Valve: Vergabe kostenloser Steam-Keys wird restriktiver

Max Doll 63 Kommentare
Valve: Vergabe kostenloser Steam-Keys wird restriktiver

Entwicklern stellt Valve kostenlose Aktivierungsschlüssel für ihre Titel zur Verfügung, die sie auf anderen Plattformen wie dem Shop von Humble Bundle zum Verkauf anbieten können. Die bislang freizügige Vergabepraxis wird nun eingeschränkt, wenn große Mengen an Schlüsseln angefragt werden.

Bieten seriöse Drittanbieter Steam-Aktivierungsschlüssel an, stammen ihre Bestände, so sie nicht in Ländern mit geringem Währungswert eingekauft wurden, von den Entwicklern selbst, die kostenlose Schlüssel bei Steam generieren können. In diesem Fall geht Valve der eigene Anteil von 30 Prozent des Verkaufserlöses verloren, während weiterhin Kosten für die Bereitstellung des Downloads und gegebenenfalls der Steamworks-Dienste anfallen. Ob das Vorgehen nötig ist, steht auf einem anderen Blatt: Steam wird aufgrund der marktbeherrschenden Stellung bereits jetzt lukrativ sein. Zu Gewinnen und Kosten gibt es aber keine offiziellen Angaben.

Für Valve als Unternehmen erscheint diese Situation prinzipiell nicht wünschenswert. Aktuell wird deshalb bei Anfragen beurteilt, ob die Anzahl der direkt über Steam verkauften Kopien des Spiels im Verhältnis zur angefragten Menge Aktivierungsschlüssel steht, d.h. einen solchen Bedarf rechtfertigt. „Ab einem gewissen Punkt“, schreibt Valve laut Steam Spy, „entscheiden wir, dass der Wert, den Entwickler für Steam bringen, uns die Kosten nicht wert ist“.

Humble und co in Gefahr?

Die neue Politik richtet sich nicht generell gegen Verkäufe von Spielen für Steam außerhalb der Plattform. In einer Stellungnahme gegenüber Gamasutra schrieb Valve, die Politik des Unternehmens insgesamt habe sich nicht verändert. Schlüssel seien und würden kostenlos angeboten, um Partnern zu helfen, ihre Spiele im Retail-Handel und anderen digitalen Shops zu verkaufen. Das Unternehmen wolle lediglich für eigene Kunden „einen fairen Deal ähnlich dem, den Entwickler über andere Kanäle anbieten“.

We're not interested in supporting trading card farming or bot networks at the expense of being able to provide value and service for players.

Valve

Valve zielt laut offiziellen Angaben vor allem auf kleine Entwickler, die „Shovelware“ und kaum funktionsfähige „Spiele“ fast oder ganz zum Nullpreis außerhalb von Steam verteilen, um etwa über das Sammelkarten-System Einnahmen zu generieren. Diesem Missbrauch soll Einhalt geboten werden: Valve möchte ausdrücklich nicht, dass Spiele zu einem Mittel werden, um „spielförmige Objekte durch andere Methoden als dem Verkaufen spaßiger Spiele an Kunden“ zu Geld zu machen.

It's completely OK for partners to sell their games on other sites via Steam keys, and run discounts or bundles on other stores, and we'll continue granting free keys to help partners do those things. But it's not OK to negatively impact our customers by manipulating our store and features.

Valve

Die jüngsten Änderungen hätten dieses Verhalten noch nicht weit genug eingedämmt. Dies deutet auch die Einschätzung eines Entwicklers von Super Systems Softworks (Drift Stage) an, das enorme Spieleaufkommen über Steam Direct als Ursache für den Wechsel in der Vergabepraxis sieht. Das grundsätzliche Vorgehen soll aber, wie das Studio Game Labs (Naval Action, Ultimate General) erwähnt, schon seit 2014 üblich sein.

Die Konsequenz daraus: Valve achtet stärker darauf, ob ein Spiel einen Gegenwert als Spiel bietet. Würde ein Entwickler lediglich 100 Kopien eines Titels mit überwiegend negativen Rezensionen absetzen, aber „500.000 Steam-Schlüssel anfordern“, sei dies der Fall. Der Verkauf von Spielen über Drittanbieter als Teil von Bundles, für Indie-Entwickler eine relevante Einkommensquelle, sowie im Rahmen von Rabattaktionen sei „vollständig OK“.

Potentiell mehr Verkäufe auf Steam

Steam Spy selbst schreibt demgegenüber, der Screenshot stamme von einem „High-Profile-Entwickler“, dessen Anfrage nach Schlüsseln für ein „großes Spiel“ abgelehnt worden sei. Game Labs schreibt in der Diskussion unter dem Beitrag, dass Valve eine Anfrage nach 1.000 Schlüsseln abgelehnt hätte, obwohl schon 5.000 Kopien eines Spiel „über PayPal“ abgesetzt worden wären. Das Studio habe deshalb erklären müssen, „was wir tun und warum. Mehrere Male.“ Ob die 5.000 Spiele außerhalb von Steam oder über die Plattform verkauft wurden, lässt die Formulierung indes offen.

Laut der Webseite VG247 verfolgt Valve damit mehrere Ziele: Einerseits wird gegen das Ausnutzen von Steam-Systemen wie den Sammelkarten mit Schrottspielen vorgegangen, andererseits gegen Entwickler, die Spiele fast kostenlos in Bundles platzieren, die 15 Titel für zehn Dollar enthalten. Da Steam schon lange nicht mehr die besten Preise anbiete, würde die Plattform zunehmend als DRM-System und nicht länger als Shop wahrgenommen. Wenn Entwickler nun möglicherweise nicht mehr unbegrenzte Mengen Schlüssel erhielten um an großen Verkaufsaktionen anderer Shops teilzunehmen, bliebe ihnen nur, auf Steam vergleichbar niedrige Preise zu verlangen – und Valve den fälligen Anteil am Erlös zu zahlen.

Folgt Valve aber der eigenen Stellungnahme, wird dies nur Anbieter betreffen, die ihre Titel mit „Schutzpreisen“ auf Steam einstellen und primär anderweitig verkaufen. Wie das System praktisch gehandhabt wird bleibt abzuwarten – wie üblich gibt Valve keinerlei Auskunft über die Bewertungspraxis.