C:\B_retro\Ausgabe_11\: Der Nintendo Game Boy

Sven Bauduin 117 Kommentare
C:\B_retro\Ausgabe_11\: Der Nintendo Game Boy

C:\B_retro\ wirft einen Blick zurück auf eine tragbare Spielkonsole, die für viele zum ständigen Begleiter wurde. 1989 präsentierte Nintendo seinen Handheld Game Boy, welcher sich zu einem Millionenerfolg entwickeln sollte und das mobile Gaming für immer veränderte. Doch alles begann mit einem Puzzlespiel Namens Tetris.

Jeden Sonntag wirft C:\B_retro\ einen unterhaltsamen Blick zurück auf drei Jahrzehnte voller bewegter Geschichten und die Entwicklung der Computerszene: Was geschah in den letzten 30 Jahren zwischen 1980 und 2010 in der Informationstechnik? Geschichten von Mythen, Meilensteinen und Meisterwerken: C:\B_retro\.

C:\B_retro\Ausgabe_11\

Der Nintendo Game Boy

Nachdem sich C:\B_retro\Ausgabe_10\ mit dem legendären Atari 2600 beschäftigt hat, widmet sich die erste Ausgabe im Jahr 2020 dem nicht weniger legendären Game Boy von Nintendo, den das japanische Unternehmen am 21. April 1989 in Japan und am 31. Juli 1989 in den USA vorgestellt hatte und selbstredend auch entsprechend bewarb:

C:\B_retro\Ausgabe_11\Der Nintendo Game Boy\

C:\B_retro\...\Geschichte\

Mit einem kräftigen Klicken rastet der Schalter ein. Auf dem 2,6 Zoll großen Bildschirm schiebt sich langsam der Schriftzug „Nintendo“ ins Zentrum und ein kurzer Ton erklingt. Bei vielen löst bereits diese kurze Einleitung Erinnerungen wach, an Mario und Luigi, Link und Prinzessin Zelda oder auch an herabfallende Steine und Blöcke in Tetris.

Doch bevor der Game Boy zum Symbol einer neuen Gaming-Kultur werden konnte, war es noch ein weiter Weg. Die Grundlagen für den Game Boy von 1989 legte Nintendo mit einer Serie von insgesamt 56 elektronischen LCD-Spielkonsolen, welche jeweils über ein einziges vorinstalliertes Spiel verfügten und unter dem Namen Game & Watch verkauft wurden. Die erste der Game-&-Watch-Konsolen erschien am 28. April 1980, bis Mitte der 1990er sollten sich mehr als 43 Millionen Einheiten der Handhelds verkaufen.

Game & Watch mit Mario Bros.
Game & Watch mit Mario Bros. (Bild: Wikipedia, CC BY-SA 3.0)
Game & Watch mit Fire
Game & Watch mit Fire (Bild: Wikipedia, CC BY-SA 4.0)

Auf Grundlage der Game-&-Watch-Konsolen wurde der japanische Spieleentwickler Gunpei Yokoi damit beauftragt, eine tragbare Spielekonsole zu entwickeln, die per wechselbarer Cartridge mit Spielen versorgt werden sollte.

Während die Konkurrenz von Sega und Atari mit ihren Handhelds Game Gear und Lynx Spiele bereits in Farbe darstellen konnten, als Konsequenz daraus aber auch unhandlich groß waren und nur mit kurzer Batterielaufzeit aufwarteten, entschieden sich Gunpei Yokoi und sein Team dafür, einen handlichen Handheld mit kleinem LC-Display und einer Darstellung von nur vier Graustufen zu entwickeln.

Die Rechnung ging auf und so sollten die beeindruckende Batterielaufzeit von rund 15 Stunden mit vier gewöhnlichen AA-Batterien und die kompakten Abmessungen ebenso zum weltweiten Erfolg der tragbaren Spielkonsole beitragen wie der clevere Schachzug, jedem Game Boy das Puzzlespiel Tetris des russischen Entwicklers Alexei Paschitnow mit in den Lieferumfang zu legen. Das Spiel sprach sowohl junge Leute wie auch deren Eltern und sogar Großeltern an und ist bis heute mit mehr als 30 Millionen verkauften Einheiten das erfolgreichste Spiel für den Nintendo Game Boy.

Der Game Boy wurde am 28. September 1990 auch in Europa vorgestellt und entwickelte sich zum Phänomen und Sinnbild für Videospiel. Mit dem Game Boy in der Hand eroberte Nintendo Busse, Züge, Flughäfen und nicht zuletzt Schulhöfe in aller Welt und setzte sich so an die Spitze der Konsolenhersteller und der gesamten Spieleindustrie.

Sechs Jahre lang blieb der Game Boy Classic unverändert und erfolgreich, bevor Nintendo 1995 den Game Boy Special Edition als technisch identische Neuauflage in sechs Farben und 1996 den noch einmal leichteren und ausdauernderen Game Boy Pocket präsentierte. Zudem erschien 1997 der auf dem „Pocket“ basierende Game Boy Light mit zuschaltbarer grüner Hintergrundbeleuchtung, der aber ausschließlich in Japan vertrieben wurde.

Der Game Boy Color von 1998 besaß als erste tragbare Nintendo-Spielkonsole einen Farbbildschirm und konnte aus einer Palette von 32.768 Farben 56 gleichzeitig darstellen. Technisch basiert auch der „Color“ auf dem Game Boy Classic der ursprünglichen Z80-Generation und ist zu diesem auch abwärtskompatibel.

Vom Game Boy Classic und seinen Derivaten, Special Edition, Pocket, Light und Color konnte Nintendo insgesamt fast 120 Millionen Einheiten verkaufen. Damit belegt der Handheld hinter der PlayStation 2 und dem Nintendo DS – einem seiner Erben – den dritten Platz unter den meistverkauften Spielekonsolen der Welt.

Game Boy Special Edition
Game Boy Special Edition (Bild: Wikipedia, CC BY-SA 3.0)
Game Boy Pocket
Game Boy Pocket (Bild: Wikipedia, CC BY 3.0)

C:\B_retro\...\Hardware\

Das Herzstück des Game Boy Classic stellte ein 8-Bit CMOS-Prozessor mit einer Taktfrequenz von 4,19 MHz von Sharp dar, welcher auf je 8 kB RAM und Grafikspeicher zurückgreifen konnte und mit einer Zyklusfrequenz von 2,097 MHz arbeitete.

Die vollständigen Spezifikationen des Game Boy Classic der Z80-Generation sahen von 1989 bis 1997 wie folgt aus:

  • 8-Bit CMOS-Prozessor Sharp LR35902 mit 4,19 MHz
  • 8 kB Arbeitsspeicher
  • 8 kB Grafikspeicher
  • 2,6 Zoll LCD mit 160 × 144 Pixeln und 4 Graustufen
  • 4-Kanal-Stereo-Sound + 1 externer Kanal
  • Abmessungen: 148 mm × 90 mm × 32 mm (H × B × T)
  • Gewicht: 300 g inklusive 4 AA-Batterien

C:\B_retro\...\Software\

Obwohl der Game Boy zum (Ab-)Spielen von Videospielen konzipiert wurde, ist es möglich, mit speziellen Programmen wie Carillon, LSDj und Music Box sowie Nanoloop und Pocket Music Musik auf dem Game Boy zu komponieren.

Der Game Boy Classic kann außerdem auch für einfache Mess- und Steueraufgaben eingesetzt werden, dazu müssen besondere Steckmodule gebaut und eigene Programme geschrieben werden. Zudem wurden auch einige Spezialmodule beispielsweise für das Tuning von Autos, zum Messen des Blutzuckers oder zum Steuern von Nähmaschinen kommerziell vertrieben. Heute sind solche Programme aber so gut wie nicht mehr aufzutreiben und werden von Sammlern zu horrenden Preisen gehandelt.

C:\B_retro\...\Spiele\

Zu den bekanntesten und beliebtesten Spielen für den klassischen Game Boy gehören Castlevania II: Belmont´s Revenge, Final Fantasy Legend II, Kirby´s Dream Land und Metroid 2: Samus Returns aber auch Mystic Quest und Trip World – welches heute für dreistellige Beträge gehandelt wird – sowie Nintendos eigene Perlen wie Super Mario Land, Super Mario Land 2 und The Legend of Zelda: Link’s Awakening. Nintendo Life hat eine schöne Zusammenfassung der – ihrer Meinung nach – besten Spiele für den Nintendo Game Boy veröffentlicht:

C:\B_retro\Review\

An dieser Stelle finden sich die bisherigen Themen der vorangegangenen Ausgaben von C:\B_retro\ in chronologischer Reihenfolge.

C:\B_retro\Feedback\

Was haltet ihr von C:\B_retro\ und welche Themen wünscht ihr euch in der nächsten Ausgabe? Die Redaktion freut sich über konstruktive Kritik, Lob, aber auch Vorschläge, um die neue Serie zukünftig noch stärker an den Wünschen der Leserschaft ausrichten zu können. Mit diesem Lesestoff im Gepäck wünscht die Redaktion einen erholsamen Sonntag.