AMD Radeon RX Vega im Test: Mit neuen Treibern und Spielen gegen Fiji

Wolfgang Andermahr 612 Kommentare
AMD Radeon RX Vega im Test: Mit neuen Treibern und Spielen gegen Fiji

tl;dr: AMD Radeon RX Vega ist in Kürze ein Jahr auf dem Markt. Grund genug, die Reife der Architektur mit neuen Treibern und Spielen zu testen. Der Test klärt, wie viel schneller Vega im Vergleich zur Fiji-GPU auf der Radeon R9 Fury inzwischen ist und was die 512 zusätzlichen Shader der Radeon RX Vega 64 mittlerweile bringen.

Wie gut ist Radeon RX Vega gereift?

Zum Marktstart im August 2017 lieferten Radeon RX Vega 64 und Radeon RX Vega 56 (Test) eine in Anbetracht der auch von AMD geschürten Erwartungen enttäuschende Vorstellung ab. Die neue Architektur bot auf dem Papier so viele Vorteile gegenüber der alten, aber in Spiele-Benchmarks kam davon quasi nichts an. Das Hin und Her um die offizielle UVP und die Verfügbarkeit der günstigsten Varianten ohne „kostenlose Spiele“ taten ihr Übriges dazu bei. Danach explodierten die Preise durch GPU-Mining und für Spieler war Vega definitiv keine Empfehlung mehr.

Zuletzt sind die Preise für Radeon RX Vega allerdings wieder deutlich gefallen. Auch sind über die vergangenen Monaten die Treiber für die Vega-Architektur optimiert worden und mit Far Cry 5 sowie Wolfenstein 2: The New Colossus gibt es die ersten beiden Spiele, die mit „Rapid Packed Math“ eine spezifische Optimierungen erhielten.

Vega vs. Fiji und Vega 64 vs. Vega 56

Die Zeit ist also reif, um mit neuen Spielen und Treibern noch einmal einen Blick auf zwei Aspekte der Vega-Architektur zu werfen und der Frage nachzugehen, inwieweit Radeon RX Vega im vergangenen Jahr gereift ist. Dass eine neue Architektur Zeit braucht, wäre schließlich keine Neuigkeit und gerade bei Grafikkarten von AMD bekannt.

Die Antwort auf diese Frage wird über zwei Analysen hergeleitet. 1. Inwieweit ist Vega bei gleichem Takt überhaupt schneller als der direkte Vorgänger Fiji und damit die Radeon R9 Fury (X)? Und 2. Wie stark kann die Radeon RX Vega 64 überhaupt von den zusätzlichen acht Compute-Units gegenüber der Radeon RX Vega 56 profitieren? Beides sind Punkte, die die Redaktion bereits zum Erscheinen der Grafikkarten untersucht hat. Und Vega schnitt in beiden Fällen nicht gut ab.

Testsystem & Testeinstellungen

Sämtliche Benchmarks wurden auf dem Grafikkarten-Testsystem durchgeführt. Dabei handelt es sich um einen auf 4,7 GHz übertakteten Intel Core i7-8700K (Test), der mit zwei 16 Gigabyte großen Dual-Rank-Speichermodulen ausgestattet ist, die mit DDR4-3200 bei den Primär-Timings von 16-16-16-38-1T angesteuert werden. Windows 10 sowie sämtliche Spiele sind auf den neuesten Stand gebracht, als Treiber ist der Adrenalin 18.4.1 installiert.

Abweichende Taktraten zur besseren Vergleichbarkeit

Für beide Testreihen müssen die Grafikkarten angepasst werden, um vergleichbare Ergebnisse zu liefern. Beim Test „Vega vs. Fiji“ kommt eine Radeon R9 Fury X mit den Standard-Taktraten zum Einsatz. Die Vega-10-GPU der Radeon RX Vega 64 wird dagegen auf 1.050 MHz heruntergetaktet, der 8 Gigabyte große HBM2-Speicher auf 1.000 MHz übertaktet. Damit haben beide Grafikkarten dieselbe theoretische Rechenleistung und Bandbreite. Auf dieser Basis lässt sich bestmöglich feststellen, wie viel Mehrleistung Vega gegenüber Fiji hat. Es ist allerdings anzumerken, dass die Radeon RX Vega 64 außerhalb ihrer Spezifikationen betrieben wird. Interne Timings sind damit nicht optimal konfiguriert. Eine für den geringeren Takt optimierte Vega könnte also etwas schneller sein.

Für den Test zur Skalierung über die zusätzlichen Shader-Einheiten wurde der GPU-Takt der Radeon RX Vega 64 und der Radeon RX Vega 56 auf jeweils 1.050 MHz reduziert. Der Speichertakt wurde in beiden Fällen auf 1.000 MHz erhöht. Damit sind die zusätzlichen Ausführungseinheiten der einzige Vorteil des AMD-Flaggschiffes. Erneut gilt auch hier, dass die Timings nicht optimal eingestellt sind.

Durch die Taktraten ergibt sich aber die zusätzliche Möglichkeit, in dieselbe Testreihe die Radeon R9 Fury X (1.050 MHz / 500 MHz) und die Radeon R9 Fury (1.050 MHz / 500 MHz) einfließen zu lassen. Da diese mit den genutzten Taktraten die gleiche theoretische Rechenleistung und Speicherbandbreite wie die Nachfolger haben, lässt sich zusätzlich aufzeigen, ob es bei der Einheitenskalierung eine Verbesserung gegeben hat.

Die Qualitätseinstellungen der Spiele

Sämtliche Testreihen werden in den Auflösungen 1.920 × 1.080 sowie in 3.840 × 2.160 durchgeführt. Dadurch gibt es ein Szenario, das es erschwert, die GPU mit ausreichend Daten zu füllen (Full HD), und eines, das es der GPU erleichtert, vollständig ausgelastet zu sein (Ultra HD). In der geringeren Auflösung laufen alle Spiele mit der vollen Detailstufe. In Ultra HD wurden in einigen Titeln die Details reduziert. In sämtlichen Spielen wurden die Texturdetails auf ein Minimum heruntergeregelt. Dadurch reicht der nur 4.096 MB große Speicher der Radeon R9 Fury (X) durchgängig aus und stellt keinen Nachteil dar, der das Ergebnis verfälscht.

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