120-mm-Lüfter im Test: Analyse zum Einfluss des Lüfters auf den CPU-Kühler 2/2

Thomas Böhm 122 Kommentare

Messergebnisse

Zur Auswertung eines Lüftertests können mehrere Messgrößen genutzt werden. Die einfachste Variante sind die Fixierung von Drehzahlen und die zu mehreren festen Drehzahlstufen erreichte Kühlleistung, welche auf einem CPU-Kühler die Differenz zwischen CPU- und Raumtemperatur ist. Allerdings berücksichtigt diese Variante nicht, wie laut ein Lüfter bei einer bestimmten Drehzahl ist. Je nach Lager und Geometrie des Lüfters können nämlich merkliche Unterschiede bestehen. Deshalb erfolgt die Auswertung der Kühlleistung (Y-Achse; Temperaturdifferenz CPU zu Raum, in Kelvin) in Relation zum Schalldruckpegel (X-Achse, in dB(A)).

Es gibt bemerkenswerte Veränderungen im Vergleich zum Test der Lüfter auf dem Wakü-Radiator: Während der Noctua NF-A12x25 auf dem Radiator noch ungeschlagen in Führung lag, bekommt er nun ausgerechnet durch die beiden günstigsten Lüfter im Testfeld Konkurrenz. Arctic F12 und Scythe Kaze Flex liegen auf Augenhöhe mit dem neuen Premium-Lüfter von Noctua. be quiet! und Noiseblocker rutschen hingegen leicht ab und positionieren sich im Mittelfeld.

Die Schlusslichter sind der Nanoxia N.N.V. und der Noctua NF-F12. Erstgenannter war bereits auf dem Radiator ein schwächerer Vertreter – der Doppelrahmen-Ventilator ist für einen leisen Betrieb und nicht für eine besonders hohe Leistung ausgelegt. Der Noctua NF-F12 war auf dem Wakü-Radiator ebenbürtig mit dem Noiseblocker eLoop sowie dem be quiet! Silent Wings. Auf dem Luftkühler ist er das nur noch, wenn man das Kühlvermögen über die Drehzahl beobachtet. Er wird auf dem Luftkühler aber schneller lauter als andere Ventilatoren, was ihn bezogen auf die Lautstärke auf einen der hinteren Plätze verbannt.

Hier wird dem Ventilator seine Auslegung auf einen besonders hohen Druck zum Verhängnis, weil der Kühlturm des Mugen 5 offensichtlich nicht genug Widerstand bietet. Der erzeugte Luftstrom sorgt für das typische Geräuschniveau eines NF-F12, der ohne oder mit geringem Widerstand betrieben wird.

Der Scythe Kaze Flex schlägt sich gut

Der Kaze Flex von Scythe schneidet bezogen auf die Drehzahl sogar als bester Lüfter ab. Das Ergebnis wird allerdings durch die Lautstärke geschmälert, denn der Lüfter ist bei gleicher Drehzahl auch mit Abstand am lautesten. Nichtsdestoweniger ist der Mugen 5 mit seinem Serienlüfter dem 30 Euro teuren Premium-Ventilator von Noctua ebenbürtig. Nur im unteren Drehzahlbereich ist der NF-A12x25 subjektiv leiser, denn bei ihm sind keinerlei Nebengeräusche wahrnehmbar. Der Lüfter von Scythe weist ein leises Klackern auf.

Weitere Messungen

Neben reinen Leistungsmessungen sind für einen Ventilator weitere Daten relevant: Das mittels PWM erreichbare Drehzahlspektrum steht stellvertretend für einen leisen Betrieb im Leerlauf sowie für Leistungsreserven unter Volllast. Die Daten des Diagramms stammen aus dem Lüfter-Test auf dem Wakü-Radiator und wurden noch um die des Scythe Kaze Flex ergänzt.

Das Drehzahlband des Scythe Kaze Flex ist etwas eingeschränkt. Mit einem Intervall von etwa 300 bis gut 1.100 U/min kann die Umdrehungsgeschwindigkeit nur um circa 800 U/min variiert werden. Andererseits erreicht der Ventilator aber bereits bei 1.100 U/min die Lautstärke, die andere Ventilatoren erst bei 1.400 U/min und mehr erzeugen. Die Auslegung des Drehzahlbands ist eine Frage der Philosophie: be quiet! legt die Standardvariante des Silent Wings bewusst leiser aus, wohingegen beispielsweise Noctua mit dem NF-A12x25 bis zu fast 2.000 U/min zulässt. Wer die Mühe nicht scheut, eine eigene Drehzahlkurve zu erstellen, freut sich dann über höhere Leistungsreserven. Wie besagter Noctua-Lüfter zeigt, kann die minimale Drehzahl dennoch niedrig bleiben.

Der Verlauf der Drehzahlkurve mittels PWM-Steuerung ist bei teuren Lüftern wie be quiet! Silent Wings, Noiseblocker eLoop und Noctua NF-A12x25 sehr geradlinig. Die günstigen Scythe Kaze Flex und Arctic F12 müssen Federn lassen, denn ihre Drehzahlverläufe zeigen Abweichungen und Krümmungen. Im Alltag ist eine krumme PWM-Drehzahlkurve allerdings vernachlässigbar.

Bis auf den be quiet! Silent Wings 3 können alle Lüfter von der Lüftersteuerung Aqua Computer Aquaero 6 LT (Test) im Testsystem gesteuert werden. Der Silent Wings 3 kann das präzise nach den Intel-Spezifikationen implementierte PWM-Signal der Lüftersteuerung nicht korrekt umsetzen. Da Mainboard-Hersteller sich nicht an die Vorgabe von Intel halten, stellt dies beim Einsatz des Lüfters über einen PWM-fähigen Mainboard-Lüfteranschluss aber kein Problem dar. Die Einschränkung gilt nur für Aquaero-Nutzer.

Fazit

Der Vergleich von PC-Lüftern sowohl auf einem Radiator für Wasserkühlungen als auch auf einem Luftkühler zeigt, dass die Lüfterwahl kein K.-O.-Kriterium für eine effektive Kühlung ist, aber auf hohem Niveau durchaus zu Leistungsdifferenzen führen kann.

Noctua NF-A12x25 PWM
Noctua NF-A12x25 PWM

So hat sich der Noctua NF-A12x25 auf dem Wakü-Radiator als ungeschlagener Sieger und auf dem Tower-Kühler Scythe Mugen 5 (Test) als einer der Top-Lüfter gezeigt. Dem teuren Premium-Lüfter kann damit der Gesamtsieg bescheinigt werden – der Ventilator ist ein sehr guter Allround-Lüfter und kann neben einer guten Leistung auch mit einem Nebengeräusch-freien Betrieb bei niedrigen Drehzahlen sowie dem umfangreichsten Lieferumfang im Testfeld überzeugen. Haken an der Sache ist der Kaufpreis, der mit knapp 30 Euro für einen Lüfter sehr hoch ausfällt.

Auch günstige Lüfter erfüllen ihren Job gut

Lässt man den spartanischen Lieferumfang sowie Laufgeräusche außer Acht, so können auch sehr günstige Ventilatoren wie der Arctic F12 PWM und der Scythe Kaze Flex 120 mm PWM überzeugen. Der Ventilator von Scythe wurde sehr gut mit dem Kühlturm des Mugen 5 abgestimmt, sodass es aus Leistungssicht keinen Grund gibt, den Ventilator gegen ein anderes Modell auszutauschen. Zwar sind beim 8-Euro-Ventilator von Scythe Nebengeräusche vorhanden, doch werden allenfalls Silent-Enthusiasten diese im Alltag wahrnehmen. Wer also nicht extrem geräuschanfällig ist, wird mit dem Serienlüfter des Mugen 5 wunschlos glücklich. Der knapp 5 Euro günstige Lüfter von Arctic ist auf demselben Leistungsniveau wie der Kaze Flex, muss aber auf entkoppelnde Gummiecken verzichten.

Noiseblocker NB-eLoop und be quiet! Silent Wings bleiben beide im unauffälligen Mittelfeld, womit sie sich zusammen mit ihrer ordentlichen Leistung auf dem Wakü-Radiator ebenfalls als Allround-Lüfter auszeichnen – wenn auch nicht auf dem Niveau eines Noctua NF-A12x25. Dafür kosten sie aber auch nur gut die Hälfte eines Noctua-Lüfters und sind farblich weniger polarisierend. Optisch auffällig ist auch der Nanoxia Special N.N.V., der mit seinem giftgrünen Rotor und dem Doppelrahmen ein ungewöhnliches Design bietet. Die Leistung des Lüfters in beiden Testszenarien ist aber schwächer als die der Konkurrenz. Der Ventilator verzichtet zugunsten des doppelten Rahmens auf mehrere Millimeter Rotordurchmesser. Angenehm ruhig im Leerlauf sind sämtliche getesteten Modelle von be quiet!, Nanoxia, Noctua und Noiseblocker.

Nicht jeder Ventilator passt zu jedem Einsatzgebiet

Obwohl sich einige Lüfter als gute Allround-Modelle beweisen, gilt dies nicht für jeden Ventilator. Der Noctua NF-F12 schneidet auf dem Mugen 5 verhältnismäßig schlecht ab. Nicht so schwach, dass der Kühler mit ihm die CPU im Testsystem nicht mehr bändigen könnte, aber doch messbar schwächer als die besten Lüfter in diesem Szenario. Auf dem Wakü-Radiator gehört der NF-F12 hingegen zu den stärkeren Lüftern. Der Kühlturm des Mugen 5 bietet offensichtlich nicht genug Widerstand, um den auf einen hohen statischen Druck ausgelegten Lüfter passend zu fordern.

Lüftervergleich: 120-mm-Lüfter auf einem CPU-Kühler
Lüftervergleich: 120-mm-Lüfter auf einem CPU-Kühler

Mit diesem Resultat ist klar, dass das Ergebnis eines Lüftertests nicht verallgemeinert werden sollte: Sowohl Lüfter als auch in großem Maße das Einsatzgebiet sind relevante Faktoren, wenn insgesamt die beste Leistung pro Laustärke erreicht werden soll. Je nach Aufbau eines CPU-Kühlers oder Radiators können die Ergebnisse eines Lüfters variieren. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Lüftern sind allerdings meist gering und somit für den Großteil der Anwender vernachlässigbar. Bei einem CPU-Kühler, der ohnehin schon mit einem Lüfter ausgeliefert wird, lohnt sich der Lüftertausch daher nur, wenn das Lager des Serienlüfters zu laut oder der Regelbereich zu eingeschränkt ist. In diesen Fällen kann jeder hochwertige Lüfter Abhilfe schaffen – selbst wenn er dem Kühler nicht zu neuen Leistungsrekorden verhilft.

ComputerBase hat die Lüfter und Kühler von Arctic, be quiet!, Nanoxia, Noctua und Scythe zum Testen erhalten. Der Noiseblocker NB-eLoop wurde von Caseking.de zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

Weitere Informationen zum Thema PC-Kühlung sowie eine Kaufberatung bietet der große Übersichtsartikel „PC-Kühlung mit Luft und Wasser“. Das Archiv hält weitere Tests zu Flüssigkühlung im Bereich PC-Kühlung bereit.

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