Verschlüsselung: Russland will Telegram blockieren

Frank Hüber 40 Kommentare
Verschlüsselung: Russland will Telegram blockieren
Bild: LoboStudioHamburg | CC0 1.0

Nachdem der Oberste Gerichtshof in Russland vor rund zwei Wochen das Berufungsverfahren gegen die Herausgabe der Schlüssel zum Ver- und Entschlüsseln der verschlüsselten Nachrichten abgewiesen hatte, leitet Russland nun die nächsten Schritte ein und möchte Telegram verbieten.

Da Telegram sich weiterhin weigert, diese Schlüssel an den FSB (Föderaler Dienst für Sicherheit der Russischen Föderation) herauszugeben und die Frist von 15 Tagen bis 4. April 2018 verstreichen hat lassen, leitet die russische Aufsichtsbehörde für Massenmedien, Telekommunikation und Datenschutz (Roskomnadsor) nun Schritte ein, die App in Russland zu blockieren. Hierzu hat die Aufsichtsbehörde bereits einen Antrag vor Gericht eingereicht, um den Zugang zu Telegram in Russland einzuschränken. Das Gericht wird in den nächsten Tagen entscheiden, ob diesem Antrag stattgegeben wird und Telegram blockiert werden muss.

Telegram kann Forderung technisch nicht erfüllen

Der Anwalt von Telegram, Pavel Chikov, sieht in der Forderung des FSB auf Herausgabe der Schlüssel weiterhin eine Verfassungswidrigkeit und merkt zudem an, dass Telegram dieser Forderung technisch gar nicht nachkommen könne, da man selbst keinen Zugriff auf die zur Verschlüsselung der Chats genutzten Schlüssel habe.

Telegram als Terror-Hilfsmittel gesehen

Der FSB fordert die Herausgabe der Schlüssel, da der in Russland von mehr als 9,5 Millionen Menschen genutzte Dienst Telegram nach Auffassung des Sicherheitsdienstes auch von Terroristen genutzt wird, die über die verschlüsselte Kommunikation unter anderem den Bombenanschlag auf die Metro in St. Petersburg koordiniert haben sollen. Seit 2016 sind derartige Dienste verpflichtet, Behörden für die Terrorabwehr Zugriff auf die übertragenen Nachrichten zu verschaffen.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Telegram im Iran „aus Gründen der nationalen Sicherheit“ bis Mitte April gesperrt werden soll.