Huawei P30 Pro im Test: Display, Benchmarks und Akkulaufzeit

 3/4
Nicolas La Rocco 280 Kommentare

Der bisherige Test hinterlässt ein wenig den Eindruck, als wäre das P30 Pro nur eine Smartphone-Kamera. Der Fokus liegt zwar ganz klar auf diesem Ausstattungmerkmal, weshalb der Kamera im Test besonders viel Zeit gewidmet wurde, das P30 Pro ist aber mehr als das. Bei genauer Betrachtung ist das P30 Pro von der restlichen Hardware her ein Mate 20 Pro, das von Huawei schöner verpackt wurde. Der Hersteller bietet für das P30 Pro ausgefallene Farben an, darunter „Breathing Crystal“, das je nach Winkel und Lichtverhältnissen von Hellblau zu Dunkelblau wechselt, oder das „Twilight“ ablösende „Aurora“ des Testgerätes, das zwischen Blau und Grün changierend die Schweife des Polarlichts emuliert. Wer es besonders poppig will, greift zu „Amber Sunrise“, das Orange und Rot zu einem knallig leuchtenden Farbmix vereint. Daneben gibt es Schwarz und das hierzulande nicht erhältliche „Pearl White“.

Die Verarbeitungsqualität des P30 Pro fällt ausgezeichnet aus, hier schneidet Huawei nicht schlechter ab als die Top-Produkte von Apple oder Samsung. Das P30 Pro ist mit 73,4 × 158,0 × 8,41 mm (B × H × T) etwa so groß wie ein Samsung Galaxy S10+ oder Apple iPhone Xs Max. Im Vergleich zum Vorgänger P20 Pro ist es 3 mm höher und etwas dicker geworden. Das Smartphone liegt dennoch gut in der Hand, ist aber rutschig und sollte deshalb am besten mit zwei Händen bedient und zum Schutz in einer Hülle aufbewahrt werden. Schade nur, dass darunter die Farben und der ansonsten hochwertige Qualitätseindruck leiden. Denn Huaweis ab Werk beigelegte Hülle wirkt einfach nur billig. Auch ohne Hülle ist das Smartphone dank IP68-Zertifizierung vor Staub und Wasser geschützt.

Spezifikationen des P30 Pro im Vergleich

Huawei P30 Pro
Samsung Galaxy S10+
Apple iPhone Xs Max
Software:
(bei Erscheinen)
Android 9.0 iOS 12
Display: 6,47 Zoll
1.080 × 2.340, 398 ppi
OLED, HDR
6,40 Zoll
1.440 × 3.040, 526 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 6
6,50 Zoll
1.242 × 2.688, 456 ppi
OLED, HDR
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner Touch, 3D Touch, Gesichtsscanner
SoC: HiSilicon Kirin 980
2 × Cortex-A76, 2,60 GHz
2 × Cortex-A76, 1,92 GHz
4 × Cortex-A55, 1,80 GHz
7 nm, 64-Bit
Samsung Exynos 9820
2 × Exynos M4, 2,73 GHz
2 × Cortex-A75, 2,31 GHz
4 × Cortex-A55, 1,95 GHz
8 nm, 64-Bit
Apple A12 Bionic
2 × Vortex, 2,49 GHz
4 × Tempest
7 nm, 64-Bit
GPU: Mali-G76 MP10
720 MHz
Mali-G76 MP12 Apple Quad-Core
RAM: 8.192 MB
LPDDR4X
8.192 MB
LPDDR4X
Variante
12.288 MB
LPDDR4X
4.096 MB
LPDDR4X
Speicher: 128 / 256 / 512 GB (+microSD) 128 / 1.024 / 512 GB (+microSD) 64 / 256 / 512 GB
1. Kamera: 40,0 MP, 2160p
LED, f/1,6, AF, OIS
12,0 MP, 2160p
LED, f/1,5, AF, OIS
12,0 MP, 2160p
Quad-LED, f/1,8, AF, OIS
2. Kamera: 20,0 MP, f/2,2, AF 12,0 MP, f/2,4, OIS, AF
3. Kamera: 8,0 MP, f/3,4, AF, OIS 16,0 MP, f/2,2 Nein
4. Kamera: Nein
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 32,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
10,0 MP, 2160p
Display-Blitz, f/1,9, AF
7,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,2
2. Frontkamera: Nein 8,0 MP, f/2,2 Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
DC-HSPA
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.400 ↑200 Mbit/s
Advanced Pro
↓2.000 ↑316 Mbit/s
Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
5G: Nein
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct
802.11 a/b/g/n/ac/ax
Wi-Fi Direct, Miracast
802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth: 5.0 LE 5.0
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo, QZSS A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo A-GPS, GLONASS, Galileo, QZSS
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC, Infrarot USB 3.1 Typ C, NFC Lightning, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM, Dual-SIM
Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 4.200 mAh (16,04 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
4.100 mAh (15,79 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.174 mAh (12,08 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 73,4 × 158,0 × 8,41 mm 74,1 × 157,6 × 7,80 mm 77,4 × 157,5 × 7,70 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 192 g 175 / 198 g 208 g
Preis: ab 799 € / ab 916 € / – – / 1.599 € / 1.249 € / ab 1.489 € / ab 809 € / ab 999 € ab 1.125 € / ab 1.280 € / ab 1.390 €

Der Bildschirm wächst auf 6,47 Zoll

Statt 6,1 Zoll wie im Vorjahr bietet das Display nun 6,47 Zoll. Dass bei Huawei die Mate-Serie letztlich die Flaggschiff-Oberhand behält, zeigen die Auflösung von 2.340 × 1.080 Pixeln und der Verzicht auf die Face-ID-ähnliche Gesichtserkennung. Im P20 Pro ist wieder eine normale Frontkamera mit 32 Megapixeln verbaut, die dafür allerdings in einer stark reduzierten Notch Platz findet. Allgemein fallen die Display-Ränder angenehm schmal aus. In Sachen Display-Qualität hält Huawei durchaus mit Samsung mit, wenngleich das Panel bei Samsung deutlich besser abgestimmt ist.

Huawei kommt im Automatikmodus bei 100 Prozent Weißdarstellung auf eine vergleichbare Display-Helligkeit wie Samsung, die bei rund 530 cd/m² liegt. Bei Reduzierung des Weißanteils sind für Teilbereiche des Panels Werte oberhalb von 800 cd/m² möglich, sodass bei Sommerwetter stets genügend Helligkeit zur Verfügung steht. Im manuellen Modus sind Werte um 450 cd/m² mögich, was aber vom gewählten Darstellungsmodus abhängig ist.

In den Android-Einstellungen gibt es für das Display die Farbprofile „Normal“ und „Lebhaft“ (ab Werk) sowie die drei Farbtemperaturprofile „Standard“ (ab Werk), „Kalt“ und „Warm“. Im manuellen sowie im Automatikmodus liegt der Weißpunkt des Displays standardmäßig bei knapp unter 8.000 Kelvin und weist damit einen Blaustich auf. Mit dem Wechsel zum Farbtemperaturprofil „Warm“ sinkt der Wert auf bessere 6.700 Kelvin. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass diese Verschiebung mit den Farbprofilen kollidiert. Denn sobald zum weniger gesättigten Profil „Normal“ statt „Lebhaft“ gewechselt wird, liegen beim Farbtemperaturprofil „Standard“ nur 6.800 Kelvin an. Das Profil „Warm“ hat dann mit 5.900 Kelvin einen klaren Rotstich.

Fingerabdrucksensor und Hörmuschel im Display

Der Fingerabdrucksensor ist von dem Bereich unterhalb des Bildschirms jetzt auch beim P30 Pro in das Display gewandert, wie es zuletzt beim Mate 20 Pro der Fall war. Im P30 Pro sitzt er aber deutlich weiter unten, was schon fast eine Spur zu tief ist, und arbeitet deutlich schneller. Im Direktvergleich mit dem Mate 20 Pro lässt sich das P30 Pro stets schneller entsperren. Huawei verbaut wieder einen optischen Sensor und noch keinen Ultraschall-Fingerabdrucksensor wie Samsung im Galaxy S10 und S10+. Abseits der mit Ultraschall einhergehenden Vorteile, wie etwa der Unempfindlichkeit gegenüber nassen Fingern und Gegenlicht, ist der neue Sensor von Huawei der derzeit schnellste Display-Fingerabdrucksensor am Markt.

Eine weitere Neuerung ist der Verzicht auf eine klassische Hörmuschel. Stattdessen wird der obere Bereich des Displays wie beim LG G8 zur Membran. Im Alltag hört sich das zumindest bei Telefonaten nicht anders an als eine normale Hörmuschel, an anderer Stelle gibt es dadurch aber einen großen Nachteil: Stereo-Lautsprecher hat das P30 Pro nicht mehr, was vor allem bei YouTube-Videos ärgerlich ist. Der einzelne Lautsprecher unten ist für Telefonate im Freisprechmodus ausreichend, bei Videos und Musik mangelt es aber eindeutig an Klangkulisse.

Leistung wie ein Mate 20 Pro

Den in 7 nm bei TSMC gefertigten HiSilicon Kirin 980 bereits als alten Bekannten zu bezeichnen, wäre zwar etwas übertrieben, nach dem Mate 20 Pro und dem Honor View 20 ist der Chip aber eben nicht mehr ganz taufrisch. Das Leistungsniveau entspricht damit den Geräten vom Herbst des letzten Jahres, was nach wie vor für ein gutes Erlebnis auf dem Smartphone sorgt. Man muss aber auch klar sagen, dass ein Exynos 9820 oder der Snapdragon 855 zwischenzeitlich eine höhere SoC-Leistung liefert. Innerhalb von Android 9.0 Pie (mit EMUI 9.1) lässt sich der etwas ältere Chip jedoch nicht erkennen. Einzig bei Spielen steht etwas weniger Leistung zur Verfügung, was sich zum Beispiel bei Asphalt 9 am 30-FPS-Limit bemerkbar macht. Das gibt es aber auch bei anderen Android-Flaggschiffen, nur unter iOS ist für die aktuellen iPhones eine Anhebung auf 60 FPS möglich. Und selbst hier führen die neuen Strandlevels seit kurzem zu FPS-Einbrüchen.

Das Testgerät der Redaktion ist mit 256 GB Universal-Flash-Storage ausgerüstet, der sich im Androbench von seiner schnellen Seite zeigt. Die Zeiten des Speicherlottos scheinen bei Huawei vorbei zu sein, Berichte über verbauten eMMC-Speicher gab es zuletzt nicht mehr. Wer den Speicher erweitern möchte, muss eine NM-Card von Huawei verwenden und gleichzeitig auf den Dual-SIM-Support verzichten. Das P30 Pro unterstützt schnelles LTE Advanced Pro mit bis zu 1,4 Gbit/s im Downstream.

Ein Akku für die Ewigkeit

Der neue Akku fällt mit 4.200 mAh (16,04 Wh) 5 Prozent größer als im Vorjahr und identisch zum Mate 20 Pro aus. Im P30 Pro sorgt der gleiche Akku dank der geringeren Auflösung des Displays aber für deutlich längere Laufzeiten beim YouTube-Streaming. Mit 18:38 Stunden landet das P30 Pro hinter dem Moto G7 Power (Test) und dem Moto Z Play auf dem dritten Platz der Smartphones mit der längsten Laufzeit, auch das Galaxy S10+ wird knapp geschlagen. Ein Langläufer ist das P30 Pro im PCMark, der die Offline-Videowiedergabe, Bildbearbeitung, Textverarbeitung und das Surfen im Netz simuliert. Hier reiht sich das P30 Pro mit 19:32 Stunden auf Platz 2 ein.

Selbst bei intensiver Nutzung im Alltag geht dem Smartphone nicht die Puste aus. Während des Tests wurde es mehrfach den gesamten Tag über für Fotoaufnahmen verwendet und hatte am Abend dennoch eine Restkapazität weit im zweistelligen Bereich. Im normalen Alltagsgebrauch ist das Gerät kaum leer zu bekommen, zwei Tage Nutzung dürften für die meisten Anwender kein Problem darstellen. Das P30 Pro ist in diesem Punkt eines der besten Smartphones.

Das SuperCharge-Netzteil mit 40 Watt und das schnelle Aufladen von 70 Prozent innerhalb von 30 Minuten übernimmt das P30 Pro vom Mate 20 Pro. Kabelloses Laden ist mit bis zu 15 Watt möglich und auch das „Reverse Wireless Charging“ ist wieder mit dabei, um andere Qi-Geräte über die Rückseite des P30 Pro zu laden.

Auf der nächsten Seite: Fazit – Ein neuer Kamerakönig