AMD Ryzen 2000 im Test: Ryzen 5 2600 in Spielen schneller als Ryzen 7 1800X 5/8

Wolfgang Andermahr et al. 1.669 Kommentare

Die Neuerungen in der Analyse

Pinnacle Ridge kann sich von Summit Ridge in Spielen und Anwendungen absetzen, aber auf welchen Faktor ist das zurückzuführen? Mehr Leistung pro Takt (AMD nennt eine um 3 Prozent höhere IPC durch die gesunkenen Latenzen)? Mehr Speicherbandbreite? Oder doch nur den höheren Takt und den feiner abgestuften Turbo?

IPC im Generationenvergleich

Um das herauszufinden, hat ComputerBase den Ryzen 7 2700X auf allen Kernen mit durchweg 3,7 GHz betrieben und in einem weiteren Lauf den Speicher auf DDR4-2666 reduziert – mehr Speicherbandbreite und der Turbo sind damit im Vergleich zum Ryzen 7 1800X aus der Gleichung raus. Der Vorgänger wiederum wurde auch auf 3,7 GHz festgesetzt, um Einflüsse durch den Turbo zu verhindern. Die einzige Variable, die übrig bleibt, ist die Architektur.

In Anwendungen zeigt sich, dass der höhere maximale Takt in Kombination mit dem neuen Turbo den größten Anteil am Vorsprung des Ryzen 7 2700X auf den Ryzen 7 1800X ausmacht. Wird das neue Topmodell auf 3,7 GHz festgesetzt, gehen bereits sieben der neun Prozent Vorteil verloren. Den Speichertakt auf DDR4-2666 zu reduzieren kostet hingegen nur ein Prozent Leistung. Zwei Prozent Vorteil auf den Ryzen 7 1800X mit festen 3,7 GHz bleiben für die angepasste Architektur.

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Leistungsrating Anwendungen
Angaben in Prozent
    • Ryzen 7 2700X
      100 %
    • Ryzen 7 2700X @ 3,7 DDR4-2933
      93 %
    • Ryzen 7 2700X @ 3,7 DDR4-2666
      92 %
    • Ryzen 7 1800X @ 3.7 DDR4-2666
      91 %
    • Ryzen 7 1800X
      92 %

In Spielen fällt dieser Effekt dreieinhalb bis fünf Mal so hoch aus. Hier liefert der auf 3,7 GHz und DDR4-2666 gestutzte Ryzen 7 2700X immer noch sieben Prozent mehr Bilder in der Sekunde als der Ryzen 7 1800X und zehn Prozent bessere Frametimes – dies ist alleine durch die besseren Latenzen begründet. Mit DDR4-2666 und Takt nach Vorgaben wird die neue CPU um vier Prozent schneller, der schnellere Speicher bringt ein Plus von weiteren zwei Prozent.

In einzelnen Spielen gibt es große Schwankungen

In den einzelnen Spielen zeigen sich größere Unterschiede von dieser Regel. In Assassin's Creed Origins ist der Nutzen der besseren Latenzen gering, dort legt die neue CPU nur um zwei Prozent zu. Ganz anders dagegen sieht es in Star Wars: Battlefront 2 aus, wo die Performance gleich um 16 Prozent ansteigt und die Frametimes gar um 23 Prozent. In den meisten Spielen scheinen die Design-Änderungen ein Plus zwischen sechs und acht Prozent zu bringen. Jeweils dazu kommen noch die höheren Taktraten und der schnellere Speicher.

Leistungsaufnahme

Bei der Leistungsaufnahme im Leerlauf hat sich zwischen beiden Generationen auf dem Asus X470 Crosshair VII nichts getan. Unterschiede von einem Watt liegen innerhalb der Messungenauigkeit. Gemessen wurde der Stromverbrauch des gesamten Systems mit GeForce GTX 1080 Ti und BIOS-Einstellungen nach Werksvorgaben mit Ausnahme des Speichers (DDR4-2666 15-15-15-35-1T für Ryzen 1000, DDR4-2933 15-15-15-35-2T für Ryzen 2000). Dabei verbraucht die X470-Platine mit allen CPUs mehr Strom als das X370-Board – auch im Leerlauf. Der gesunkene Verbrauch kann von der Redaktion damit nicht nachgestellt werden, allerdings hat sich zwischen den beiden Mainboards auch mehr getan als nur der Wechsel des Chipsatzes.

Bei Last auf einem Kern (Cinebench R15, Single-Core) liegen die drei kleineren Modelle mit ihrem jeweiligen Vorgänger gleichauf, obwohl ihre Leistung gestiegen ist, nur der Ryzen 7 2700X verbraucht fünf Prozent mehr als der Ryzen 7 1700X. Weil der Prozessor bei der Leistung aber deutlicher zulegt, ist die Effizienz in jedem Fall gestiegen.

Bei Last auf allen Kernen sowohl in Cinebench R15 als auch in Prime95 (Stresstest Small-FFT) hält dann wiederum nur der Ryzen 7 2700 den Verbrauch des Vorgängers, die drei anderen CPUs legen zu. Interessant: Der Ryzen 5 2600 verbraucht hier mehr als der Ryzen 7 2700, obwohl er langsamer ist. Warum das so ist, klärt der Abschnitt Temperaturen mit Boxed- und Retail-Kühlern.

Der Ryzen 7 2700X legt dabei die Messlatte für Ryzen höher und verdoppelt mit zusätzlichen 30 Watt Verbrauch den Rückstand auf den Core i7-8700K. Weil die Temperaturen dank verlötetem Heatspreader aber trotzdem niedriger ausfallen und die Kühlung kein Problem darstellt, ist das in diesem Fall kein gravierendes Problem.

24 Einträge
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
  • Leerlauf:
    • Intel Core i3-8100
      34
    • Intel Pentium G4560
      35
    • Intel Core i7-7700K
      38
    • Intel Core i5-8400
      39
    • Intel Core i7-8700K
      41
    • AMD Ryzen 3 2200G
      46
    • AMD Ryzen 7 2700
      47
    • AMD Ryzen 7 1700
      47
    • AMD Ryzen 5 2600
      47
    • AMD A10-7890K
      47
    • AMD Ryzen 5 2400G
      48
    • AMD Ryzen 7 1800X
      48
    • AMD Ryzen 5 1600X
      48
    • AMD A12-9800E
      48
    • AMD Ryzen 7 2700X
      49
    • AMD Ryzen 7 1700X
      49
    • AMD Ryzen 5 2600X
      49
    • AMD Ryzen 3 1200
      49
    • AMD Ryzen 5 1400
      50
  • leichte Anwendungslast (Cinebench 1-CPU):
    • Intel Pentium G4560
      48
    • Intel Core i3-8100
      49
    • Intel Core i5-8400
      57
    • AMD Ryzen 3 2200G
      60
    • Intel Core i7-7700K
      63
    • AMD Ryzen 5 2400G
      66
    • AMD Ryzen 5 2600
      67
    • AMD Ryzen 5 1400
      67
    • AMD Ryzen 3 1200
      68
    • AMD Ryzen 7 2700
      70
    • AMD Ryzen 7 1700
      70
    • Intel Core i7-8700K
      73
    • AMD Ryzen 7 1800X
      76
    • AMD Ryzen 5 2600X
      78
    • AMD Ryzen 5 1600X
      78
    • AMD A12-9800E
      79
    • AMD Ryzen 7 1700X
      80
    • AMD Ryzen 7 2700X
      84
    • AMD A10-7890K
      91
  • hohe Anwendungslast (Cinebench x-CPU):
    • Intel Pentium G4560
      59
    • Intel Core i3-8100
      70
    • AMD Ryzen 3 1200
      83
    • AMD A12-9800E
      92
    • AMD Ryzen 3 2200G
      95
    • Intel Core i5-8400
      95
    • AMD Ryzen 5 1400
      96
    • Intel Core i7-7700K
      113
    • AMD Ryzen 5 2400G
      119
    • AMD Ryzen 7 1700
      124
    • AMD Ryzen 7 2700
      125
    • AMD Ryzen 5 2600
      133
    • AMD A10-7890K
      138
    • Intel Core i7-8700K
      139
    • AMD Ryzen 5 1600X
      144
    • AMD Ryzen 7 1700X
      164
    • AMD Ryzen 5 2600X
      164
    • AMD Ryzen 7 1800X
      174
    • AMD Ryzen 7 2700X
      196
  • Maximallast (Prime inkl. AVX2):
    • Intel Pentium G4560
      61
    • Intel Core i3-8100
      87
    • AMD Ryzen 3 1200
      92
    • AMD A12-9800E
      93
    • AMD Ryzen 5 1400
      101
    • AMD Ryzen 3 2200G
      114
    • AMD Ryzen 5 2400G
      127
    • AMD Ryzen 7 1700
      131
    • Intel Core i5-8400
      131
    • AMD Ryzen 7 2700
      133
    • AMD Ryzen 5 2600
      146
    • Intel Core i7-7700K
      146
    • AMD Ryzen 5 1600X
      156
    • AMD A10-7890K
      160
    • AMD Ryzen 7 1700X
      178
    • AMD Ryzen 5 2600X
      180
    • AMD Ryzen 7 1800X
      183
    • Intel Core i7-8700K
      188
    • AMD Ryzen 7 2700X
      210

Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht das soeben Gesagte: Bei Last auf nur einem Kern ist die Effizienz mit Zen+ gestiegen, bei Last auf allen Kernen ist das nur auf den beiden kleineren Modellen der Fall (der Ryzen 5 1600 stand der Redaktion nicht zur Verfügung). Der Ryzen 7 2700X verbraucht hingegen überproportional mehr. Die höhere TDP von 105 zu 95 Watt hat einen handfesten Hintergrund.

Paarung Delta Leistungsaufnahme (PC) Delta Leistung
Cinebench R15, Single-Core
Ryzen 7 2700X vs. Ryzen 7 1700X +5 Prozent + 12 Prozent
Ryzen 7 2700 vs. Ryzen 7 1700 +0 Prozent +10 Prozent
Ryzen 5 2600X vs. Ryzen 5 1600X +0 Prozent +7 Prozent
Cinebench R15, Multi-Core
Ryzen 7 2700X vs. Ryzen 7 1700X +20 Prozent + 15 Prozent
Ryzen 7 2700 vs. Ryzen 7 1700 +1 Prozent +7 Prozent
Ryzen 5 2600X vs. Ryzen 5 1600X +14 Prozent +11 Prozent

Single-Rank- vs. Dual-Rank-RAM

Dual-Rank-Speicher brachte auf Ryzen 1000 in der Regel Vorteile in Spielen. Wie sieht es mit Pinnacle Ridge aus? ComputerBase hat es auf vielfachen Wunsch der Leser im Nachgang der Markteinführung von Ryzen 2000 auch noch getestet.

Derzeit lässt sich sagen, dass fast alle modernen Acht-Gigabyte-Module in einer Single-Rank organisiert, 16-Gigabyte-Module dagegen in der Regel Dual-Rank sind. ComputerBase hat also auf zwei 16-GB-Module zurückgegriffen, der Speicherausbau ist in dieser Testreihe also verdoppelt.

Genutzt wurde der G.Skill F4-3200C16D-32GTZ. Die Module arbeiten nach den Spezifikationen mit DDR4-3200, die Primärtimings lauten 16-18-18-38 bei 1,35 Volt. Für den Test wurden sie auf 16-16-16-38 konfiguriert, die Geschwindigkeit auf DDR4-2933 gedrosselt – damit konnten die Testergebnisse den bisher mit Single-Rank-Speicher ermittelten gegenübergestellt werden. Die Sekundärtimings wurden automatisch konfiguriert.

Dual-Rank (mit Hynix-Speicher) bringt auf Ryzen 2000 derzeit nichts

Überraschenderweise lassen sich durch den Wechsel auf Dual-Rank-Speicher mit dem Ryzen 7 2700X keine Vorteile bei der Leistung in Spielen erzielen. Im Durchschnitt ist er sogar ein Prozent langsamer als der Single-Rank-RAM. In Assassin's Creed Origins sind es sogar drei Prozent. Selten ist die Performance auch mal besser. Total War: Warhammer liefert fünf Prozent bessere Frametimes. Bei Ryzen-1000-Prozessoren stieg die Leistung im Durchschnitt noch um drei Prozent an.

Eine mögliche Erklärung ist, dass „Bank Group Swap“, das bei Dual-Rank-Speicher die Geschwindigkeit erhöhen kann, in aktuellen BIOS-Versionen des Asus X470 Crosshair VII (noch) abgeschaltet ist. Es gibt den Menüpunkt zwar im BIOS und er lässt sich auch verändern, ein Effekt bleibt aber aus. Das MSI X470 Gaming M7 AC reagiert genauso, offenbar ist das Verhalten derzeit von AMD so gewollt.

Aber auch die Art des Speichers könnte dafür verantwortlich sein. Der Dual-Rank-Speicher im Test war nicht mit Samsung-B-Dies ausgestattet, sondern mit günstigeren, aber eben auch schlechteren MFR-Modulen von Hynix. Der zeigte deutlich schneller seine Grenzen: Sowohl auf einem höheren Takt als DDR4-2933 als auch mit schnelleren (sekundär)-Timings reagiert das System nur mit einem schwarzen Bildschirm. Im privaten System des Redakteurs stecken ebenfalls zwei 16-GB-Module mit Dual-Rank und Samsung-B-Dies, diese lassen auf einem Ryzen 7 1700X bei „zahmen“ Timings DDR-3200 zu, oder alternativ – die schnellere Wahl – DDR4-2933 bei deutlich aggressiveren Schaltzeiten.

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