5G-Netzausbau: Huawei bietet Deutschland No-Backdoor-Vertrag an

Sven Bauduin 160 Kommentare
5G-Netzausbau: Huawei bietet Deutschland No-Backdoor-Vertrag an
Bild: Huawei

Während die Debatte um 5G und den Netzausbau in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bereits im vollen Gange ist, bietet Huawei-Chef und -Gründer Ren Zhengfei der Bundesrepublik überraschend einen No-Backdoor-Vertrag an. Der chinesische Telekommunikationsausrüster will schriftliche Garantien abgeben.

Huawei bietet Deutschland Vereinbarung an

Das Unternehmen mit Sitz in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen will zusätzlich zur Offenlegung des Quellcodes vertraglich zusichern, dass es keine Hintertüren in seinen 5G-Produkten und Netzwerkkomponenten gibt. Huawei-Chef Ren Zhengfei sagte jetzt während des firmeneigenen YouTube-Streams „A Coffee With Ren“ im Hauptsitz seines Unternehmens:

Wir bieten Deutschland an, eine No-Backdoor-Vereinbarung zu unterzeichnen. Wir glauben daran, dass Deutschlands Parlament und Regierung eine Politik finden werden, die im besten Interesse ihres eigenen Volkes liegt.

Ren Zhengfei, Huawei-Chef

Zudem betonte Ren Zhengfei, dass er ausschließen könne, dass Daten aus Deutschland durch Hintertüren der 5G-Komponenten und Produkte von Huawei nach China gelangen können. Der Mann der Huawei 1987 gegründet hat, wies noch einmal jeden Verdacht auf die Existenz einer Backdoor von seinem Unternehmen zurück.

Huawei werde sich an alle Bewertungskriterien des BSI, der Bundesbehörde für Fragen der IT-Sicherheit, halten und sich an deren Richtlinien messen lassen.

Die Kanzlerin öffnet das 5G-Netz für Huawei

Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits im Februar dieses Jahres die Vorgaben für den 5G-Netzausbau und einer möglichen Beteiligung von Huawei benannt hat, berichtete Golem kürzlich darüber, dass Berlin auf Drängen des Kanzleramts auf ein Verbot der chinesischen Mobilfunk-Technik verzichtet. Koalitionspolitiker kritisieren die Entscheidung der Bundeskanzlerin.

Widerstand kommt auch aus der SPD

Großer Widerstand gegen den Erlass der Kanzlerin regt sich auch innerhalb der Regierung. So stellte die SPD in Person von Bundesaußenminister Heiko Maas in dieser Woche infrage, ob Deutschland Huawei am Aufbau seiner 5G-Netze tatsächlich beteiligen solle.

Huawei ist ein Unternehmen, das durch gesetzliche Bestimmungen, die es in China gibt, vom Staat abhängig ist und dem Staat Informationen durchleiten muss.

Bundesaußenminister Heiko Maas, SPD

Um solchen Vorbehalten von Regierungen und Kritikern aus Industrie und Wirtschaft entgegenzutreten, hat die Huawei Technologies Deutschland GmbH, die sich für den 5G-Netzausbau in Deutschland verantwortlich zeichnet, bereits im März dieses Jahres auf die Eröffnung des Huawei Cybersicherheits-Transparenzzentrum in Brüssel hingewiesen, in dem der Quellcode der Huawei-Software mittels Signatur gesichert überprüfbar und zugänglich gemacht wurde.

Das Vertrauen in Cybersicherheit ist eine der größten Herausforderungen, vor der die Welt im digitalen Zeitalter steht. Vertrauen muss auf Fakten basieren, Fakten müssen überprüfbar sein, und diese Überprüfung muss auf gemeinsamen Standards basieren.

Ken Hu, stellvertretender Vorsitzender von Huawei

Das aktuelle Anforderungsprofil des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik schließt in seiner gegenwärtigen Fassung explizit keinen Anbieter vom 5G-Netzausbau in Deutschland aus.