Kirin 980: Huawei stellt erstes 7-nm-SoC mit Dual-NPU vor

Nicolas La Rocco 36 Kommentare
Kirin 980: Huawei stellt erstes 7-nm-SoC mit Dual-NPU vor
Bild: Huawei

Huaweis Consumer-Business-Group-CEO Richard Yu hat zur IFA 2018 das neue Flaggschiff-SoC Kirin 980 vorgestellt. Der Chip wird bei TSMC in 7 nm hergestellt und kommt auf 6,9 Milliarden Transistoren. Der Kirin 980 ist mit vier Cortex-A76 und vier Cortex-A55, Mali-G76 sowie zwei NPUs ausgestattet und zum 16. Oktober startklar.

Im neuen Mate-20-Flaggschiff wird der Kirin 980 am 16. Oktober in London das erste Mal in einem echten Smartphone gezeigt werden – anders als in Honors kurzem Magic-2-Teaser. Huawei-Chef Richard Yu hat den neuen Chip heute im Rahmen seiner Keynote zur IFA 2018 angekündigt. Er stellt ein deutliches Upgrade gegenüber dem Kirin 970 dar und soll auch den Snapdragon 845 von Qualcomm in Schach halten.

Huawei lässt den Kirin 980 bei TSMC in 7 nm fertigen, der Chip hat eine Die-Größe von 1 cm² und kommt auf 6,9 Milliarden Transistoren, das sind 60 Prozent mehr als noch beim Kirin 970, der im Mate 10 Pro und P20 Pro zum Einsatz kommt.

Big-Middle-Little-CPU-Aufbau

Die CPU des Kirin 980 ist erneut verteilt auf acht Rechenkerne, allerdings setzt Huawei nicht länger auf ein Performance- und ein Efficiency-Cluster aus jeweils vier Kernen des Typs Cortex-A73 und Cortex-A53, sondern nutzt zwei Cortex-A76-Kerne mit bis zu 2,6 GHz als Big-Cluster, zwei weitere Cortex-A76-Kerne mit bis zu 1,92 GHz als Middle-Cluster und vier Cortex-A55-Kerne mit bis zu 1,8 GHz als Little-Cluster. ARMs DynamIQ ermöglicht diesen individuellen Aufbau aus gleichen Kernen des gleichen Typs mit unterschiedlicher Anzahl pro Cluster und Taktung.

Leistungs- und Effizienzangaben von Huawei beziehen sich stets auf einen der Big-Cores. Demnach steigt die Single-Core-Leistung im Vergleich zum Kirin 970 um 75 Prozent, während die Effizienz um 58 Prozent steigt. Zum Snapdragon 845 soll der Abstand in Sachen Leistung bei 37 Prozent liegen, die Effizienz bei 32 Prozent.

Neue Mali-G76 arbeitet wie mit 20 Recheneinheiten

Im Bereich der GPU gibt es mit der Mali-G76 MP10 eine Weiterentwicklung der Bifrost-Architektur, bei der eine neue Recheneinheit vom internen Aufbau her nun zwei alten Recheneinheiten der Mali-G72 entspricht. Im Kirin 970 war noch die Mali-G72 MP12 verbaut, weshalb die neue Grafikeinheit mit ihrer Bezeichnung MP10 zunächst den Eindruck eines Rückschritts hinterlässt, in Wahrheit aber deutlich mehr Leistung bietet. Huawei nennt ein Plus von 46 Prozent bei einer gleichzeitig massiven Verbesserung der Effizienz um 178 Prozent. Der Energieverbrauch in NBA2K18 soll bei 43,7 mW pro Frame liegen, die Adreno 630 des Snapdragon 845 soll dafür 64,5 mW benötigen.

Dual-NPU berechnet nun auch Video in Echtzeit

Die erstmals mit dem Kirin 970 eingeführte Neural Processing Unit (NPU) liegt nun in doppelter Ausführung vor, ist aber auch für sich alleine betrachtet schneller geworden. Huawei nutzt für die Berechnung der Leistung die Geschwindigkeit der Erkennung von Bildern. 4.500 Bilder pro Minute entsprechen einer Leistungssteigerung um 120 Prozent. Die NPUs sollen nicht mehr nur grobe Umrisse von Objekten erkennen, sondern auch zwischen feinen Details differenzieren können. Darüber hinaus ist die Bildverarbeitung in Echtzeit nun auch in Videos statt nur Fotos möglich. Bei einer kurzen Demo von Huawei konnte bei einem Jogger an der Hafenpromenade der Hintergrund gegen einen Park ausgetauscht werden. Huaweis Dual-Bildprozessor (ISP) der vierten Generation erreicht zudem einen 46 Prozent höheren Datendurchsatz mit verbesserter HDR-Berechnung.

Schnelleres LTE, präziseres GPS und optionales 5G

In Sachen Konnektivität ist der Kirin 980 noch ein LTE-SoC, die Geschwindigkeit liegt mit bis zu 1,4 Gbit/s im Downlink allerdings auf sehr hohem Niveau. Den Uplink hat Huawei von 150 auf 200 Mbit/s beschleunigt. In Kombination mit Huaweis WLAN-Modul Hi1103 sollen bis zu 1.733 Mbit/s erreicht werden. Über das gleiche Modul wird auch das neu Dual-Frequency-GPS gestellt, das eine deutlich präzisere Standortbestimmung als bisher erlaubt. Auch das Xiaomi Mi 8 setzt auf GPS mit zwei Frequenzen. Darüber hinaus lässt sich der Kirin 980 laut Huawei mit dem eigenen 5G-Modem koppeln, das mittlerweile den Namen Balong 5000 statt Balong 5G01 trägt.