Grafikkarten-Tests 2019: Neue Benchmarks und mehr Transparenz zum Navi-Start

Wolfgang Andermahr 265 Kommentare
Grafikkarten-Tests 2019: Neue Benchmarks und mehr Transparenz zum Navi-Start

tl;dr: Vor AMDs neuer Navi-Generation hat ComputerBase den Grafikkarten-Testparcours mit neuen Benchmarks, Messungen und Methoden überarbeitet. Dabei zeigen sich sowohl bei den Benchmarks als auch bei den sonstigen Messungen kleinere Verschiebungen gegenüber dem alten Parcours. Für mehr Transparenz sorgen Savegames.

Der bis zuletzt von ComputerBase genutzte Grafikkarten-Testparcours hat ausgedient. Seine Basis war mittlerweile anderthalb Jahre alt. Mitte 2018 gab es für Nvidias Turing-Reihe zwar eine kleinere Aktualisierung, aber in Summe ist mittlerweile einfach zu viel passiert: Windows 10 hat sich weiterentwickelt, die Grafikkarten-Treiber von AMD und Nvidia haben sich weiterentwickelt und – am wichtigsten – es sind zahlreiche neue Spiele erschienen. Höchste Zeit also, wieder einmal ganz von vorne zu beginnen - rechtzeitig zur für das 3. Quartal angekündigten Vorstellung von AMD Navi.

Die Neuerungen im Überblick

Einer der wichtigsten Änderungen ist nicht am Testparcours selber zu finden, sondern an der Transparenz zu den Abläufen. Der Artikel Grafikkarten-Tests: Methodik, Einstellungen und Savegames wurde deshalb nicht nur aktualisiert, sondern auch umfassend erweitert, sodass die aktuell genutzte Hardware und die weiteren Tests zur Lautstärke- und Leistungsaufnahme-Messung genauer erklärt werden. Zudem gibt es für jedes einzelne Spiel erstmals die Testsequenz im Video zu sehen und, falls es das Spiel zulässt, steht darüber hinaus ein Savegame der Szene zum Download bereit.

Jeder Leser, der will, kann sich damit ab sofort einen eigenen genauen Überblick über den Benchmark schaffen, oder sein System mit den Messwerten der Redaktion abgleichen – ganz so, wie das zuletzt schon in den Community-Spiele-Benchmark-Tests der Fall gewesen ist.

Zum Testsystem in aller Kürze: Mit dem Core i9-9900K (Test) wird ein neuer Prozessor verwendet, er kommt jetzt aber ohne Übertaktung daher. Ab sofort sorgt zudem das Gehäuse Phanteks Enthoo Evolv X für die Belüftung bei den Tests. Windows 10 1903 wird mit neuen Grafikkarten-Treibern genutzt. Als Lastszenario für Lautstärke, Leistungsaufnahme und Temperatur kommen neue Spiele zum Einsatz. Bei den Frametime-Messungen wird der Schwierigkeitsgrad angezogen und von nun an das 99,8th Percentile genutzt. Und abgesehen von zwei Ausnahmen wurden sämtliche AAA-Spiele gegen neue Vertreter ihrer Art ausgetauscht.

Nvidia-GeForce-Grafikkarten im Test
Nvidia-GeForce-Grafikkarten im Test
AMD-Radeon-Grafikkarten im Test
AMD-Radeon-Grafikkarten im Test

Ab sofort wird für Grafikkarten-Tests nur noch der neue Testparcours genutzt. Auf den nachfolgenden zwei Seiten finden sich alle bisher erstellten Benchmarks und Messwerte, die für die zukünftigen Bewertungen genutzt werden.

Grafikkarten-Benchmarks in 1.920 × 1.080

Die GeForce GTX 1080, die GeForce RTX 2070 und die Radeon RX Vega 64 lassen sich sehr gut miteinander vergleichen, da alle drei Produkte in einer vergleichbaren Leistungsklasse arbeiten, mit demselben Speicherausbau daher kommen, aber auf unterschiedliche Architekturen aufsetzen. Eine Interpretation der Ergebnisse und der Vergleich zum alten Testparcours soll nachfolgend deshalb exemplarisch an diesen drei Modellen vorgenommen werden.

In 1.920 × 1.080 liefern sich die Radeon RX Vega 64 und die GeForce GTX 1080 bei den Bildern in der Sekunde ein Kopf-an-Kopf-Duell. AMD-Grafikkarte liefert schlussendlich ein Prozent mehr FPS. Die GeForce RTX 2070 ist dann sieben Prozent voraus. Das entspricht dem bisher bekannten Bild.

Die Frametimes fallen anders als die FPS aus

Bei den Frametimes ändert sich das Bild dagegen ein wenig – hervorgerufen durch das 99,8th Percentile anstatt des bis jetzt genutzten 99,0th Percentile. Bei dieser Messreihe rücken alle drei Grafikkarten näher aneinander und unterscheiden sich nur noch um drei Prozent. Die GeForce GTX 1080 liegt dabei erneut auf dem dritten Platz. Die GeForce RTX 2070 schafft es dann nur noch an die zweite Stelle und liefert drei Prozent bessere Frametimes als der Pascal-Vorgänger. Die Radeon RX Vega 64 schafft es hingegen an die Spitze, liegt aber nur weniger als ein Prozent vorne.

Die einzelnen Spiele zeigen teils enorme Ausreißer

Unabhängig von der Auflösung lohnt sich ein Blick in die einzelnen Spiele, denn dort zeigen sich teils sehr große Ausreißer, die entweder AMD- oder Nvidia-Grafikkarte bevorzugen. So sind in Anno 1800 zum Beispiel Nvidia-Grafikkarten deutlich schneller als die AMD-Pendants. Die Radeon VII schafft es gerade einmal auf das Niveau der GeForce RTX 2070. Ähnlich sieht es in Hitman 2 aus, das ebenso klar schneller mit GeForce-Beschleuniger läuft.

Genauso gibt es aber auch Spiele, die mit einer Radeon besser zurecht kommen. So funktionieren AMD-Produkte in Battlefield V sehr gut, vor allem die Frametimes sind in Full HD der Konkurrenz klar überlegen. Dasselbe gilt für Dirt Rally 2.0.

Darüber hinaus gibt es Spiele, die einen Hersteller bevorzugen, aber auch auf dem anderen noch ordentlich laufen. Dies gilt unter anderem für Just Cause 4, das auf GeForce-Grafikkarten etwas besser funktioniert, während Far Cry New Dawn gut mit Radeon-Beschleunigern arbeitet.

Grafikkarten-Benchmarks in 2.560 × 1.440

In 2.560 × 1.440 gibt es bei der Framerate nur minimale Verschiebungen. Die Radeon RX Vega 64 ist erneut ein Prozent schneller als die GeForce GTX 1080. Die GeForce RTX 2070 kann den Vorsprung dann um ein Prozent auf deren acht gegenüber der Radeon ausbauen.

Bei den Frametimes tut sich dagegen etwas mehr. Die Radeon RX Vega 64 ist bei dieser Messreihe erneut drei Prozent besser als die GeForce GTX 1080. Die GeForce RTX 2070 kann sich dann aber mit vier Prozent etwas absetzen.

Grafikkarten-Benchmarks in 3.840 × 2.160

Größere Verschiebungen gibt es in Ultra HD. Bei derart vielen zu berechnenden Pixeln liefert die Radeon RX Vega 64 im Durchschnitt fünf Prozent mehr FPS als die GeForce GTX 1080. Und die GeForce RTX 2070 verrichtet die Arbeit sieben Prozent schneller als die Radeon. Damit steigt die Differenz von der GeForce GTX 1080 zur GeForce RTX 2070 von acht Prozent (1.920 × 1.080) auf zwölf Prozent (3.840 × 2.160) an.

Auch bei den Frametimes gibt es größere Sprünge. Die Radeon RX Vega 64 kann in Ultra HD den Vorsprung zur GeForce GTX 1080 um vier Prozent ausbauen. Und die GeForce RTX 2070 macht dasselbe gegenüber dem AMD-Beschleuniger und liefert im Schnitt acht Prozent bessere Frametimes.

Neuer Testparcours gegen alter Parcours – die Unterschiede

Vergleicht man die Performanceratings des alten mit denen des neuen Testparcours, zeigen sich bei den FPS nur kleinere Unterschiede. Insbesondere Vertreter der Pascal-Generation schneiden etwas schlechter ab. So ist die Radeon RX Vega 64 im neuen Parcours durchweg ein wenig schneller als die GeForce GTX 1080, im alten Parcours galt dies nur für Ultra HD. Dass das eher an Pascal denn an Vega liegt, liegt nahe, weil sich die GeForce RTX 2070 minimal besser vom Vorgänger absetzen, während der Abstand zwischen der GeForce RTX 2070 und der Radeon RX Vega 64 ist im Schnitt dagegen quasi gleich geblieben.

Die Unterschiede zwischen dem neuen und dem alten Testparcours für FPS
Full HD
Alter Parcours
Full HD
Neuer Parcours
WQHD
Alter Parcours
WQHD
Neuer Parcours
UHD
Alter Parcours
UHD
Neuer Parcours
GeForce GTX 1080 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % 100 %
GeForce RTX 2070 107 % 108 % 108 % 109 % 109 % 112 %
Radeon RX Vega 64 98 % 101 % 101 % 101 % 103 % 105 %
FPS der GeForce GTX 1080 normiert auf 100 Prozent

Bei den Frametimes sind die Unterschiede etwas größer, wobei es die größten Abweichungen in Ultra HD gibt. Schon in den niedrigeren Auflösungen schneidet die Radeon RX Vega 64 im neuen Parcours aber leicht besser ab, bei den zwei Nvidia-Grafikkarten ändert sich quasi nichts.

In 3.840 × 2.160 zeigt sich die GeForce GTX 1080 als kleiner Verlierer, vier statt ein Prozent muss sie gegenüber der Radeon RX Vega jetzt zurückstecken. Die GeForce RTX 2070 konnte sich mit dem alten Testsystem nur um sieben Prozent absetzen. Mit dem Neuen sind es dagegen 13 Prozent. Entsprechend konnte damit die Turing-Grafikkarte auch den Abstand gegenüber Vega ausbauen.

Die Unterschiede zwischen dem neuen und dem alten Testparcours für Frametimes
Full HD
Alter Parcours
Full HD
Neuer Parcours
WQHD
Alter Parcours
WQHD
Neuer Parcours
UHD
Alter Parcours
UHD
Neuer Parcours
GeForce GTX 1080 100 % 100 % 100 % 100 % 100 % 100 %
GeForce RTX 2070 103 % 103 % 106 % 107 % 107 % 113 %
Radeon RX Vega 64 99 % 103 % 99 % 103 % 101 % 104 %
Frametimes der GeForce GTX 1080 normiert auf 100 Prozent

Esports- & Multiplayer-Spiele (Apex Legends, Fortnite und Co.) im Benchmark

Bei den gängigen Esports-Spielen sieht die „Benchmark-Welt“ wie gewohnt etwas anders als bei den AAA-Spielen aus. Bei den Frameraten halten sich die Unterschiede aber in Grenzen und unterscheiden sich nur gering. Beim Durchschnitt aus Apex Legends, Fortnite, Overwatch und Rainbow Six: Siege liefert die GeForce GTX 1080 in Full HD zwei Prozent mehr FPS als die Radeon RX Vega 64 und die GeForce RTX 2070 ist weitere acht Prozent schneller. In WQHD ist die Pascal-Grafikkarte dann fünf Prozent und die Turing-Grafikkarte weitere acht Prozent schneller als das Vega-Modell. In Ultra HD robbt sich die Radeon RX Vega 64 dann wieder an die GeForce GTX 1080 heran, deren Abstand zur GeForce RTX 2070 auf neun Prozent anwächst.

Bei den Frametimes sind die Unterschiede vergleichbar. In 1.920 × 1.080 liefert die GeForce GTX 1080 im Schnitt drei Prozent bessere Frametimes als die Radeon RX Vega 64, die GeForce RTX 2070 ist weitere sieben Prozent schneller. In 2.560 × 1.440 fallen die Messwerte ähnlich aus, in 3.840 × 2.160 gibt es dann größere Unterschiede. In der höchsten Auflösung sind die Frametimes der Radeon RX Vega 64 in den Esports-Spielen plötzlich vier Prozent besser als die der GeForce GTX 1080. Die GeForce RTX 2070 ist weitere zwölf Prozent besser. Damit arbeitet die GeForce RTX 2070 bei der Messreihe 17 Prozent schneller als die GeForce GTX 1080, was ungewöhnlich viel ist.

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