Fossil Hybrid HR im Test: Kreisrundes E-Paper-Display trifft analoge Zeiger

Jan Lehmann 92 Kommentare
Fossil Hybrid HR im Test: Kreisrundes E-Paper-Display trifft analoge Zeiger

tl;dr: Die Fossil Hybrid HR bringt mit analogen Zeigern über einem vollständig kreisrunden E-Paper-Display frischen Wind in den Markt. Die ansprechende Optik wird mit guten Vitaldaten und eine erstklassige Laufzeit gepaart, stören oder fehlen werden einige Interessenten am Ende Details.

Die Fossil Hybrid HR im Überblick

Nach der Fossil Smartwatch, die unlängst in der fünften Generation aufgelegt wurde, und teilhybriden Ablegern der Q-Serie (Test) geht die Marke mit der Hybrid HR einen neuen Weg und bietet analoge Zeiger sowie ein in das Ziffernblatt eingebettetes E-Ink-Display. Gänzlich neu ist dieses Konzept nicht. Bereits 2017 war Withings mit der Steel HR (Test) Vorreiter, ehe es unter anderem von Garmin mit der Vívomove HR (Test) aufgegriffen wurde.

Update 01.01.2020 18:00 Uhr

Wie zahlreiche Nutzer inzwischen melden, wurde unlängst ein Update ausgeteilt, das es erlaubt weitere Apps der Benachrichtigungsverwaltung hinzuzufügen. Zum Testzeitpunkt war diese Möglichkeit noch nicht vorhanden.

Das Display macht den Unterschied

Ein herkömmlicher Klon ist die Fossil Hybrid HR jedoch keinesfalls, vielmehr stellt die hybride Smartwatch die nächste Evolutionsstufe des Segments dar, und das in erster Linie aufgrund des vollflächigen E-Paper-Displays. Die Nebenbuhler kommen hier mit oftmals nur wenigen Zeilen und der Anzeige von nur einem Vitalparameter daher.

Das Display füllt die komplette Innenfläche des Ziffernblattes und misst im Durchmesser etwa 27 mm. Die Fläche dient in der herkömmlichen Ansicht der Anzeige von bis zu vier Parametern, die frei wählbar sind. Beim Hintergrunddesign kann aus sieben Mustern gewählt werden.

Fossil Hybrid HR im Test: E-Paper-Display
Fossil Hybrid HR im Test: E-Paper-Display
Fossil Hybrid HR im Test: Benachrichtigungsanzeige
Fossil Hybrid HR im Test: Benachrichtigungsanzeige
Fossil Hybrid HR im Test: Benachrichtigungsanzeige
Fossil Hybrid HR im Test: Benachrichtigungsanzeige
Fossil Hybrid HR im Test: Display-Beleuchtung
Fossil Hybrid HR im Test: Display-Beleuchtung

Die Lesbarkeit des Displays ist grandios. Spiegelungen oder direkte Sonneneinstrahlungen stellen für das Display keine Herausforderung dar – hier zeigt das E-Paper-Panel seine Stärken. Auf der Schattenscheite steht dafür die monochrome und nicht gerade detailreiche Anzeige. Pixel sind zwar auszumachen, aber auch nur, wenn diese direkt gesucht werden. Schrift und Zahlen sind mühelos lesbar. Einziger, markanter Nachteil sind die Beleuchtung und die Lesbarkeit in dunkler Umgebung. Da das Panel nicht selbst leuchtet, verbaut Fossil vier kleine LEDs unter dem Ziffernblattkranz, die durch ein doppeltes Tippen auf das Uhrenglas für kurze Zeit aktiviert werden. Die Beleuchtung ist dabei etwas punktuell, genügt aber zum groben Ablesen. Dennoch wirkt diese Methode eher wie eine Behelfslösung.

Smartwatch im Detail

Äußerlich lehnt sich die Fossil Hybrid HR an das beinahe schon „Fossil-typische“ Chronographen-Design an. Der Gehäusedurchmesser beträgt 44 mm, was für ein durchschnittliches Handgelenk mit einem Umfang von etwa 18 cm gerade noch gut tragbar ist. Trotz einer Gehäusehöhe von 13 mm lässt sich die Uhr sehr gut im Alltag tragen. Erfreulich ist zudem, dass das Modell fluoreszierende Zeiger besitzt, was bei den direkten Nebenbuhlern nicht der Fall ist. Im Größenvergleich mit der Garmin Vívomove HR (Test) (43 × 11,6 mm) ist die Fossil Hybrid HR mit 44 × 13 mm nur unwesentlich größer.

Fossil Townsman (FS5585) Vergleichsbild
Fossil Townsman (FS5585) Vergleichsbild (Bild: Fossil)
Fossil Hybrid HR im Test: Größenvergleich zur Garmin Vívomove HR
Fossil Hybrid HR im Test: Größenvergleich zur Garmin Vívomove HR
Fossil Hybrid HR im Test: Größenvergleich zur Garmin Vívomove HR
Fossil Hybrid HR im Test: Größenvergleich zur Garmin Vívomove HR

Das Uhrengehäuse selbst macht einen soliden Eindruck, der jedoch etwas durch die Anzahl der verwendeten Bauteile getrübt wird. Es besteht aus vier einzelnen Bauteilen – Glasfassung, äußeres Gehäuse, Boden und Lade-Sensor-Sockel. Ob diese Umsetzung lediglich aus ästhetischen Gründen gewählt wurde, ist fraglich. Dessen ungeachtet weist das Gehäuse keinerlei Auffälligkeiten auf. Unregelmäßige Spaltmaße oder scharfe Kanten werden vergebens gesucht.

Hinsichtlich der Dichtigkeit attestiert Fossil der Uhr 3 ATM, was umgangssprachlich einer Dichtigkeit gegen Spritzwasser und somit etwa beispielsweise gegen Regentropfen entspricht. Duschen oder bereits das Händewaschen hingegen erfordert 5 ATM. Zum Schnorcheln oder Schwimmen werden 10 ATM vorausgesetzt.

Das beigelegte Silikon-Armband ist gut umgesetzt, verrutscht kaum und riecht nicht chemisch. Einziger Negativpunkt ist die Schmutzanfälligkeit. Mit einer leichten Soft-Touch-Oberfläche versehen, ist das Band ein kleiner Staubfänger.

Zwei Modelle und acht Varianten

Die Fossil Hybrid HR ist bereits zu Preisen ab 199 Euro erhältlich. Dabei bietet der Hersteller ein Herren- und ein Damenmodell an. Abgesehen vom äußeren Erscheinungsbild kommt die Damenvariante mit einem kleineren Uhrendurchmesser von 42 mm daher. Bei der Farbauswahl stehen je Modell vier Kombinationen mit Metall-, Leder- oder Silikon-Armband zur Auswahl. Die Herrenausführung (FTW7009) mit Metallglieder-Armband schlägt zudem mit einem Aufpreis von 20 Euro zu Buche.

Fossil Hybrid HR: Modellübersicht
Fossil Hybrid HR: Modellübersicht
Fossil Hybrid HR: Modellübersicht
Fossil Hybrid HR: Modellübersicht

Eher für den Alltag, weniger für den Sport

Die Fossil Hybrid HR ist nicht als Sport-Smartwatch konzipiert. Dieser Fakt wird an gleich mehreren Punkten offensichtlich. Neben den relativ großen Abmessungen bietet die Uhr nur wenige Vitalsensoren. Gibt es hier mittlerweile dutzende Sensoren, die in eine Smartwatch gepackt werden können, begnügt sich die Hybrid HR mit einem Beschleunigungs- und Herzfrequenzsensor. Aus den ermittelten Bewegungs- und Herzdaten bestimmt die Uhr aktive Minuten, verbrannte Kalorien und (sofern getragen) den Schlaf. Workouts oder Sportarten stehen nicht zur Auswahl. Gleiches gilt für eine Standortbestimmung – sei es nun eigenständig oder über das gekoppelte Smartphone.

Vielmehr zielt die Uhr auf den modebewussten Träger ab, der über grundlegende Vitaldaten (Schritte und Herzfrequenz) und eingehende Benachrichtigungen informiert werden will. Ob dies nun nachteilig ist, entscheidet der Träger und dessen Einsatzgebiet. Die direkten Nebenbuhler Steel HR/Sport und Vívomove HR bieten jedoch im Bereich Fitness und Vitaldatenanalyse wesentlich mehr Optionen.

System und App: Business as usual

Sowohl das Uhren-Betriebssystem als auch die zugehörige Smartphone-App sind äußerst schlicht und kommen ohne Schnickschnack daher. Das proprietäre Betriebssystem läuft flüssig, beschränkt sich aber auf die Sichtung der Benachrichtigungen und der Vitaldaten sowie das Steuern der Musikwiedergabe auf dem Telefon. Der Funktionsumfang unterstreicht nochmals das angestrebte Segment.

Die Smartphone-App besinnt sich ebenfalls auf das Notwendigste und ist dabei sehr übersichtlich gestaltet. Die Vitaldaten bereitet die App zunächst in Diagrammform auf. Hier kann zwischen einer Tages-, Wochen- und Monatsansicht gewechselt werden. Tabellarisch sind darunter sämtliche Daten der entsprechenden Kategorie aufgeführt. Kleines Manko: Die Diagrammansicht ist etwas zu schlicht und könnte mehr Hilfslinien und Zeitangaben gebrauchen.

Neben den Vitaldaten bietet App einzig noch die Möglichkeit, das Ziffernblatt sowie die seitlichen Schnellwahltasten frei zu belegen. Unter dem Reiter „Warnmeldungen“ kann außerdem die Verwaltung der eingehenden Benachrichtigungen vorgenommen werden. Mit 16 unterstützten Apps ist die Auswahl überaus klein. Neben iOS- und Gmail sind darunter die gängigsten Social-Media- und Instant-Messaging-Apps (Hangouts, Facebook Messenger, WhatsApp, Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat) vertreten. Weitere hinzuzufügen, ist nicht möglich. Auch funktionierte die E-Mail-Benachrichtigung unter iOS im Test nicht.

Vitaldaten und Laufzeit

Dafür, dass die Fossil Hybrid HR das Hauptaugenmerk auf ein modisch-smartes Accessoire legt, misst die Uhr die Vitaldaten überaus zuverlässig. Zunächst unerwartet, trumpft die Smartwatch in dieser Kategorie schon nahezu auf. Die 1.000 gezählten Schritte erfasst sie anstandslos, was keine Selbstverständlichkeit im Smartwatch-Segment ist.

Auch die Herzfrequenzanalyse meistert die Fossil Hybrid HR souverän. Die Messungen vor und nach dem Sport gibt die Uhr exakt wieder, wobei der Referenzwert mithilfe eines Brustgurts ermittelt wurde. Einzig während des Sports weicht das Messergebnis minimal ab. Der erfasste Wert von 124 zu 123 Schlägen kann jedoch getrost der Toleranz zugeschrieben werden.

Erstklassige Laufzeit

Bei der Laufzeit platziert sich die Hybrid HR direkt zwischen ihren beiden Kontrahenten. Fossil selbst nennt zweierlei Angaben: Auf der Präsentationsseite wird eine Laufzeit von bis zu 2 Wochen beworben, in den Produktdetails ist hingegen von 3 Wochen die Rede. Im mehrwöchigen Test zeigte sich jedoch eine durchschnittliche Laufzeit von rund 17 Tagen, also in etwa zweieinhalb Wochen. Mit leerem Akku erstarren auch die analogen Zeiger.

Laufzeitenübersicht
Fossil Hybrid HR Garmin Vívomove HR Withings Steel HR
Laufzeit rd. 17 Tage rd. 7 Tage rd. 24 Tage

Ungeachtet der verwirrenden Produktangaben ist das ein sehr guter Wert, bedenkt man vor allem, dass herkömmliche Smartwatches zumeist nur 2 bis 4 Tage durchhalten. Das Laden der Uhr erfolgt mittels eines kleinen Lade-Docks, das jedoch nicht kontaktlos lädt.

Fossil Hybrid HR im Test: Zweierlei Angaben zur Laufzeit
Fossil Hybrid HR im Test: Zweierlei Angaben zur Laufzeit
Fossil Hybrid HR im Test: Zweierlei Angaben zur Laufzeit
Fossil Hybrid HR im Test: Zweierlei Angaben zur Laufzeit
Fossil Hybrid HR im Test: Lade-Dock
Fossil Hybrid HR im Test: Lade-Dock

Fazit

Die Fossil Hybrid HR ist eine hervorragende Smartwatch, die insbesondere durch das vollflächige E-Paper-Display den hybriden Sektor ergänzt. Hinzu kommen eine sehr gute Laufzeit von über zwei Wochen und eine große Designauswahl. Die Uhr ist den direkten Nebenbuhlern um Withings und Garmin in einigen Punkten voraus, zielt jedoch auch auf eine andere Käuferschicht ab, die modische Aspekte vor Funktionsumfang stellt. Denn gerade hier tritt die Fossil Hybrid HR überaus schlicht auf. Sportliche Workouts oder Trainingseinheiten werden nicht geboten. Gleiches gilt für die verbauten Sensoren, die mit Herzfrequenzsensor und Schrittzähler äußerst spärlich ausfallen – wenngleich die erfassten Herz- und Schrittwerte nahezu auf Referenzniveau sind.

Letztlich kommt es auf den angestrebten Verwendungszweck der Uhr an. Für Sport weniger geeignet, sind es einige wenige Details, die der Fossil Hybrid HR eine Empfehlung verwehren. Als stylischer Begleiter am Handgelenk wäre eine umfangreichere Benachrichtigungsauswahl wünschenswert. Auch der LED-Beleuchtung des Ziffernblattes muss sich Fossil noch einmal annehmen, da sie aktuell eher wie eine Behelfslösung wirkt.

ComputerBase hat die Hybrid HR leihweise von Fossil zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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