Corsair VS450 im Test: Testergebnisse

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Nico Schleippmann 33 Kommentare

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen simulieren.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Mit der Effizienzmessung bei einer Eingangsspannung von 115 V soll die Konformität zu 80Plus nachgewiesen werden. Die Standard-80Plus-Zertifizierung fordert lediglich einen Wirkungsgrad von 80 Prozent über alle Lastszenarien. Diese Anforderung erfüllt das Corsair VS450 problemlos und würde sogar die Voraussetzungen für 80Plus Bronze erfüllen. Für Systemintegratoren innerhalb der EU hat die 80Plus-EU-Zertifizierung aber einen höheren Stellenwert, weil ein Wirkungsgrad von mindestens dem Standard-80Plus-EU-Zertifikat vorgeschrieben ist. Auch wenn Corsair das Netzteil danach nicht zusätzlich zertifizieren ließ, wird das Netzteil den Anforderungen von 80Plus EU gerecht, weil es mit dem Verdoppeln der Eingangsspannung ordentlich an Wirkungsgrad hinzugewinnen kann. Die Steigerung der Effizienz um mehr als zwei Prozent ist der PFC-Schaltung zuzuschreiben, in der mit Halbierung des Stromes nur noch ein Viertel an Verlusten anfällt.

Eine bessere Vergleichbarkeit der Netzteile ist mit der Messung bei „festen Lasten“ gegeben. Dabei kann das VS450 das Cooler Master MasterWatt Lite 500W und das be quiet! System Power 8 500W minimal übertrumpfen, muss sich aber dem be quiet! System Power 9 400W und dem Xilence Performance A+ 530W geschlagen geben.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Die PFC des VS450 zeigt keine Auffälligkeiten und arbeitet vorbildlich, weshalb es mit Volllast den Leistungsfaktor von 0,99 nur sehr knapp verfehlt.

Spannungsregulation

Technologisch bedingt hat ein gruppenreguliertes Netzteil wie das VS450 Probleme, die Ausgangsspannungen aller Schienen in Crossload-Szenarien auszuregeln. Demnach verlässt die Spannung der 5-Volt-Schiene die ATX-Spezifikation in beiden Crossload-Szenarien. Auf den anderen Schienen bleibt die Spannung dagegen noch innerhalb der Toleranzen. Weil die Auslastung nach Laborbedingungen noch keine Aussagekraft über die in Realität auftretenden Lasten gibt, müssen weitere Messungen mit den „festen Lasten“ durchgeführt werden.

Moderne Systeme, die Leistung fast ausschließlich von der 12-Volt-Schiene aufnehmen, kommen dem Crossload-12V-Szenario sehr nahe. Andererseits wird in den hohen Power-States der CPU nur sehr wenig Leistung von der 12-Volt-Schiene und eine unveränderte Leistung von den Minor-Rails aufgenommen. Ein hoher Power-State wird mit der 6-Watt-Last nachgebildet, für den die Ausgangsspannungen wie für die höheren Leistungen stets innerhalb der Spezifikation bleiben.

Restwelligkeit

Die Restwelligkeit der Spannungen auf den Ausgangsschienen bleibt durchgehend innerhalb der Spezifikation, auch wenn der Toleranzbereich meist sehr weit ausgeschöpft wird. Komplikationen mit Hardware-Komponenten sind nicht zu erwarten, wenn diese sich wie gefordert auch an die Spezifikation halten.

Schutzschaltungen

Die Überstromsicherung (OCP) löst nur auf den Minor-Rails korrekt aus. Für die 12-Volt-Schiene wurde auf eine gesonderte Implementierung verzichtet. Das Fehlen einer 12-Volt-OCP macht eine effektive Überlastsicherung (OPP) aber umso wichtiger, der allerdings keine korrekte Funktionsweise nachgewiesen werden konnte. Bevor das Netzteil bei Ausgangsleistungen von über 525 W abschaltet, sinkt die Spannung auf der 12-Volt-Schiene so stark, dass der Unterspannungsschutz (UVP) auslöst. Sehr effektiv ist der Überhitzungsschutz (OTP) mit einer Schwelltemperatur von 70 °C am Kühlkörper der sekundärseitigen Gleichrichter eingestellt. Weil dieser Kühlkörper sehr viel Verlustleistung abzuführen hat, ist bereits ein Abschalten bei zu hoher Umgebungstemperatur im Bereich von 50 °C zu erwarten, um einen frühzeitigen Ausfall aufgrund zu hoher Betriebstemperaturen zu vermeiden.

Corsair VS450 (2018)
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 25 A
5 V OCP 20 A 27 A
12 V OCP 36 A >46 A (Abschaltung bedingt durch UVP)
5 VSB OCP 3 A 4,5 A
OPP 450 W >525 W (Abschaltung bedingt durch UVP)
OTP 70 °C (an sekundärseitigem Kühlkörper)

Die Kurzschlusssicherung (SCP) wird anhand zweier Messmethoden überprüft. Ein niederohmiger Kurzschluss wird auf den zusammengelegten Leitungen einer Spannungsschiene und einem SATA-Stecker verursacht. Das VS450 erkennt diese Fehlerzustände korrekt.

Wärmekammer

Das VS450 (2018) ist offiziell nur für eine Umgebungstemperatur von bis zu 30 °C spezifiziert, weil sich höhere Betriebstemperaturen sehr empfindlich auf die erwartete Lebensdauer auswirken können. Ermöglicht das PC-Gehäuse einen separaten Luftstrom für das Netzteil, sollte es so eingebaut werden, dass die Lüfteröffnung zu einer Außenseite des Gehäuses gerichtet ist. Dadurch kann das Netzteil Frischluft direkt aus der Umgebung beziehen. Die folgenden Messungen wurden mit anderem Mess-Equipment und abweichender Lastverteilung bei einer Umgebungstemperatur von 40 °C und Volllast durchgeführt, um festzustellen, ob das Netzteil auch an heißen Sommertagen noch genügend Leistungsreserven besitzt.

Corsair VS450 – Restwelligkeit in Wärmekammer
Corsair VS450 – Restwelligkeit in Wärmekammer

Auf der 5-Volt-Schiene lässt sich eine klare Erhöhung der Restwelligkeit feststellen, die nun bis an die Toleranzgrenze heranreicht. Die Spannungsregulation zeigt aufgrund der symmetrischen Auslastung der Ausgangsschienen keine Auffälligkeiten, weil die Werte sehr nahe am Sollwert liegen.

Ausgangsspannungen VS450 (2018)
12 V 11,96 V
5 V 4,97 V
3,3 V 3,29 V
5 VSB 4,95 V
‑12 V ‑12,30 V

Die höhere Umgebungstemperatur wirkt sich negativ auf den Wirkungsgrad des Netzteils aus und erschwert zudem die Kühlung. Gegenüber der für die Lautstärkemessung verwendeten Umgebungstemperatur steigt die Lüfterdrehzahl mit 1.880 Umdrehungen pro Minute deswegen deutlich an.

Grafikkartenkompatibilität

Zu empfindlich eingestellte Schutzschaltungen können bei Betrieb von Grafikkarten mit starken Lastwechseln fälschlicherweise auslösen. Ebenso kann eine zu schwache Ausgangsfilterung des Netzteils Grund für eine Inkompatibilität zu solchen Grafikkarten sein. Die Kompatibilität wird im Folgenden mittels einer Stichprobenmessung eines Systems bestehend aus einem AMD Ryzen 2600 mit 4,0 GHz und einer AMD Radeon RX Vega 56 überprüft.

Corsair VS450 – Spannungsripple an 12-Volt-PCIe-Anschluss (Normallast)
Corsair VS450 – Spannungsripple an 12-Volt-PCIe-Anschluss (Normallast)

Es wird lediglich ein Szenario getestet, bei dem die Grafikkarte mit Undervolting betrieben wird, sodass das Netzteil nicht über die Nennleistung hinaus ausgelastet wird. Trotz der eher schwachen Ausgangsfilterung auf der 12-Volt-Schiene liegt der maximale Spannungs-Ripple an der Grafikkarte mit 690 mV noch relativ niedrig. Der Spannungs-Ripple ist mit dem von Mittelklasse-Netzteilen wie dem be quiet! Pure Power 11 vergleichbar. Ähnlich wie beim Test der Spannungsregulation mit „festen Lasten“ schießt die 5-Volt-Schiene in diesem Lastszenario mit 5,10 V etwas nach oben.

Stützzeit & ErP

Gerade für günstige Netzteile wird gerne am Stützkondensator gespart, weil ein ordnungsgemäßer Betrieb in einem stabilen Niederspannungsnetz wie dem deutschen auch für geringere Stützzeiten sichergestellt wird. Für das VS450 kann das Bestehen dieser Anforderung nachgewiesen werden, wenn es nicht mit kompletter Volllast ausgelastet wird. Diese Größe ist im Allgemeinen aber nur bei Verwendung einer Offline-USV von Bedeutung.

22 Einträge
Stützzeit
Einheit: Millisekunden
  • AC_loss bis PWR_OK-Ende:
    • Zalman ZM500-TX
      6,5
    • Corsair TX550M
      11,9
    • Inter-Tech Sama Armor 550W
      12,4
    • Xilence Performance X 550W
      14,2
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      14,8
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      15,2
    • Corsair VS450 (2018)
      15,7
    • Enermax RevoBron 500W
      15,8
    • Cooler Master MasterWatt 450W
      15,9
    • Minimum
      16,0
    • EVGA B3 550W
      16,9
    • be quiet! System Power 9 400W
      17,5
    • BitFenix Formula Gold 550W
      17,6
    • Sea Sonic Focus Plus Gold 550W
      22,0
  • PWR_OK-Ende bis DC_loss:
    • Inter-Tech Sama Armor 550W
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -0,7
    • Minimum
      1,0
    • EVGA B3 550W
      1,8
    • BitFenix Formula Gold 550W
      3,5
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      3,8
    • Cooler Master MasterWatt 450W
      3,9
    • Corsair TX550M
      3,9
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      3,9
    • Xilence Performance X 550W
      4,5
    • Enermax RevoBron 500W
      4,8
    • be quiet! System Power 9 400W
      5,1
    • Zalman ZM500-TX
      5,1
    • Corsair VS450 (2018)
      5,8
    • Sea Sonic Focus Plus Gold 550W
      6,2

Aber nicht nur die Stützzeit selbst ist ein relevantes Messergebnis, sondern auch der Zeitpunkt, wenn das Netzteil das PWR_OK-Signal fallen lässt, bevor die Spezifikationen der Spannungsschienen verlassen werden (DC_loss). Diese Zeit soll mindestens 1,0 ms betragen, wobei eine möglichst kurze Zeitspanne bevorzugt wird, weil dadurch die Stützzeit verlängert wird. Corsair verschenkt hier etwas an Stützzeit, weil diese Zeitspanne mit knapp 6 ms etwas länger ausfällt.

ErP Lot 6 2013 VS450 (2018)
Keine Last 0,20
45 mA auf 5 VSB 0,47
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Die EU-Energiesparrichtlinien für den Standby-Modus erfüllt das Netzteil ohne Beanstandung.

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