Model D und DeathAdder V2 im Test: Sensorik, Software und Verarbeitung

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Fabian Vecellio del Monego 89 Kommentare

Sowohl Model D als auch DeathAdder V2 verfügen über einen Mikro-Controller und internen Speicher – gerade bei Razers Maus ist das erfreulich, da der Hersteller lange Zeit dafür bekannt war, die volle Funktionalität seiner Eingabegeräte nur bei im Hintergrund aktiver Software zu bieten. Die neue DeathAdder hingegen speichert auf Wunsch sogar die Sekundärbelegung von insgesamt vier frei erstellbaren Profilen; lediglich die RGB-Beleuchtung bedarf zur Steuerung nach wie vor Razer Synapse. Glorious' Maus sichert drei Profile autark – zwar inklusive der Beleuchtung, aber mit deutlich weniger Anpassungsmöglichkeiten bei der Funktionalität.

Sensorik in sehr gut und sehr gut mit Sternchen

Nicht sonderlich aufregend gestaltet sich der Vergleich der Sensorik beider Mäuse: Model D und DeathAdder V2 unterstützen beide eine maximale USB-Abfragerate von 1.000 Hertz, sodass die Latenz entsprechend bei einer Millisekunde liegt – zumindest dem ersten Anschein nach. Denn während die Model D auf den erprobten PixArt PMW-3360 zurückgreift, setzt Razer abermals auf den derweil exklusiven PMW-3399, der eine Synchronisation der Polling-Rate mit der internen Signalverarbeitung der Maus bietet. Konkrete Details dazu finden sich im Sensorik-Teil des Tests der Viper Ultimate, bei der der von Razer „Focus+“ getaufte Sensor erstmalig zum Einsatz kam.

An dieser Stelle sei lediglich angemerkt, dass die mit dem PMW-3399 einhergehenden Verbesserungen zwar objektiv messbar, im alltäglichen Gebrauch aber keinesfalls spürbar sind. Präziser zielen lässt sich mit der DeathAdder V2 also nicht. Das ist aber auch gar nicht nötig, da bereits der PMW-3360 eine erstklassige Leistung bietet – nach wie vor. In Diagrammen wird der Unterschied allerdings sichtbar: Zwei aufeinanderfolgende Punkte der gemessenen Bewegung liegen bei den Graphen der DeathAdder V2 vor allem an den Scheitelpunkten klar näher aneinander als bei der Model D, was eine kohärentere Bewegung des Mauszeigers zur Folge hat, die für das menschliche Auge jedoch verborgen bleibt.

Die deutlich höhere maximale Sensorauflösung des PMW-3399 indes ist dabei ebenso irrelevant wie die gesteigerte messbare Geschwindigkeit: Beides dient nur dem Marketing und findet im praktischen Gebrauch keine sinnvolle Anwendung, sofern die Windows-Mauseinstellungen nicht ad absurdum verstellt werden.

PixArt PMW-3331 PixArt PMW-3360 PixArt PMW-3389 PixArt PMW-3399 Logitech Hero 16K
Sensorik Optisch
Auflösung 100–8.500 cpi 200–12.000 cpi 100–16.000 cpi 100–20.000 cpi 100–16.000 cpi
Geschwindigkeit 7,6 m/s 6,3 m/s 10,2 m/s 16,5 m/s 10,2 m/s
Beschleunigung 343 m/s² 490 m/s² > 392 m/s²
Lift-off-Distance ~ 2,8 mm ~ 1,2 mm ~ 1,5 mm ~ 1 mm

Ein kleiner, aber spürbarer Unterschied findet sich noch bei der Lift-off-Distance: Der PMW-3360 in der Model D schneidet bereits bei rund 1,2 mm ab, während die DeathAdder V2 ungefähr 1,5 mm angehoben werden kann, bevor keine Bewegungen mehr erfasst werden. Beides bezieht sich auf die minimale Einstellung.

Software in kompakt und komplex

Auch wenn Nutzer beider Mäuse zum Betrieb keine Treiber benötigen, kann es sich dennoch lohnen, zusätzliche Software zu installieren. GPCGR und Razer bieten mit der Glorious-Model-D-Software und Razer Synapse 3 eigene Programme an, um beispielsweise die Sensorauflösung, die Tastenbelegung oder die Beleuchtung der Eingabegeräte nach Belieben zu konfigurieren.

Die beiden Programme könnten dabei gegensätzlicher kaum sein: Glorious' Software ist sehr schlank und erlaubt nur Standard-Anpassungen, während Synapse 3 mit einem Haufen überschüssiger Funktionen daherkommt, die leider nur teilweise – falls kein Bedarf besteht – bei der Installation abgewählt werden können. Doch auch die minimale Variante bietet mehr Funktionalität, wobei vor allem die mögliche Sekundärbelegung aller Tasten in Relation zur Model D positiv auffällt. Eine beliebige Taste wird dabei zum Umschalter zwischen beiden Belegungen, sodass sich beispielsweise bei gedrückter Seitentaste mit dem Mausrad die Ausgabe-Lautstärke des PCs verändern lässt, während die eigentliche Funktion erhalten bleibt.

Effektiv wartet Razers Maus also mit deutlich mehr Tasten als die Glorious-Konkurrenz auf. Diese hingegen bietet die Möglichkeit, die Konfiguration der RGB-Beleuchtung auf dem Speicher der Maus zu sichern, während die DeathAdder V2 bei beendetem Synapse stets zur RGB-Schleife übergeht – es sei denn, die Leuchtdioden wurden ganz deaktiviert. Das ist schade, da Razer grundsätzlich eine überaus komplexe Anpassung der LEDs erlaubt und Synapse 3 stets mit zahlreichen Hintergrundprozessen einhergeht, die sporadisch mitunter unverständlich viel CPU-Last erzeugen.

Falls die RGB-Beleuchtung allerdings nicht gebraucht wird – oder sich Nutzer mit der klassischen RGB-Schleife zufriedengeben – kann Synapse nach dem Einrichten der Maus beendet oder gar deinstalliert werden: Die DeathAdder V2 ist in der Lage, nahezu sämtliche Tastenaktionen autark zu sichern. Vereinzelte Ausnahmen lassen sich durch manuelle Makros meist umgehen. Die Software der Model D wird nach der Konfiguration des Eingabegeräts ebenfalls nicht mehr benötigt.

Verarbeitung auf hohem Niveau

Beide Mäuse leisten sich keine relevanten Mängel oder Fehler bei Materialwahl oder Verarbeitung, kleinere Kritikpunkte finden sich aber dennoch. So ist es bei der Model D – wie schon zuvor bei Model O(-) – möglich, die Tasten der Maus auszulösen, wenn fest gegen das Gehäuse neben den entsprechenden Knöpfen gedrückt wird. Im Alltag passiert das jedoch nie aus Versehen, wenngleich sich der Rücken der Maus recht leicht temporär eindellen lässt. Das ist höchstwahrscheinlich den Löchern geschuldet, die die Model D überdies potentiell anfälliger für Fremdkörper oder Flüssigkeiten machen.

Die DeathAdder V2 hingegen ist sehr stabil und lässt sich auch bei erhöhtem Kraftaufwand kaum eindellen. Ein erhöhtes Risiko für Verschmutzung und Abnutzung geht bei ihr jedoch mit den gummierten und im unteren Bereich rauen Seitenteilen einher. Zudem lassen sich die recht tiefen Spalten zwischen Gehäuse und Tasten schlecht reinigen. Vor allem bei den Zusatztasten hinter dem Mausrad ist das von Relevanz. An unpassenden Spaltmaßen liegt das aber nicht, denn diese sind bei beiden Mäusen akkurat. Beim Schütteln gibt lediglich die DeathAdder V2 ein auf das Mausrad zurückzuführendes Klappern von sich; bei der Model D wackelt nichts.

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