Im Test vor 15 Jahren: Die Radeon X800 XT PE war ein schneller Papiertiger

Robert McHardy 107 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Die Radeon X800 XT PE war ein schneller Papiertiger

tl;dr: Monate nach der Vorstellung der ATi Radeon 800 Pro/XT (PE) testete ComputerBase zwei Custom-Designs von Asus (Test), die mit üppigem Zubehör und hoher Leistung aufwarten konnten. Kritikpunkte blieben nur zwei: der hohe Preis und die nahezu nicht vorhandene Verfügbarkeit.

Die Radeon X800 Pro/XT (PE) als Papiertiger

ATi hatte Radeon X800 Pro und XT bereits Anfang Mai 2004 präsentiert, beide basierten auf dem R420-Chip. Die Pro hatte allerdings nur 12 Rendering-Pipelines, bei der XT waren es 16. Auch der Takt der XT lag deutlich höher. Mit dem R420 feierte zudem die Kunstfigur Ruby Premiere.

Ende Mai wurden aus zwei angekündigten dann allerdings drei Grafikkarten. Die vormals als XT präsentierte schnellste Variante wurde zur Platinum Edition („PE“). Mit etwas weniger Takt, aber immer noch 16 Rendering-Pipelines schuf ATi eine neue XT. Das größte und das kleinste Modell hatte ComputerBase dann im Juni 2004 im Test.

Modell Pipelines Takt GPU/RAM
ATi Radeon X800 Pro 12 475/450 MHz
ATi Radeon X800 XT 16 500/500 MHz
ATi Radeon X800 XT „PE“ 16 520/560 MHz

Anfang August 2004 folgte dann ein Test von „Custom-Designs“. Mit Radeon AX 800 Pro und AX 800 XT PE stellte Asus zwei Grafikkarten auf Basis der R420-GPU von ATi bereit. Der Hersteller orientierte sich dabei allerdings an den Vorgaben des Chipfertigers und setzte auf keine außergewöhnlichen Eigendesigns. Bei der Vorgängergeneration entwickelte Asus noch eigene PCBs, die aber vor allem für Kompatiblitätsprobleme sorgten. Dieses Mal war das Custom-Design also gar keins.

Stattdessen versuchte der Hersteller über das Zubehör zu punkten. Dieses beinhaltete einen DVI-auf-VGA- und einen S-Video-auf-HDTV-Adapter, je ein S-Video- und Cinch-Kabel, die Spiele Battle Engine: Aquila und Gunmetal: War Transformed, die „Games Power Compilation“, diverse Software von Asus sowie eine USB-Webcam.

In den Benchmarks konnten beide Grafikkarten die erwartete Leistung abliefern. Das bedeutete, dass die Asus Radeon AX 800 XT „PE“ sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Nvidia GeForce 6800 Ultra lieferte, während die AX 800 Pro – je nach Auflösung – ein gutes Stück langsamer als die GeForce 6800 GT und schneller als die GeForce 6800 war. Insbesondere bei Zuschaltung von Antialiasing und anisotroper Filterung konnten die ATi-Chips glänzen und etwas Leistung gutmachen. Allerdings stand der R420 wegen seiner Optimierung bei der Texturfilterung in der Kritik, insbesondere weil der Treiber die Tricks vor den gängigen Analysewerkzeugen zu verstecken wusste. Beide Hersteller griffen damals zu solchen Mitteln.

In der Praxis wurde das allerdings nur für wenige Nutzer einer Radeon X800 XT oder XT Platinum Edition zum Thema, denn selbst im August gab es den R420 mit 16 Rendering-Pipelines quasi nicht zu kaufen. Die AX 800 XT PE war faktisch überhaupt nicht erhältlich.

Das machte sich auch beim Preis bemerkbar: Die Asus AX 800 Pro kostete rund 450 Euro, während für die stärkere AX 800 XT PE satte 530 Euro ausgerufen wurden. Damit lag das kleinere Modell gleichauf mit einer GeForce 6800 GT, die in den Benchmarks aber teilweise deutlich schneller war. Der bessere Deal war damit trotzdem klar die AX 800 XT PE, die zwar teurer, aber dafür bedeutend schneller und konkurrenzfähig zu Nvidias Topmodell war. Es gab sie nur nicht.

Damals eine Seltenheit: Die X800 XT „PE“ (hier von Gigabyte)
Damals eine Seltenheit: Die X800 XT „PE“ (hier von Gigabyte)

AMD vs. Nvidia im Jahr 2019

Im Jahr 2019 findet wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen AMD und Nvidia statt. AMDs Navi-Generation mit RDNA-Architektur wurde bereits vor ihrer Vorstellung von Nvidia mit neu aufgelegten Super-Modellen gekontert. ComputerBase bietet eine Rangliste mit allen Vor- und Nachteilen der beiden Kontrahenten an.

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