C:\B_retro\Ausgabe_42\: Microsoft Windows 3.1

Sven Bauduin 241 Kommentare
C:\B_retro\Ausgabe_42\: Microsoft Windows 3.1
Bild: Microsoft

tl;dr: Am 6. April 1992 veröffentlichte Microsoft sein Betriebssystem Windows 3.1, das genau genommen nur eine Benutzeroberfläche für das eigentliche Betriebssystem vom Typ MS-DOS und diverse andere PC-kompatible DOS-Derivate war. Windows 3.1 hat seinerzeit Neuerungen wie TrueType und Drag’n’Drop für die breite Masse etabliert.

Jeden Sonntag wirft diese Serie einen unterhaltsamen Blick zurück auf drei Jahrzehnte voller bewegter Geschichten und interessanten Entwicklungen der Computerszene. Mythen, Meilensteine und Meisterwerke: C:\B_retro\.

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Microsoft Windows 3.1 (1992)

Als Microsoft am 6. April 1992 mit Windows 3.1 den Nachfolger des rund zwei Jahre zuvor erschienenen Windows 3.0 vorstellte, war das heutige Betriebssystem aus Redmond noch eine sogenannte „grafische Betriebssystemerweiterung“ und wurde erstmals auch als Update für eine direkte Vorgängerversion veröffentlicht.

Wie sein Vorgänger Windows 3.0 basiert auch Windows 3.1 technisch noch auf der Linie Windows 1.0 bis 2.11 und erhielt mit Windows 3.1 für Workgroups, Windows 3.11 sowie Windows 3.11 für Workgroups mehrere kleine Treiber- und Funktionsupdates.

Zuletzt erschien mit Windows 3.2 auch eine aktualisierte und leicht angepasste Auflage für die Volksrepublik China.

ComputerBase-Leser und Community-Mitglied „andi_sco“, der auch der Initiator des „Retro-Hardware Bilder-Threads“ im ComputerBase-Forum ist, hat speziell für diese Ausgabe von C:\B_retro\ ein Stop-Motion-Video zum Thema Windows 3.1 produziert.

Dieser und weitere Stop-Motion-Filme finden sich auf dem YouTube-Kanal des ComputerBase-Lesers, für dessen Unterstützung sich die Redaktion an dieser Stelle ganz herzlich bedankt. Auf seinem Kanal finden sich weitere interessante und handgemachte Videos zu den Themen Retro, der legendären Grafikschmiede 3dfx und dem Intel 80186. Wer sich für Technik aber auch Alltagsthemen sowie Stop-Motion interessiert, sollte unbedingt mal reinschauen.

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Multimedia, TrueType, Drag'n'Drop und die Registry

Im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger hatte Windows 3.1 einige Neuerungen zu bieten und führte Funktionen ein, die noch heute als Standard für moderne Betriebssysteme angesehen werden.

Zuallererst übernahm Windows 3.1 die standardmäßige Multimediaunterstützung, die zuvor nur das wenig verbreitete Windows 3.0 mit Multimedia Extensions 1.0 bot, das seinerseits wiederum auf dem fehlerbereinigten Windows 3.00a vom Oktober 1991 basierte. Damit einher gingen gleichsam höhere Farbtiefen bis zu 32 Bit und Bildschirmauflösungen.

Die Multimediaerweiterung von Windows 3.1 umfasste folgende Features:

  • Medienwiedergabe; zum Abspielen von WAVE- und MIDI-Dateien.
  • Sound Recorder; zum Aufnehmen von Tonspuren im WAVE-Format.
  • Einen CD-Player; zum Abspielen von handelsüblichen Audio-CDs.
  • Eine erweiterte Uhr, die zu programmierten Zeitpunkten Signale abspielen kann.
  • Bildschirmschoner; zu den bekanntesten zählt „Starfield“, der vorbeihuschende Sterne bei einem Flug durch das All simuliert.

Der auf Retro-Inhalte und Bildschirmschoner spezialisierte YouTube-Kanal „ The Best Classic & Retro Screensavers“ hat auch den bekannten Bildschirmschoner „Starfield“ in 4K im Angebot.

Außerdem führte „Janus“, so der Codename des Betriebssystems, während der Entwicklung den von Apple entwickelten Standard TrueType für Schriftarten unter Windows ein, der seit dieser Zeit auch unter macOS und – als FreeType – auch in freien Betriebssystemen wie Linux, Unix und OpenBSD zum Einsatz kommt.

Windows 3.1 war zudem das erste Betriebssystem aus dem Hause Microsoft, welches das Kopieren und Verschieben von Dateien mit Hilfe von Ziehen und Ablegen, dem sogenannten Drag'n'Drop, durch das Bewegen grafischer Elemente ermöglichte – eine heute nicht mehr wegzudenkende Funktion.

Eine ebenfalls elementare Neuerung von Windows 3.1 war die Einführung der damals wegweisenden Windows-Registrierungsdatenbank, der „Registry“. In dieser wurden ab diesem Zeitpunkt sowohl Informationen zu Windows selbst als auch zu allen installierten Programmen gespeichert, eine Aufgabe, die zuvor von unzähligen Konfigurationsdateien (INI-Dateien) im Verzeichnis der jeweiligen Anwendung übernommen wurde.

Auch wenn die Registry bereits entsprechend mächtig war, wurde sie in Windows 3.1 noch ausschließlich dafür genutzt, Dateinamenserweiterungen und Windows-Einstellungen zu speichern – die INI-Dateien lebten noch bis zur Einführung von Windows 95 und Windows NT 4.0 weiter.

Windows 3.1 und dessen Derivate wie Windows 3.1 und 3.11 für Workgroups waren auch für ihre Erweiterungen bekannt, so ist die Win32s-Schnittstelle für Windows 3.1x eines der wichtigsten Add-ons seiner Zeit und erlaubte das Ausführen von 32-Bit-Anwendungen auf dem 16-Bit-Windows.

Die Installation des Betriebssystems erfolgte je nach Version über 5,25- oder 3,5-Zoll Disketten und dauerte verglichen mit heutigen Installationsprozessen eine kleine Ewigkeit.

Installationsroutine von Windows 3.1
Installationsroutine von Windows 3.1 (Bild: Winhistory.de)

286, 640 kB Arbeitsspeicher und 8 MB auf der Festplatte

Da der sogenannte „Real Mode“, der noch in der Vorgängerversion Windows 3.0 enthalten war und 8086/8088-Prozessoren unterstützte, nicht mehr zur Verfügung stand, verlangte Windows 3.1 mindestens einen 80286-Prozessor und belegte installiert auf der Festplatte mindestens 8 MB Speicherplatz, was in der heutigen Zeit wohl für den ein oder anderen Lacher sorgen dürfte.

Die offiziellen Systemvoraussetzungen für Microsoft Windows 3.1 sahen am 6. April 1992 wie folgt aus:

Minimale Systemanforderungen
  • MS-DOS Betriebssystem Version 3.1 oder höher (MS-DOS Version 5.0 empfohlen)
  • Personalcomputer mit einem 80286-Mikroprozessor oder höher (80386SX oder höher empfohlen)
  • 640 kB konventioneller Speicher sowie 256 kB Erweiterungsspeicher (80286-Prozessor 1024 kB Erweiterungsspeicher empfohlen; 80386-Prozessor: 2048 kB Erweiterungsspeicher empfohlen
  • 5,25-Zoll- oder 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk und eine Festplatte mit mindestens 8 MB freiem Speicher (10,5 MB empfohlen)
  • EGA, VGA, Super-VGA, XGA, 8514/A, Hercules-Grafikkarte oder kompatible Grafikkarte und Monitor (VGA-Farbmonitor empfohlen)
Empfohle Systemanforderungen
  • Microsoft Mouse oder kompatibles Zeigegerät
  • Hayes oder kompatibles Modem
  • Soundkarte
  • CD-ROM-Laufwerk
  • MCI-Gerät für Multimedia-Ausgaben

Mit einem Intel 80386 (oder höher) mit mindestens 33 MHz Taktfrequenz, 2 bis 4 MB Arbeitsspeicher und Multimedia-Komponenten wie einem CD-ROM-Laufwerk und einer 16-Bit-Soundkarte konnten Anwender Windows 3.1 bereits gut ausreizen und im vollen Funktionsumfang nutzen. Die Website Winhistory.de hält eine große Sammlung authentischer Retail-Verpackungen bereit – so auch zu Windows 3.1.

Windows 3.1 (3.11), Windows 95, Windows 98 und Windows Me waren die letzten „Betriebssysteme“ von Microsoft, die noch auf MS-DOS aufsetzten, bevor mit Windows XP eine neue Zeitrechnung beginnen sollte – doch mit welcher Version haben die ComputerBase-Leser ihre „Windows-Karriere“ begonnen?

Das erste Windows der ComputerBase-Leser

Mit welchem Windows hast du zuerst gearbeitet?
  • Windows 1.x
    1,4 %
  • Windows 2.x
    1,7 %
  • Windows 3.0
    8,1 %
  • Windows 3.1x
    53,0 %
  • Windows 95
    23,2 %
  • Windows 98
    7,9 %
  • Windows me
    1,0 %
  • Windows NT 3.x
    0,1 %
  • Windows NT 4.x
    0,0 %
  • Windows 2000
    0,5 %
  • Windows XP
    2,6 %
  • Windows Vista
    0,1 %
  • Windows 7
    0,1 %
  • Windows 8.x
    0,0 %
  • Windows 10
    0,3 %

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