Coffee-Lake-Mainboards im Test: Intel H370 & B360 von Asus & Gigabyte auf dem Prüfstand 3/3

Volker Rißka et al. 128 Kommentare

Benchmarks: So schnell sind H370- und B360-Mainboards

Beim Testfeld wird erneut auf den neuen Testparcours zurückgegriffen, der seit AMDs Raven Ridge zum Einsatz kam. Allerdings weisen alle neu ermittelten Werte für Intel-Prozessoren und -Mainboards jetzt den kompletten Schutz gegen Meltdown und Spectre auf, leicht zu erkennen am Microcode 84 oder über das Tool inSpectre (Download).

Bei Asus' beiden Vertretern mit H370- und B360-Chipsatz ist das BIOS 0501 von Anfang März mit dem Spectre-sicheren Microcode 84 installiert, Gigabytes H370 bekommt BIOS F5g vom 22. März 2018 spendiert. Die Vergleichsmainboards Gigabyte Aorus-Z370-Serie hat BIOS F7 vom 9. März, das zuletzt getestete Z370P D3 hat BIOS F3 installiert.

Alternativ gibt es mittlerweile aber auch Windows-10-Updates.

Alle neuen CFL-Boards sind safe
Alle neuen CFL-Boards sind safe

Die Leistung fällt nahezu identisch aus

Wie bei modernen Plattformen üblich, unterscheidet sich die Leistung in einer Chipsatzklasse nicht, egal ob nun der Core i5-8400 oder das Flaggschiff Intel Core i7-8700K zum Einsatz kommt. Der Test in zehn Anwendungen zeigt nicht einmal den Unterschied von einem Prozent im Durchschnitt. Stichproben in Spielen ergaben dasselbe Ergebnis.

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Leistungsrating Anwendungen
Angaben in Prozent
    • Asus ROG Strix B360-F Gaming
      100 %
    • Asus ROG Strix H370-F Gaming
      100 %
    • Gigabyte Z370 Aorus Ultra Gaming
      99 %
    • Gigabyte Z370P D3
      99 %
    • Gigabyte H370 Aorus Gaming 3 WiFi
      99 %

Im Worst Case benötigen die neuen Mainboards mehr Strom

Interessant ist die Leistungsaufnahme. Während im Leerlauf und den Teillast-Szenarien die Lösungen von Gigabyte sowohl in Form des günstigen Z370-Mainboards als auch der neuen H370-Vertreters gut abschneiden, kippt das Bild insbesondere für die drei Mainboards mit den neuen Chipsätzen, wenn maximale Last (inklusive AVX 2.0) gefordert wird.

Leistungsaufnahme mit GTX 1080Ti
Angaben in Watt (W)
  • Leerlauf:
    • Gigabyte H370 Aorus Gaming 3 WiFi
      34
    • Gigabyte Z370P D3
      35
    • Asus ROG Strix H370-F Gaming
      38
    • Asus ROG Strix B360-F Gaming
      38
    • Gigabyte Z370 Aorus Ultra Gaming
      40
  • leichte Anwendungslast (Cinebench 1-CPU):
    • Gigabyte H370 Aorus Gaming 3 WiFi
      65
    • Gigabyte Z370P D3
      68
    • Asus ROG Strix B360-F Gaming
      70
    • Asus ROG Strix H370-F Gaming
      72
    • Gigabyte Z370 Aorus Ultra Gaming
      73
  • hohe Anwendungslast (Cinebench x-CPU):
    • Gigabyte Z370P D3
      136
    • Gigabyte Z370 Aorus Ultra Gaming
      139
    • Gigabyte H370 Aorus Gaming 3 WiFi
      146
    • Asus ROG Strix H370-F Gaming
      148
    • Asus ROG Strix B360-F Gaming
      148
  • Maximallast (Prime inkl. AVX2):
    • Gigabyte Z370 Aorus Ultra Gaming
      188
    • Gigabyte Z370P D3
      188
    • Asus ROG Strix H370-F Gaming
      206
    • Asus ROG Strix B360-F Gaming
      211
    • Gigabyte H370 Aorus Gaming 3 WiFi
      221

Alle drei neuen Mainboards genehmigen sich dann bis zu zehn Prozent mehr, was in dem Fall nicht 2 oder 3 Watt sind, sondern mehr als 20 Watt ausmachen kann. Dabei zeigt der Blick auf den Differenzwert zwischen Maximallast und Leerlauf ein noch größeren Betrag: 187 Watt sind es beim Gigabyte H370, zuletzt im Test waren es mit dem Z370-Mainboard nur 153 Watt. Die Analyse zeigt, dass die Package Power der CPU angestiegen ist. Lag sie beim Z370 im Prime95-Test bei rund 120 Watt, sind es nun durch die Bank weg 140 Watt. Beim Core i5-8400 sind es statt 85 Watt Package Power nun 99 Watt, ein Anstieg um den gleichen Prozentsatz: 16 Prozent. Der Mehrverbrauch geht damit nicht nur auf das Mainboard als solches, sondern auch auf die CPU zurück, die allerdings nicht schneller wird. ComputerBase wird diesem Problem weiter nachgehen.

Bei M.2-SSDs liegt Asus vorn

Für den Test der M2-Schnittstelle auf dem Mainboard wurde eine Samsung SSD 960 Pro in der Größe von 512 GB genutzt. Auf ihr war Windows 10 installiert (4 Prozent der SSD belegt) – ein realistisches Szenario also. Allerdings waren so die extrem theoretischen Maximalwerte nicht möglich, die stets bei leeren oder gar nicht formatierten Lösungen inklusive 30 Minuten nach Ruhezeit ermittelt werden.

Beim Test stellt sich heraus, dass die Asus-Mainboards durchweg ein wenig schneller sind, insbesondere beim Lese-Test im Burst-Modus, wo sie mit fast 3.500 MB/s an das Limit der PCIe-x4-Schnittstelle des M.2-Slots gehen. Alle drei Gigabyte-Mainboards schaffen in dem Test lediglich rund 3.150 MB/s, in den meisten anderen Tests liegen sie dann aber wieder fast gleichauf.

Von links oben: Gigabyte Z370 Aorus & Z370P D3, Asus H370-F und Gigabyte H370 Aorus, Asus B360-F
Von links oben: Gigabyte Z370 Aorus & Z370P D3, Asus H370-F und Gigabyte H370 Aorus, Asus B360-F

Die Audio-Chips unterscheiden sich kaum

Der prüfende Blick in den „Rightmark Audio Analyzer“ zeigt in der Analyse nur geringe Unterschiede zwischen den drei verbauten Soundchips und bewertet sie als sehr gut. Der ALC1220 auf den beiden Aorus-Boards bietet insgesamt aber sechs Ausgänge/Eingänge, nur das Z370 aber auch einen davon für die optische Übertragung (TOSLINK) – das insgesamt beste Ergebnis können diese Boards verbuchen. Die Lösungen von Asus bietet ebenalls sechs Ausgänge inklusive optischem Kanal und teilen sich den Platz im Mittelfeld. Der ALC887 auf dem Z270P D3 ist wirklich nur die günstige Einstiegslösung mit drei Anschlüssen. Die Anschlussvielfalt, nicht also der Klang, ergibt den Unterschied.

Von links oben: Gigabyte Z370 Aorus & Z370P D3, Asus H370-F und Gigabyte H370 Aorus, Asus B360-F
Von links oben: Gigabyte Z370 Aorus & Z370P D3, Asus H370-F und Gigabyte H370 Aorus, Asus B360-F

Overclocking ist mit H370 und B360 unmöglich

Auch wenn die neuen Chipsätze bei der Ausstattung und auch der Leistung ganz vorn mitspielen, werden sie eine Funktion nicht bieten: Overclocking. Dies schließt sowohl den Prozessor als auch den Arbeitsspeicher ein – auf jeder CPU. Selbst mit einem Intel Core i7-8700K ließ sich nicht einmal der Arbeitsspeicher über DDR4-2667 hinaus anheben.

Davor wird bei den Testmodellen nicht gewarnt, auch einen Hinweis gibt es nicht. Das kann ein Problem sein. Während es für die Taktung der CPU bei Gigabytes Mainboards weiterhin die Option gibt, den Multiplikator im BIOS höher zu setzen als normal, das dann aber einfach nicht umgesetzt wird, verhält es sich beim RAM bei Asus anders. Gigabyte blockiert die Einstellungen direkt und lässt nur DDR4-2667 zu, bei Asus hingegen kann schnellerer Speicher ausgewählt werden. Wer das tut, wird sofort beim Booten von einem Absturz begrüßt. Als DDR4-4133 spezifizierten Speicher manuell auf DDR4-2933 gestellt führt bereits dazu, dass man nicht einmal mehr ins BIOS gelangt und den Fail-Safe-Modus abpassen muss. Immerhin: Wird das XMP-Profil des Speicherriegels geladen, greift die automatische Limitierung und DDR4-4133 wird auf DDR4-2666 eingebremst.

XMP erkennt DDR4-4133 aber stellt automatisch DDR4-2666 ein
XMP erkennt DDR4-4133 aber stellt automatisch DDR4-2666 ein

Die Kombination aus Kostendruck und mehreren Dutzend Mainboards am Markt verleitet Hersteller dazu, auf jeder Platine dasselbe BIOS aufzuspielen. In diesem Fall kann es weniger bewanderte Anwender schnell vor ein Problem stellen.

Fazit und Empfehlung

Der B360-Chipsatz ist der heimliche Star der Neuvorstellung von Intel. Die Ausstattung der Platinen mit diesem Chip weicht in der Regel kaum bis gar nicht von H370-Platinen ab. Die Leistung ist ohnehin identisch, selbst die günstigsten Mainboards halten problemlos den vorgegebenen Takt und alle Turbo-Stufen. Platinen mit dem B360-Chip wird es zudem selbst mit guter Ausstattung bereits für 70, 80 Euro geben, beim H370-Board wird über 100 Euro die Regel bleiben – und dort wartet die direkte Konkurrenz in Form günstiger Z370-Platinen. Dieser kann trotz 22 zu 14 nm aktuell sogar einen Vorteil beim Stromverbrauch unter maximaler Last verbuchen, hier liegen alle drei neuen Vertreter nämlich deutlich höher. Ursache scheint aber nicht das Board direkt, sondern der Stromverbrauch der CPU zu sein. ComputerBase geht der Problematik weiter nach.

Die viel beschworenen Neuheiten der Chipsätze bleiben im Alltag hingegen unauffällig. Natürlich ist natives USB 3.1 Gen 2 mit 10 Gbps der richtige Schritt, der Mainboard-Hersteller in Zukunft auch den Griff zum kostenpflichtigen Zusatzchip spart, aber bis Endkunden den Standard brauchen, werden in den meisten Fällen noch Jahre vergehen. Und das in Teilen integrierte WLAN wird an der Verbreitung im Desktop-PC so schnell keine große Veränderung herbeiführen.

Wer RAM und CPU übertakten will, der braucht Z370

Dass der Z370-Chipsatz nach der heutigen Neuvorstellung weiter leben wird, war bereits zuvor klar. Denn nur mit diesem kann die CPU übertaktet werden. Und mit dem Speicher verhält es sich ganz genau so. Mit H370 und B360 wird der Kunde auch dort direkt auf die Intel-Spezifikationen festgenagelt. Dieses strikte Vorgehen hinterlässt einen Beigeschmack.

Intel H370 und B360 von Asus und Gigabyte im Test
Intel H370 und B360 von Asus und Gigabyte im Test

Den Feature-Stand der neuen 300er-Serie wird der Z-Chipsatz hingegen erst mit dem Z390 erreichen. Offiziell hat Intel den auch heute noch nicht benannt, auf der CES 2018 konnte ComputerBase aber bereits erste Mainboards hinter verschlossenen Türen sehen. Der Starttermin soll im Sommer liegen, möglicherweis gekoppelt an die Präsentation einer ersten Acht-Kern-CPU für den Sockel LGA 1151. Bis dahin muss zu dem alten Modell gegriffen werden. Bei Ausstattung und aktuell auch Stromverbrauch ist das aber nicht von Nachteil.

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