LG Gram 17 im Test: Das große Comeback

Nicolas La Rocco 75 Kommentare
LG Gram 17 im Test: Das große Comeback

tl;dr: Nach der Rückkehr von Samsung will nun auch LG wieder auf dem deutschen Notebook-Markt mitmischen. Innerhalb der neuen Gram-Serie ist das Gram 17 die größte Neuvorstellung. Im Test überzeugen vor allem das 16:10-Display mit hoher Auflösung und die guten Akkulaufzeiten. Die erste Generation hat aber auch Baustellen.

Plötzlich wollen sie alle wieder auf dem Notebook-Markt mitmischen. Die Rede ist von den beiden südkoreanischen Herstellern LG und Samsung, die dem deutschen Notebook-Markt jahrelang fern geblieben sind, nur um jetzt wieder mit einer Palette an neuen Geräten um die Gunst der Käufer zu buhlen. Während Samsung mit dem ARM-basierten Galaxy Book S (Test) bereits seit ein paar Monaten ein erstes Gerät dieser Art wieder im Sortiment hat und weitere Neuvorstellungen in den kommenden Wochen folgen werden, geht LG dieser Tage mit der zur CES vorgestellten Gram-Serie an den Start.

Technische Daten im Überblick

Gram ist eine mit 14, 15 und 17 Zoll großem Bildschirm erhältliche Notebook-Serie, die eine leichte Bauweise mit dennoch vergleichsweise vielen Anschlüssen und aktueller Hardware von Intel vereint. LG setzt durchweg auf Ice Lake-U aus Intels 10-nm-Fertigung und verzichtet selbst im größten Gram 17 auf eine dedizierte Grafikkarte. Stattdessen finden mit bis zu 80 Wh relativ große Akkus Platz im Gehäuse.

Gram 14
(14Z90N‑V.AR52G)
Gram 15
(15Z90N‑V.AR55G)
Gram 17
(17Z90N‑V.AA55G)
Gram 17
(17Z90N‑V.AA77G)
CPU Intel Core i5‑1035G7 Intel Core i7‑1065G7
GPU Intel Iris Plus
RAM 8 GB DDR4-3200
(verlötet)
16 GB DDR4-3200
(verlötet)
SSD 256 GB PCIe (M.2 2280) 512 GB PCIe (M.2 2280) 1 TB PCIe (M.2 2280)
Display 14,0 Zoll, 1.920 × 1.080 Pixel, 60 Hz, IPS, glossy 15,6 Zoll, 1.920 × 1.080 Pixel, 60 Hz, IPS, glossy 17,3 Zoll, 2.560 × 1.600 Pixel, 60 Hz, IPS, glossy
Anschlüsse 1 × Thunderbolt 3, 1 × HDMI, 2 × USB 3.2 Gen 1 Typ A, 1 × 3,5-mm-Klinke, 1 × microSD, 1 × Netzteil 1 × Thunderbolt 3, 1 × HDMI, 3 × USB 3.2 Gen 1 Typ A, 1 × 3,5-mm-Klinke, 1 × microSD, 1 × Netzteil
Konnektivität Wi-Fi 6, Bluetooth 5.0
Webcam Ja
Akku 72 Wh 80 Wh
Laufzeit 18,5 Stunden 17 Stunden
Abmessungen (B × T × H) 32,26 × 21,08 × 1,78 cm 35,81 × 22,60 × 1,78 cm 38,1 × 26,16 × 1,78 cm
Gewicht 0,99 kg 1,13 kg 1,35 kg
Farbe Dark Silver
Betriebssystem Windows 10 Home (64 Bit)
Preis (UVP) 1.149 Euro 1.249 Euro 1.399 Euro
(Testgerät)
1.649 Euro
Garantie 24 Monate

Gram 14 und Gram 15 bietet LG für Privatkunden in jeweils einer Konfiguration an. Das Gram 17 gibt es in zwei Varianten, die sich hinsichtlich des Arbeitsspeichers, der SSD und dadurch letztlich auch des Preises unterscheiden. ComputerBase hat sich für den Test ganz bewusst für das Gram 17 mit der Modellnummer 17Z90N-V.AA55G entschieden, also die kleinere der beiden Ausstattungsvarianten. Zum einen werden 17 Zoll große Office-Laptops nur selten angeboten und dann auch getestet, zum anderen sollte nicht das x-te Mal ein Notebook mit dem unlängst bekannten Intel Core i7-1065G7 getestet werden.

Federleichtes Gehäuse aus Magnesium

Wer das Gram 17 auspackt und das erste Mal aus der Verpackung hebt, meint, ein Ausstellungsexemplar ohne Hardware, einen sogenannten Dummy, erwischt zu haben. Die Abmessungen von 38,1 × 26,16 × 1,78 cm (B × T × H) und der große Bildschirm wollen so gar nicht zum Gewicht von gerade einmal 1,35 kg passen. Das sind lediglich 100 g mehr als bei einem von der Redaktion für Messen und andere Auswärtstätigkeiten genutzten Dell XPS 13 (9360).

Das geringe Gewicht erreicht LG über das aus einer Magnesiumlegierung gefertigte Gehäuse. Der Werkstoff ist besonders leicht, hat aber einen unschönen Nebeneffekt: Magnesium kann sich wie Plastik anfühlen, und das ist beim Gram 17 der Fall. LG ist nicht der erste Hersteller, der mit diesem Nachteil des eigentlich hochwertigen Materials zu kämpfen hat. Toshiba (mittlerweile dynabook) fertigt Notebooks ebenfalls aus Magnesium, das sich wie Kunststoff anfühlt.

Gehäuse ist nicht verwindungssteif genug

Ärgerlicherweise wird der Qualitätseindruck zum Gram 17 zusätzlich durch ein leicht verzogenes Gehäuse weiter getrübt. Der vordere linke von insgesamt vier Standfüßen hat nicht den gleichen Anpressdruck wie die anderen auf dem Tisch und hängt ab etwa 90 Grad geöffnetem Display leicht in der Luft. Je weiter der Bildschirm aufgeklappt wird, desto stärker macht sich der Mangel bemerkbar. Im Alltag stört diese Eigenschaft, da sich beim Aufsetzen der Handballen stets ein leichtes Klappern bemerkbar macht. Zudem fällt auf, dass sich das Gehäuse einfach eindrücken und leicht verbiegen lässt.

Das Gehäuse ist grundsätzlich aber gut verarbeitet und weist geringe, gleichmäßige Spaltmaße auf. Der Gehäuseboden lässt sich abnehmen, die Schrauben versteckt LG aber hinter Abdeckungen. An der Unterseite finden sich zudem zwei Lautsprecher.

Viele Anschlüsse von modern bis nicht mehr zeitgemäß

Trotz der dünnen Bauweise bietet das Gram 17 viele Anschlüsse, aber nicht alle, die sich manch ein Nutzer vielleicht wünschen würde. Dafür gibt es auch Schnittstellen, die man in der 1.400-Euro-Klasse nicht mehr erwartet. Aber der Reihe nach. Rechts sind Ports für microSD, 3,5-mm-Klinke, zweimal USB 3.2 Gen 1 Typ (5 Gbit/s) und für ein Schloss platziert. Ein vollwertiger SD-Kartenleser hat keinen Platz gefunden. Auf der linken Seite finden Nutzer Thunderbolt 3, vollwertiges HDMI, einen weiteren USB 3.2 Gen 1 Typ A und einen frickeligen Netzteil-Anschluss für Hohlstecker. LG legt dem Notebook ein nicht mehr zeitgemäßes Netzteil mit proprietärem Hohlstecker anstelle von modernem USB Typ C bei. Für Ethernet wird ein Adapter von USB Typ C auf RJ45 mitgeliefert.

Tastatur mit Ziffernblock

Aufgeklappt offenbart das Gram 17 ein aufgrund des Trends zum Sub-Notebook immer seltener anzutreffendes Ausstattungsmerkmal: einen Ziffernblock, den vor allem Anwender schätzen werden, die häufig viele Zahlen eingeben müssen. Das NumPad hat sich im Testzeitraum mehrfach positiv beim Ausrechnen verschiedener Messwerte bemerkbar gemacht. Wer das Feature auf der Desktop-Tastatur des Öfteren benötigt, wird es schnell auch am Notebook zu schätzen wissen.

Die Tastatur links daneben weist ein beinahe normales Layout auf, hat aber zwei Besonderheiten zu bieten. Zum einen kommt die Eingabetaste lediglich mit halber Höhe, also reduziert auf eine Tastenreihe. So richtig daran gewöhnen wollten sich die Finger im gesamten Testzeitraum nicht. Zu klein fällt zudem die linke Shift-Taste aus, die zusätzlich viel zu nah an der Taste für die Vergleichszeichen liegt. Es sind die einzigen beiden Tasten der gesamten Tastatur, die LG aus welchen Gründen auch immer ohne Unterbrechung direkt nebeneinander legt. Das Tippgefühl im Allgemeinen fällt durchschnittlich gut aus. Die einzelnen Tasten sitzen zwar stabil im Gehäuse, wirken vom Anschlag her aber etwas zu weich und versinken zu tief im Gehäuse, sodass die Fingerspitze immer mal wieder an der Kante zum Gehäuse kratzt. Pluspunkt: Im Power-Button oben rechts sitzt ein schneller Fingerabdrucksensor.

Das Touchpad wirkt nur auf den ersten Blick relativ klein, was an den großen Abmessungen des Gehäuses liegt. Mit 12 × 7,8 cm ist das Touchpad aber so groß wie beim aktuellen Huawei MateBook X Pro (Test) und spürbar größer als die 11,5 × 6,1 cm des Samsung Galaxy Book S. Neben der Größe passen auch die Gleiteigenschaften, denn Finger gleiten angenehm widerstandsfrei über die Fläche, sodass sich verschiedene Windows-Gesten mit bis zu vier Fingern einfach ausführen lassen.

Nicht so gut gefällt das Klickgefühl, denn das Touchpad sinkt analog zur Tastatur tief in das Gehäuse ein, sodass Finger am leicht scharfkantigen Gehäuserahmen entlangfahren. Der qualitative Gesamteindruck zum Touchpad fällt eher durchwachsen aus.

17,3-Zoll-Display im 16:10-Format

„Holla, die Waldfee“ heißt es hingegen beim Blick auf das angenehm große und nicht zum Sehschlitz verkommene Display. Denn mit 17,3 Zoll spielt das Gram 17 in einer vollständig anderen Liga als die zuletzt getesteten Office-Notebooks der 13- und 14-Zoll-Klasse. Im Büroalltag machte sich immer wieder positiv bemerkbar, wie angenehm das Plus an Fläche ist. Das gilt vor allem für die Nutzung von zwei nebeneinander positionierten Apps, deren Inhalt leichter abgelesen werden kann.

LG hat sich zudem exklusiv für das Gram 17 zur Nutzung des 16:10-Formats entschieden und dieses mit 2.560 × 1.600 Pixeln umgesetzt, anstatt auf die häufig übliche Full-HD- oder 1440p-Auflösung zu setzen. So stehen beinahe doppelt so viele Pixel auf gleicher Fläche zur Verfügung. Außerdem ist das Plus an Bildschirmhöhe im Office-Alltag praktisch, da stets etwas weniger gescrollt werden muss.

Für das IPS-Panel wurde im Test aus neun Messfeldern eine durchschnittliche Maximalhelligkeit von 381 cd/m² ermittelt, mit der LG im oberen Mittelfeld landet. Etwas mehr wäre wünschenswert gewesen, da der Hersteller ärgerlicherweise auf eine glänzende Display-Beschichtung setzt, die angesichts des Verzichts auf Touch nicht notwendig gewesen wäre und je nach Lichteinfall zu unschönen Reflexionen führt. Im Gegenzug profitieren davon aber subjektiv Farben und Kontrast. Letzterer liegt mit 1.472:1 auf üblichem, aber gutem IPS-Niveau.

Die Farbtemperatur des Weißpunktes beträgt beim Testgerät standardmäßig gut kalibrierte 6.600 Kelvin, sodass Weiß weder in Richtung Blau noch Rot verfälscht wird. Wer möchte, kann über die Control-Center-App von LG manuell Einfluss auf den Wert nehmen, wobei dort nicht mit Zahlen, sondern den Angaben „wärmer“ und „kälter“ gearbeitet wird. In der Praxis reicht die Spanne des Displays von bläulichen 8.300 Kelvin bis hin zu rötlichen 4.900 Kelvin.

Enttäuschende Lautsprecher

So gut das Gram 17 visuell abschneidet, so enttäuschend sind die Lautsprecher. Wenn auf dem großen Bildschirm Filme oder YouTube-Videos abgespielt werden, will die Klangkulisse so gar nicht zum visuellen Eindruck passen. Bereits ab mittlerer Lautstärke scheppern die Lautsprecher, verzerren den Ton und klingen noch dazu in allen Tonlagen von tief bis hoch dumpf. Filme guckt man auf dem Gram 17 besser über Kopfhörer.

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