Samsung Galaxy Note 9 im Test: Das Von-allem-etwas-mehr-Smartphone

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Nicolas La Rocco 164 Kommentare

Leistung satt dank Exynos 9810

Im Galaxy Note 9 werkelt mit dem Exynos 9810 das gleiche 10-nm-SoC (System on a Chip) wie im Galaxy S9 und S9+, erst im kommenden Jahr dürfte mit dem „Galaxy S10“ wieder eine neue Exynos-Generation aus 7-nm-Fertigung anstehen. Mehr Rechenleistung gibt es deshalb vorerst nicht. Allerdings hat Samsung fürs gute Gewissen den Arbeitsspeicher erneut auf 6 GB aufgestockt, so wie es schon beim Galaxy Note 8 und S9+ der Fall ist, während das kleine Galaxy S9 mit 4 GB RAM auskommen muss. Wer noch mehr Arbeitsspeicher haben möchte, muss zur 512-GB-Version des Galaxy Note 9 greifen, die mit 8 GB RAM bestückt ist. Dass mehr als 4 GB RAM durchaus sinnvoll sein können, hat zuletzt Epic bei Fortnite für Android nahegelegt, als auf Twitter Performance-Probleme mit entsprechend ausgestatteten Smartphones gemeldet wurden.

Der innere Aufbau des Galaxy Note 9
Der innere Aufbau des Galaxy Note 9 (Bild: Samsung)

An Rechenleistung mangelt es dem SoC nicht, die CPU-Leistung ist vergleichbar mit der eines Qualcomm Snapdragon 845 und liegt allgemein auf sehr hohem Niveau. Das Leistungsniveau aktueller Apple-SoCs wie dem A11 Bionic wird hingegen mit klarem Abstand nicht erreicht. Außerdem muss sich der Exynos 9810 bei der GPU-Leistung dem Snapdragon 845 geschlagen geben. Im 3DMark und GFXBench ist die Mali-G71 MP20 der Adreno 630 unterlegen. Das zeigt sich auch in den Benchmarks für GPU-Computing. Dennoch ist das SoC schnell genug für aktuelle Top-Games wie Asphalt 9.

Mehr Speicher als je zuvor

Im Galaxy Note 9 sind ab Werk immer mindestens 128 GB schneller UFS 2.1 aus eigener Produktion von Samsung verbaut. Das ist doppelt so viel Speicher wie im Basismodell des Galaxy S9, S9+ oder Note 8. Eine Version mit mehr Speicher gibt es dennoch, kommt allerdings gleich auf 512 GB und kostet 250 Euro mehr als das Basismodell. Wer auf die Dual-SIM-Fähigkeit des Smartphones verzichtet, kann das Galaxy Note 9 per 512 GB großer microSD-Karte auf insgesamt 1 TB Speicherkapazität aufrüsten – ein Wert, der lange Zeit Desktop-PCs und Notebooks vorbehalten war.

Hybrid-Schacht für Dual-SIM oder microSD-Karte
Hybrid-Schacht für Dual-SIM oder microSD-Karte (Bild: Samsung)

Samsungs UFS 2.1 ist, wie bereits beim Galaxy S9, S9+ oder Note 8 unter Beweis gestellt, vor allem beim sequenziellen Lesen und Schreiben besonders schnell und erreicht hier Werte von über 800 MB/s und knapp 200 MB/s. Auch beim wahlfreien Lesen sind über 130 MB/s noch ein sehr guter Wert, wenngleich manches Konkurrenzgerät hier mittlerweile auf über 170 MB/s kommt. Beim wahlfreien Schreiben fällt die Leistung wie bei früheren Samsung-Geräten ab und liegt im Bereich von knapp über 20 MB/s. Diese Disziplin ist seit Jahren eine Schwäche von Samsungs UFS.

Wer eine Speichererweiterung per microSD-Karte beim Galaxy Note 9 einsetzen möchte, sollte zu einer schnelleren Karte greifen, denn der interne Kartenleser des Smartphones zählt mit 65 MB/s beim Lesen und 63 MB/s beim Schreiben zu den eher flotteren Modellen. Gegenüber dem Galaxy S9, S9+ oder Note 8 gibt es aber keine Verbesserung.

Eine microSD-Karte lässt sich im Galaxy Note 9 grundsätzlich nur als tragbarer Speicher formatieren und kann nicht mit dem internen UFS zu einem großen Speichervolumen verbunden werden. Samsung geht diesen Weg, um den Geschwindigkeitsunterschied zwischen UFS und microSD-Karte klar zu trennen. In der Kamera-App lässt sich dennoch einstellen, dass Aufnahmen stets auf der Speicherkarte und nicht dem internen Speicher des Smartphones abgelegt werden sollen.

DeX ohne DeX-Station

Das Galaxy Note 9 wird mit Android 8.1 Oreo und den aktuellen Android-Sicherheits-Patches für August 2018 ausgeliefert. Darauf setzt der Hersteller seine eigene Oberfläche mit dem Namen Samsung Experience 9.5, die abgesehen von den Einstellungen für den S Pen mit der des Galaxy S9+ übereinstimmt. Von einem Update auf Android 9 Pie ist zwar auszugehen, eine offizielle Zusage seitens Samsung gibt es dafür jedoch nicht.

Neu für das Galaxy Note 9 ist die Unterstützung des Desktop-Modus DeX ohne die bisher dafür vorausgesetzte DeX-Station. Der Anschluss an einen Monitor ist neuerdings mit einem einfachen USB-Typ-C-auf-HDMI-Kabel möglich. Peripherie wie Tastatur und Maus lässt sich einfach per Bluetooth mit dem Smartphone verbinden. Alternativ gibt es auch Samsungs Multiport-Adapter, der eine weitere USB-Typ-A-Buchse bietet. Dass die DeX-Station nicht mehr benötigt wird, hatte Samsung mit dem Galaxy Tab S4 eingeführt.

Samsung Galaxy Tab S4 im DeX-Modus ohne DeX-Station
Samsung Galaxy Tab S4 im DeX-Modus ohne DeX-Station

Bis zu fünf Anwendungen ohne Kühlung

Eine Einschränkung bei DeX ohne DeX-Station gibt es aber: Ohne das Dock können fünf Anwendungen parallel im Desktop-Modus ausgeführt werden. Laut Samsung ist dies eine Einschränkung zugunsten der Betriebstemperatur des Smartphones, die unter ständiger Volllast wie im DeX-Modus nur mit der DeX-Station samt Lüfter sichergestellt werden kann. Bei normaler Nutzung bleibt das Galaxy Note 9 im Regelfall kühl, bei Spielen wird es im Bereich des SoC spürbar warm, aber nie unangenehm heiß.

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