Serious Sam 4 im Test: GPU-Benchmarks, Frametimes, Spielkritik und Fazit

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Wolfgang Andermahr et al.
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Vulkan steht klar über DirectX 11 und DirectX 12

Vulkan ist in Serious Sam 4 die API der Wahl. Sowohl auf einer GeForce GTX 1080 als auch auf einer GeForce RTX 2070 Super, Radeon RX Vega 64 und Radeon RX 5700 XT zeigt Vulkan deutlich bessere Performance-Werte als DirectX 11 und DirectX 12. Letztgenannte API zeigt sich dabei von ihrer schwächsten Seite und läuft in dem Spiel nur gleich schnell wie DirectX 11. Das Potenzial von DX12 ist aber genauso hoch wie das von Vulkan – hier muss Croteam mehr Arbeit in die Umsetzung stecken. Hinzu kommt, dass die Radeon RX Vega 64 unter DirectX 12 sofort abstürzt. Das Problem zeigt sich aber nur auf Vega-GPUs.

Vulkan bietet dann ein deutlich Leistungsplus. Die GeForce RTX 2070 Super läuft mit Vulkan in 1.920 × 1.080 bei den Durchschnitts-FPS um 28 Prozent und bei den Perzentil-FPS um 15 Prozent schneller als mit DirectX 11, in 3.840 × 2.160 sind es 15 und 13 Prozent. Sowohl im CPU- als auch im GPU-Limit agiert die Low-Level-API damit schneller, denn in Full HD schafft es DirectX 11 anders als Vulkan nicht mehr, die GPU auszulasten.

RDNA gewinnt mit Vulkan weniger, ist aber mit DX11 schneller als Nvidia

Die Radeon RX 5700 XT legt mit Vulkan in Full HD um 9 und 1 Prozent gegenüber DirectX 11 zu und in Ultra HD um 7 Prozent bei den Durchschnitts-FPS, während die Perzentil-FPS um 2 Prozent langsamer sind. Die AMD-Grafikkarte mit der RDNA-Architektur arbeitet unter DirectX 11 also deutlich schneller als die GeForce RTX 2070 Super und profitiert damit durch Vulkan deutlich weniger als der Nvidia-Beschleuniger.

Ähnlich sieht dies bei der alten Generation aus. Die Radeon RX Vega 64 profitiert in Full HD um 14 und 5 Prozent durch Vulkan, in Ultra HD sind es nur 2 und 4 Prozent. Die GeForce GTX 1080 legt dagegen um satte 37 sowie 18 und 25 Prozent zu.

Vulkan ist aber nicht perfekt

Vulkan ist deutlich schneller als die anderen APIs, aber nicht perfekt. Kommt man im Spiel in neue Regionen, hakt das Spiel bei der Low-Level-API immer mal wieder. Das liegt vermutlich daran, dass der Shader-Cache nicht vorab erstellt wird, sondern dies während des Spielens geschieht. Mit DirectX 12 zeigt sich dasselbe Verhalten, während DirectX 11 das Problem nicht hat. Trotzdem hält es die Redaktion für sinnvoller, diese Ruckler kurzzeitig in Kauf zu nehmen – der allgemeine Leistungsgewinn ist dies wert.

Grafikkarten-Benchmarks in Full HD, WQHD und Ultra HD

60 FPS gibt es in Serious Sam 4 mal nicht eben so. Auch 50 FPS zu erreichen, ist nicht einfach. Natürlich lässt sich die Grafikqualität weiter reduzieren (oder noch erhöhen), doch geht dies sichtbar auf Kosten der Optik. Eine aktuelle Einsteiger-Grafikkarte wie die GeForce GTX 1650 Super oder Radeon RX 5500 XT ist für die Detailstufe „Ultra“ jedoch selbst in Full HD deutlich zu langsam. 4 GB Speicher sind schlicht zu wenig für das Spiel, für hübsche Texturen müssen es in Full HD mindestens 6 GB sein. 60 Bilder pro Sekunde gibt es erst mit einer GeForce GTX 1080 oder Radeon RX Vega 64.

In höheren Auflösungen steigen die Anforderungen dann weiter an. Für 2.560 × 1.440 sollte es mindestens eine Radeon RX 5700 XT, GeForce RTX 2070 Super oder eine GeForce RTX 1080 Ti sein und für 3.840 × 2.160 auch bei reduzierter Detailstufe eine GeForce RTX 2080 Super oder besser gleich eine GeForce RTX 3080.

AMD-Grafikkarten sind in Serious Sam 4 gut unterwegs. So ist die Radeon RX 5700 XT in 2.560 × 1.440 nur 1 Prozent langsamer als die GeForce RTX 2070 Super, in AAA-Spielen sind es gewöhnlich 8 Prozent. Zudem ist die Radeon RX Vega 64 6 Prozent flotter als die GeForce GTX 1080, die normalerweise um 2 Prozent die Nase vorn hat.

Ob alt oder neu, spielt keine Rolle

Im Generationenvergleich untereinander hält sich Serious Sam 4 erstaunlich genau am Durchschnitt. So ist die GeForce RTX 2070 Super mit Turing in dem First-Person-Shooter 34 Prozent schneller als die GeForce GTX 1080 mit Pascal und kommt damit exakt auf den AAA-Durchschnitt. Die GeForce RTX 3080 mit der neuen Ampere-Architektur arbeitet in Serious Sam 4 derweil 26 Prozent schneller als die GeForce RTX 2080 Ti. Auch das ist sehr nahe am Schnitt dran, der bei 28 Prozent liegt.

Die Radeon RX 5700 XT mit RDNA ist derweil 26 Prozent flotter als die Radeon RX Vega 64 mit GCN, was ein knappes Prozent mehr als der Durchschnitt ist. Bei dem letzten Vergleich muss aber angemerkt werden, dass die Radeon RX 5700 XT ihren Vorsprung in Ultra HD auf 34 Prozent ausbauen kann. Dasselbe gilt übrigens für die GeForce RTX 3080, die dann plötzlich 35 Prozent schneller als die GeForce RTX 2080 Ti ist.

Die Frametimes sind etwas unrund

Serious Sam 4 hat etwas unrunde Frametimes. Unabhängig von der Grafikkarte zeigen sich teils etwas größere Abstände zwischen den einzelnen Frames, was trotz ausreichender Framerate zu einem unrunden Spielgefühl führen kann. Ein großes Problem ist das aber nicht, denn große Ausreißer gibt es keine. Jedoch ist es ratsam, auch in fordernden Sequenzen mindestens 60 FPS zu erreichen, sonst fühlt sich der First-Person-Shooter unrund an.

Serious Sam 4 – Frametimes, 2.560 × 1.440 010203040 012345678910111213141516171819202122232425Sekunden  Nvidia GeForce GTX 1080  AMD Radeon RX Vega 64  AMD Radeon RX 5700 XT  Nvidia GeForce RTX 2070 Super

Wie gut ist Serious Sam 4?

Serious Sam steht für Dauerfeuer-Shooter mit riesigen Gegnermengen. Teil 4 ist umstritten, und zwar genau deshalb: Nicht weil das Spiel grundsätzlich schlecht wäre, sondern weil es im Prinzip alt ist. Sehr alt.

Wie Serious Sam 4 funktioniert, bringt The Sixth Axis am besten auf den Punkt: „Schieße auf Tausende von Gegner in einer Serie von Arenen.“ Gemeint ist der vierte Teil, es könnte aber genauso gut der erste sein – kein Wunder, dass die Seite die geringe Anzahl an Innovationen als einzigen Kritikpunkt listet. Diese wenigen Worte bringen auf den Punkt, was Serious Sam ausmacht, und offenbaren damit auch, warum der aktuelle Ableger ernüchternde Wertungen erfährt. Es ist im Grunde dasselbe Spiel, das 2001 erstmals erschien und schon damals vielleicht nicht archaisch, aber zumindest in Ansätzen retro wirkte.

Nicht umsonst erwähnen PC Gamer und IGN in aller Deutlichkeit, dass Serious Sam nicht den Geist der Urversion aufgreife, sondern eben dieses Spiel sei. Das ist zunächst einmal nicht schlecht, stellt es doch, wie Destructoid anmerkt, eine erfrischende Abwechslung zum Service- und Loot-Shooter dar. Diese Einschätzung untermauern Kernkompetenzen, denn das abgedrehte Gegnerdesign sowie die eindeutig unterscheidbaren Rollen und die akustische Differenzierung werden in jedem Test gelobt. Selbiges gilt für das intensive Gameplay, das mit Horden von Gegnern als adrenalintreibend empfunden wird. Es fehle aber an Abwechslung, schreibt 4Players. IGN fehlt es hingegen an Tiefe, GameSpot an Abwechslung im Pacing. Das Spiel kenne nur den Modus von Daueraction mit Dauerfeuer mit maximaler Intensität, es beherrsche nur diesen einen Trick.

Dass die Story keine Rolle spielt, Animationen hölzern wirken und PC Games die Suche nach Geheimnissen als sinnlos und Ladezeiten als störend lang empfindet, erscheint bei einem solchen Konzept am Ende als Detail. Sie können, wie manche Elemente der Präsentation, bei PCGamesN sogar Trash-Charme evozieren, werden von anderen Testern hingegen als nicht zeitgemäß beurteilt. Erwartbar geteilte Meinungen provoziert der Humor: Er wird bei Testern recht gleichmäßig verteilt als negativer wie positiver Punkt gesehen. Flache Witze scheinen nicht jedermanns Sache, lediglich die aufgegriffenen Stereotypen verfehlen für PC Games recht deutlich den Geist der Zeit. PC Gamer vermisst hier einen Gegenwartsbezug. Nicht zünden kann der Koop-Modus. Er macht das Spiel im Regelfall, etwa für GameStar, spaßiger, leidet aber an technischen Problemen und Designentscheidungen, die IGN und 4Players benennen.

Ob Serious Sam 4 gut ankommt, scheint am Ende stark davon abzuhängen, ob ein einfach gestrickter Dauerfeuer-Shooter mit simplem Flachwitz-Humor den Geschmack trifft oder einfach positive Erinnerungen aus der eigenen Jugend weckt. Dass die Wertungen eher niedrig liegen, hat dann einen einfachen Grund: Die Zielgruppe für diese Art Spiel ist weniger die breite Masse. Mittelprächtige Wertungen scheinen dabei Warnung wie Werbung zugleich.

Wertungsüberblick für Serious Sam 4
Publikation Wertung
4Players 60/100
Destructoid 7.5/10
GameSpot 7/10
GameStar 79/100
IGN 5/10
PC Gamer 71/100
PC Games 7/10
PC Games N 8/10
The Sixth Axis 8/10
Metacritic (PC) Presse: 68/100
Nutzer: 7.2/10 (~166 Wertungen)

Fazit

Serious Sam 4 ist zwar kein Hit, aber durchaus ein ordentliches Spiel geworden, das vor allem Fans der Serie anspricht. Die Technik der PC-Version ist dagegen eine Stufe darunter anzutreffen, denn man merkt an zahlreichen Stellen, dass Croteam ein recht kleines Entwicklerteam mit begrenzten finanziellen Ressourcen ist.

So ist die Grafik keinesfalls mehr als Durchschnitt und wirkt teilweise schlicht altbacken. Darüber trösten zwar einige durchaus hübsche Sequenzen und die vielen Gegnermassen hinweg, aber das Spiel wirkt irgendwie so, als hätten die Entwickler mehr gewollt. Anstatt drei APIs zu unterstützen, die teils nicht ordentlich laufen, wäre es sinnvoller gewesen, es bei einer einzelnen Low-Level-API zu belassen. Und das schier riesige Grafikmenü noch deutlich über „Ultra“ schrauben zu können, ist ebenso wenig sinnvoll.

Serious Sam 4 im Technik-Test

Die Anforderungen an die Grafikkarte sind sehr hoch

Denn schon für Ultra-Details muss es eine flotte Grafikkarte der Mittelklasse sein, wohlgemerkt für Full HD. Für höhere Auflösungen wird dann schnell ein High-End-Modell benötigt, für Full HD muss die Optik weiter sichtbar zurückgeschraubt werden. Und die maximalen Details sehen dann kaum besser aus als die Ultra-Stufe, doch sinkt die Performance weiter deutlich. Das passt einfach nicht so richtig zusammen. Wer Serious Sam 4 spielen möchte, sollte sich über die mittelmäßige Technik im Klaren sein. Das Spiel selbst ist dagegen für Fans der Serie eine Empfehlung wert.

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