Gigabyte Aorus RGB Memory im Test: DDR4-4400C19 mit Hynix DJR übertaktet

Manuel Prislan 50 Kommentare
Gigabyte Aorus RGB Memory im Test: DDR4-4400C19 mit Hynix DJR übertaktet

tl;dr: RAM kann man übertakten oder gleich ab Werk mit sehr hohen Taktraten und guten Timings kaufen. Ein Beispiel ist Gigabytes Aorus RGB Memory DDR4-4400 mit Hynix-DJR-Speicherchips. Im Test zeigt sich, dass Speicher an der absoluten Leistungsspitze nicht grundlos nur eine Randerscheinung ist.

Spezifikationen und Details zum RAM-Kit

Das Testmuster besteht aus zwei Riegeln zu je 8 GB im Single-Rank-Design. Spezifiziert sind die Timings mit 19-26-26-46 bei DDR4-4400 und einer Spannung von 1,50 Volt. Im Handel ist das Kit derzeit noch nicht in Deutschland verfügbar, in der Schweiz liegt es mit knapp 170 Euro bei dem laut Hersteller zu erwartenden Marktpreis.

Technische Eckdaten

Gigabyte setzt bei DDR4-4400 und einer CAS-Latenz von 19 Zyklen auf Hynix-DJR-Speicherchips, die aufgrund der Taktfreudigkeit auch bei Übertaktern derzeit hoch im Kurs stehen.

Technische Daten
Produktcode GP-ARS16G44
Produktseite Gigabyte
Taktfrequenz DDR4-4400
Größe 16 GB – 2 × 8 GB
Timings 19-26-26-46
Spannung 1,50 Volt
Speicherchip Hynix DJR
Aufbau Single Rank
Garantie Lebenslang
Bandbreite PC4-35200
Thermal-Sensor Ja
Modulhöhe 39,8 mm
Preis ca. 170 Euro

RGB und Steuerung der Beleuchtung

Für die Steuerung der Beleuchtung muss die vom Hersteller vorgesehene Software RGB Fusion installiert werden. Asus Aura Sync erkannte keine Module. Weitere Software wie MSI Mystic Light wurde nicht getestet.

Die Modulbauhöhe fällt mit knapp 4 cm überschaubar aus. Die dezente RGB-Beleuchtung mit Milchglas-Optik leuchtet angenehm und wirkt nicht überladen.

Die einzelnen Elemente, auch Beschleunigung und Helligkeit, werden mittels RGB Fusion einwandfrei angesteuert.

Testergebnisse

Für die Leistungsmessung wurde das nachfolgende System verwendet. Das eingesetzte Windows 10 in Version 20H2 war auf dem aktuellen Stand. Alle verfügbaren Sicherheits-Updates waren aktiv. Das System wurde darüber hinaus mit dem neuesten AMD-Chipsatztreiber versehen.

  • AMD Ryzen 5 3600
  • Noctua NH-D15 chromax.black
  • Asus ROG Strix B550-I Gaming (0805)
  • MSI GeForce RTX 2080 Super Gaming X Trio (452.06 WHQL)
  • Samsung SSD 960 EVO 500 GB (M.2, NVMe), Crucial MX500 500 GB (SATA, SSD)
  • Windows 10 Pro (20H2)

Übersicht der verwendeten RAM-Profile:

Für die Benchmarks wurde zusätzlich ein XMP-Profil mit DDR4-3200CL16 erstellt. Haupt-, Subtimings sowie Widerstände können komfortabel mit dem Open Source Programm „ZenTimings“ ausgelesen werden.

Overclocking

Ein großer Vorteil von Hynix-DJR-Speicherchips gegenüber Samsung-B-Die-Speicherchips liegt an einer geringeren Auslastung des Speichercontrollers. Damit harmonieren – neben Micron-E-Die-Speicherchips – Hynix-CJR/DJR-Module sehr gut mit der AM4-Plattform von AMD.

Die typischen Schwächen der Hynix-DJR-Module liegen beim „Row Address to Column Address Delay“ (tRCD; bei AMD in „read“ und „write“ aufgeteilt) – damit ist die minimale Anzahl von Taktzyklen, die zwischen dem Öffnen einer Speicherzelle und dem Zugriff auf die Spalten innerhalb des Speichers erforderlich sind, gemeint. Zusätzlich gesellt sich die „Row Precharge Time“ (tRP), die für die Mindestanzahl von Taktzyklen, die zwischen der Ausgabe des Vorladebefehls und dem Öffnen der nächsten Zeile erforderlich sind, zu den bereits bekannten Schwächen von Hynix-DJR-Speicherchips. Eine Skalierung über höhere Spannungen (DRAM-Voltage) ist hier nicht von Vorteil.

Vorteile haben die Module bei der „Refresh Cycle Time“ (tRFC) – die kurz im Test von Samsung-B-Die-Speicherchips näher erläutert wurde. Für Hynix-DJR-Speicherchips sind Werte von 240 ns möglich. Damit setzen sich die Module auch von den mittlerweile weit verbreiteten Micron-E-Die-Speicherchips ab, die bei einem Wert von 300 ns liegen.

Es folgt eine kleine Übersicht der tRFC-Skalierung bei verschiedenen Speicherchips (Angaben in ns):

tRFC-Liste
tRFC-Liste

Das zur Verfügung gestellte RAM-Kit erreichte auf dem Testsystem DDR4-3800 (Fclk: 1.900 MHz) und eine CAS-Latency von 16. Die maximal erzielten Werte mit einer RAM-Spannung von 1,50 V lagen bei DDR4-4400 (Fclk: 1.900 MHz) und einer CAS-Latency von 18 sowie bei DDR4-4600 (Fclk: 1.900 MHz) und einer CAS-Latency von 20. Dank der weniger straffen Haupt- und Subtimings gegenüber Samsung-B-Die-Speicherchips war ein Booten mit DDR4-4800 möglich, ohne die Spannungen der SoC-Voltage erhöhen zu müssen.

Bei DDR4-4400 und einer RAM-Spannung von 1,50 V wurden die Module zusätzlich einem Stresstest ohne aktive Kühlung für 60 Minuten unterzogen (Aida64 – Stress CPU/FPU/Cache/System memory). Auch Temperaturen um 57 °C riefen keine Instabilität hervor.

Synthetische Benchmarks

Im „Cache and Memory Benchmark“ von Aida64 setzt sich der Schreibdurchsatz am besten im synchronen Betrieb ab. Der Kopierdurchsatz hingegen profitiert ordentlich von Taktraten wie DDR4-4400 beziehungsweise DDR4-4600. In SiSoft Sandra hingegen behaupten sich höhere Taktraten auch ohne synchronen Betrieb und setzen sich nach oben ab.

Bei den Latenzspeicher-Benchmarks hingegen ist die Straflatenz eines asynchronen Betriebes schnell erkennbar.

Spiele-Benchmarks

Neben synthetischen Tests wurden Spiele-Benchmarks in der nicht mehr alltäglichen Auflösung von 720p durchgeführt. Eine Verschiebung von CPU auf GPU während der Benchmarks wird damit verhindert. Somit handelt es sich um einen reinen CPU-/RAM-Test, der die Skalierung und Vorteile von RAM-OC in limitierenden CPU-Szenen aufzeigt.

Für den Benchmark-Parcours wurde auf das zuletzt vorgestellte Spiel Troy: A Total War Saga (Test) gesetzt. Aufgrund des starken CPU-Limits des Titels wurden die Benchmarks in diesem Fall ebenfalls in einer Auflösung von 1080p sowie 1440p durchgeführt.

Testsequenzen und Einstellungen

Für Troy: A Total War Saga wurde auf die im oben erwähnten Artikel verwendete Testsequenz zurückgegriffen. Es wurden jeweils drei Läufe pro Taktprofil und Auflösung durchgeführt.

Auflösung Detailstufe
1.280 × 720 Ultra-Preset, Schatten „Extrem“, Wolken „Mittel“, Gras „Extrem“
1.920 × 1.080 Ultra-Preset, Schatten „Extrem“, Wolken „Mittel“, Gras „Extrem“
2560 × 1440 Ultra-Preset, Schatten „Extrem“, Wolken „Mittel“, Gras „Extrem“
Troy: A Total War Saga – Grafikeinstellungen
Troy: A Total War Saga – Grafikeinstellungen

Der Benchmark zeigt, dass auch in höheren Auflösungen bis 1440p keine Änderung des CPU-Limits zu sehen ist. Eine Verschiebung des Limits von CPU auf GPU ist somit nicht gegeben. Die durchschnittliche Auslastung der im Testsystem verbauten GPU liegt in einer Auflösung von 1440p bei 75 %. Das Spiel lechzt förmlich nach mehr CPU-Kernen, auch höher synchron laufender RAM-Takt könnte das Limit weiter nach hinten verschieben.

Fazit

Die RAM-Module von Gigabyte mit verbauten Hynix-DJR-Speicherchips heben sich von den mittlerweile weit verbreiteten Micron-E-Die-Speicherchips bei der tRFC gut ab und bieten ein solides Übertaktungspotential. Die Speicherchips würden eine gute Alternative zu Samsung-B-Die-Speicherchips ergeben, wenn für höher getaktete Module nicht ein so hoher Preis ausgerufen werden würde.

Für den ausgerufenen Preis von 164 Euro ist ein RAM-Kit mit 2 × 16 GB eindeutig die bessere Wahl. Nicht nur der erhöhte Kopierdurchsatz mit 32 GB hilft, auch die Spiele und Anwendungen profitieren immer mehr von üppigem Arbeitsspeicher. Darüber hinaus ist es auf der AM4-Plattform abzuraten, auf höher getaktete RAM-Module zu setzen und diese im XMP-Profil laufen zu lassen. Hier, wie in den Benchmarks auch ersichtlich, sind Module mit einer Taktstufe von DDR4-3200 bereits ausreichend.

Der Spiele-Benchmark zeigt gut auf, dass ein starkes CPU-Limit auch weiterhin in höheren Auflösungen bestehen bleiben kann und man nach wie vor von optimierten Haupt- sowie Subtimings im synchronen Betrieb profitiert. Damit erübrigen sich Diskussionen über CPU-/RAM-Benchmarks in einer nicht mehr alltäglichen Auflösung von 720p. In 720p ist eine Verschiebung des Limits von CPU auf GPU verhinderbar und eine Skalierung gut ersichtlich – dieses Limit kann auch in höheren Auflösungen bestehen bleiben. Wenn jemand wissen will, was das System, unabhängig von der GPU, in der Lage ist zu liefern, sollte auf einen CPU-/RAM-Benchmark mit einer Auflösung in 720p setzen.

Die im Testsystem verbaute CPU kommt im Spiele-Benchmark schlicht an ihre Grenzen. Der üppige L3-Cache, straffe Timings und hohe Taktraten können die fehlenden Kerne nicht ersetzen. Das verbaute Mainboard Asus B550-I Gaming schlägt sich hingegen sehr gut und kann, ohne den Speichercontroller ans Limit zu bringen, DDR4-4800 booten und zumindest DDR4-4733 (Fclk: 1.900 MHz) mit einer CAS-Latency von 22 ist wahrscheinlich mit hohem Aufwand stabil zu bekommen.

DDR4-4733: OC-Versuch
DDR4-4733: OC-Versuch

Hilfestellung aus der Community

Eine umfassende Übersicht, ausreichende Erklärungen, regelmäßige Updates und die richtigen Kaufempfehlungen für viele Anwendungsfälle finden interessierte Leser jederzeit im RAM-Ratgeber auf ComputerBase.

Details zu hohen Taktraten sowie Hilfestellungen zum Thema RAM-OC stehen in der AMD Ryzen – RAM OC Community zur Verfügung. Wie es bei Intel Core mit den Vorteilen von RAM-OC aussieht, klärt wiederum der Thread RAM-Overclocking und Auswirkungen auf Spiele bei Intel-CPUs.

ComputerBase hat die Gigabyte Aorus RGB Memory DDR4-4400 19-26-26-46 leihweise vom Hersteller zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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