Ryzen Threadripper 2000 im Test: 2990WX, 2970WX, 2950X und 2920X im Vergleich

 2/4
Volker Rißka 219 Kommentare

Testmethodik und Testergebnisse

Für die Tests in Anwendungen wurde auf das seit der Einführung von AMD Ryzen 2000 im April genutzte Testsystem zurückgegriffen. Die bisher genutzten Einstellungen wurden beibehalten. Alle CPUs wurden dabei gemäß ihrer offiziellen Spezifikationen getestet. Bei Intels Coffee-Lake-(Refresh-)Prozessoren kam deshalb DDR4-2666, bei AMDs Ryzen-Prozessoren DDR4-2666 (Ryzen 1000) respektive DDR4-2933 (Ryzen 2000 inklusive Threadripper 2000) zum Einsatz. Die Timings betrugen in jedem Fall CL15-15-15-35-1T. Für die klassischen Anwendungstests wurde damit auch weiterhin die GeForce GTX 1080Ti Strix OC von Asus genutzt, was auch den Teil der Messungen zur Leistungsaufnahme einschließt. So wird die vollständige Vergleichbarkeit zu allen bisher getesteten CPUs gewährleistet.

Aktualisiertes Windows, neues BIOS, neue Versionen von Anwendungen

AMD hatte bereits vor einigen Monaten erklärt, dass man zusammen mit Microsoft daran arbeitet, Windows für den Umgang mit mehr als 32 Threads auf Threadripper 2000 zu optimieren. Erste Ergebnisse sind davon sichtbar, sowohl umfangreiche Windows-Updates der letzten Wochen als auch BIOS-Updates für das Asus Zenith Extreme (BIOS 1501 vom 12. Oktober 2018) zeigen einen Fokus auf eine Verbesserung der Leistung von Threadripper mit vielen Kernen und Threads. Deshalb wurden neben den beiden neuen Modellen auch die im Sommer vorgestellten Varianten komplett neu vermessen. Dabei zeigt sich, dass einige Probleme gelöst wurden, andere aber auch noch nicht. Insgesamt ist die Leistung aber leicht gestiegen.

Spiele-Benchmarks mit abweichendem Testsystem

Die Spiele-Benchmarks nutzen die Asus GeForce RTX 2080 Ti Strix OC mit aktuellem Grafiktreiber GeForce 416.34 und schärferen Speicher-Timings von CL14-14-34-1T. Parallel wurden im Zuge der zuletzt notwendigen Fehleranalyse auch alle Spiele-Benchmarks neu aufgesetzt und alle Werte neu ermittelt.

Die Anzahl der Vergleichswerte ist deshalb noch gering. Neben der Zeit haben aber auch Kopierschutzmaßnahmen der Spiele großflächige Nachmessungen älterer CPUs verhindert, zumal dieselben Spiele zeitgleich auch noch für die diversen Neuvorstellungen von Grafikkarten benötigt wurden. Die vielen Zusatz-Modi bei Threadripper (normal, DLM, Game Mode) entsprechen zudem quasi immer einer neuen CPU, sodass aus eigentlich nur vier Prozessoren schnell zehn Testreihen und mehr, die quasi immer einen neuen CPU entsprechen, werden.

Spiele und Einstellungen für Benchmarks in Full HD und Ultra HD
Titel Detailstufe Benchmark-Typ
Assassin's Creed: Origins Extreme High Savegame
Kingdom Come Deliverance Ultra hoch Savegame
Far Cry 5 Ultra Savegame
Total War Warhammer Ultra Kampagne
Project Cars 2 Ultra Freies Rennen (Spa)
Wolfenstein 2 Mein Leben! Savegame
Destiny 2 Höchste Savegame
Overwatch Ultra Mehrspieler-Match auf Dorado
Ghost Recon Wildlands Hoch Kampagne (Savegame)
Star Wars Battlefront 2 Ultra Kampagne (Savegame)

Benchmarks in Anwendungen

Viele Kerne und Threads werden noch besser. Nicht nur helfen neue BIOS-Varianten und aktuelle Windows-Updates, auch das neue DLM trägt einen kleinen Teil dazu bei. Eine relevante Skalierung von 24 auf 32 Kerne ist aber nur noch in sehr seltenen Fällen zu beobachten. Im besten Fall sind es dann noch einmal 20 Prozent, die der 32-Kerner auf den 24-Kerner gewinnt (33 Prozent mehr Kerne). Der 24-Kerner kann wiederum gegenüber dem 16-Kern-Prozessor um 35 Prozent zulegen (50 Prozent mehr Kerne)

Ein ähnliches Bild gibt es auch vom 2920X zum 2950X, also von 12 auf 16 Kerne. Der fortan kleinste Threadripper kann sich zudem im Durchschnitt über 40 Prozent vor dem schnellsten Mainstream-Vertreter, dem Ryzen 7 2700X, platzieren. Hier erfolgt eine klare und deutliche Trennung zwischen High-End und Mittelklasse, wenn der Fokus auf Anwendungen liegt.

Wird der Preis mit in die Gleichung aufgenommen, ist hingegen der Threadripper 1920X der unbestrittene König. 400 Euro entsprechen lediglich 90 Euro Aufpreis zum Ryzen 7 2700X (30 Prozent), dafür gibt es dann auch 30 Prozent mehr Leistung. Der Nachfolger 2920X kostet hingegen 250 Euro Aufpreis für nicht einmal zehn Prozent mehr Leistung. Und Intel? 1.000 Euro kostet der Core i9-7900X als Zehn-Kern-Prozessor mit ähnlicher Leistung. Dieser fällt beim Thema Preis/Leistung völlig heraus. Und auch der Core i9-9900K bleibt aufgrund eines viel zu hohen Preises in den getesteten Anwendungen im Schnitt keine Alternative.

Der AMD Ryzen Threadripper 1920X steht bei Preis/Leistung über den vier Neulingen
Der AMD Ryzen Threadripper 1920X steht bei Preis/Leistung über den vier Neulingen

Benchmarks in Spielen

Spiele in Full HD bei maximalen oder sehr hohen Details stellen unter Verwendung einer GeForce RTX 2080 Ti in vielen Fällen die CPU in den Mittelpunkt. Getestet wird „im CPU-Limit“. Mit höherer Auflösung oder schwächerer Grafikkarte schrumpfen die Abstände zwischen verschiedenen Prozessoren zusammen, es sei denn, gewisse Modelle fallen aufgrund ihrer Architektur (zum Beispiel nur zwei Kerne oder sehr geringer Takt) deutlich zurück.

Threadripper ist dort einmal mehr eine Besonderheit. Denn mit maximal 64 Threads können nicht alle Spiele umgehen, weshalb es bereits seit über einen Jahr den Game Mode beziehungsweise Legacy Compatibility Mode gibt. Dieser setzt die Anzahl der Kerne auf sechs oder acht fest und halbiert auch das Speicherinterface von vier auf zwei Kanäle.

Modell Kerne/Threads
ab Werk
Kerne/Threads
im Game Mode
2990WX 32/64 8/16
2970WX 24/48 6/12
2950X 16/32 8/16
2920X 12/24 6/12

So entspricht Threadripper 2000 am Ende quasi einem Ryzen 7 2700 (X) oder Ryzen 5 2600 (X). Und dies funktioniert erstaunlich gut, wie die neuen Testreihen mit aktueller RTX-2080-Ti-Grafikkarte und ganz neuem Treiber unter Beweis stellen.

Eine kleine Legende zur Hilfestellung der vielen Threadripper-Ergebnisse:

  • GM = Game Mode (Halbierung oder Viertelung der Kerne auf acht/sechs)
  • DLM = Dynamic Local Mode (CPU-Kerne mit lokalem RAM bevorzugt)

Die Updates der letzten Wochen und Monate rund um die Plattform und das Software-Ökosystem zeigen, dass es unterhalb von 24 Kernen im Durchschnitt keinen speziellen Game Mode mehr braucht. Der 2950X ist am Ende mit seinen 16 Kernen und 32 Threads fast genau so schnell wie mit acht Kernen und 16 Threads, der neue 2920X schließt ohne Game Mode mit seinen 12 Kernen und 24 Threads auf. Assassin's Creed Origins mit seinem hohen Bedarf an Threads sieht beide Prozessoren im Game Mode sogar deutlich an Leistung verlieren. Diese Feststellung ist durchaus wichtig, denn nicht jeder ist Fan von zusätzlicher Software, die er installieren muss, um diese zuvor als Spezialfall für die CPU gehandhabten Möglichkeiten in voller Leistung ansprechen zu können. Das ist ein großer Schritt nach vorn für die Plattform, die damit deutlich salonfähiger wird.

DLM + Game Mode bisher nur mit Workaround

Die Kombination aus Game Mode und DLM konnte nicht ausführlich getestet werden, da die vorab zur Verfügung gestellte Beta-Software vom neuen Ryzen Master 1.5 auf mehreren Threadripper-Systemen in der Redaktion den gleichen Bug aufwies. In Zusammenarbeit mit AMD konnte die Redaktion dem Problem zwar auf den Grund gehen, aber nur noch kurz in dem Spieletest im Parcours einen Durchlauf absolvieren. Doch die Tests zeigten bereits, dass diese Kombination letztlich kaum mehr Einfluss hat. Fürs Spielen ist der Game Mode da, der Rest kann und darf sein, muss es aber nicht.

GM und DLM beim 2990WX aktiv
GM und DLM beim 2990WX aktiv

Auf der nächsten Seite: Leistungsaufnahme