Moto G8 Plus im Test: Motorola macht aus vier Smartphones eins

Nicolas La Rocco 73 Kommentare
Moto G8 Plus im Test: Motorola macht aus vier Smartphones eins

tl;dr: Wo im Frühjahr noch vier Smartphones die Moto-G7-Serie bildeten, gibt es jetzt nur noch das Moto G8 Plus als Nachfolger, der alle Eigenschaften in einem Gerät kombinieren soll. Das gelingt Motorola in vielen Bereichen erstaunlich gut. Bei der gewählten Android-Version zeigt sich der Hersteller aber wenig bereit für Neues.

Die Moto-G-Serie als Inbegriff der Android-Mittelklasse geht mit dem Moto G8 Plus in die nächste Runde. Auch bei Motorola ist der Entwicklungszyklus gestrafft worden, wie der erst neun Monate zurückliegende Marktstart der Moto-G7-Serie zeigt. Das Moto G8 Plus beerbt nicht nur Moto G7 Plus, sondern auch Moto G7, Moto G7 Play und Moto G7 Power. Mit einem Smartphone will der Hersteller das gesamte Segment abdecken.

Moto G8 Plus kostet 270 Euro

Das Moto G8 Plus kostet 269,99 Euro und ist in den Farben Dunkelblau (Testgerät) und Dunkelrot verfügbar. Im Vergleich zum Moto G7 Plus ist der Preis um 30 Euro gefallen, zum normalen Moto G7 liegt der Aufpreis bei 20 Euro. Dafür gibt es einen stärkeren Prozessor, eine Quad-Kamera inklusive Time-of-Flight-Sensor, eine aufgewertete Selfie-Kamera, schnelleres LTE Advanced und WLAN sowie einen Akku mit einem Drittel höherer Nennkapazität.

Technische Daten des Moto G8 Plus

Motorola Moto G8 Plus
Motorola Moto G7 Plus
Motorola Moto G7
Software:
(bei Erscheinen)
Android 9.0
Display: 6,30 Zoll
1.080 × 2.280, 400 ppi
IPS, Gorilla Glass 3
6,20 Zoll
1.080 × 2.270, 405 ppi
LTPS, Gorilla Glass
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner
SoC: Qualcomm Snapdragon 665
4 × Kryo 260 Gold, 2,00 GHz
4 × Kryo 260 Silver, 1,80 GHz
11 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 636
4 × Kryo 260 Gold, 1,80 GHz
4 × Kryo 260 Silver, 1,60 GHz
14 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 632
4 × Kryo 250 Gold, 1,80 GHz
4 × Kryo 250 Silver, 1,80 GHz
14 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 610 Adreno 509 Adreno 506
RAM: 4.096 MB
LPDDR4X
4.096 MB
LPDDR4
4.096 MB
LPDDR3
Speicher: 64 GB (+microSD)
1. Kamera: 48,0 MP, 2160p
LED, f/1,6, AF
16,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,7, AF, OIS
12,0 MP, 2160p
LED, f/1,8, AF
2. Kamera: 5,0 MP, AF
3. Kamera: 16,0 MP, f/2,2, AF Nein
4. Kamera: Nein
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 25,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
12,0 MP
Display-Blitz
8,0 MP
Display-Blitz
2. Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced
↓600 ↑150 Mbit/s
Advanced
↓300 ↑150 Mbit/s
5G: Nein
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct
802.11 a/b/g/n
Wi-Fi Direct
Bluetooth: 5.0 LE 4.2 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, Galileo
Weitere Standards: USB 2.0 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 4.000 mAh
fest verbaut
3.000 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 75,8 × 158,4 × 9,10 mm 75,3 × 157,0 × 8,30 mm 75,3 × 157,0 × 8,00 mm
Schutzart: IP52
Gewicht: 188 g 176 g 172 g
Preis: ab 261 € 299,99 € / ab 210 € 249,99 € / ab 200 €

Aber nicht nur beim Produktportfolio stellt sich Motorola neu auf, auch in puncto Design ist das Moto G8 Plus eine Abkehr von bisher gewohnten Merkmalen, vor allem auf der Rückseite. Deren Gestaltung lässt mehr Parallelen zur neueren One-Baureihe mit vertikal verlaufender Kamera erkennen. Motorolas Batwing-Logo wird weiterhin als (guter) Fingerabdrucksensor genutzt, auch der allgemeine Aufbau aus Kunststoff für Rückseite und Rahmen ist der gleiche. Schön anzusehen ist der Farbverlauf von Dunkelblau im unteren zu Schwarz im oberen Bereich rund um die Kamera.

Das Moto G8 Plus ist ein erneut grundsolide verarbeitetes Smartphone mit gleichmäßigen Spaltmaßen, gut im Gehäuse sitzenden Tasten und dem Preis angemessener Haptik. Mit 75,8 × 158,4 × 9,10 mm (B × L × T) und 188 g ist es aber erneut etwas größer und schwerer im Vergleich zum Vorjahr geworden. Die Bedienung mit nur einer Hand dürfte deswegen für die meisten Menschen nicht infrage kommen.

Das Display wächst auf 6,3 Zoll

Für das Wachstum verantwortlich ist das von 6,2 auf 6,3 Zoll vergrößerte Display, dessen Auflösung im gleichen Zug auf 1.080 × 2.280 Pixel (400 ppi) angepasst wurde. Die zehn Pixel mehr in der Höhe nutzt Motorola, um das zuvor krumme Seitenverhältnis von 18,92:9 auf 19:9 anzupassen.

Motorolas IPS-LC-Display punktet mit einer guten Maximalhelligkeit, die sich aber nur im Automatikmodus mit entsprechender Umgebungshelligkeit abrufen lässt, sowie stabilen Blickwinkeln und gutem Kontrast dank eines niedrigen Schwarzwertes. Weniger gut gefällt der Blaustich des Panels, der bei einem Weißpunkt von 7.700 Kelvin ins Auge sticht. Auch die Einstellung der Helligkeit hätte Motorola besser umsetzen können, denn im manuellen Modus decken 5 bis 200 cd/m² die ersten 82 Prozent des Reglers ab, bevor das Panel auf den weiteren Stufen deutlich heller wird.

Einstellungen am Weißpunkt erlaubt die Software nicht, nur auf die Farbsättigung lässt sich Einfluss nehmen. Standardmäßig ist „Verstärkt“ eingestellt, was aber nicht übertrieben wirkt. Zur Auswahl stehen zudem „Natürlich“, was ein wenig blass wirkt, und „Gesättigt“, das den Look manch eines schlecht abgestimmten OLED-Displays imitiert.

Das Moto G8 Plus kommt mit Notch, in der die neue Selfie-Kamera mit 25 Megapixeln untergebracht ist. Dass sich LED-Hintergrundbeleuchtung und Notch nicht so gut vertragen wie OLED und Notch, zeigt die leichte Schattenbildung rund um die Aussparung im Bildschirm. Die selbst emittierenden Pixel haben dieses Problem nicht.

Qualcomm steuert das 11-nm-SoC bei

Hinsichtlich der weiteren technischen Ausstattung bleibt Motorola zwar Qualcomm treu, wechselt aber vom Snapdragon 632 des Moto G7 respektive Snapdragon 636 des Moto G7 Plus zum Snapdragon 665. Der erst im April dieses Jahres vorgestellte Chip kommt aus der 11-nm-Fertigung und taktet die bekannten Kryo-260-Kerne etwas höher. Außerdem ist mit der Adreno 610 eine stärkere GPU und mit dem Spectra 165 ein leistungsfähigerer ISP verbaut, der den neuen Kameraaufbau ermöglicht. Im Vergleich zum Snapdragon 632 arbeiten zudem LTE und WLAN schneller. In den Benchmarks landet das Moto G8 Plus durchweg, aber nicht eklatant weit vor dem Moto G7 Plus.

Speicherkarten werden langsam beschrieben

Die Speicherbestückung ist mit 4 GB RAM und 64 GB erweiterbarem Speicher die gleiche wie im Vorjahr. Wer den internen Speicher über eine microSD-Karte erweitert, verliert die Option des Dual-SIM-Betriebs, da es sich um einen Hybrid-Slot mit Entweder-oder-Konfiguration handelt. Die Benchmarks zum Speicher positionieren das Moto G8 Plus wenig überraschend im Mittelfeld, da Motorola weiterhin auf eMMC statt schnelleren UFS setzt. Trotz eMMC punktet das Smartphone mit vergleichsweise hohen Lese- und Schreibraten. Nur der Zugriff auf Speicherkarten ist ernüchternd, denn erneut fällt die Schreibrate weit hinter das Potenzial schneller microSD-Karten zurück.

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