Kingdom Come im Benchmark: Tolle Atmosphäre startet mit hohen GPU-Anforderungen 2/3

Wolfgang Andermahr 302 Kommentare

Testreihen, Testsystem und Grafik-Einstellungen

Die Grafikkarten-Benchmarks sind mit einem auf 4,7 GHz übertakteten Intel Core i7-8700K durchgeführt worden, der mit insgesamt 32 Gigabyte Arbeitsspeicher und einer Geschwindigkeit von DDR4-3200 (16-16-16-38, Dual Rank) im Dual-Channel-Modus bestückt war. Windows 10 Fall Creators Update und allen verfügbaren Updates war installiert. Als Treiber waren der Adrenalin 18.2.2 beziehungsweise der GeForce 390.77 installiert. Beide sind für Kingdom Come: Deliverance optimiert.

Die Benchmark-Szene im Detail

Die Testsequenz spielt in dem kleinen Open-World-Dorf Talmberg und zeigt einen Spaziergang durch den Ort mit einer hohen Weitsicht, mehreren Nicht-Spieler-Charakteren und viel Vegetation. Es handelt sich um eine anspruchsvolle Sequenz, die in dieser Art aber immer mal wieder vorkommt. Manche Szenarien wie zum Beispiel ein Marsch durch den Wald oder die Darstellung einiger Innenräume – vor allem bei Nacht – sind allerdings noch einmal fordernder.

Kingdom Come: Deliverance ist ein schönes, aber auch ein anspruchsvolles Spiel. Daher kommt das Ultra-hoch-Preset nur in 1.920 × 1.080 zum Einsatz. Für 2.560 × 1.440 wird auf das Hoch-Preset zurückgeschaltet und für 3.840 × 2.160 eine Stufe weiter zurück auf „Mittel“.

Auflösung Grafikdetails
1.920 × 1.080 Ultra-hoch-Preset
2.560 × 1.440 Hoch-Preset
3.840 × 2.160 Mittel-Preset

VSync wurde manuell deaktiviert

Für die Testreihen wurde VSync abgeschaltet. Das geht in Kingdom Come: Deliverance derzeit leider nicht im Spiel, aber in der Konsole, die sich mit „^“ aufrufen lässt. Der Befehl „r_vsync 0“ schaltet die Synchronisation ab, der Befehl „r_vsync 1“ dagegen wieder an.

HBCC war bei Radeon RX Vega in den Standardeinstellungen, wie von AMD weiterhin vorgesehen, deaktiviert. In separaten Testreihen wurde das erweiterte Speichermanagement dann wiederum manuell aktiviert.

Grafikkarten-Benchmarks von Full HD bis Ultra HD

Die Grafikkarten-Benchmarks regen zum Staunen an. In 1.920 × 1.080 mit dem Ultra-hoch-Preset schneiden GeForce GTX 1080 und GeForce GTX 1070 deutlich besser als die konkurrierenden Radeon RX Vega 64 sowie Radeon RX Vega 56 ab. Bei den durchschnittlichen FPS und den Frametimes in 2.560 × 1.440 sowie dem Hoch-Preset dreht sich das Bild dann aber plötzlich um. Die zwei AMD-Grafikkarten werden anders als die Nvidia-Beschleuniger sogar schneller. Mit dem Ergebnis, dass die Radeon-Beschleuniger plötzlich schneller sind und die GeForce-Modelle hinter sich lassen.

Warum das so ist, zeigen weitere Tests: Alle AMD-Grafikkarten leiden in Kingdom Come: Deliverance, wenn die Grafikkarte nicht das eigentliche Limit der Hardware darstellt, sondern der Prozessor. Nvidia hat damit keine Probleme, AMD dagegen schon. Und offenbar verschieben die Detailstufen über dem Hoch-Preset die Last in Richtung der CPU anstatt der GPU – unter anderem mit der erhöhten Sichtweite, die mehr Drawcalls vom Prozessor verlangt. Schon mit dem Sehr-hoch-Preset geraten AMD-Grafikkarten in leichte Probleme, mit dem Ultra-hoch-Preset in große. Und mit händisch maximierten Details in sehr große.

Im Worts Case zeigt sich, dass die GPU-Auslastung je nach Sequenz plötzlich nur noch zwischen 50 und 75 Prozent beträgt und die GPU auf bis zu 1,1 GHz heruntertaktet, anstatt mit den normalen 1,5 GHz zu arbeiten, weil sie nicht ausgelastet wird. Vor allem in Bewegung tritt das Beschriebene auf. Der eigentlich optimierte AMD-Treiber hat also vermutlich noch große Probleme mit dem Streaming in Kingdom Come: Deliverance und kann die GPU auch auf sehr schnellen CPUs nicht richtig mit Daten versorgen. Je schneller die GPU, desto größer ist das Problem. Mit der Radeon RX 580 fällt das Problem anders als bei Vega kaum auf, weil hier die GPU das Limit darstellt. Die einzige Lösung ist eine höhere Auflösung oder die Detailstufe auf „Sehr hoch“ oder am besten gleich auf „Hoch“ zu reduzieren.

Es gibt große Unterschiede zwischen dem CPU- und dem GPU-Limit

Kingdom Come: Deliverance läuft derzeit also im CPU-Limit auf einer GeForce-Grafikkarte deutlich besser, im GPU-Limit dagegen etwas schneller auf einer Radeon. Ob Anpassungen am Treiber oder am Spiel die Bremse bei AMD lösen könnten, ist derzeit reine Spekulation.

Unabhängig davon ist die GeForce GTX 1080 Ti klar die schnellste Grafikkarte in Kingdom Come: Deliverance. Sie schafft es als einzige, in 3.840 × 2.160 beinahe die 50-FPS-Marke zu erreichen, wenn auch nur bei mittleren Details. Andere 3D-Beschleuniger erreichen noch nicht einmal 40 FPS in dem Szenario. Das Duell der Mittelklasse geht mit einem Gleichstand zu Ende. Die Radeon RX 580 liefert in dem RPG minimal mehr FPS als die GeForce GTX 1060, die Nvidia-Grafikkarte hat dafür minimal bessere Frametimes.

Die „Alten“ halten gut mit

Die alte Grafikkarten-Generation schlägt sich in Kingdom Come: Deliverance ordentlich. Die Radeon R9 390 ist kaum langsamer als die Radeon RX 580, während die GeForce GTX 970 knapp hinter der GeForce GTX 1060 liegt. Im Duell untereinander ist die AMD-Grafikkarte etwas zügiger, wobei die Frametimes aber schlechter ausfallen.

Prozessor-Benchmarks mit 2 bis 16 Kernen (Update!)

Drei Aspekte fallen bei den mit einer Asus GeForce GTX 1080 Ti Strix OC durchgeführten Prozessor-Tests in Kingdom Come: Deliverance sofort auf. 1. Der Entwickler Warhorse nutzt die Multithreading-Eigenschaften der Cryengine gut aus, sodass das RPG auch mit mehr als vier Kernen bis mindestens hinauf zu zehn Kernen noch skaliert. 2. Dual-Core-CPUs mit Hyper-Threading wie der Pentium haben im CPU-Limit ein echtes Problem. 3. Die höchsten Detailstufen belasten beinahe exklusiv die CPU und nicht die GPU.

Ganz konkret sind die Einstellungen bis inklusive dem Preset „Hoch“ GPU-lastig. Angefangen mit dem „Sehr Hoch“, vor allem aber bei „Ultra Hoch“ und manuell maximierten Details wird vorrangig die Last für den Prozessor massiv nach oben geschraubt. Das kann zu durchaus überraschenden Ergebnissen führen. Zum Beispiel rechnet ein schneller Prozessoren in Full HD und dem Ultra-Hoch-Preset schneller als in Ultra HD mit den mittleren Einstellungen, eine langsame CPU aber in Full HD plötzlich deutlich langsamer als in Ultra HD ist.

Das Spiel profitiert von vielen Kernen und hoher Single-Thread-Leistung

In Summe ist in Kingdom Come: Deliverance sowohl eine hohe Single-Thread- als auch eine hohe Multi-Thread-Leistung wichtig. Die Durchschnitts-FPS profitieren dabei vor allem von einer hohen Single-Thread-Leistung. Der Core i7-8700k verrichtet in 1.920 × 1.080 mit dem Ultra-Hoch-Preset wie gewohnt am schnellsten die Arbeit und ist sieben Prozent schneller als der Core i7-7700K und der Core i5-8400. Das gute Multi-Threading zeigt sich aber schon hier am Ergebnis des Ryzen Threadripper 1950X, der mit einem Abstand von nur acht Prozent zum Core i7-8700K folgt (Speichereinstellung „Local“, manuell im Ryzen-Master-Tool aktivierbar – ansonsten leidet die Performance deutlich). Die 16-Kern-CPU ist sieben Prozent schneller als der Ryzen 7 1800X, der wiederum acht Prozent flotter als der Ryzen 5 1600X arbeitet.

Die Frametimes profitieren dagegen von einer hohen Multi-Threading-Performance. Der Ryzen Threadripper 1950X erklimmt hier knapp den ersten Platz vor dem Core i9-7900X und erst dann folgt der Core i7-8700K, wobei die Abstände klein sind. Die Differenz zum Ryzen 7 1800X beträgt sieben Prozent, sodass dieser mit dem Core i7-7700K und dem Core i5-8400 mithalten kann.

Zwei Kerne reichen nur noch im GPU-Limit aus

Bereits die FPS, vor allem aber die Frametimes zeigen, dass ein Zwei-Kern-Prozessor auch mit Hyper-Threading zu langsam für Kingdom Come: Deliverance in höheren Details ist – also für Einstellungen, die durch hohe Sichtweiten die CPU besonders belasten. Dafür braucht es mindestens vier Kerne, besser noch vier Kerne mit SMT (Intel) beziehungsweise sechs Kerne (AMD).

Ein deutlich gleichmäßigeres Bild zeigt sich in 3.840 × 2.160 bei mittleren Details, wo die Abstände massiv zusammen schrumpfen. Da die GPU-Last durch die Auflösung erhöht und gleichzeitig die CPU-Last durch die geringere Detailstufe (Sichtweite) reduziert wird. Dann spielt es ab dem Ryzen 5 1600X beziehungsweise dem Core i5-8400 oder dem Core i7-7700K überhaupt keine Rolle mehr, welche CPU im Rechner steckt. Und ab dem Core i3-8100 beziehungsweise dem Ryzen 5 2400G sind die Unterschiede schon nicht mehr spürbar. Bei der Einstellung zeigt dann auch der Pentium G4560 mit seinen zwei Kernen, dass das Mittel-Preset deutlich weniger CPU-fordern ist. Denn der Prozessor, der mit dem höchsten Preset noch weit abgeschlagen und unspielbar gewesen ist, läuft akzeptabel flüssig.

Je nach Qualitätsstufe lassen sich die Anforderungen massiv senken

Kingdom Come: Deliverance braucht für die volle Grafikpracht also sowohl eine sehr schnelle Grafikkarte als auch einen sehr schnellen Prozessor. Bei der CPU kommt es dabei auf viele Kerne und eine gute Single-Thread-Leistung an. Die Anforderungen an die CPU lassen sich aber sich enorm durch eine geringere Detailstufe senken.

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