannt.

Offizielle Taktraten mit Standard-BIOS und Standard-Einstellungen
Modell Maximaler Takt Typischer Boost Basistakt
Radeon RX Vega 64, luftgekühlt 1.670 MHz 1.546 MHz 1.247 MHz
Radeon RX Vega 64, wassergekühlt nicht bekannt 1.677 MHz 1.407 MHz
Radeon RX Vega 56 1.640 MHz 1.471 MHz 1.156 MHz

Taktanpassungen in 1-MHz-Schritten

Offenbar hat AMD auch an den einzelnen Taktsprüngen gearbeitet, zumindest lassen dies die Tools vermuten. Bereits Polaris konnte die Frequenzen in feinen Abständen ändern. Doch Vega setzt nochmal deutlich einen drauf. Vega kann die Taktraten laut Anzeige mit dem aktuellen Treiber in 1-MHz-Schritten ändern, zum Beispiel von 1.600 MHz auf 1.601 MHz.

Zu sehen ist das allerdings erst nach Installation des „OC-Treibers“, denn neben Problemen beim Übertakten hat der auch einen Fehler beim Auslesen der Taktraten behoben: Der erste Treiber zeigte innerhalb eines Power States immer nur eine Frequenz an. Erst wenn das Power State gewechselt wurde, wechselte auch die Anzeige. Die oben in der Tabelle aufgeführten Werte sind jetzt allerdings korrekt. Aus Zeitgründen nicht ein zweites Mal erhoben werden konnten wiederum die maximalen Taktraten unter Last, wie sie im folgenden Abschnitt wiedergegeben sind. Hier sind die Taktsprünge deshalb außergewöhnlich hoch, weil je Power State immer nur ein Takt ausgelesen wurde. Ein kurzer Nachtest hat aber gezeigt, dass die tatsächlichen Frequenzen innerhalb der angegebenen Power States liegen.

Die tatsächlichen Taktraten unter Last

Und wie fallen die im Test nach 30 Minuten Last in dem geschlossenen Testsystem erreichten Taktraten aus? AMD hat beide Radeon-RX-Vega-Grafikkarten derart konfiguriert, dass sie in jedem aktuellen Spiel sofort ins Power Target laufen und deshalb der maximal erlaubte Takt nicht erreicht wird. Bei der Radeon RX Vega 56 hat AMD diesen Einschnitt noch restriktiver als bei dem Flaggschiff vollgezogen. Denn während die Radeon RX Vega 64 des Öfteren immerhin den höchsten Power State (aber nicht den maximalen Takt) benutzen kann, bleibt er der kleineren Grafikkarte komplett verwehrt.

Die tatsächlichen Taktraten im Fractal Design Define R5
Spiel (3.840 × 2.160) Radeon RX Vega 64 Radeon RX Vega 56
Anno 2205 1.536-1.404 MHz [PT] 1.474-1.269 MHz[PT]
Ashes of the Singularity 1.630-1.401 MHz [PT] 1.474-1.269 MHz[PT]
Battlefield 1 1.630-1.401 MHz [PT] 1.538-1.312 MHz[PT]
COD: Infinite Warfare 1.630-1.536 MHz [PT] 1.538-1.312 MHz[PT]
Deus Ex: Mankind Divided 1.630-1.401 MHz [PT] 1.474-1.312 MHz[PT]
Dishonored 2 1.630-1.536 MHz [PT] 1.538-1.312 MHz[PT]
Doom 1.536-1.401 MHz [PT] 1.474-1.269 MHz[PT]
F1 2016 1.630-1.536 MHz [PT] 1.538-1.312 MHz[PT]
For Honor 1.630-1.401 MHz [PT] 1.474-1.312 MHz[PT]
Gears of War 4 1.536-1.401 MHz [PT] 1.474-1.269 MHz[PT]
Ghost Recon Wildlands 1.630-1.536 MHz [PT] 1.474-1.312 MHz[PT]
Mafia 3 1.536-1.401 MHz [PT] 1.474-1.269 MHz[PT]
Mass Effect Andromeda 1.630-1.401 MHz [PT] 1.538-1.269 MHz[PT]
Mirror's Edge Catalyst 1.630-1.536 MHz [PT] 1.474-1.312 MHz[PT]
Rise of the Tomb Raider 1.536-1.401 MHz [PT] 1.474-1.312 MHz[PT]
Shadow Warrior 2 1.536-1.401 MHz [PT] 1.538-1.312 MHz[PT]
The Witcher 3 1.536-1.401 MHz [PT] 1.312-1.269 MHz[PT]
Titanfall 2 1.630-1.536 MHz [PT] 1.474-1.269 MHz[PT]
Watch Dogs 2 1.630-1.401 MHz [PT] 1.538-1.312 MHz[PT]
[P] = Power Target limitiert, [T] = Temperature Target limitiert

Die Radeon RX Vega 64 taktet mit den Power States, die Taktraten von 1.630 MHz, 1.536 MHz, und 1.401 MHz enthalten. Der höchste Power State liegt in einigen Spielen damit an, allerdings immer nur für kurze Zeit. Dasselbe gilt für den Power State mit 1.401 MHz, meistens operiert die Grafikkarte im zweithöchsten Power State dazwischen. Bei der Radeon RX Vega 56 gibt es hingegen den ersten gar nicht und auch den zweithöchsten mit um die 1.538 MHz nur selten zu sehen. Meistens taktet die Grafikkarte mit den Power States zwischen 1.474 und 1.312 MHz. Ab und zu schaltet die Grafikkarte auch in den Power State mit 1.269 MHz. Dies geschieht aber nur für kurze Zeit.

Zum Vergleich: Die Radeon R9 Fury X (Test) taktete im Test vor zwei Jahren in jedem genutzten Spiel mit den maximal erlaubten 1.050 MHz und damit gut 400 bis knapp 600 MHz niedriger als die schnellste Spieler-Grafikkarte mit Vega.

50 Prozent mehr Power Target mit großer Wirkung

Wer die Performance der Vega-Grafikkarten ohne Übertakten erhöhen möchte, kann auf beiden Grafikkarten das Power Target im Treiber um 50 Prozent anheben. In dem Fall taktet die Radeon RX Vega 64 meistens mit dem höchsten Power State. Die Radeon RX Vega 56 nutzt den höchsten Power State auch bei vollem Power Target nur selten und kurz. Meistens liegt der zweithöchste Power State mit 1.538 MHz an, ab und zu auch nur der mit 1.474 MHz.

Ultra-HD-Benchmarks in 3.840 × 2.160 (4K)

Eine vollständig neue und laut Hersteller deutlich besserte Architektur, doppelt so viel Speicher und 40 bis 60 Prozent mehr Takt als das alte High-End-Modell Radeon R9 Fury X sollten sich in Benchmarks in einem deutlichen Leistungsplus niederschlagen. Diesen Erwartungen werden die Ergebnisse im Test allerdings auch mit Vega auf der RX Vega nicht gerecht.

RX Vega 64 im Duell mit GeForce GTX 1080

Die Radeon RX Vega 64 schafft es in Ultra HD nicht ganz an die GeForce GTX 1080 Founders Edition („FE“) heran zu kommen. Knappe drei Prozent muss sich die neue Grafikkarte geschlagen geben. Sie bietet damit eine „nur“ 33 Prozent bessere Performance als die Radeon R9 Fury X.

Maximiert man im Treiber manuell das Power Target auf 150 Prozent („Max“ in den Diagrammen), legt die Radeon RX Vega 64 gut zehn Prozent zu und ist dann sieben Prozent schneller als die GeForce GTX 1080 FE rendert und liegt damit nur noch um ein Prozent hinter einer von Haus aus übertakteten GeForce GTX 1080 zurück – Partnerkarten mit Vega 64 dürften in diese Richtung gehen.

RX Vega 56 im Duell mit GeForce GTX 1070

Die Radeon RX Vega 56 schafft dagegen schon ab Werk die Punktlandung auf dem Niveau einer von Haus aus übertakteten GeForce GTX 1070. Damit ist die kleinere Version sieben Prozent schneller als eine GeForce GTX 1070 Founders Edition und noch 20 Prozent zügiger unterwegs als die Radeon R9 Fury X. Der Abstand zur Radeon RX Vega 64 beträgt nur elf Prozent.

Stellt man das Power Target der Radeon RX Vega 56 ebenfalls auf 150 Prozent, legt die Grafikkarte um sieben Prozent zu. Damit ist sie dann nur noch drei Prozent langsamer als nicht freigeschaltete Radeon RX Vega 64. Der Vorsprung auf ein OC-Modell der GeForce GTX 1070 beträgt sieben Prozent. Auch hier gilt: Partnerkarten sollten dieses Potential zu nutzen wissen.

Vega reagiert auf verschiedene Spiele sehr unterschiedlich

Im Durchschnitt ist das Bild klar. Der Blick auf die Ergebnisse in den einzelnen Spiele zeigt allerdings gravierende Unterschiede: In manchen Spielen ist die Radeon RX Vega 64 schneller als eine von Haus aus übertaktete GeForce GTX 1080, in anderen Titeln liegt sie gleich auf mit einer GeForce GTX 1080 FE und in anderen reicht es gerade einmal zu einem Gleichstand mit einer GeForce GTX 1070 FE.

Vega vs. Pascal in Ultra HD je Spiel
Spiel RX Vega 64
vs.
GTX 1080 FE
RX Vega 56
vs.
GTX 1070 FE
RX Vega 56
vs.
R9 Fury X
Anno 2205 -28 Prozent -15 Prozent Gleichstand
AotS: Escalation +3 Prozent +15 Prozent +6 Prozent
Battlefield 1 +20 Prozent +17 Prozent +32 Prozent
Call of Duty: Infinite Warfare +7 Prozent +27 Prozent +21 Prozent
Deus Ex: Mankind Divided Gleichstand +10 Prozent +24 Prozent
Dishonored 2 -16 Prozent -6 Prozent +33 Prozent
Doom +10 Prozent +22 Prozent +40 Prozent
F1 2016 +12 Prozent +22 Prozent +16 Prozent
For Honor -3 Prozent +3 Prozent +7 Prozent
Gear of War 4 -4 Prozent +7 Prozent +4 Prozent
Ghost Recon: Wildlands -2 Prozent +9 Prozent +23 Prozent
Mafia 3 -7 Prozent +2 Prozent +15 Prozent
Mass Effect Andromeda -10 Prozent Gleichstand + 17 Prozent
Mirror's Edge Catalyst -4 Prozent +4 Prozent +71 Prozent
Rise of the Tomb Raider -8 Prozent +2 Prozent +18 Prozent
Shadow Warrior 2 -14 Prozent -6 Prozent +1 Prozent
The Witcher 3 +4 Prozent +16 Prozent +11 Prozent
Titanfall 2 +8 Prozent +15 Prozent +27 Prozent
Watch Dogs 2 -11 Prozent -9 Prozent +33 Prozent
Vega vorne/gleichauf/hinten 7/1/11 14/1/4 19/0/0

Sehr gut scheint der Vega-Architektur zum Beispiel Battlefield 1 zu schmecken. Dort arbeitet die Radeon RX Vega 64 gute 20 Prozent schneller als eine GeForce GTX 1080 und auch die von Haus aus übertakteten Partnerkarten werden locker hinter sich gelassen. Selbst die Radeon RX Vega 56 ist noch schneller als die GeForce GTX 1080 FE.

In den meisten Spielen liegt die Radeon RX Vega 64 dann kurz vor, gleich auf oder hinter der GeForce GTX 1080 FE. In Deus Ex: Mankind Divided gibt es zum Beispiel einen absoluten Gleichstand, aber auch in Ghost Recon: Wildlands geht es äußerst knapp zu.

Und dann gibt es noch die Spiele, die Vega (oder dem Treiber) überhaupt nicht zu schmecken scheinen. So ist die Radeon RX Vega 64 in Dishonored 2 gerade einmal drei Prozent schneller als eine GeForce GTX 1070 Founders Edition. Und auch in Shadow Warrior 2 kann sich das AMD-Flaggschiff kaum von diesem Modell von Nvidia absetzen.

Radeon RX Vega vs. Radeon R9 Fury X

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Vergleich mit der letzten High-End-Grafikkarte von AMD, der Radeon R9 Fury X. Die Vorteile der Radeon RX Vega 56 reichen von plus 71 Prozent Leistung bis zu einem nur hochdünnen 1-Prozent-Vorsprung in Shadow Warrior 2.

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