Microsoft-Suchmaschine: Bing in China trotz Zensur gesperrt

Frank Hüber 107 Kommentare
Microsoft-Suchmaschine: Bing in China trotz Zensur gesperrt
Bild: Microsoft

Obwohl Microsoft die Suchergebnisse der eigenen Suchmaschine Bing in China zensiert, ist die Suchmaschine derzeit in China gesperrt, wie Microsoft inzwischen auch selbst bestätigt. Laut Chinas staatseigenem Telekomkonzern China Unicom erfolge dies auf Anweisung der chinesischen Regierung.

Über das Zensursystem „Great Firewall“ wird per DNS Corruption der Aufruf der Website verhindert; eine von zahlreichen üblichen Methode zum Blockieren von Inhalten in China. Über den konkreten Anlass für die Sperrung herrscht bislang allerdings Unklarheit. In sozialen Netzwerken wird der jüngste Server-Crash von Bing in China als möglicher Anlass genommen, bei dem ein viraler Artikel über die schlechte Qualität der Suchergebnisse von Baidu viele Zugriffe auf Bing ausgelöst hatte.

Microsoft passt Dienste und Produkte für China an

Auch Steven Sinofsky, der von Juli 2009 bis November 2012 Geschäftsleiter der Windows Division bei Microsoft war, äußert sich auf Twitter mit Unverständnis über die aus seiner Sicht nicht gerechtfertigte Sperrung. Im Jahr 2017 hatte Microsoft sogar Windows 10 für den chinesischen Markt angepasst, um die Sorgen vor etwaigen Hintertüren für die US-amerikanische Regierung auszumerzen.

Baidu unangefochtene Nummer 1 in China

Damit ist auch die letzte große Suchmaschine in China nicht mehr zugänglich. Googles „Projekt Butterfly“, mit dem das Unternehmen eine spezielle Suchmaschine für China entwickeln wollte, die den dortigen Anforderungen und Zensurrichtlinien nachkommt, wurde aufgrund massiver Proteste im eigenen Unternehmen wieder eingestellt. Google hatte seine chinesische Suchmaschine im Jahr 2010 eingestellt. Baidu ist derzeit die größte Suchmaschine in China und soll auf rund 466 Millionen Geräten monatlich eingesetzt werden. Dem gegenüber war Bing mit nur 320.000 monatlichen Geräten, auf denen es eingesetzt wurde, weit abgeschlagen. Bing ist zudem nicht der einzige Microsoft-Dienst, der in China gesperrt ist. Zuletzt hat die chinesische Regierung im November 2017 Skype sperren lassen.

Update 24.01.2019 23:23 Uhr

Einem Bericht von Bloomberg zufolge soll es sich bei der Sperre um einen technischen Fehler gehandelt haben und nicht um eine gewollte Sperrung der Suchmaschine im Auftrag der chinesischen Regierung. Einige chinesische Nutzer berichten inzwischen auch, dass Bing in China wieder erreichbar sei.