EarFun UBoom im Test: Der Lautsprecher, der es lieber leise mag

Michael Schäfer 17 Kommentare
EarFun UBoom im Test: Der Lautsprecher, der es lieber leise mag

tl;dr: Der UBoom von EarFun überzeugt mit guter Verarbeitung, langer Laufzeit, hoher Reichweite und einem für die Größe des Bluetooth-Lautsprechers ordentlichen Klang sowie einer Stereo-Set-Funktion bei einem attraktiven Preis. Der reduzierte Bass bei hoher Lautstärke mindert den zunächst positiven Eindruck jedoch.

Design und Verarbeitung

Die Verarbeitung des UBoom hinterlässt für den geforderten Preis von 60 Euro einen guten Eindruck. Mit der schlichten Gestaltung als nach oben enger zusammenlaufende Röhre ähnelt der Lautsprecher des hierzulande noch recht unbekannten Herstellers auf den ersten Blick stark dem SoundCore Flare 2 von Anker (Test), auch wenn dem aktuellen Testaspiranten der LED-Ring und die damit verbundenen Lichtspiele fehlen.

Die schwarze Stoffummantelung sieht nicht nur schick aus, sondern sorgt auch für eine gute Griffigkeit. Damit lässt sich der Lautsprecher gut halten, der mit 585 g auch ähnlich schwer ausfällt wie der Flare 2. Für außerhäusliche Aktivitäten lässt sich der UBoom über die Akzent setzende gelbe Schlaufe am oberen Ring auch mittels eines Karabinerhakens einfach an eine Gürtelschlaufe oder einen Rucksack anbringen. Der nach IPX7 zertifizierte Lautsprecher ist dabei nicht nur gegen Wasser und Staub geschützt, sondern kann, zumindest theoretisch, auch zum Badespaß „in“ den Baggersee mitgenommen werden – ob das den anderen Badegästen gefallen wird, steht auf einem anderen Blatt. Ein zeitweiliges Untertauchen wird ihn aber nicht zu Schaden kommen lassen.

Die gummierte Unterseite samt niedrigem Schwerpunkt sorgt bei dem 166,5 x 88 mm großen UBoom auch auf feuchten Untergründen und bei hoher Lautstärke für einen sicheren Stand. Die Bedienelemente sind auf der Oberseite ebenfalls durch eine Gummifläche geschützt. Diese neigt jedoch dazu, einmal eingefangenen Staub nur schwer wieder freizugeben. Darüber hinaus hätten die einzelnen Symbole etwas stärker heraustreten können, für eine Bedienung im Dunkeln sind sie in ihrer jetzigen Form nur schwer zu ertasten. An dieser Stelle hätte auch ein Aufleuchten der Bedienelemente geholfen, doch lediglich der mittig angebrachte Ein-/Ausschalter wird blau unterlegt und dient gleichzeitig zur Ausgabe diverser Statusmeldungen.

Über die gummierte Oberfläche lässt sich der Lautsprecher gut bedienen
Über die gummierte Oberfläche lässt sich der Lautsprecher gut bedienen

Externe Quellen und großer Akku

Hinter der rückseitigen und manchmal etwas schwer zu öffnenden Lasche verbergen sich der 3,5 mm große Klinkenstecker, mit dem auch externe Quellen eingespeist werden können, sowie der USB-C-Anschluss, über den der über eine Kapazität von 4.400 mAh verfügende Energiespeicher des UBoom nach 16 Stunden Spielzeit in 4 Stunden wieder aufgeladen sein soll. Über einen Slot für Speicherkarten zur von einem Quellgerät unabhängigen Wiedergabe von Inhalten verfügt der Proband dagegen nicht.

Klang

Laut EarFun soll der UBoom für kräftige Bässe und klare Höhen sorgen. Dass solche vollmundigen Versprechen gerade bei Lautsprechern dieser Größe und dieses Volumens mit Vorsicht zu genießen sind, sollte klar sein. Dennoch macht der Lautsprecher, so viel sei bereits vorweggenommen, in Sachen Klang keine schlechte Figur.

Die Kombination aus zwei Einheiten, die sich aus einem unten angebrachten Treiber mit 45 mm Größe sowie einem darüber positionierten Passivradiator zusammensetzen und die links und rechts im Gehäuse eingelassen sind, sollen den Ton mit einer Leistung von maximal 24 Watt in 360 Grad rundum wiedergeben. Bauartbedingt ist ein Stereo-Effekt daher nur zu vernehmen, wenn der Hörer den Kopf direkt vor das Gerät hält.

Mit der Schlaufe setzt EarFun nicht nur Farbakzente, sondern auch eine Halterungsmöglichkeit
Mit der Schlaufe setzt EarFun nicht nur Farbakzente, sondern auch eine Halterungsmöglichkeit

Lautsprecher der leisen Töne

Erfreulich ist zudem, dass der UBoom sich beim Ein- und Ausschalten mit einem recht dezenten Ton meldet. Somit ist nicht die Gefahr wie bei manch anderem Lautsprecher gegeben, dass nach dem abendlichen Hören im Bett beim automatischen Ausschalten des Schallverteilungsapparates die halbe Familie wieder hellwach ist. Dennoch wäre es zu begrüßen, wenn Hersteller auf diese klangliche Untermalung gänzlich verzichten würden.

Laut EarFun verfügt der UBoom über einen Frequenzgang von 70 Hz bis 20 kHz. Bei einer mittleren Lautstärke werden die Höhen klar wiedergegeben und auch der Bass überzeugt bei der Größe des Lautsprechers, könnte aber je nach gehörter Musikrichtung gerne auch etwas dominanter ausfallen. Dies lässt sich jedoch leicht über einen Equalizer anpassen.

Nicht für Feiern gemacht

Auf einen Schreibtisch oder den heimischen Nachttisch gestellt, eignet sich der Klanggeber gut als dezenter Zuspieler, der für eine stimmige Hintergrundbeschallung sorgen kann. Dass es auch anders geht, kann der UBoom schnell unter Beweis stellen. Dabei neigt der Lautsprecher selbst bei hoher Lautstärke kaum zu Verzerrungen, die integrierte DSP-Einheit regelt dabei jedoch die tiefen Töne teilweise so weit herunter, das die Wiedergabe sehr höhenlastig und bassarm ausfällt. Dadurch wird schnell deutlich, dass die Stärke des UBoom nicht im Krach, sondern in der Beschallung bei geringer bis mittlerer, also Zimmerlautstärke liegt. Die Grenzen sind eng gesteckt, womit sich der Proband nicht für die Beschallung einer Feier eignet.

Während andere Hersteller ihre Lautsprecher mit einer zusätzlichen Bassverstärkung versehen, geht EarFun mit der Outdoor-Funktion den entgegengesetzten Weg. Mit der Methode werden tiefere Frequenzen nicht angehoben, sondern abgesenkt, sodass ein neutraleres Klangbild entsteht. Diese Funktion besitzt sicherlich ihren Vorteil, aber die Wahl zwischen einem Boost und einer Minderung wäre für den Nutzer der bessere Weg gewesen.

Der UBoom von EarFun lässt sich vielfach einsetzen
Der UBoom von EarFun lässt sich vielfach einsetzen

Aus eins mach zwei

Sind zwei Lautsprecher vorhanden, können diese mittels der als „True Wireless Stereo“ bezeichneten Funktion zu einem Stereo-Set gekoppelt werden. Dies funktioniert erfreulicherweise auch, wenn die Quelle per Kabel eingespeist wird. Generell werden durch das Feature die klanglichen Aspekte deutlich erweitert. Auf einen kompletten Raum gesehen, ist die Leistung der Lautsprecher in der Hinsicht jedoch auch mit einem Paar weiterhin zu gering. Am Schreibtisch erzeugt das Stereo-Bild mit einem größeren Volumen dagegen eine hörbar stärkere Räumlichkeit.

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