Intel Core i9-7980XE & 7960X im Test: 18 Kerne stellen bei Leistung und Preis alles in den Schatten

Volker Rißka et al. 400 Kommentare
Intel Core i9-7980XE & 7960X im Test: 18 Kerne stellen bei Leistung und Preis alles in den Schatten

tl;dr: Intel Core i9-7980XE und 7960X bieten im Test im Vergleich zum Konkurrenten AMD Ryzen Threadripper noch mehr Leistung, kosten mit bis zu 2.000 Euro aber auch viel mehr. Überraschen kann das Topmodell beim Overclocking: 4,6 GHz auf 18 Kernen waren möglich, bis in der Redaktion das erst Mal die Sicherung flog.

Intel Core i9-7980XE und 7960X im Detail

Heute komplettiert Intel das Portfolio an Core-X-CPUs auf Basis von Skylake-X. Und nach einem sehr holprigen Start Ende Mai mit Core i9-7900X, i7-7820X und i7-7800X (Test) mit sechs bis zehn Kernen und lediglich großen Ankündigungen auf bis zu 18 Kerne bis Oktober werden heute Nägel mit Köpfen gemacht: Core i9-7980XE und Core i7-7960X mit 18 und 16 Kernen stellen sich im Test. Im Gegensatz zum Start im Mai kamen beide Prozessoren auch in Europa dieses Mal pünktlich vom Hersteller selbst in die Redaktion. Den 14-Kern-Prozessor bemustert Intel hingegen nicht.

Dass es mit dem Core i9-7980XE erstmals 18 Kerne im heimischen Desktop-PC gibt, daran ist AMD zweifelsohne alles andere als unschuldig – der wiedererwachte kleine Mitbewerber zwingt den Platzhirsch zum Handeln.

AMD zwingt Intel zum HCC mit 18 aktiven Kernen

Der ursprüngliche Plan sah maximal zehn Kerne vor und folgte Intels bekanntem Profil: Für diese CPUs gibt es schließlich den kleinen Xeon SP mit seinem „Low Core Count“-Die (LCC), der maximal zehn Kerne bereithält. Er ist verhältnismäßig klein und belegt so wenig Fläche auf den teuren Wafern, bei Broadwell-E und dessen Vorgängern war Intel zu hohen Preisen ohne Konkurrenz wiederholt so vorgegangen – die Margen sind groß.

Doch nach AMD Ryzen 7 (Test) mit bereits acht Kernen auf einer Massen-Plattform für 500 Euro und extremer Leistung in Anwendungen musste Intel mehr bieten als zehn Kerne für 1.700 US-Dollar. Und weil dafür auf einen größeren Die gewechselt werden musste, war der erste Schritt zu noch größeren CPUs bereits getan. Denn als die Entscheidung gefallen war, mit dem Zwölf-Kerner auf den „High Core Count“-Die (HCC) zu gehen, standen potentiell auch bis zu 18 Kerne bereit. Ziehen wollte Intel diese Option allerdings zu Anfang ebenfalls nicht, doch erneut zwang AMD Ryzen Threadripper (Test) und seine 16 Kerne/32 Threads Intel zum Nachlegen: Die Leistungskrone sollte um jeden Preis gehalten werden. Die 18 Kerne mussten her.

Für den privaten und professionellen Endkunden gibt es so die größte Entwicklung im CPU-Desktop-Bereich seit Jahren, rein in Bezug auf den Sprung bei den verfügbaren Kernen dürfte der Schritt sogar einmalig sein.

Skylake-SP/X mit Die für LCC und HCC
Skylake-SP/X mit Die für LCC und HCC (Bild: Intel)

Ein Core i9-7980 „Extreme Edition“

Ab dem 10-Kern-Prozessor der Skylake-X-Serie setzt Intel erstmals die neue Klasse Core i9 ein, um deren Leistungsfähigkeit gegenüber dem Core i7 zu betonen. Für die erste 18-Kern-CPU für Desktop-PCs war das aber noch nicht stark genug: Die Zusatzbezeichnung Extreme Edition ist zurück. Die CPU setzt auf den Vollausbau des mittleren Xeon-Dies (HCC) und bietet alle Funktionen, die dazu gehören – mit einer Ausnahme: Das Speicherinterface umfasst lediglich vier Kanäle, mehr lässt der Sockel LGA 2066 nicht zu. Die vollen sechs Kanäle gibt es hingegen nur im großen Sockel LGA 3647.

Die 18-Kern-CPU zeigt, was mit starkem Binning (Selektion der CPU nach Qualität) bei Intel möglich ist. In den letzten vier Monaten hat der Hersteller die besten der voll funktionsfähigen 18-Kern-Dies zusammen gesammelt, die Taktraten sind bei nur leicht auf 165 Watt angehobener TDP weiterhin sehr hoch. Unter der Haube sind es weiterhin Xeon-W-CPUs. Diese hatte Intel kürzlich ebenfalls offiziell gemacht und dabei erklärt, dass die Fertigungsstufe 14nm+ genutzt wird. Die Skylake-X haben aber noch mehr mit den Xeon-W gemein: Auch sie nutzen immer den maximal möglichen Ausbau von AVX-512 inklusive zwei FMA-Einheiten – das können nicht einmal alle Xeon SP.

Intel Xeon W als der große Bruder von Skylake-X
Intel Xeon W als der große Bruder von Skylake-X (Bild: Intel)

Alle Skylake-X-CPUs im Überblick

Direkt hinter dem Flaggschiff schickt Intel auch ein Modell mit 16 Kernen an den Start, das 300 Euro weniger kostet. Der Core i9-7960X bietet 200 MHz mehr Takt in der Basis, die sich auch in vielen Turbo-Stufen wie beispielsweise der für alle Kerne ohne AVX-Last zeigen. Der Turbo für den einzelnen Kern ist hingegen bei den Modellen gleich geschaltet.

Intel Skylake-X mit 16 Kernen im Test
Intel Skylake-X mit 16 Kernen im Test

Mit zwei Kernen wird auch der dazu gehörende L3-Cache-Cluster abgeschaltet, das Modell verliert also zwei Mal 1,375 MByte und wird folglich noch mit 22 MByte des Last Level Caches ausgerüstet sein. Alle weiteren technischen Spezifikationen entsprechen denen des Topmodells, auch die TDP ist mit 165 Watt identisch.

Skylake-X auch mit interessanten 14 Kernen

Insgesamt sind es aber drei neue Prozessoren, die Intel heute vorstellt. Denn auch ein Modell mit 14 Kernen gehört zu den Neulingen, wenngleich dieser zu Anfang im Schatten des 16- und 18-Kern-Modells steht. Dabei sind seine Spezifikationen durchaus interessant, insbesondere im Vergleich zum bereits im Handel verfügbaren Zwölf-Kerner: Er bietet als einzige Skylake-X-CPU im Vergleich zum nächst kleineren Modell mehr Takt bei gleichzeitig mehr Kernen. Im Normalfall gehen mit mehr Kernen wiederum geringere Taktraten einher.

Die Skylake-X-Familie ist komplett

Das Skylake-X-Portfolio ist mit dem heutigen Marktstart der 14-, 16- und 18-Kern-CPUs komplett. Es umfasst sieben Modelle von 6 bis 18 Kernen, alle zwei Kerne gibt es eine neue CPU. Das sind so viele wie seit Jahren nicht mehr von Intel für das High-End-Segment. Interessant ist auch die Preisspanne: Viele Modelle bieten gegenüber den Vorgängern deutlich mehr Leistung zum kleineren Preis. Das Topmodell mit 18 Kernen setzt mit 2.000 Euro hingegen einen neuen absoluten Allzeitrekord.

Skylake-X (ix-7000) im Vergleich zu Broadwell-E (i7-6000)
Modell Kerne /
Threads
Takt /
mit Turbo (max.)
Turbo 3.0 L3-Cache RAM-Support PCIe-Lanes TDP Preis
Skylake-X
Core i9-7980XE 18/36 2,6/4,2 GHz 4,4 GHz 24,75 MB DDR4-2.666 44 165 W $1.999
Core i9-7960X 16/32 2,8/4,2 GHz 4,4 GHz 22,00 MB DDR4-2.666 44 165 W $1.699
Core i9-7940X 14/28 3,1/4,3 GHz 4,4 GHz 19,25 MB DDR4-2.666 44 165 W $1.399
Core i9-7920X 12/24 2,9/4,3 GHz 4,4 GHz 16,50 MB DDR4-2.666 44 165 W 1.108 Euro
Core i9-7900X 10/20 3,3/4,3 GHz 4,5 GHz 13,75 MB DDR4-2.666 44 140 W 919 Euro
Core i7-7820X 8/16 3,6/4,3 GHz 4,5 GHz 11,00 MB DDR4-2.666 28 140 W 548 Euro
Core i7-7800X 6/12 3,5/4,0 GHz 8,25 MB DDR4-2.400 28 140 W 353 Euro
Broadwell-E
Core i7-6950X 10/20 3,0/3,5 GHz 4,0 GHz 25,00 MB DDR4-2.400 40 140 W 1.350 Euro
Core i7-6900K 8/16 3,2/3,7 GHz 4,0 GHz 20,00 MB DDR4-2.400 40 140 W 903 Euro
Core i7-6850K 6/12 3,6/3,8 GHz 4,0 GHz 15,00 MB DDR4-2.400 40 140 W 337 Euro
Core i7-6800K 6/12 3,4/3,6 GHz 3,8 GHz 15,00 MB DDR4-2.400 28 140 W 317 Euro

Als Preis-Leistungs-Tipp hat sich bisher das Acht-Kern-Modell Core i7-7820X (Test) erwiesen, der rund 540 Euro kostet. Der Einstieg in Form des Sechs-Kerners Core i7-7800X bekommt hingegen schon in zwei Wochen massive Konkurrenz aus dem Massenmarkt: Coffee Lake feiert dann sein Debüt. Der kleinste Skylake-X ist deshalb bereits unter die 350-Euro-Marke gerutscht, ähnlich könnte auch Coffee Lake mit sechs Kernen bei hohen Taktraten preislich aufgestellt sein.

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