Model D und DeathAdder V2 im Test: Zwei sehr gute Mäuse, zwei klare Empfehlungen

Fabian Vecellio del Monego
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Model D und DeathAdder V2 im Test: Zwei sehr gute Mäuse, zwei klare Empfehlungen

tl;dr: Glorious Model D und Razer DeathAdder V2 stellen die neueste Generation ergonomischer Rechtshänder-Mäuse dar. Im Test brillieren beide dank sehr guter Gleiteigenschaften, präziser Sensorik und funktionaler Software. Razers Maus sammelt zudem Bonuspunkte mit optischen Schaltern und einer möglichen Sekundärbelegung.

Ungefähr zeitgleich erschienen Mitte Januar 2020 zwei interessante, Rechtshändern mit großen Händen ergonomisch schmeichelnde Gaming-Mäuse. Interessant vor allem, weil sie zu den ersten nicht symmetrischen Mäusen gehören, denen die im Laufe des letzten Jahres verstärkt angestrebten und umgesetzten Tugenden eines geringen Gewichts und verbesserter Gleiteigenschaften gemein sind. Die Model D folgt dabei auf Model O (Test) und Model O- (Test) als erst dritte Maus des noch recht jungen Herstellers Glorious PC Gaming Race, während die teurere DeathAdder V2 eine neue Iteration der insgesamt meistverkauften Razer-Maus darstellt.

Von nahezu sämtlichen zuletzt vorgestellten Mäusen des gleichen Formfaktors unterscheiden sich die beiden Eingabegeräte allerdings auch oftmals in ihrer Software-Unterstützung: Xtrfys M4 RGB (Test) vereint zwar ebenfalls eine geringe Masse mit Rechtshänder-Ergonomie, bietet aber für ihren Preis nur eine völlig unzureichende Programmierbarkeit. Die durchaus gelungene Roccat Kone Pure Ultra (Test) fühlt sich derweil vornehmlich in kleineren bis mittelgroßen Händen wohl. Klassiker wie beispielsweise Logitechs MX518 Legendary (Test) oder Microsofts Pro Intellimouse (Test) können indes bei den Gleiteigenschaften nicht mithalten.

Glorious PC Gaming Race Model D
Razer DeathAdder V2
Ergonomie: Rechtshändig
Sensor: PixArt PMW-3360
Optisch
Lift-Off-Distance: 1,5 – 3,0 mm
PixArt PMW-3399
Optisch
Lift-Off-Distance: 1,0 – 3,0 mm
Auflösung: 400 – 12.000 cpi
6 Stufen
100 – 20.000 cpi
5 Stufen
Geschwindigkeit: 6,3 m/s 16,5 m/s
Beschleunigung: 490 m/s²
USB-Abfragerate: 1.000 Hz
Primärtaster: Omron D2FC, 20 mio. Klicks Razer Optical, 70 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 6
Oberseite: 4
Linksseitig: 2
8
Oberseite: 5 Unterseite: 1
Linksseitig: 2
Sondertasten: Mausrad
cpi-Umschalter
Mausrad
cpi-Umschalter, Profil-Umschalter
Software: 10 Profile
vollständig programmierbar
Makroaufnahme
Interner Speicher: 1 Profil
5 Profile
vollständig programmierbar, Sekundärbelegung
Makroaufnahme
Interner Speicher: 5 Profile
Beleuchtung: Farbe: RGB, 1 adressierbare Zone
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
cpi-Indikator
Farbe: RGB, 2 adressierbare Zonen
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
Reaktiv, Spiele-Integration
Gehäuse:
128 × 63 × 42 mm
Hartplastik
Variante
128 × 63 × 42 mm
Hartplastik
Glanzelemente
127 × 62 × 43 mm
Hartplastik
Glanzelemente, Gummielemente
Gewicht:
68 Gramm (o. Kabel)
Variante
69 Gramm (o. Kabel)
82 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A-Kabel, 2,00 m, umwickelt USB-A-Kabel, 2,10 m, umwickelt
Preis: ab 60 € / ab 60 € / ab 60 € / ab 60 € ab 60 €

Model D und DeathAdder V2 kommt derweil zugute, dass sie – verhältnismäßig – günstig sind: Glorious' Maus kostet mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 55 Euro für die matte respektive 60 Euro für die glänzende Version kaum mehr als die immer noch als empfehlenswert zu betrachtende Model O(-). Razers Pendant liegt mit rund 80 Euro zwar klar darüber, ist aber dennoch günstiger als die vorherigen Maus-Neuvorstellungen des Herstellers.

Zwei Rechtshänder-Gehäuse mit unterschiedlichen Materialien

Model D und DeathAdder V2 sind beide groß und an die Bedienung mit der rechten Hand angepasst, wobei in beiden Fällen klar der Palm-Grip impliziert wird. Ein Claw-Grip ist mit großen Händen ebenso möglich, für einen Fingertip-Grip eignen sich die beiden Mäuse jedoch in erster Linie nicht. Insgesamt ist Razers Eingabegerät ein wenig breiter – vor allem vorne und hinten –, während Länge und Höhe recht ähnlich ausfallen. Die Model D indes orientiert sich stark an Zowies EC1-B respektive EC2-B und ist folglich geringfügig kurviger als die DeathAdder V2, deren Form Razer in Relation zur vorherigen Version – der DeathAdder Elite – nur marginal angepasst hat: Die Front der kaum subtiler geformten Maus fällt nicht mehr ganz so ausladend breit aus.

Welche Form letztendlich besser in die eigene Hand passt, ist selbstredend subjektiv – generell liegen sie aber beide gut. Objektiver lassen sich die Materialien und die Oberflächen­beschaffenheit betrachten: Bei der matten Model D setzt GPCGR erneut auf kaum spürbar raues Hartplastik und wabenförmige Löcher im Rücken, während sich Razer für eine deutlich gröbere Textur auf der Oberseite und gummierte Seitenteile entschied. Letztere sind im unteren Bereich ebenfalls von grober Beschaffenheit. Im Vergleich zur rauen Oberfläche der Viper (Test) oder Basilisk V2 (Test) fällt die Oberfläche der DeathAdder V2 abermals rauer aus, sodass der Vergleich zu Tastenkappen aus PBT-Kunststoff noch besser passt.

Demnach liegt die Model D dank ihrer Formgebung zwar sicher in der Hand, kann aber an der überwiegend konvexen rechten Seite – falls beispielsweise Schweiß ins Spiel kommt – beim Anheben ein wenig verrutschen. Razers Maus hingegen bietet eine außergewöhnlich sichere und angenehme Haptik, sodass Finger auch an der ebenfalls konvexen rechten Flanke der DeathAdder V2 stets genügend Haftung finden. Positiv anzumerken ist hierbei, dass die Gummi-Elemente nicht nur aufgeklebt, sondern in das Kunststoff-Chassis gegossen wurden, was der Haltbarkeit zuträglich ist.

Sehr gute und hervorragende Gleiteigenschaften

Der mutmaßlich spürbarste Unterschied zu älteren Mäusen ähnlicher Form und Größe findet sich bei den Gleiteigenschaften. Model D und DeathAdder V2 sind mit 68 Gramm respektive 82 Gramm nicht nur deutlich leichter, sondern bieten auch herkömmlichen Mäusen meist vielfach überlegene Kabel und Gleitfüße.

Vor allem beim Kabel sind die Unterscheide meist groß und vor allem hinsichtlich der Bedienbarkeit signifikant: Die bei Gaming-Eingabegeräten oft anzutreffenden starr umwickelten, dicken Kabel behindern im Falle einer Maus das präzise Bewegen, da sie einen unkontrollierbaren Widerstand ausüben. Im Laufe des letzten Jahres erkannten das zahlreiche Hersteller und liefern sich seitdem einen Wettstreit um das flexibelste Mauskabel. Derzeit verteidigt Endgame Gear mit der technisch makellosen zweiten Auflage der XM1 (Test) den ersten Platz, die Model D liegt jedoch dicht dahinter. Das Kabel der DeathAdder V2 ist – wie das der Vipern und Basilisken – ein wenig starrer, aber allgemein betrachtet immer noch sehr flexibel.

Als drittes Glied im Bunde beeinflussen die Gleitfüße die Gleiteigenschaften einer Maus. Sowohl GPCGR als auch Razer setzen bei den vorliegenden Eingabegeräten auf unlackierte PTFE-Skates, sodass Model D und DeathAdder V2 auf Stoffmauspads überaus geschmeidig agieren. Razers Maus besitzt zwei größere Füße, die Model D hingegen rutscht klassisch auf vier kleineren Pads. GPCGR legt dem Eingabegerät überdies zwei größere Gleitflächen bei, die nach Vorliebe des Nutzers angeklebt werden können. Alternativ lässt sich das Leben der Model D verlängern, falls die ab Werk angebrachten Füße abgerieben sind. Diese sind aber ohnehin schon dicker als die der DeathAdder V2 – Grund zur Sorge besteht also nicht.

Beide Mäuse bieten RGB-Beleuchtung

Kaum eine Gaming-Maus kommt im Jahr 2020 ohne RGB-Beleuchtung aus, so auch die Model D und die DeathAdder V2. In beiden Fällen leuchtet das Mausrad, während Razers Modell überdies eine Illumination des Logos auf dem Rücken bietet. GPCGR hingegen spendiert der Model D die von der Model O(-) bekannten Leuchtstreifen auf beiden Seiten, wobei abermals auch die Löcher im Mausrücken – und beim Anheben in der Unterseite – vereinzelt reflektiertes Licht preisgeben.

In Relation zueinander farbtreu sind die LEDs beider Mäuse, auch die Ausleuchtung fällt durchweg dicht aus. Einen Vorteil hat die DeathAdder V2 bei der Programmierung: Mausrad und Logo können getrennt voneinander beleuchtet werden, während die Leuchtdioden der Model D zu einer Zone zusammengefasst sind.

Tasten mit Unterschieden bei Qualität und Quantität

Größere Unterschiede finden sich bei den verbauten Tasten. GPCGR setzt – wie nahezu sämtliche Maushersteller – auf Omron-Schalter. Konkret kommt die Variante mit einer spezifizierten Lebenszeit von 20 Millionen Klicks zum Einsatz. Razer hingegen verbaut zumindest an linker und rechter Maustaste eine eigene Lösung, die Razer Optical Switches. Der Name verrät bereits, dass es sich um optomechanische Schalter handelt, die der Hersteller mit einer Lebenszeit von 60 Millionen Klicks bewirbt. Diese Zahlen dienen meist lediglich dem Marketing und haben kaum praktische Relevanz, doch im Falle der optischen Taster ist eine Unterscheidung durchaus gerechtfertigt.

Da anstelle klassischer Metallkontakte das Schließen einer Lichtschranke zum Auslösen führt, gibt es – zumindest der Theorie nach – keinen oder höchstens einen geringen mechanischen Verschleiß. Das führt dazu, dass die Taster nicht nur tatsächlich länger halten dürften, sondern auch ohne die Doppelklick-Problematik auskommen, die mechanische Mikroschalter früher oder später heimsucht: Aufgrund der Korrosion des leitenden Metalls reicht nach einiger Zeit der Verwendung die ab Werk konfigurierte Entprellzeit nicht mehr aus, um fluktuierende Signale abzupuffern – im Ergebnis wird ein Drücken der Taste als zwei Klicks wahrgenommen.

Die Tasten der DeathAdder V2 sind direkter und indirekter

Doch nicht nur dieses Problem umgehen die optischen Taster: Die erwähnte Entprellzeit – meist rund 2 bis 20 Millisekunden – entfällt ebenfalls vollständig, was in kürzeren Reaktionszeiten und einem Gefühl von direkteren Tastern resultiert. Da in der Praxis aber zahlreiche weitere Faktoren hinzukommen, kann daraus kein konstanter Vorteil abgeleitet werden: Allein das mechanische Herunterdrücken der Plastik-Abdeckung der eigentlichen Taster beansprucht in der Regel deutlich mehr Zeit als die Umwandlung des Drucks in ein elektrisches Signal.

Im Durchschnitt und über zahlreiche Tests hinweg beweisen sich Razers optomechanische Schalter dennoch als verhältnismäßig direkt und empirisch messbar direkter als die in der Model D verbauten chinesischen Omron-Taster – der Unterschied bleibt aber so gering, dass er kaum als Pluspunkt gewertet werden kann. Noch reaktionsschneller sind indes lediglich die japanischen, über drei statt nur zwei Kontakte angebundenen Omron-Schalter der Zaunkoenig M1K (Test) sowie die analoge Signalverarbeitung der Endgame Gear XM1.

Glorious Model D
Razer DeathAdder V2

Subjektiv angenehmer fällt indes das Klickgefühl der Model D aus: Razers Optical Switches neigen zu einem dumpfen Druckpunkt und schlanker haptischer Rückmeldung. Hinzu kommt, dass Glorious' Maus über vom Gehäuse separierte Tastenabdeckungen verfügt, während die Oberseite der DeathAdder V2 aus einem einzigen Kunststoffbauteil besteht. Folglich ist die zu bewältigende Distanz, über die die Tastenabdeckung gedrückt werden muss, bevor sie den eigentlichen Schalter berührt, bei Razers Modell spürbar größer.

Da jedoch auch die Model D den unerwünschten „Pre-travel“ bereits im geringeren Maß aufweist, wird klar, dass Razer besser einzelne Abdeckungen verwendet hätte: Im aktuellen Design findet sich an dieser Stelle ein klarer Kritikpunkt, der die niedrigere Reaktionszeit der optischen Signalerzeugung mehr als kompensiert – im negativen Sinne. Ebenfalls kritisierbar ist das recht laute Mausrad, das im Gegenzug allerdings auch ein wenig stärker gerastert ist, als das deutlich leisere Modell der Glorious-Konkurrenz. Anzumerken ist zudem, dass die DeathAdder V2 eine Taste mehr bietet: Auf dem Rücken finden sich zwei statt lediglich einer Zusatztaste.

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