Western Digital: Sammelklage wegen heimlichen SMR-Festplatten

Michael Günsch
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Western Digital: Sammelklage wegen heimlichen SMR-Festplatten
Bild: Western Digital

Große Wellen schlug der Bericht, dass der HDD-Hersteller Western Digital zum Teil die nachteilbehaftete Technik Shingled Magnetic Recording (SMR) einsetzt, ohne dies zu kennzeichnen. Auch Seagate und Toshiba müssen sich ein solches Vorgehen vorwerfen lassen. Western Digital steht nun eine Sammelklage bevor.

Alle Hersteller verheimlichten SMR-Einsatz

Mitte April war bekannt geworden, dass Western Digital in Festplatten der Serie WD Red die Technik SMR einsetzt, ohne dies anzugeben. SMR erhöht durch schindelartig überlappende Spuren die Datendichte pro Magnetscheibe (Platter), hat aber den Nachteil, dass beim Wiederbeschreiben auch angrenzende Spuren aktualisiert werden müssen. Je nach Szenario kann sich dies in massiven Leistungseinbußen bemerkbar machen, weshalb SMR-Festplatten meist nur zur Archivierung eingesetzt werden. Anwender waren auf den Einsatz von SMR bei manchen WD-Red-Modellen durch Probleme beim Wiederherstellen von RAID-Konfigurationen aufmerksam geworden.

Im Nachhinein zeigte sich, dass nicht nur weitere HDD-Serien von Western Digital sondern auch die beiden anderen Festplattenhersteller in Form von Seagate und auch Toshiba vom heimlichen Einsatz von SMR betroffen sind.

Western Digital droht Sammelklage

Western Digital hatte sich zwar um Schadensbegrenzung bemüht und damit begonnen, zumindest auf den Produktseiten klar auf die SMR-Modelle hinzuweisen. Doch droht dem Hersteller nun ein Rechtsstreit, denn die Anwaltsfirma Hattis Law hat vor einem kalifornischen Gericht Klage gegen Western Digital eingereicht. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, durch den heimlichen Einsatz der „minderwertigen SMR-Technologie“ Verbraucher getäuscht und geschädigt zu haben. Betroffene Anwender werden von Hattis Law zu einer Beteiligung an der Sammelklage aufgerufen. Folgende HDD-Modelle sind betroffen:

  • 3,5" WD Red 2 TB, 3 TB, 4 TB, 6 TB (SKUs: WD20EFAX, WD30EFAX, WD40EFAX, WD60EFAX)
  • 3,5" WD Blue 2 TB, 6 TB (SKUs: WD20EZAZ, WD60EZAZ)
  • 2,5" WD Blue 1 TB, 2 TB (SKUs: WD10SPZX, WD20SPZX)
  • 2,5" WD Black 1 TB (SKU: WD10SPSX)

Ob auch Seagate und Toshiba Klagen drohen, bleibt abzuwarten. Bei Western Digital wiegt der Fall schwerer, da explizit mit RAID-Eignung beworbene NAS-Festplatten heimlich mit SMR verkauft wurden, obwohl SMR den RAID-Einsatz einschränkt.

Leistungseinbußen können riesig sein

Was für Leistungseinbußen bei bestimmten Konfigurationen möglich sind, hat die Website Serve The Home in einem Vergleichstest zwischen WD Red mit SMR und WD Red ohne SMR demonstriert: Den Raid-Rebuild-Benchmark absolvierten CMR-basierte HDDs in weniger als 17 Stunden, bei der WD Red mit SMR dauerte der Vorgang fast 230 Stunden.

RAID-Rebuild dauert mit SMR extrem lange
RAID-Rebuild dauert mit SMR extrem lange (Bild: Serve The Home)

Die Redaktion dankt ComputerBase-Leser Stefan für den Hinweis.