Corsair MP400 4 TB im Test: Benchmarks, Temperaturen und Fazit

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Michael Günsch et al.
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Benchmarks

Testsystem

Die nachfolgenden Benchmarks wurden auf einem System mit AMD Ryzen 7 3800X (Test) durchgeführt. M.2-SSDs werden im oberen M.2-Slot des Gigabyte Aorus X570 Master betrieben. Für Belüftung sorgen der 140-mm-Lüfter in der Front des Gehäuses Phanteks Eclipse P400S sowie AMDs Boxed-Kühler „Wraith“. Windows 10 Version 1909 mit allen aktuellen Updates ist installiert. Der Schreibcache ist aktiviert.

Als Ausnahme von dieser Regel wurde die Samsung Portable X5 SSD an einem Razer Blade 15 2018 mit Intel Core i7-8750H betrieben (Windows 10 1909), das im Gegensatz zum AMD-System über einen Thunderbolt-3-Anschluss verfügt. Der Schreibcache war auch hier aktiviert.

CrystalDiskMark

Die Corsair MP400 kann der MP510 trotz des langsameren QLC-Speichers in diesem Benchmark mehr als nur Paroli bieten. Hier steht allerdings auch immer der SLC-Modus zur Verfügung. Generell besitzt die 4-TB-Version einen Vorteil gegenüber der MP510 mit nur 1 TB, da Schreibanfragen auf mehr Chips verteilt werden können.

Kopiervorgänge im Explorer

Im Kopiertest erweist sich die MP400 als flott, es werden aber auch maximal 390 GB an Daten auf das Laufwerk geschrieben. Sie werden auf die leere 4-TB-Version vollständig im SLC-Modus (mit 1 TB maximal groß) mit nur 1 Bit pro Zelle geschrieben. Erst nach dem Ende des Schreibvorgangs beginnt das Laufwerk mit der Konsolidierung auf 4 Bit pro Zelle. Das ist auch in diesem Fall gut anhand der Laufwerkstemperatur nachvollziehbar, die lange nach Abschluss des Kopiervorgangs im Explorer noch an der 70-°C-Grenze kratzt. Werden mehr als 1 TB Daten auf das leere 4-TB-Laufwerk geschrieben, sinkt die Schreibleistung wiederum auf 80 bis maximal 200 MB/s ab.

Erst nach 1 TB wird der QLC mit 4 Bit beschrieben, die Leistung bricht ein
Erst nach 1 TB wird der QLC mit 4 Bit beschrieben, die Leistung bricht ein

Nicht in diesem Artikel aufgeführt werden können die Messwerte aus den Kopiertests. Mit der Samsung SSD 980 Pro wurde als Quelle und Senke für die MP400 eine vom bisherigen Prozess abweichende SSD verwendet, was die Ergebnisse der klassischen Kopiertests leider verfälscht hat – das fiel jedoch erst nach dem Rückversand des Musters auf. Durch Anpassungen in der Testmethodik wurde mittlerweile sichergestellt, dass das in Zukunft nicht mehr passieren kann: Kopier-Tests werden mit einer RAM-Disk als Quelle und Senke durchgeführt.

Leistungsbeständigkeit im PCMark 10

Erst unter Dauerlast zeigt sich, wie langsam der QLC-Speicher ohne Schützenhilfe vom SLC-Cache wirklich ist. Im Consistency-Test des PCMark 10 fällt die MP400 auf das Niveau der SATA-SSD Patriot P210 zurück, die hier für ihre Klasse sogar sehr schlecht abschneidet. Die Crucial MX500 ist trotz SATA mehr als doppelt so schnell und die MP510 mit TLC zieht um die MP400 mit QLC Kreise.

Der zweite Testabschnitt „Performance Light“ fordert die SSDs weniger stark und profitiert auch vom SLC-Modus der MP400, sodass diese hier deutlich besser agiert und nahezu an die MP510 herankommt.

Leistung und Temperaturen über die Zeit

Ohne Kühler erreicht die MP400 schon nach rund einer Minute kontinuierlichem Lesen und weniger als 50 Sekunden kontinuierlichem Schreiben die Marke von 70 °C, woraufhin der Überhitzungsschutz greift und die Transferrate gedrosselt wird. Mit Kühler (des Aorus X570 Master) verschiebt sich der Zeitpunkt bis zur Drosselung deutlich, sodass über mehrere Minuten die volle Leistung erreicht wird. Ohne Drosselung kommt sie aber weiterhin nicht aus.

Fazit

Die Testergebnisse der Corsair MP400 mit 4 TB spiegeln den Blick ins Datenblatt wider, denn in den Standard-Benchmarks erreicht der Proband mit QLC mindestens die Leistung des Schwestermodells MP510 mit TLC und ist oft sogar schneller, was aber auch an der größeren Speichermenge des Testmusters liegt.

Erst wenn der MP400 der verfügbare Speicherplatz für den SLC-Modus (1 statt 4 Bit werden je Zelle geschrieben) ausgeht, bricht die Leistung erwartungsgemäß ein: Dann müssen Daten direkt im langsamen QLC-Modus gespeichert werden, selbst SATA-SSDs mit TLC sind in diesem Fall zügiger unterwegs. Mit 1 TB bietet die MP400 mit 4 TB allerdings so lange den SLC-Modus an, wie es technisch möglich ist (dann sind alle QLC-Zellen mit 1 Bit beschrieben).

Für Dauerlast sollte die MP400 zudem mit einem Kühler betrieben werden, sonst stand die volle Leistung im Test nur für maximal eine Minute zur Verfügung. Der vergleichsweise kleine DRAM-Cache machte sich im Test hingegen nicht negativ bemerkbar.

Die MP400 mit 4 TB liefert unterm Strich bei kleinen Transfers eine Leistung, die sich nicht hinter PCIe-3.0-x4-SSDs mit TLC-Speicher verstecken muss. Erst bei hohem Füllstand und unter Dauerlast kommt die Schwäche des QLC-Flash in Form einer sehr niedrigen Schreibgeschwindigkeit zum Tragen. Für die selten geschriebene Daten- oder Spielesammlung eignet sich die MP400 somit gut, für Poweruser mit hoher kontinuierlicher Schreiblast ist sie hingegen keine gute Wahl. Die 800 TB TBW erweisen sich bei dieser Speichergröße als vergleichsweise wenig. Im Garantiezeitraum von fünf Jahren sind damit aber immerhin rund 438 GB geschriebene Daten pro Tag erlaubt.

Das 4-TB-Modell kostet mit aktuell rund 550 Euro zwar deutlich mehr als 4-TB-SSDs mit SATA-Schnittstelle, die schon für unter 400 Euro zu haben sind, liefert aber auch einen höheren Durchsatz. Mit der gerade erst erschienenen MP600 Core macht Corsair der MP400 jedoch selbst Konkurrenz: Diese nutzt ebenfalls QLC-NAND und bietet dank PCIe 4.0, besserem Controller und mehr DRAM potenziell mehr Leistung, die allerdings nochmals 80 Euro mehr kostet.

ComputerBase hat die MP400 leihweise von Corsair zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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